Slade | Lassiter 2085 | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2085, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

Slade Lassiter 2085

Der Marshal ist eine Lady
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1873-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Marshal ist eine Lady

E-Book, Deutsch, Band 2085, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

ISBN: 978-3-8387-1873-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Karneval feiern wir nicht in dieser Stadt, Ma'am', sagte der Mann und grinste. 'Sie hätten sich also gar nicht verkleiden brauchen. Am besten gehen Sie gleich auf Ihr Zimmer und ziehen sich so an, wie es sich für eine Lady geziemt.'

Eugenia Blake musterte ihn von Kopf bis Fuß. Der Kerl lehnte am anderen Ende des Rezeptionstresens. Ein schnauzbärtiger Angeber. Belustigt blickte er auf den vergoldeten Stern an Eugenias Jackett, der sie als US Marshal auswies. 'War das eine Aufforderung zum Tanz?', fragte sie. 'Ist das bei euch Rednecks in diesem Kaff so üblich, wenn ihr eine Solonummer hinlegen möchtet?' Sein Grinsen schwand, seine Kinnlade klappte herunter. Einen Atemzug später verzerrte sich sein Gesicht vor Wut. 'Dir werd ich's zeigen', zischte er. Und zog. Er bekam den Colt nur knapp aus dem Holster. Da jagte ihm Eugenia bereits die erste Kugel vor die Stiefelspitzen.

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Erschrocken sprang er hoch, zur Seite, riss die Augen weit auf. Seine Hand zuckte vom Revolverkolben weg. Gleichzeitig sackte seine Kinnlade abwärts, und er kriegte den Mund nicht wieder zu.

Er war aus dem Saloon in die Hotellobby herübergekommen. Seine Kumpane an der Theke, drüben, hatten eben noch gejohlt. Jetzt wurden sie still, kriegten Stielaugen und machten lange Hälse. Eugenia schätzte, dass der Angeber ihnen gesagt hatte: »Ich geh jetzt mal da rüber und zeig euch, wie man mit so einem größenwahnsinnigen Weib umspringt. Ich wette, die hat den US-Marshal-Stern in einem Kostümladen gekauft.«

Das Krachen des Schusses war noch nicht verhallt, als Eugenia zum zweiten Mal durchzog. Es störte sie nicht, dass der Schuss sowohl durch das Hotel als auch durch den Saloon dröhnte.

Abermals vollführte der Schnauzbärtige einen hastigen Hüpfer. Geduckt verharrte er zwei Schritte vom Tresen entfernt - unschlüssig, ob er die Flucht ergreifen oder die Hände hochnehmen sollte. Ungläubig stierte er die Frau im grauen Straßenanzug an.

Die Männer im Saloon verließen fluchtartig die Theke, verzogen sich in den hinteren Teil des Schankraums. Hinter Eugenia, in der Lobby des Hotels, hielten sich ohnehin keine Menschen auf. Es war früher Nachmittag; die meisten Gäste befanden sich noch im Restaurant, das die gesamte rechte Seite im Erdgeschoss des Gebäudes einnahm. Einige hatten sich wohl auch schon zu einem Nickerchen auf ihre Zimmer zurückgezogen. Der Rezeptionsangestellte war hinter dem Tresen verschwunden und hastete tief gebückt in den Nebenraum.

»Du bist tot«, flüsterte der Schnauzbärtige. »Das schwöre ich dir.« Er hatte sichtliche Konzentrationsprobleme; sein Blick wanderte unablässig auf und ab, von ihrem feingeschnittenen Gesicht und dem langen rotblonden Haar zum US-Marshal-Stern links neben dem Revers ihres Jacketts zu dem Dekolletee ihrer weißen Bluse, das ihre großen Brüste fast zur Hälfte zeigte – so überaus nah und doch unerreichbar für einen Kerl wie ihn. Das wurde ihm spätestens in diesem Moment klar, doch er wollte es nicht wahrhaben. In letzter Konsequenz, das war Eugenia durchaus bewusst, konnte sie einen Mann durchaus um den Verstand bringen, wenn sie ihre Brüste nur ausgiebig und aufreizend genug zur Schau stellte.

