Sirtakis Vertrauen ist ein zerbrechliches Geschenk
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95609-165-0
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-95609-165-0
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ihr altes Leben hinter sich lassend versucht Chiara in Basel einen Neuanfang. Sie lernt die Kunstmalerin Regina kennen, die sich nach bitteren Erfahrungen in ihrer Villa einigelt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fühlt sich Regina zu Chiara hingezogen, doch das unbeschwerte Zusammensein währt nur kurz - alte Erinnerungen plagen Regina, sie zieht sich zurück. Kann Chiara die nötige Geduld aufbringen, um die Mauer, die Regina um ihr Herz gebaut hat, niederzureißen?
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6
»Sie haben einen guten Geschmack«, sagte Regina, während ihr Blick über den Fluss schweifte, der im Lichte des Sonnenuntergangs glitzerte.
Chiara lächelte und griff nach dem Weinglas. »Zum Wohl. Auf einen schönen Abend.«
Regina erhob ebenfalls das Glas. »Auf einen schönen Abend und danke, dass Sie mich begleiten.«
Chiara trank einen Schluck Rotwein und betrachtete ihr Gegenüber mit einem warmen Blick.
Regina lächelte. »Was geht Ihnen durch den Kopf?«
»Na ja.« Chiara schmunzelte und verzog die Lippen. »Wenn Sie mich so direkt fragen . . .« Sie räusperte sich. »Seit wir uns verabredet haben, frage ich mich, was wohl auf mich zukommt.«
»Ich hoffe«, Regina nahm einen Schluck und blinzelte sie über das Glas hinweg an, »dass ich Sie nicht wieder ins Krankenhaus bringen muss.«
Chiara lachte laut auf. »Na, das hoffe ich doch auch!«
»Schon komisch, wie wir uns kennengelernt haben«, fuhr Regina nachdenklich fort. »Ich habe schon von Überfällen an Geldautomaten gehört, aber noch nie einen gesehen. Aber als ich Sie da liegen sah, blutend . . .« Sie schüttelte den Kopf. »So etwas hätte ich mir nicht vorstellen können.«
»Ich auch nicht«, sagte Chiara. »Ich habe mir davor nie Gedanken darüber gemacht, dass so etwas passieren könnte.« Sie beugte sich vor. »Jedenfalls finde ich es sehr nett, dass Sie mich nicht dort liegengelassen haben.«
»Sie hätten eine Gehirnerschütterung haben können oder Schlimmeres.« Regina zuckte die Schultern. »Das hätte jeder getan.«
»Die meisten hätten vermutlich die Polizei gerufen oder einen Krankenwagen«, widersprach Chiara. »Und sich dann aus dem Staub gemacht.«
Regina lächelte schief. »Ich weiß nicht, was die meisten tun. Ich fürchte, ich bin nicht so wie die meisten.«
Das allerdings, dachte Chiara. Du bist etwas ganz Besonderes. Wieder spürte sie dieses Kribbeln. Sie konnte es nicht verhindern. »Das ist ein Glück«, sagte sie. »Eine Malerin –« Sie brach ab und dachte an Reginas Wutausbruch mit dem Bild.
»Eine Malerin ist auch nur ein Mensch«, erwiderte Regina, als ob sie ihre Gedanken gelesen hätte. »Mit allen Fehlern und Schwächen.«
»Lass uns nicht mehr darüber reden. Oh, Entschuldigung –« Chiara verzog betreten das Gesicht. »Lassen Sie . . .«
»Ist schon gut.« Regina lachte und schaute Chiara kritisch an. »Hast du etwa Angst vor mir?« Ihr Blick wurde ernst. »Ich verstehe«, seufzte sie. »Bis jetzt hat jede Unterhaltung zwischen uns in einem Desaster geendet.« Sie lächelte sanft. »Auf das Du und einen wunderschönen Abend.« Chiara zuprostend hob sie ihr Glas.
