Slade Lassiter - Folge 2181
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-5694-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sie nannten ihn Deathblade
E-Book, Deutsch, Band 2181, 64 Seiten
Reihe: Lassiter
ISBN: 978-3-8387-5694-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Bei einem Überfall auf seine Farm verliert Earl Conrad seine gesamte Familie. Den Mördern gelingt unbehelligt die Flucht.
Das Verbrechen scheint längst vergessen, als es in Holbrook, Arizona zu einer Serie von blutigen Anschlägen kommt. Da der Mörder ein Messer als Tatwaffe benutzt, bringt ihm das schnell den Namen Deathblade ein.
Sämtliche Opfer sind ehrenwerte Bürger der Stadt, bei denen keiner ahnt, dass sie ein dunkles Geheimnis miteinander teilen. Als Tracy Baxter ebenfalls ins Visier des Killers gerät, zögert Lassiter nicht, seiner schönen Bekannten beizustehen. Doch auch deren Freundin Jenny hat sich auf die Jagd nach dem Verbrecher gemacht - ohne zu ahnen, dass es nur wenige gibt, die eine Begegnung mit Deathblade überlebt haben.
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»Mein Gott … Billy!« Susan rannte ihrem Jüngsten hinterher. Doch draußen musste sie erkennen, dass ihre Warnung zu spät gekommen war. Billy lag mit dem Gesicht nach unten ausgestreckt auf der Veranda. Unter seinem Körper sickerte Blut hervor. Die Lache auf den noch neuen Holzbrettern wurde mit jeder Sekunde größer.
»Nein!«
Das Entsetzen der Farmerin entlud sich in einem gellenden Schrei. Sie warf sich neben ihrem Sohn auf die Knie. Als sie ihn umdrehte und seinen Kopf in ihren Schoß bettete, hatte Billys Herz bereits zu schlagen aufgehört.
»Ihr elenden Schweine!«, brüllte sie die fünf maskierten Reiter an, die sich im letzten Licht der Abenddämmerung vor dem Haus aufgebaut hatten. »Warum habt ihr das getan?«
»Hier ist kein Platz für euch«, entgegnete der mittlere Besucher. Die Schrotflinte in seinen Händen war noch immer auf den Eingang gerichtet. Seine vier Begleiter nickten zustimmend.
»Aber … er war doch noch ein Kind.« Susan Conrad streichelte das Gesicht ihres Sohnes, als würde er nur schlafen.
Ein anderer Reiter spuckte unter dem Halstuch hindurch ein Stück Kautabak zu Boden. »Ungeziefer muss man bekämpfen, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Sonst wird man es nie los.«
»Das ist doch Wahnsinn.« Susans Stimme war kaum mehr als ein heiseres Krächzen. »Ihr habt meinen Sohn umgebracht. Der Sheriff wird euch an den Galgen bringen!«
»Das glaube ich kaum«, entgegnete der Kerl hämisch. »Denn es wird niemanden geben, der uns verpfeifen könnte.«
Die Farmerin starrte ihn entsetzt an, als sie begriff, was seine Worte bedeuteten. Der Überfall hatte nur einen einzigen Zweck: ihre Familie auszulöschen. Für Billy gab es keine Rettung mehr. Aber was konnte sie tun, um wenigstens Mary und Rob das Schicksal ihres jüngeren Bruders zu ersparen? In Susans Schädel begannen die Gedanken wild zu kreisen, auf der Suche nach einer Lösung.
»Wo ist dein Mann?«, wollte einer der Maskierten wissen.
»Auf der Jagd«, behauptete die Farmerin spontan. »Zusammen mit den anderen Kindern.«
»Soll das heißen, du bist allein?«
Susan Conrad nickte. Die Angst, die wie eine Lawine über sie hineinbrach, schnürte ihr die Kehle zu. Wenn die fünf Kerle herausfanden, dass sie gelogen hatte, wäre dies das Todesurteil für Mary und Rob. Der Gedanke daran brachte sie fast um den Verstand. Um das zu verhindern, war sie bereit, jedes Opfer zu bringen. In einem stummen Gebet leistete sie einen feierlichen Schwur.
