Slade | Jack Slade 894 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 894, 64 Seiten

Reihe: Jack Slade

Slade Jack Slade 894

Die Spur der Digger
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-9124-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Spur der Digger

E-Book, Deutsch, Band 894, 64 Seiten

Reihe: Jack Slade

ISBN: 978-3-7325-9124-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Spur der Digger

Arnie Wells hat den Job inne, den keiner haben will. Er ist Sheriff der Goldgräberstadt Helena. Es gibt jede Menge Minen und Claims, Saloons, Freudenhäuser und zwei Kirchen, die weit weniger Besucher haben als die beiden Vorgenannten.
Helena ist keine schöne Stadt, aber sie ist Zentrum des Goldrauschs. Es gibt Glückspilze unter den Goldgräbern und solche, die sich ihren Anteil mit blutiger Gewalt holen ...

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Der Oldtimer wirkte eher gemütlich als gefährlich. Er war mittelgroß und ging etwas gebeugt, was ihn kleiner erscheinen ließ. Sein Haar war lang und schmutziggrau bis weiß, ebenso sein wuchernder Rauschebart. Seine Beine waren krumm, und er besaß einen deutlichen Bauchansatz. In ausgelatschten Stiefeln und in einer ausgebeulten Hose ging er umher. Niemand hätte vermutet, dass dieser Grandpa mit dem schweren 44er Army Colt und dem Green River Messer am Gürtel einer der gefährlichsten Killer des Westens war.

Er schlurfte über den Claim in den Big Belt Mountains. Ab und zu stieß er einen spitzen Stock in den Boden. Dann nahm er ein Nugget aus dem Lederbeutel an seinem Gürtel, steckte es in das Loch und verschloss es wieder.

So ging es eine ganze Weile. Zuletzt, als er seine Nuggets im Boden verteilt hatte, holte er eine Flinte. Es war ein alter Vorderlader, den man noch umständlich mit einem Ladestock stopfen musste. Zuerst kam ein Verdämmungspfropfen in den Lauf, dann das Pulver, schließlich folgte die Ladung. Das war in dem Fall keine Kugel, sondern Goldstaub.

Der Oldtimer – Joseph Nayes hieß er, er hatte auch schon andere viele Namen benutzt – stopfte alles fest. Dann gab er das Zündpulver auf die Pfanne, zielte auf einen großen Steinbrocken und drückte ab. Grandpa Nayes befand sich in einem abgelegenen Tal in den Big Belt Mountains nördlich von Bozeman, Montana.

Es krachte. Als sich der Pulverdampf verzogen hatte, sah man, dass der aus der Felswand gebrochene Steinbrocken mit Goldkörnchen gesprenkelt war. Grandpa Nayes kicherte.

»Hihihi, damit werde ich die Gimpel reinlegen. Der Claim ist gesalzen. Darauf fallen sie rein.«

Einen Claim zu ›salzen‹ bedeutete, ihn mit einer geringen Menge Gold zu imprägnieren. Sie täuschte ein reiches Goldvorkommen vor. Dann brauchte der, der den wertlosen Claim einem Unbedarften andrehen wollte, nur noch beredsam zu sein und einen guten Grund vorzubringen, weshalb er den ›wertvollen‹ Claim nicht selbst ausbeutete. Der bieder und harmlos wirkende Grandpa Nayes war geradezu ideal für diese Rolle.

Er kicherte wieder und wollte zu seinem bei der baufälligen Hütte in der Nähe wartenden Pferd. In der Satteltasche hatte er eine Taschenflasche mit Whisky. Daraus wollte er sich einen Schluck gönnen.

Er zuckte zusammen, seine Lider flatterten, als er plötzlich angesprochen wurde. Wie aus dem Boden gewachsen, standen zwei hochgewachsene Indianer vor ihm. Lautlos hatten sie sich herangepirscht. Crees waren es, in Wildleder gekleidet, trotz der schon kühlen Witterung des herbstlichen Montana mit freiem Oberkörper.