Es wurde dunkel, das Kerzenlicht schenkte der Terrasse ein sinnliches Ambiente, und das Wasser schimmerte nun im Mondlicht.
»Das Essen ist himmlisch und der Wein göttlich.« Regina lehnte sich entspannt zurück.
»Dann sind wir wohl im Himmel«, ergänzte Chiara lächelnd. Sie betrachtete Regina und genoss den Anblick.
»Könnte sein.« Regina wandte ihr das Gesicht zu. »So genau kenne ich mich da nicht aus.«
Für Chiara hätte die Zeit stehenbleiben können. Sie fühlte sich so wohl wie schon lange nicht mehr. Sie wusste nicht genau, was sie erwartet – oder befürchtet – hatte, aber im Moment lernte sie Regina von einer ganz anderen Seite kennen, einer, die ihr sehr gefiel. So konnte es bleiben.
Nach einer Weile beschlossen sie, das Restaurant zu verlassen, und Regina schlug vor, den Abend mit einem Spaziergang ausklingen zu lassen. Ein paar Minuten spazierten sie wortlos nebeneinander her.
»Chiara.«
»Ja?« Chiara blickte in Reginas Augen, die ihr so nah wie nie zuvor waren.
»Danke für den wundervollen Abend«, sagte Regina mit sanfter Stimme.
Chiaras Augen wollten sich gar nicht mehr von Reginas lösen.
»Ach wie schön . . .« Regina blickte nach rechts zu einer Verkaufsbude.
»Was denn?«
»Siehst du den Zuckerwattestand? Und die Kinder?« Regina lächelte. »Schau mal, wie sie mit leuchtenden Augen auf ihre Leckerei warten.«
»Einen Moment.« Chiara zischte los und war kurz darauf mit zwei Portionen Zuckerwatte wieder da.
»Du bist verrückt.« Regina lachte verlegen. »Wir sind doch zwei erwachsene Frauen, keine Kinder.«
»Du siehst doch, dass es geht«, hielt Chiara trocken dagegen. »Ich finde, dass sich auch erwachsene Frauen wie glückliche Kinder fühlen dürfen.« Sie streckte Regina eine Zuckerwatte entgegen. »Für dich . . .«, flüsterte sie und schenkte ihr dabei einen tiefen Blick.
Regina nahm die Zuckerwatte zwar, aber sie drehte den Kopf in eine andere Richtung, als ob sie Chiaras Blick ausweichen wollte. »Danke.«
Chiara wusste nicht genau, wie sie sich verhalten sollte. Irgendwie hatte sie das Gefühl, Regina empfand nicht dasselbe wie sie. »Bin ich schon wieder ins Fettnäpfchen getreten?«, fragte sie.
Regina schüttelte den Kopf. »Nein. Ich weiß nur nicht, wann ich mich als Kind je glücklich gefühlt habe.«
»Oh je. Tatsächlich?« Ganz automatisch hob Chiara die Hand und strich ihr über die Wange.
Regina erstarrte.
»Tut mir leid.« Chiara zog ihre Hand zurück und räusperte sich. »Es ist wohl der schöne Abend, der mich ein bisschen –« Sie brach ab. »Ich dachte einfach . . . irgendwie . . . als Kind ist man doch meistens glücklich.«
»Du hattest bestimmt eine schöne Kindheit.« Regina lächelte wieder.
»Na ja, normal, dachte ich immer.« Chiara zuckte die Schultern.
»Normal«, wiederholte Regina nachdenklich. Als ob sie ihre Erstarrung von vorhin wiedergutmachen wollte, schob sie ihren Arm in Chiaras. »Gehen wir ein bisschen.«
Chiaras Herz schlug laut. Es kam ihr so vor, als würde sie all das nur träumen. Regina schlenderte mit ihr Arm in Arm und völlig entspannt am Flussufer entlang. Sie konnte es kaum glauben.