Zunächst schien es, als hätte ihr stilles Flehen tatsächlich Gehör gefunden.
»Ich hatte gehofft, wir würden das komplette Rattenpack hier antreffen«, knurrte einer der Männer. »Was machen wir jetzt?«
»Ich hab keine Lust hier Wurzeln zu schlagen«, sagte der Tabakkauer. »Wenn Conrad zurückkommt, wird er schnell kapieren, dass er schleunigst von hier verschwinden sollte.«
»Auch wieder wahr.« Der mittlere Reiter nickte. »Aber vorher sollten wir das Angenehme mit dem Notwendigen verbinden.« Er zog seinen Webley-Fosbery und richtete ihn auf Susan Carter. »Steh auf«, befahl er barsch.
Die junge Frau tat, was von ihr verlangt wurde. Der Boden schien unter ihren Füßen zu schwanken, während sie sich auf die Beine schaffte. Die Angst stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie ihren Peiniger fragend ansah.
»Deine Bluse«, zischte der. »Zieh sie aus!«
Susan prallte entsetzt zurück. »Bitte nicht«, flehte sie mit brüchiger Stimme. »Tut mir das nicht an. Ich werde …«
»Halt die Klappe und tu, was ich gesagt habe«, schnitt ihr der Kerl das Wort ab. Er unterstrich seine Forderung mit einer ungeduldigen Bewegung des Revolvers.
Die Farmerin versuchte gegen die Tränen anzukämpfen, die ihr in die Augen stiegen. Ihre Hände zitterten, als sie sich an den obersten Knopf legten. Mit gierigen Blicken verfolgten auch die anderen Reiter das demütigende Schauspiel.
Susans Finger fühlten sich kalt und taub an, als sie langsam das Kleidungsstück öffnete. Sie hielt den Blick schamhaft nach unten gerichtet, als sie die Bluse schließlich zu Boden fallen ließ. Ein einfaches Baumwollleibchen war nun alles, was ihre Blöße vor den Augen ihrer Peiniger verbarg.
»Wer hat dir gesagt, dass du aufhören sollst? Runter mit dem Ding!«
Susan Conrad schloss die Augen. Nach einem tiefen Atemzug legten sich ihre Hände an den Bund des Hemdchens. Doch in diesem Moment erklang eine Stimme von der Eingangstür her, die sie innehalten ließ.
»Nein! Tu das nicht!«
Die Farmerin fuhr herum. Ihr stockte der Atem, als sie Mary und Rob im Türrahmen stehen sah. Der Junge hielt die Winchester in der Hand, die sein Vater in einem Schrank neben dem Eingang aufbewahrte. Der Lauf war auf die Reitergruppe gerichtet.
»Rob … um Himmels willen! Geht ins Haus!«
Der Junge schien sie nicht zu hören. Er starrte zu den fünf Eindringlingen, in den Augen der Ausdruck wilder Entschlossenheit, den Susan sonst nur von seinem Vater kannte.
»Lasst meine Mom in Ruhe.« Robs Stimme klang plötzlich fast wie die eines Erwachsenen. »Verschwindet von unserer Farm!« Die Mündung der Winchester wippte nervös auf und ab.
»Lass den Unfug, Kleiner.« Der mittlere Reiter hob abwiegelnd die linke Hand. »Nimm die Knarre runter, bevor du damit …«
Er hatte seinen Satz noch nicht zu Ende gebracht, als sich der Zeigefinger des Jungen am Abzug krümmte.
Das Krachen des Schusses ließ Mary zusammenzucken. Das Mädchen bedeckte seine Ohren mit den Händen.
Rob hatte das Gewehr beim Abfeuern nach oben verrissen. So verfehlte die Kugel ihr Ziel und raste über die Köpfe der Reiter hinweg, ohne ihnen gefährlich geworden zu sein.
Susan Conrad wusste sofort, was nun passieren würde. Sie wollte ihrem Sohn eine Warnung zurufen, aber ihre Worte gingen in dem Donnern von Schüssen unter. Die erste Salve traf Rob in die Brust. Der Junge wurde zurück ins Haus geschleudert.
Nur Mary stand noch auf der Schwelle. Vor Entsetzen wie gelähmt, war das Mädchen zu keiner Regung fähig.