Der eine hatte ein Gewehr, der andere war mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Sie trugen jedoch keine Kriegsbemalung und wirkten nicht mordlüstern. Zurzeit waren die Crees und Assiniboins friedlich, obwohl es ihnen mächtig missfiel, dass Scharen von Goldgräbern ihre angestammten Jagdgründe heimsuchten, dort alles umwühlten, die Bäche verdreckten, Bäume abholzten, das Wild abschossen und sich mächtig unbeliebt machten.

Großmäulig waren die Digger, sie benahmen sich gegenüber den roten Herren des Landes fast allesamt unverschämt. Selbst der letzte weiße Lausezipfel hielt sich noch für etwas Besseres als die Indianer.

Der Cree mit dem Gewehr sprach gebrochenes Englisch. Er konnte es besser verstehen als sprechen.

»Alter weißer Vater, was du machst?«, fragte er respektvoll.

Er konnte sich aus dem Treiben des Alten keinen Reim machen.

Grandpa Nayes rieb sich die Knollennase. Sie ragte aus seinem Bartgestrüpp hervor.

»Ich segne den Boden, den ich nun bald verlasse, roter Bruder. Ich will die Erde besänftigen, die ich aufriss, um nach dem gelben Metall zu graben.«

Während er das sagte, dachte der alte Teufel blitzschnell nach. Er konnte die beiden Indianer nicht am Leben lassen. Sie wussten zu viel. Sie brauchten nur, unter welchen Umständen auch immer, mit den falschen Leuten zu reden. Dann war das Geschäft mit dem gesalzenen Claim dahin.

Grandpa Nayes – er sah älter aus, als er war, und bewegte sich absichtlich ungelenk – schob sich näher an die beiden Indianer heran. Sie überragten ihn jeder um einen Kopf und hatten strotzende Muskeln. Körperlich waren sie ihm weit überlegen. Ausgebildete Kämpfer waren sie auch wie alle Cree-Krieger.

»Die Mutter Erde soll mir nicht zürnen, dass ich ihren Schoß öffnete«, sagte Nayes salbungsvoll.

Der Cree mit dem Gewehr übersetzte seinem Stammesgenossen. Er war sichtlich erfreut.

»Du gute Mann, alter Vater. Viel weise. Besser als wilde Goldgräber, die verrückt nach dem gelben Metall.«

»Das will ich meinen, mein roter Freund. Man soll die Kirche immer im Dorf lassen und niemanden unnötig erzürnen. Leben und leben lassen, das ist meine Devise.«

»Was Devise? Nicht kennen das Wort.«

Nayes war nahe genug heran. Blitzschnell zog er sein Messer und stieß es dem Cree bis zum Heft ins Herz. Er überraschte die beiden vollkommen. Im nächsten Moment hatte er die Klinge schon wieder aus der Wunde gerissen und zog sie dem zweiten Cree über die Kehle.

Ein Schnitt klaffte auf. Der Indianer gurgelte mit seinem eigenen Blut. Es rann in Strömen hervor. Blutspritzer trafen den Alten. Jetzt schaute er nicht mehr gemütlich drein.

»Das hättet ihr nicht gedacht, dass ich euch umbringe, ihr Schweine«, stieß er hervor. »Was müsst ihr denn auch ausgerechnet hier herumschleichen? Sind die Berge nicht groß genug? Das habt ihr nun davon. Und ich muss eure Kadaver wegschleppen und verstecken, es sei denn …«

Der Cree, der ins Herz gestochen war – Grandpa Nayes freute sich über den sauberen Stich –, lag schon tot am Boden. Rot rann der Lebenssaft aus ihm hervor. Der andere kniete schrecklich gurgelnd und röchelnd am Boden. Er versuchte vergeblich, den tödlichen Luftröhrenschnitt mit den Händen zu verschließen, um weiteratmen zu können.

»Stirb endlich«, knurrte der Alte. »Wie lange willst du denn noch machen, du roter Köter?«

Die Augen des Sterbenden wurden glasig. Er sank in das blutige Gras. Grandpa Nayes hatte nicht die geringsten Skrupel. Er wusste nicht, wie viele Menschen er im Lauf seines langen Lebens getötet hatte. Vor Jahren schon hatte er aufgehört zu zählen. Es mussten jedenfalls eine ganze Menge sein.