Die Zuckerwatte wurde immer weniger, bis sie nur noch die Stiele in der Hand hielten.
»Mmh . . . das war lecker.« Regina legte den Kopf in den Nacken und schloss für einen Moment die Augen.
Wie wunderschön sie ist. Chiara war hin und weg. Sie musste all ihre Sinne einzeln einfangen. Vorsichtig setzten sie sich auf einen großen Stein und blickten aufs leise plätschernde Wasser. Chiara betrachtete Regina von der Seite und hätte dahinschmelzen können.
»Na, bereust du es, dass du den Gutschein selbst mit mir eingelöst hast?«, fragte Regina etwas schelmisch.
»Sicher nicht.« Chiara lachte. »Ich hätte nur gedacht, dass da jemand ist, der ältere Rechte hat.«
Wieder versteinerte Regina.
»Tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid.« Chiara schlug sich mit Gewalt auf den Schenkel. »Immer sage ich das Falsche.«
»Nein. Es liegt nicht an dir.« Es war, als ob Regina sich ganz bewusst lockerte, als hätte sie es gelernt. »Du kannst ja nicht wissen –« Sie hob eine Hand und berührte Chiaras Wange ganz sanft. »Du bist seit langem das Beste, was mir passiert ist«, sagte sie leise. »Ich genieße diesen Abend, wie ich es mir nie hätte vorstellen können.«
Chiara fühlte sich geschmeichelt und genoss Reginas sanfte Berührung, die wie ein Blitz durch ihre Gliedmaßen schoss. »Danke. Aber dazu gehören immer zwei.« Ihr Blick verfing sich auf Reginas linker Wange.
»Was ist?«, fragte Regina.
»Du hast da noch Zuckerwatte.« Chiara zeigte mit dem Finger auf die Stelle.
»Machst du sie mir weg?«, flüsterte Regina.
Chiara hob zögerlich die Hand.
Unvermutet hielt Regina Chiaras Handgelenk fest und schaute ihr tief in die Augen. »Bist du sicher, dass du es so wegmachen willst?«
Chiaras Puls fing an zu rasen, und zaghaft näherten sich ihre Lippen Reginas Wange. Sie hielt inne und wollte sich vergewissern, dass sie nichts missverstanden hatte. Doch Regina schien einfach nur zu warten.
So ermutigt berührten ihre Lippen zärtlich die Stelle in Reginas Gesicht, die den süßen Rest gefangenhielt. Vorsichtig leckte sie die Zuckerwatte ab.
Dann suchten Reginas Lippen die ihren.
Einen kurzen Moment zögerten sie, schauten sich nur an . . . fühlten den Atem der anderen . . . Ihre Lippen verschmolzen miteinander und entfachten einen leidenschaftlichen Kuss.
»Regina . . .«, flüsterte Chiara, als sie sich wieder voneinander lösten, aber nur ein bisschen, um Luft zu holen. »Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas heute geschieht.«
Regina lachte leise. »Ich auch nicht.« Ihre Augen suchten die von Chiara. »Das muss jetzt wirklich an dir liegen.«
»Oder an dir.« Chiara strich ihr zärtlich übers Haar. »Du bist eine wunderbare Frau.«
»Du auch.« Ein sanftes Lächeln, das es unmöglich machte, sich vorzustellen, dass sie auch anders sein konnte, umspielte Reginas Lippen. »Ich habe das Gefühl, mit dir kann man Pferde stehlen. Das gefällt mir. Es ist irgendwie ein . . . beruhigendes Gefühl.«
»Ich kann nicht sagen, dass ich mich im Moment besonders ruhig fühle«, erwiderte Chiara. Ihre Stimme klang rau.
»Ist deine Verletzung wieder ganz geheilt?« Regina musterte ihre Schläfe. »Es ist immer noch ein bisschen blau.«
Aha, falsches Thema, dachte Chiara. Pferde stehlen ja,...