Die Farmerin wollte zu ihrer Tochter hetzen. Doch da bellten die Waffen der Angreifer bereits ein weiteres Mal auf. Susan Conrad spürte mehrere Schläge in den Rücken. Innerhalb von Sekundenbruchteilen schien jede Kraft aus ihrem Körper verschwunden zu sein. Sie sackte auf die Veranda. Das Letzte, was sie sah, war Mary, die blutüberströmt im Türrahmen zusammenbrach – dann versank alles um sie herum in undurchdringlicher Schwärze.
***
Earl Conrad hatte den gesamten Tag damit verbracht, Löcher auszuheben und Pfosten aufzustellen. Die Sonne näherte sich bereits dem Horizont, als er zufrieden die langgezogene Reihe von Holzpfählen betrachtete, die die südliche Grenze seines Besitzes markierte. Noch fehlten die Querbalken, doch es würde nicht mehr lange dauern, bis sich ein kompletter Zaun durch diese Gegend ziehen würde.
Beide Hände auf den Stiel des gewaltigen Vorschlaghammers gestützt, konnte sich Conrad ein stolzes Grinsen nicht verkneifen. Mit ein wenig Fantasie sah er die Pferde schon vor sich, die bald auf der Weide grasen würden. Pferde aus der Zucht, die er aufbauen würde. Schon nächstes Jahr wollte er ein paar Stuten und einen kräftigen Hengst kaufen. Das Geld würde aus dem Verkauf der ersten Maisernte kommen. Die Pflanzen auf dem Westacker gediehen prächtig und würden ihnen die nötigen Dollars für die Grundlage des Geschäfts bringen.
Earl Conrads Laune wurde von Minute zu Minute besser. Nun würde sich auch endlich Susans Skepsis in Luft auflösen. Sie hatte nie wirklich an seine Pläne geglaubt. Es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, sie davon zu überzeugen, gemeinsam nach Arizona überzusiedeln. Doch wenn sie sah, wie gut sich die Dinge entwickelten, konnte sie gar nicht anders, als zuzugeben, dass er die richtige Entscheidung für ihre Familie getroffen hatte.
Das Wiehern seines Braunen ließ Conrad von seinen Träumen in die Realität zurückkehren. Als er sich umwandte, sah er, dass das Tier auf dem rechten Vorderbein lahmte. »Du hast dir einen Stein eingetreten«, stellte er nach einer kurzen Untersuchung fest. »Das Ding sitzt bombenfest zwischen Eisen und Huf. Aber mach dir deswegen keine Gedanken.« Er tätschelte dem Tier beruhigend den Kopf. »Wenn wir zu Hause sind, werde ich mich darum kümmern. So lange musst du noch durchhalten, mein Junge. Wenn ich dich am Zügel führe, wird das kein Problem sein. Allerdings sollten wir uns dann schleunigst auf den Weg machen.« Er lehnte den Hammer an den letzten Pfosten, dann griff er nach dem Geschirr seines Braunen, um sich auf den Heimweg zu machen.
Nur noch ein einziger Hügel lag zwischen ihm und seinem Zuhause, als Earl Conrad das Krachen von Waffen hörte. Es kam aus der Richtung, in der die Farm stand. Zuerst war es nur ein einzelner Schuss. Doch schon kurz darauf steigerte sich das Geräusch zu einem infernalischen Stakkato.
Conrad brauchte nur wenige Sekunden, um die Schreckstarre abzuschütteln. Er sprang auf den Rücken seines Pferdes und rammte ihm die Absätze seiner Stiefel in die Seiten. Aus dem Stand heraus verfiel der Hengst in den Galopp.
Eine Minute später hatte Conrad den Gipfel der Anhöhe erreicht. Was er von dort sah, übertraf sogar noch seine schlimmsten Befürchtungen.
Fünf maskierte Reiter standen vor dem Farmhaus. Jeder von ihnen hielt eine Waffe in der Hand. Auf der Veranda lagen zwei leblose Körper: Susan und Billy. Auf der Schwelle war Mary zusammengebrochen. Auch das Mädchen rührte sich nicht....