Er stieß die beiden Toten an. Dann kratzte er sich am Kopf. Sein Kompagnon Black Will musste irgendwo in der Nähe sein. Vielleicht auch weiter weg. Wenn er anritt, denn er konnte den Schuss gehört haben, wollte Nayes ihm die Arbeit aufhalsen, die beiden Leichen zu entsorgen. Und die Spuren zu verwischen.

Nayes setzte sich auf einen Stein, holte seine abgenutzte Stummelpfeife aus der Tasche, stopfte und rauchte. Das Messer hatte er an der Kleidung der Toten abgewischt. Nach einer Weile, als er schon fürchtete, die Leichen selbst wegbringen zu müssen, hörte er Hufschlag.

Dann bog Black Will auf seinem Braunen um die Felsecke und ritt an den Büschen vorbei zu der Mordstätte. Entsetzt schaute er auf die Toten.

»Du hast zwei Crees umgebracht, Alter? Bist du von Sinnen? Ihre Stammesbrüder werden wie aufgescheuchte Hornissen hinter uns her sein, wenn sie ihr Verschwinden bemerken. Warum hast du sie nicht einfach fortgeschickt? Du bist doch sonst so wortgewandt.«

»Ihre Nasen haben mir nicht gefallen«, brummte Nayes, der sich in Rauch hüllte. »Vor allem, dass sie sie in meine Geschäfte steckten. Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer. Bring die Leichen fort, Will, sei ein guter Junge. Wirf sie in einen Abgrund, wo niemand sie findet.«

»Ich? Wieso ich? Habe ich sie denn umgebracht? Erledige du das gefälligst selbst. Auch bin ich nicht dein Junge, du alter Schurke. Nenn mich nicht so.«

»Reg dich nicht auf, Junge. Gegen mich bist du jung. Okay, wenn du meinst, dann werde ich das selbst erledigen.«

Der weißbärtige Alte stand auf. Plötzlich zuckte er zusammen, griff sich an die Wirbelsäule und krümmte sich. Er verzog das Gesicht.

»Au, au, mein Rücken! Verdammter Rheumatismus. Und meine Bandscheiben. Das tut höllisch weh.« Er stellte sich krumm vor den Stein, auf dem er gesessen hatte, hielt sich den Rücken und jammerte. »Au, tut das weh. Dabei dachte ich, es ist mal eine Weile Ruhe mit dem verdammten Rücken. Ich hätte die Toten ja weggebracht, Will, aber ich kann es nicht. Nicht mit diesen Schmerzen und mit dem kaputten Rücken. Sei froh, dass du jung und stark bist. Tu mir den Gefallen, verwische die Spuren. Und bringe die Leichen fort. Sie hätten uns verraten können. Sie kamen im unrechten Moment, und unverschämt waren sie auch. Sie bedrohten mich. Ich musste mich wehren. Sie wollten mich ausplündern. Ich fürchtete um mein Leben. Und mit wem sie alles hätten reden können …«

Black Will saß ab. Er war hochgewachsen, schwarzbärtig und derb und wetterfest wie ein Digger gekleidet. Er arbeitete mit Grandpa Nayes zusammen, beziehungsweise der hatte ihn mitgenommen und schob ihm den Hauptanteil der Arbeit zu.

Black Will verwischte die Spuren, womit Nayes unzufrieden war. Er würde nachbessern müssen. Was müssen die Kerle derart bluten?, dachte er. Wenn man jemandem mit dem Messer umbringt, gibt es immer eine Schweinerei.

Nayes hockte sich auf den Stein. Er tat, als ob er heftige Schmerzen hätte und sich kaum rühren könnte. Die Pfeife hatte er erlöschen lassen. Wenn sein Gefährte gerade nicht aufpasste, warf er ihm flinke Blicke zu.

Black Will lud beide Leichen auf sein Pferd. Die eine fiel ihm herunter.

»Pass doch auf!«, meckerte...



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