Slade Lassiter - Folge 2176
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-5543-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Lösegeld für eine Squaw
E-Book, Deutsch, Band 2176, 64 Seiten
Reihe: Lassiter
ISBN: 978-3-8387-5543-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gleich nach Sonnenaufgang änderte der Wind seine Richtung. Er wehte von Südwesten und wirbelte losen Sand empor. Lassiter band sich das Halstuch vor Mund und Nase und sah zu dem Mann hinüber, der neben ihm ritt. Jess Bucket hatte Sand geschluckt und hustete. Anklagend reckte er seine gefesselten Hände in die Luft. Lassiter brachte sein Pferd längsseits. Mit ein paar Handgriffen band er dem Mann das Bandana vors Gesicht. 'Sie werden uns schnappen', keuchte Bucket durch den Stoff. 'Heute Mittag hängen sie sich unsere Ohren an den Gürtel.'
Lassiter blickte den Weg zurück, den sie eben gekommen waren. Nicht allzu weit entfernt stieg eine Staubwolke in den Himmel. Der Lauf einer Waffe blitzte.
'Los, weiter!' Lassiter wies nach vorn. 'Keine Müdigkeit vorgeschützt, Bucky! Wir schaffen es!'
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Der Geschäftsmann James B. Coleman war ein groß gewachsener Mann mit Yankeebart, grau durchwirkter Löwenmähne und einem energischen Kinn. Seit frühester Jugend hatte er eine Schwäche für zierliche Blondinen mit blasser Haut und üppigem Busen. Er unternahm all seine Reisen nie ohne eine willfährige Begleiterin mit diesen Vorzügen.
Seit zwei Wochen hieß seine Favoritin Alma Page.
Coleman zog den Vorhang vor das Fenster, als seine attraktive Reisebegleiterin in das Pullman-Abteil trat. »Kannst gehen, Fred«, sagte er zu seinem Vertrauten. »Ich rufe dich, wenn ich dich brauche.«
Der dünne Mann im grauen Anzug trat hinaus auf den Gang.
Alma schob die Tür hinter ihm zu.
Coleman sah die Blondine an und atmete tief durch. Alma Page war eine Augenweide, auch von hinten. Sie hatte eine Figur wie ein Stundenglas, jedes Pfund saß am richtigen Platz. Und im Bett war sie einsame Spitze – das gefühlvollste Amüsiergirl, mit dem er je das Lager geteilt hatte.
Er stand auf, trat einen Schritt auf sie zu.
Die Frau legte ihre Tasche auf die Sitzbank. Sie sprach kein Wort. Die Pfeife der Lokomotive gellte. Der Waggon rumpelte über eine Bodenwelle. Knirschend prallten die Puffer gegeneinander. Alma Page kam aus der Balance und wedelte strauchelnd mit den Armen.
Coleman fasste sie schützend um die Taille. Er roch ihr betörendes Parfüm und sah, wie sich ihre Brüste unter dem Kleid bewegten. Sie trägt kein Mieder, dachte er und leckte sich über die Lippe.
Sekundenlang blickten sich beide in die Augen. Coleman mochte es, wenn Alma ihn so ansah. Eine Woge des Verlangens überspülte ihn. Er war nahe daran, der Frau das Kleid vom Leib zu reißen.
Plötzlich lächelte sie.
»Worüber lachst du, Al?«, fragte er.
»Über deine Gedanken, Jim. Sie stehen dir auf die Stirn geschrieben wie die Schlagzeile in der Washington Post.«
Er grinste. »Und? Wie lautet die Nachricht des Tages?«
Sie flüsterte es ihm ins Ohr, und ihre schonungslose Offenheit ließ ihn erschaudern. Er schmuste an ihrem Hals, leckte an ihrem Ohrläppchen. Sie neigte den Kopf zur Seite, damit er mehr Freiraum bekam.
Die Berührung des warmen Frauenkörpers erregte Coleman mit jedem Atemzug mehr. Er verspürte den Drang, die schöne Frau zu küssen.
Als sein Mund nach ihren Lippen suchte, erstarrte sie. Sanft schob sie ihn zurück. »Nein«, sagte sie.
