Slade | Lassiter 2566 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2566, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

Slade Lassiter 2566

Cain und Abel
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-2005-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Cain und Abel

E-Book, Deutsch, Band 2566, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

ISBN: 978-3-7517-2005-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



'All devils! Er hat sich in Luft aufgelöst!' Marshal Douglas Atkins spuckte zu Boden, bevor er den Feldstecher noch einmal über die Landschaft wandern ließ. 'Das darf nicht wahr sein!'
Lassiter tötete vier oder fünf Mücken mit einem einzigen Schlag auf seinen nackten Unterarm. 'In dem Urwald da unten fällt es leicht, sich unsichtbar zu machen. Außerdem scheint der Bursche sich hier bestens auszukennen.'
Atkins nickte grimmig. 'Im Gegensatz zu uns. Waren Sie schon mal hier unten in Florida?'
'Nein', knurrte Lassiter, während er mit der Hand durch die Luft wedelte im vergeblichen Versuch, die Heerscharen blutsaugender Insekten zu vertreiben, die ihn umschwärmten. 'Und wenn ich ehrlich bin, hätte das auch so bleiben können.'

Slade Lassiter 2566 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Cain und
Abel

»All devils! Er hat sich in Luft aufgelöst!« Marshal Douglas Atkins spuckte zu Boden, bevor er den Feldstecher noch einmal über die Landschaft wandern ließ. »Das darf nicht wahr sein!«

Lassiter tötete vier oder fünf Mücken mit einem einzigen Schlag auf seinen nackten Unterarm. »In dem Urwald da unten fällt es leicht, sich unsichtbar zu machen. Außerdem scheint der Bursche sich hier bestens auszukennen.«

Atkins nickte grimmig. »Im Gegensatz zu uns. Waren Sie schon mal hier unten in Florida?«

»Nein«, knurrte Lassiter, während er mit der Hand durch die Luft wedelte im vergeblichen Versuch, die Heerscharen blutsaugender Insekten zu vertreiben, die ihn umschwärmten. »Und wenn ich ehrlich bin, hätte das auch so bleiben können.«

Das Lachen des Marshals drückte keine Heiterkeit aus, und das passte zu den Mienen der Deputies, die sich ausgelaugt auf die Sattelhörner stützten. »Dieser Meinung schließe ich mich gerne an, Lassiter. Aber uns bleibt wohl kaum eine Wahl, wenn wir den Bastard zur Strecke bringen wollen.«

Lassiter warf einen Blick über die Schulter nach Norden.

Jacksonville und die Grenze nach Georgia lagen etwa dreißig Meilen hinter ihnen. Streng genommen hätte sich Atkins in der Stadt mit dem örtlichen Gesetzeshüter verständigen müssen, nachdem sie die Staatsgrenze nach Florida überquert hatten. Doch sie waren dem mutmaßlichen Anführer der Kapuzenbande so nahegekommen, dass der Marshal sich damit nicht aufhalten und den Gesetzlosen womöglich entkommen lassen wollte.

Am Morgen hätten sie ihn fast erwischt, und damit war der Jagdinstinkt der Männer aufs Neue entfacht worden. Deshalb hatten sie die letzte größere Stadt beiseitegelassen und sich auf die frische Spur gesetzt wie gierige Bluthunde.

Das Lagerfeuer des Mannes hatte noch geglüht, und ein paar Mal war Lassiter fest davon überzeugt gewesen, den Banditen nur wenige hundert Yards vor sich durch den Feldstecher gesehen zu haben, bevor er wieder hinter Büschen oder unter dem Blätterdach von Bäumen verschwunden war.

Er, Atkins und dessen vier Deputies hatten alles aus den erschöpften Pferden herausgeholt in der Überzeugung, den namenlosen Outlaw noch vor dem Sonnenuntergang stellen zu können. Die Reittiere hatten seit Tagen nur wenig Gelegenheit zum Ruhen gehabt, doch das Pferd des Verfolgten musste noch weitaus erschöpfter sein.