Sie sah ihm die lüsternen Gedanken an den tückisch glitzernden Augen an. Betont langsam zog sie den Hahn ihres Colts zurück, und während des zweimaligen metallischen Knackens drehte sich die Trommel ebenso langsam. Die Sternträgerin hob die Waffe ein Stück höher, sodass die Laufmündung exakt auf die Nasenwurzel des Mannes gerichtet war.

»Heute lasse ich dich noch mal laufen«, sagte sie großzügig. »Normalerweise müsste ich dich sofort festnehmen. Wegen Bedrohung einer Staatsbeamtin. Aber ich beschränke mich auf die Feststellung deiner Personalien und die Auflage, das Sheridan County nicht zu verlassen.«

»Das glaube ich nicht«, hauchte er fassungslos. »Ich glaube nicht, was ich hier erlebe.«

»Was du glaubst oder nicht glaubst, interessiert kein Schwein«, erklärte Eugenia kalt. »Wie heißt du?«

»Das geht dich einen Dreck an, Schlampe.« Der Schnauzbärtige zischte es hasserfüllt.

Das Weitere geschah so blitzartig, dass er weder mitbekam, noch schnell genug reagierte. Die Sternträgerin war mit einem Satz bei ihm und hatte in diesem kurzen Moment ihren Revolver im Holster versenkt. Jäher, stechender Schmerz durchzuckte den Mann, als sie seinen rechten Arm packte und auf den Rücken hebelte. Im selben Atemzug setzte sie seinen linken Arm mit einem brettharten Hieb außer Gefecht. Den rechten Arm hebelte sie höher, riss den ganzen Mann gleichzeitig herum und stieß ihn mit dem Oberkörper auf die Tresenkante. Er schrie auf, während er nach vorn geschleudert wurde. Mit knapper Not konnte er den Kopf zur Seite drehen und dadurch verhindern, dass er sich auf dem blankpolierten Hartholz die Nase brach. Er gab ein leises, geradezu kläglich klingendes Wimmern von sich.

Die Zuschauer im Saloon kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Rezeptionsangestellte lugte vorsichtig aus dem Nebenraum hervor. Mit ungläubigem Erschrecken sperrte er Mund und Augen weit auf.

»Name!«, herrschte Eugenia den Schnauzbärtigen an.

»Jake Norrish«, antwortete er mühsam, mit schmerzerfüllter Stimme.

»Wohnort?«

»New Fort Kearny«, antwortete er mit hörbarem Stolz.

»Ah!«, rief Eugenia. »Da habe ich ja einen Zufallstreffer gelandet! Richte deinem Boss und deinen Kumpanen aus, dass ihr die längste Zeit einen historisch so bedeutenden Ort verschandelt habt.«

»Wir betreiben ein legales Frachtunternehmen«, keuchte Norrish. »Dagegen kann keiner was machen.«

»Das werden wir sehen«, erwiderte Eugenia grimmig. »Die Kavallerie gibt es noch, und sie wird mit Vergnügen alles plattwalzen, was sich da in der Nähe des alten Forts breitgemacht hat.«

»Nie im Leben«, widersprach der Schnauzbärtige trotzig.

»Verschwinde«, fuhr Eugenia ihn an. »Aber wir sehen uns wieder. Verlass dich darauf.« Sie riss ihn vom Tresen weg und stieß ihn in Richtung Saloon.

»Darauf kannst du Gift nehmen«, knurrte er, während er davonstolperte.

***

Lassiter kehrte aus dem Bad zurück. Er stieg in seine gewaschenen und gebügelten Hosen und in die blitzblank geputzten Stiefel. Dann nahm er das ebenfalls frische und sorgfältig auf Kantenmaß gebügelte beigefarbene Hemd von der Kommode und faltete es auseinander.

Er lebte komfortabel in diesen Tagen. Die Frau, der er es verdankte, lag nackt auf dem breiten Bett und schaute ihm zu, wie er sich anzog.