»Nur einen Kuss.«
»Wohin du willst, aber nicht auf den Mund.«
Ihre Stimme klang entschieden, und er ließ es bei dem Kussversuch bewenden. Sicher, er hätte ihr befehlen können, stillzuhalten, schließlich zahlte er dafür. Doch er wollte sie nicht in die Enge treiben. Auch »besudelte Täubchen« besaßen einen Ehrenkodex.
Er lächelte matt. »Möchtest du was trinken, Al? Champagner? Bier? Limonade? Ich kann dir auch einen Kaffee kommen lassen.«
»Später, nicht jetzt.«
»Ganz wie du willst.« Er öffnete den Gürtel seiner Hose. Unvermittelt hielt er inne. »Dein Honorar – hat Fred es dir schon ausgezahlt?«
»Ja, gestern.« Sie knöpfte ihre Bluse auf. »Danke für das Trinkgeld, Jim. Du bist sehr spendabel. Es wäre nicht nötig gewesen.«
»Ach was. Hast es dir verdient – jeden Penny.« Er betrachtete die nackten, alabasterfarbenen Brüste mit den großen roten Warzen darauf. »Weißt du, dass du sehr schön bist, Al?«
»Du sagst es mir jedes Mal.«
»Weil ich immer wieder neu von dir begeistert bin.«
Sie griff ihm in die Hose, und er spürte, wie sich ihre klammen Finger um sein steif werdendes Glied schlossen. »Es freut mich, dass ich dir gefalle.«
Er seufzte schwer.
Mit beiden Händen berührte er ihren Vorbau, ganz sacht, als könne er ihn beschädigen, wenn er fester zugriff. Alma rieb gefühlvoll an seinem Schaft. Dabei schaute sie ihm herausfordernd in die Augen.
Nach einer Weile fasste Coleman fester zu. Das zarte Fleisch quoll ihm durch die Finger. Die Knospen waren angeschwollen und hart geworden. Coleman liebte diese Nippel. Er saugte sie nacheinander in den Mund.
Alma warf den Kopf zurück und schnappte nach Luft. Sie rieb seinen Schaft jetzt schneller und fester.
Colemans Atem ging stoßweise. Schweiß trat ihm auf die Stirn und perlte über seine Wange.
Der Zug fuhr in eine Kurve. Der Wagen polterte über die Schienen und fing an zu schlingern. Von der Lok gellte ein schrilles Dampfsignal.
Coleman stützte sich an der Wand ab. Alma hielt sich an seinem harten Glied fest wie an einer Haltestange. Durch die heftigen Erschütterungen bebten ihre Wonneproppen wie Pudding in einer Servierschale.
Der Zug fuhr wieder ruhiger. Die Räder klapperten monoton. Draußen auf dem Gang klangen Schritte auf. Ein Mann rief nach dem Schaffner.
»Zieh dich aus, Al«, sagte Coleman rauhalsig. »Ich will dich nackt.«
Alma Page gehorchte, entledigte sich ihrer Kleidung. Nur den Strapsgürtel und die steingrauen Strümpfe behielt sie an. Wie viele Mädchen aus dem horizontalen Gewerbe trug sie keinen Schlüpfer. Das drahtige, dunkelblonde Haargeflecht auf ihrem Venushügel hatte die Form einer auf dem Kopf stehenden Pyramide.
Coleman schob die Frau auf die Sitzbank. Sie ahnte, was er wollte, und streckte die Beine gelenkig in die Luft. Er ergriff ihre Fersen und ließ sich zwischen ihre geöffneten Schenkel auf die Knie sinken.
»Nimm mich«, sagte Alma gepresst. »Zeig mir den Himmel, Jim.«
»Nichts lieber als das!« Er zog seinen Bauch ein und drückte die Brust heraus.
In dem Augenblick, als er in seine Gespielin eindringen wollte, passierte es.
Ein mörderischer Ruck erschütterte den Wagen.
Die Welt schien aus den Angeln zu geraten. Eine unsichtbare Kraft schleuderte Coleman zu Boden. Im Fallen hörte er, wie Alma schrie.
Es gab einen lauten Knall.