Lassiter hatte geglaubt, nur noch darauf gefasst sein zu müssen, dass ein entkräfteter Flüchtling, der in die Enge getrieben wurde, zum Äußersten entschlossen war – und sich seit dem Morgen auf blindlings abgefeuerte Schüsse eingestellt.

Doch er wurde eines Besseren belehrt. Das Pferd fanden sie am Rand einer Senke, schwer atmend mit Schaum vor dem Mund und dem Tode geweiht, weil sein Reiter es gnadenlos vorangetrieben hatte, bis es ihm offenbar buchstäblich unter dem Arsch zusammengebrochen war.

Doch vom namenlosen Outlaw fehlte wieder jede Spur.

Atkins hatte den Rappen von seinem Leid erlöst, nachdem die Männer feststellen mussten, dass das edle Tier nicht nur aus Erschöpfung auf der Seite lag; es hatte sich auch den linken Vorderlauf gebrochen und war deshalb nicht mehr zu retten.

Danach waren sie weiter geritten, mit schussbereiten Waffen. Und hatten den Mann, den es zur Strecke zu bringen galt, tatsächlich noch ein weiteres Mal zu Gesicht bekommen. So nah, dass Atkins sein Gewehr aus dem Scabbard gerissen und auf die dunkle Gestalt gefeuert hatte, die unter ihnen hastig in den Büschen verschwand.

Zweimal. Doch nachdem das Geräusch der Schüsse verhallt war, verriet ihnen das Knacken von Ästen unter den Kronen der Mangroven, dass die Schüsse des Marshals fehlgegangen sein mussten.

Die Reiter blickten hinab auf eine diffuse, von dichtem Grün überwucherte Landschaft, die sich bis zum Horizont erstreckte. Weit im Osten ließ sich im violetten Dunst des Horizonts die Küstenlinie erahnen.

Lassiter schob sich den Stetson in den Nacken.

»Bald geht die Sonne unter«, brummte er, an Atkins gewandt. »Vielleicht sollten wir ein Lager aufschlagen und den Morgen abwarten, bevor wir da runter gehen.«

Atkins schnaubte verächtlich. »Wenn Sie erschöpft sind, dann werde ich Ihnen das kaum verbieten können, Lassiter. Aber was mich und meine Männer angeht, haben wir eine Aufgabe zu erfüllen.«

»Entschuldigen Sie, Sir«, meldete sich Humphrey Cabot zu Wort, der älteste der Deputies. »Aber ich denke, Lassiter hat recht. Im Dunkeln nach dem Kerl zu suchen ist doch völlig sinnlos. Vor allem, wenn der sich wirklich hier auskennt, wie Lassiter glaubt.«

»Der dickste Arsch will sich als erster setzen – schon klar, Cabot«, knurrte Atkins mürrisch und hob den Blick gen Westen. Er blinzelte im Angesicht der Sonne, die sich allmählich den Bergen zuneigte.

»Bis zur Dämmerung bleiben uns bestimmt noch zwei Stunden. Genug Zeit, um das gehetzte Wild zu erlegen. Also – weiter geht's!«

Auffordernd wedelte er mit den Armen, und seine Deputies folgten ihm erkennbar widerwillig. Lassiter zögerte eine Weile, bevor er die Achseln zuckte, seinen Braunen bestieg und hinter den anderen her ritt. Ein schmaler Pfad führte von der Anhöhe hinab, und als sie den Rand der von Mangroven dominierten Landschaft erreichten, erkannte Lassiter sofort, wie tückisch der Untergrund war.

»Vorsicht!«, warnte er, doch für den Schimmel eines der Deputies war es bereits zu spät.

Der Boden war überall tiefgrün, zum Teil mit Moos, an anderen Stellen von Sumpfgras bewachsen. Doch gerade deshalb konnten weder Mensch noch Tier erkennen, ob der Untergrund ihr Gewicht trug oder nur zum Schein festen Halt bot.

