Slade | Lassiter - Folge 2126 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2126, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

Slade Lassiter - Folge 2126

Lassiters Höllenfahrt
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8387-3315-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Lassiters Höllenfahrt

E-Book, Deutsch, Band 2126, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

ISBN: 978-3-8387-3315-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Kutsche rollte langsam den Anstieg hinauf. Tagger spürte brennenden Durst. Er fragte seinen Bewacher, ob er etwas zu trinken haben könne. Der Deputy tat, als hätte er nichts gehört. 'Ich komme um vor Durst', keuchte Tagger.

Der Mann mit dem Stern spielte mit seinem Colt. Er hieß Nat Brady, ein ungehobelter Klotz mit harten Muskeln und einem Hang zu Grausamkeiten. Die ganze Fahrt über hatte er seinen Gefangenen wie Luft behandelt.

Durch das Fenster sah Tagger auf die hügelige Prärielandschaft hinaus. Er wandte den Kopf, als er es glucksen hörte. Brady trank aus der Feldflasche. Dann packte er die Flasche weg, nahm wieder seinen Colt und ließ die Trommel rotieren. Taggers Kehle brannte wie Feuer. Am liebsten hätte er Brady den Hals umgedreht.

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Will Tagger merkte, wie seine Unruhe wuchs.

Eben hatte die Kutsche die Kuppe des Hügels erreicht, den Humber Hill. Es ging wieder schneller voran. Die Bäume am Wegesrand beschatteten den Trail. Nirgendwo war ein Mensch zu sehen.

Gleich würden sie da sein: Jim Calder, Rick Beckett, Olsson, der Schwede und der clevere Hyde, den sie »Babyface« nannten.

Auf Taggers Männer war Verlass. Sie würden kommen und ihn aus dieser verdammten Kutsche holen. Calder hatte es ihm geschrieben, auf einem winzigen Zettel, den er ins Jail geschmuggelt hatte. Zwei Wörter standen darauf: Humber Hill.

Tagger leckte sich über die spröden Lippen. Aus den Augenwinkeln beobachtete er seinen Bewacher. Brady hantierte mit dem Colt herum.

Will Tagger schloss die Augen. In seiner Fantasie war er bereits ein freier Mann. Doch er durfte sich nichts anmerken lassen. Für Optimismus war es zu früh. Wenn sein Bewacher Verdacht schöpfte, konnte es noch einmal brenzlig werden.

Außer Brady war da noch der Kutscher. Der Mann auf dem Fahrersitz hatte eine schussbereite Winchester neben sich liegen. Tagger wusste nicht, wie gut der Mann damit umgehen konnte.

Doch seine Leute waren keine Anfänger. Sie würden den Kutscher als Ersten aufs Korn nehmen, noch bevor er das Gewehr an sich reißen konnte.

Tagger dehnte seinen Brustkorb. Der brennende Durst quälte ihn. Der Mistkerl von einem Deputy ließ ihn mit voller Absicht darben.

Will Tagger glaubte den Grund zu kennen: Brady neidete ihm seine Affäre mit der Arztgehilfin Monica Spratt. Alle wussten, dass der Deputy ein Auge auf die kesse Rotblonde geworfen hatte. Seit Wochen scharwenzelte er um sie herum, raspelte Süßholz und versuchte, sich mit ihr zu verabreden.

Die Krankenschwester war auf sein Werben nicht eingegangen. Sie hatte ihm die kalte Schulter gezeigt.

Und eines Abends war Monica Spratt mit ihm, Tagger, ins Bett gestiegen!

Jemand musste Brady davon erzählt haben. Er lauerte Monica auf und verpasste ihr eine Abreibung. Zwei Wochen lief sie hinkend und mit einem blauen Auge herum.

Dann fand Brady heraus, wer hinter dem Überfall auf den Geldtransport am Osage River steckte. Die Aktion ging auf Taggers Konto. Zusammen mit dem Schweden hatte er den Coup durchgezogen. Alles war perfekt gelaufen. Ein Bilderbuch-Überfall, ohne Zeugen, ohne Tote und ohne Verfolger. Eine rundum saubere Sache.

So dachten sie.