Überall krachte und knirschte es, als würden die Wände des Abteils von einer Riesenfaust zusammengepresst. Der Wagen neigte sich zur Seite. Coleman prallte mit dem Kopf gegen die Abteiltür. Er sah Sterne tanzen. Auf einmal fühlte er sich ausgelaugt wie ein ausgewrungener Lappen. Es kostete ihm Mühe, die Augen offen zu halten. Er wollte aufstehen, verhedderte sich aber in seinen Hosenbeinen, die ihm auf den Füßen hingen. Seine Beine schienen mit flüssigem Blei gefüllt. Eine Kraft, denen er nichts entgegenzusetzen hatte, nagelte ihn regelrecht am Boden fest.
»Jim!«, schrie Alma. »Mein Gott! Wir werden sterben, Jim!«
Er wollte antworten, brachte aber kein Wort heraus. Sein Hals war wie zugeschnürt. Er hatte Angst, dass jetzt alles zu Ende war.
Vor Jahren hatte er schon einmal ein Zugunglück erlebt, südlich der Mormonenstadt Ogden. Die Pfeiler einer Brücke waren gebrochen, als der Zug darüber hinweg fuhr. Einige Wagen waren in die Tiefe gestürzt. Es hatte etliche Tote und Verletzte gegeben. Mit Grausen erinnerte sich Coleman an die verstümmelten Körper, die man neben dem Bahndamm aufgereiht hatte.
»Der Wagen … entgleist!«
Er klammerte sich an ein Bein der Sitzbank. Am Rand seines Blickfelds gewahrte er einen bestrumpften Fuß. Er reckte den Hals, um nach Alma zu schauen.
Furchtbare Stöße ließen die Wände erzittern. Der Wagen holperte die Böschung hinab. Coleman kam sich vor wie ein Würfel in einem Becher. Es gelang ihm, den Kopf zu heben. Er sah zu Alma hinüber.
Sie kauerte weinend in einer Ecke der Sitzbank. Über ihren nackten Busen lief ein dünner Faden Blut. Sie hatte sich das Kinn aufgestoßen. Außer ein paar blauen Flecken schien sie jedoch nichts weiter abbekommen zu haben.
Er wollte zu ihr kriechen – doch er kam nicht weit.
Der Wagen kippte auf die Seite.
Wie eine Stoffpuppe wurde Coleman durch die Luft geschleudert. Er bekam einen harten Schlag gegen den Kopf. Die Abteiltür war aus den Angeln gebrochen und ihm gegen den Schädel geprallt.
Unversehens erschien das verzerrte Abbild seiner Tochter vor seinem geistigen Auge: Sara trug das hübsche zartblaue Sommerkleid, das er ihr zum vierzehnten Geburtstag gekauft hatte. Sie stand an der Vordertür ihres Hauses in Cedar Crest, einem Stadtteil von Dallas. Der Wind bauschte ihr langes dunkles Haar. Er wollte Sara winken, aber so plötzlich ihr Abbild aufgetaucht war, so plötzlich war es auch wieder verschwunden.
Jetzt sah John B. Coleman überhaupt nichts mehr. Er hatte das Bewusstsein verloren.
***
Ganz in der Nähe knallte ein Peitschenschlag.
Coleman schrak auf. Sogleich spürte er einen pochenden Schmerz in seinem Kopf. Wo bin ich? Was ist passiert?
Er öffnete die Augen. Trübes Halbdunkel ringsum. Der kampferartige Geruch von Blut stieg ihm in die Nase. Pferdehufe klapperten über harten Untergrund. Es dauerte eine Weile, bis sein Blick scharf genug war, um sein Umfeld genauer zu erkennen.
Er lag auf der Ladefläche eines fahrenden Planwagens. Der Kutschbock war vom restlichen Teil des Wagens durch ein Stück Segeltuch abgetrennt. Vom Kutscher war nichts zu sehen.
Coleman bemühte sich, ruhig zu atmen. Irgendwelche Leute hatten ihn auf eine Holztrage gelegt und mit festen Hanfseilen fixiert. Zum Glück hatten sie ihm vorher Hemd und Hose angezogen. Sein Derbyhut steckte zerdrückt auf seinem rechten Stiefel.
Die Schnüre über der Brust spannten. Er hob eine Hand, um sie zu lockern. Der Versuch scheiterte kläglich. Seine kraftlose Hand fiel zurück wie ein toter Fisch.
»Verdammt!« Coleman lag eine Weile still, ohne sich...