Lou Murphy stieß einen erstickten Schrei aus, als sein Pferd unvermittelt in einen Tümpel sackte und auf die Seite stürzte. Auch das Tier wieherte erschrocken, während Murphy aus dem Sattel rutschte und kopfüber im Wasser landete, das von einem dünnen Film aus Moos und verrottenden Pflanzenresten verborgen gewesen war.

Der Schimmel schnaubte und versuchte panisch, wieder auf die Hufe zu kommen, während Murphy tropfnass den Kopf schüttelte und im nächsten Moment den Schweif seines Pferds ins Gesicht bekam, als das Tier sich mühsam mit dem Hinterteil schüttelnd aus dem Pfuhl befreite.

Die anderen Deputies lachten schadenfroh, während Lassiter sich tief aus dem Sattel herunterbeugen musste, um Murphy die Hand entgegenzustrecken und ihm auf die Beine zu helfen.

»Ist wohl besser, wenn wir absteigen und die Tiere hinter uns führen«, brummte Marshal Atkins, und ein Blick in Richtung von Lassiter wurde von einem knappen Nicken quittiert.

Die Gewehre wurden in die Scabbards gesteckt, und stattdessen zogen die Männer ihre Revolver. In der einen Hand hielten sie die Waffen, in der anderen die Zügel der Pferde.

»Ab jetzt kein Laut mehr«, befahl Atkins mit gesenkter Stimme und ging voran, von Lassiter gefolgt über den schmalen Pfad, der zu beiden Seiten begrenzt wurde von Tümpeln, feuchtem Morast und im Zwielicht liegendem Buschwerk. Über ihnen bildeten Mangroven und Zypressen ein grünes Blätterdach, das nur ab und an den Himmel erkennen ließ.

Der Atem der Männer ging schwer angesichts der feuchten, stickigen Luft, doch das Konzert der Frösche im Wasser und Vögel in den Bäumen übertönte die menschlichen Laute vollständig. Auch andere Geräusche waren zu vernehmen, deren Ursprung die Männer nicht einzuordnen wussten. Lassiter war aber bekannt, dass sich hier in der Wildnis Tiere tummelten, die weitaus gefährlicher sein konnten als die Vögel in den Baumkronen. Giftschlangen, Raubkatzen und gefräßige Spitzkrokodile, die wie Monster aus der Urzeit anmuteten.

Von oben hatte der Wald licht und hell gewirkt, doch nun, in seinem Inneren, war der Schein der sich senkenden Sonne fast vollständig vom dichten Blattwerk ausgesperrt, und sie bewegten sich in grünlicher Dämmerung voran. Der unbefestigte Weg, über den sie marschierten, war immer wieder von Schlingpflanzen und dichten Büschen überwuchert, die es ihnen schwer machten voranzukommen, zumal mit den Pferden.

Als sie eine kleine Lichtung erreichten und sich den Schweiß von der Stirn wischten, während sie zusehen mussten, wie das Sonnenlicht schwand, warf Lassiter dem Marshal einen fragenden Blick zu, den dieser schließlich mit einem ergebenen Nicken beantwortete.

»Okay«, knurrte Atkins widerwillig und fuhr sich mit den Fingern durch den graumelierten Bart. »Es hat keinen Sinn mehr. Wir rasten hier und gehen morgen früh weiter.«

Lassiter registrierte den wütenden Blick des Marshals und fragte sich, warum Atkins ihn so anschaute. Achselzuckend wandte er sich ab und kniete sich unter den Braunen, um den Sattelgurt unter dem Bauch zu lösen.

Vermutlich suchte der Sternträger einfach nur nach einem Ventil, um seine Frustration loszuwerden. Und da war er vielleicht ein dankbares Ziel. Denn Atkins und Lassiter hatten sich von Anfang an nicht gerade gut verstanden.

Dennoch war es ihnen gemeinsam gelungen, die Bande der...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.