Drei Tage später tauchte Brady mit dem Sheriff auf. Sie verhafteten zuerst den Schweden, dann Tagger. Vermutlich hatten die Sternträger einen Tipp bekommen. Bei der Durchsuchung von Taggers Zimmer kam eine verräterische Banderole zum Vorschein, dazu ein Geldschein, auf dem ein ausgefuchster Banker ein Zeichen gekritzelt hatte.

Die Würfel waren gefallen.

Auf Geheiß des Richters sollten sie nach Bella Vista gebracht werden. Dort würde der Prozess stattfinden. Der rachsüchtige Brady prophezeite ihnen zehn Jahre im Zuchthaus von Fort Yuma.

Drei Tage vor der Überführung gelang dem Schweden die Flucht aus dem Jail. Er, Tagger, war dagegen im letzten Moment überwältigt worden.

Wasser gluckste. Brady hatte schon wieder die Flasche am Hals. Er trank gierig, als hätte er ewig nichts mehr bekommen. Die Hälfte des Wassers verschüttete er auf seine Jacke.

Ich werde dich eigenhändig abknallen, du Bastard, dachte Tagger.

Brady warf einen Blick nach draußen. Dann hämmerte er gegen die Wand.

»Anhalten, Jake!«

Der Kutscher zügelte die Pferde.

Will Tagger war irritiert. Sie hatten gerade vor einer Stunde Rast gemacht. Was hatten seine Bewacher vor?

Brady knuffte ihn in die Seite. »Los! Raus mit dir!«

»Warum?«

»Weil du pinkeln musst, Sonny!«

»Nein, ich muss nicht pinkeln«, erklärte Tagger.

»Doch, das musst du!«

Taggers Herz schlug schneller. Er sah, dass der stämmige Deputy den Revolver hob. Ganz langsam, mit einem hämischen Grinsen, spannte Brady den Hahn.

Er grinste. »Steig aus! Du willst dir doch nicht in die Hosen machen, oder?«

Will Tagger hob seine gefesselten Hände. Mühsam schob er den Riegel beiseite. Die Tür sprang auf. Er glitt vom Sitz und hüpfte ins Freie.

Jake, der Fahrer, zog die Bremse. Er war ein kleiner Mann, dessen Gesicht Tagger an einen Dachs erinnerte. Das schwarzweiß gestreifte Hemd, das er trug, verstärkte den Eindruck noch.

Lässig griff Jake nach der Winchester. Er repetierte.

Tagger stand da und wartete. Die Zeit schien stillzustehen.

Da kam Brady um das Fuhrwerk herum. Er nahm seinen Hut ab und fächelte sich Luft zu. In der anderen Hand hielt er seinen Sechsschüsser. Die Mündung zeigte auf Taggers Brust.

»Verdammte Hitze«, raunte der Fahrer. »Kein guter Tag zum Sterben.«

»Das seh ich anders, Jake«, erwiderte Brady. Er wies zum Himmel hinauf. »Sonne, wolkenloser Himmel, da ist das Sterben doch das größte Glück, oder?«

Auf einen Schlag wurde Tagger klar, was Brady vorhatte. Der Dreckskerl war noch fieser, als er geglaubt hatte.

»Das könnt ihr nicht bringen«, sagte er dumpf. »Ihr sollt mich nach Bella Vista schaffen, so hat’s der Sheriff befohlen. Macht gefälligst euren Job!«

»Er meint, wir sollen unseren Job machen«, sagte Jake und nahm das Gewehr hoch.

»Genau das tun wir jetzt.« Brady machte die Augen schmal. »Wir ersparen Uncle Sam eine Menge Geld. – Los, Tagger, ab mit dir in die Büsche!«

»Nein.«

»Du weigerst dich?« Brady kam näher.

»Ihr Hunde verpasst mir eine Ladung Blei in die Rücken!«

»Auf der Flucht erschossen.« Brady setzte seinen Hut auf. »Kein Hahn wird nach dir krähen, du Hurensohn.«

Will Tagger rührte sich nicht vom Fleck.

Brady trat ganz dicht an ihn heran. Jäh spürte Tagger die Mündung des Colts in seiner Magengegend. In den Augen des Deputies funkelte namenloser Hass. Die Augen eines Mörders. Auch Männer, die Dienstmarken trugen, waren gegen Bösartigkeit nicht gefeit.