»Willst du es dir nicht doch noch überlegen?«, fragte sie, stützte sich auf den rechten Ellenbogen und machte einen Schmollmund. Sie verfolgte jede Bewegung des großen Mannes mit bewundernden Blicken. Sie hatte ihm längst gesagt, dass sie sich an ihm nicht sattsehen konnte

»Louisa«, sagte der große Mann eindringlich. »Es ist Mittagszeit, und wir haben noch nicht mal gefrühstückt. Dein Vormann und die Männer sind seit heute Morgen um sieben abmarschbereit. Und sie wissen alle, warum sie so lange warten müssen.«

»Deinetwegen«, antwortete die Rancherin und lächelte spitzbübisch. »Weil du es einfach nicht fertig bringst, mich allein zu lassen.«

Er lachte und streifte das Hemd über. Am frühen Morgen hatte sie einen Hausmantel angezogen und den Hausverwalter losgeschickt, der zugleich eine Art Butler war. Drüben im Bunkhouse hatte er den Männern ausgerichtet, dass sie noch warten mussten. Während Lassiter das Hemd zuknöpfte, näherte er sich dem Bett und blickte auf die Frau hinab. Ihr Körper war einfach perfekt – rund, wo er rund sein musste, und straff und prall, wo ein Mann es zu schätzen wusste. Auf ihre beachtlichen Brüste trafen diese guten Eigenschaften auch im Liegen zu; aus der Mitte der halbkugelförmigen Wölbungen ragten die Nippel keck und kerzengerade empor.

»Ist dir klar«, sagte Lassiter, »dass sie Geschichten über dich erzählen? Die ganze verdammte Wartezeit vertreiben sie sich damit, über dich zu reden.«

»Über mich?«, tat Louisa ahnungslos. »Was sollten sie denn über mich erzählen?«

»Sie malen sich aus, warum sie so lange warten müssen.«

Louisa kicherte. »Du meinst, in allen Einzelheiten?«

»Was denn sonst?«

»Na, hör mal!«, prustete sie. »Das gehört sich aber nicht. Ich bin eine Respektsperson für die Männer. Ich bin ihre Rancherin. Vergiss das nicht.«

Lassiter grinste und stopfte das Hemd in die Hose. »Nachher, wenn wir unterwegs sind, werden sie mich ausfragen, wie es war mit dir.«

»Nie im Leben!«, rief Louisa in gespielter Empörung. »Das werden sie nicht wagen. Wenn sie das tun, werde ich sie alle feuern.«

»Unsinn. Ich werde keinen von ihnen verraten. Außerdem kannst du froh sein, wenn sie alle wohlbehalten zurückkehren.«

Louisa ging nicht darauf ein. Stattdessen sah sie den großen Mann sinnierend an und sagte schließlich: »Meinst du nicht, dass Bruce Tabor den Job allein erledigen kann? Er ist ein hervorragender Vormann. Ich kenne ihn länger als du. Deshalb weiß ich, wovon ich rede. Auf ihn kann ich mich hundertprozentig verlassen.«

Lassiter wollte ihr nicht widersprechen, denn sie hatte Recht. Sie wusste, was sie an Bruce Tabor hatte. Und er, der Mann der Brigade Sieben, konnte nach dem bisherigen Stand seiner Ermittlungen niemandem auf der C-Ranch Vorwürfe machen. Daher sagte er:

»Die Banditen haben bislang nicht davor zurückgeschreckt, fast jeden eurer Transporte zu überfallen – und wenn es nur der Chuckwagon mit ein paar Küchenvorräten war.«

Louisa runzelte die Stirn. »Was willst du damit sagen?«

»Ich stelle nur die Tatsachen fest«, entgegnete er. »Seit vier Tagen bin ich jetzt hier, und ich bin ausgesprochen dankbar dafür, deine Ranch als Stützpunkt benutzen zu können.« Er wandte sich ab und trat an das große Fenster. Es erlaubte einen Panoramablick über das sanft geschwungene Grün des Hügellands östlich des Haupthauses, das zusammen mit den übrigen Ranchgebäuden auf einer ausgedehnten Anhöhe stand.

Louisa schwang sich aus dem Bett und schmiegte sich an seine Seite. »Außer ein paar Überfällen haben uns die Banditen bislang nichts getan. Solange sie da draußen in ihrem sogenannten Fort kampieren und nicht meine Rinder stehlen und die Gebäude niederbrennen, will ich mich nicht beklagen. Du weißt, dass die Outlaws in anderen Gegenden viel schlimmer sind.«

Lassiter legte den Arm um...



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