»Was soll der Zirkus?«, krähte Jake. »Ziehen wir Taggers Abgang nicht unnötig in die Länge. In Las Casas ist große Party, das größte Fest seit Jahren. Das will ich nicht verpassen. – Geh beiseite, Nat, ich mach das!«

Ich will nicht sterben. Taggers Fäuste zuckten.

Brady riss ein Knie hoch, traf ihn in den Unterleib.

Der harte Stoß ließ Tagger taumeln. Er krümmte sich wie ein Wurm auf dem heißen Herdring. Loser Sand knirschte unter seinen Sohlen.

Trotz des Schmerzes waren all seine Sinne bis zum Äußersten gespannt. Wo blieben seine Leute? Er musste Zeit schinden. Jetzt entschied jede Minute, vielleicht sogar jede Sekunde.

»Okay«, sagte er mühsam beherrscht, »wenn ihr mich umlegen wollt, bitte schön. Ich bin kein Spielverderber. Aber jeder zum Tode Verurteilte hat noch einen letzten Wunsch. Den darf man ihm nicht abschlagen.«

Die beiden selbsternannten Henker wechselten einen kurzen Blick.

»Wenn’s schnell geht«, meinte Jake.

Brady sagte: »Also gut, Sonny! Wir sind ja keine Unmenschen. Sollst deinen letzten Willen haben. Du willst Wasser, nehme ich an.«

William Tagger schüttelte den Kopf, obwohl er vor Durst fast umkam. Er musste sich etwas wünschen, was seinen Tod länger hinauszögerte als ein paar hastige Schlucke aus der Feldflasche.

»Ich will eine Zigarette«, erklärte er. »Lasst mich noch eine rauchen, und dann macht, was ihr wollt.«

Der Kutscher griff unter seine Weste. Aus einer zerdrückten Packung Lobo Negro nahm er eine Zigarette und steckte sie dem Todeskandidaten zwischen die Lippen. Brady riss ein Zündholz an.

Tagger bemühte sich, nicht zu heftig an dem Glimmstängel zu saugen. Nachdem er drei Züge inhaliert hatte, war ihm, als wenn er irgendwo Hufschläge hörte.

Die Jungs, dachte er, die Jungs sind da!

Auch seine Begleiter mussten die Geräusche hören, aber sie maßen ihnen keine große Bedeutung bei. Jake, der Kutscher, ließ sein Gewehr sinken und lehnte sich lässig an das große Hinterrad.

Brady fächelte sich Luft zu. »Mach hin, Tagger!«, knurrte er.

Tagger spürte, wie ihm der Schweiß über das Gesicht lief. Er hoffte inständig, dass es seine Leute waren, die da kamen. Beidhändig nahm er die Zigarette aus dem Mund. Er starrte auf die Glut und sah, dass seine Hände zitterten.

Die Hufschläge waren nicht mehr zu hören.

Will Tagger hustete. Er hatte das Gefühl, als verbrenne er von innen. Beißender Rauch ließ seine Augen tränen. Er leckte sich die Tränen von den Lippen. Der salzige Geschmack war widerlich.

»Schluss jetzt!«, schnappte Jake, der Fahrer.

Beide Männer hoben ihre Waffen.

»Geh zu den Bäumen hinüber!«, befahl Brady.

Tagger spuckte den Zigarettenrest aus. Die Kippe glühte ein Loch in sein Halstuch. Er achtete nicht darauf. Langsam, als trüge er eine Riesenlast, setzte er einen Fuß vor den anderen.

Plötzlich knallte es, viermal nacheinander, in schneller Folge.

Die Zugpferde wieherten vor Schreck. Auch Tagger erschrak. Doch die Schüsse galten nicht ihm. Sie kamen aus dem Waldstreifen auf der anderen Seite des Trails.

Für einen Moment schloss Tagger erleichtert die Augen. Dann riss er den Kopf herum.

Jake, der Kutscher, hing über dem Rad wie eine Marionette. In seiner Hemdbrust klafften zwei große Einschusslöcher. Brady war auf die Knie...



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