E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Sirtakis Unter Kretas Sternen
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95609-199-5
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebesroman
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-95609-199-5
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eleni, deutsche Tierärztin mit griechischen Wurzeln, betreibt auf Kreta eine mobile Tierklinik und besitzt ein wunderschönes Grundstück direkt am Meer, das sie zu einem Tierasyl gemacht hat. In dieses kleine Paradies platzt ein griechischer Hotelier, der Elenis Grundstück kaufen und Luxushotels bauen will. Er beauftragt die auf Kreta lebende deutsche Anwältin Anika, ihm das Grundstück zu beschaffen – mit allen Mitteln. Anika, selbst in einer unglücklichen Beziehung steckend, zerrt Eleni vor Gericht, doch schon bald ist es mit der Professionalität vorbei, denn Anika entwickelt tiefere Gefühle für Eleni, was ihren Beruf und ihre ganze Existenz in Frage stellt ...
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Anika verließ das Haus am nächsten Morgen völlig unausgeschlafen. Da Sina keiner Arbeit nachging, hatte sie kein Verständnis für die Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung. Meist schlief sie bis mittags und verbrachte den Rest des Tages am Strand. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang hatte sie Anika noch die halbe Nacht wachgehalten und ausgiebigen Sex von ihr verlangt. Müde war sie kein bisschen gewesen, da sie sich ja den ganzen Tag hatte ausruhen können.
Im Grunde genommen wusste Anika, dass sie Sina Grenzen hätte setzen müssen, denn sie lebten hier auf Kreta allein von Anikas Einkommen, also musste Anika fit sein, um ihren Job als Rechtsanwältin gewissenhaft erledigen zu können. Das hätte Sina eigentlich auch verstehen müssen. Tat sie aber nicht.
Anika hatte sich vorgenommen, noch einmal mit Eleni Patros zu sprechen. Ihr Mandant hatte ihr einen gewissen Verhandlungsspielraum gegeben und sie wollte versuchen, sich mit Eleni vielleicht doch noch außergerichtlich zu einigen.
Seit gestern hatte sie immer wieder diese bezaubernden Augen vor sich gesehen, diese Leidenschaft und dieses Feuer in Elenis Blick. Eleni würde nicht so einfach aufgeben, und das könnte vor Gericht richtig unangenehm werden. Ein harter Brocken . . . diese Eleni, dachte Anika. Aber vielleicht gab es ja doch noch eine andere Lösung, die für alle Parteien akzeptabel sein würde. Anika hatte damals in Hamburg eine Zusatzausbildung als Mediatorin gemacht. Ihr waren Verhandlungsergebnisse, mit denen alle Beteiligten gut leben konnten, am liebsten. Nun wollte sie also ihre diesbezüglichen Fähigkeiten einsetzen und versuchen, mit Frau Patros vielleicht doch noch ein gutes Resultat zu erzielen.
Eleni Patros’ Haus stand ganz für sich allein auf einer kleinen Anhöhe. Anika stieg aus ihrem Auto und ging ein paar Schritte. Was für eine Aussicht! Ein echter Traum. Mit großen Augen schweifte ihr Blick über das türkisfarbene Meer, das im Sonnenlicht wie Juwelen glitzerte. Hier würde es bestimmt vielen Touristen gut gefallen. Eine Goldgrube für Alexandros Stolakis. Der ideale Ort für ein Hotel.
Sie ging weiter über den Kiesplatz und näherte sich dem Haus. Lautes Hundegebell ertönte. Vor dem Eingangstor blieb sie stehen und blickte sich nochmals um.
Im zweiten Stock des Hauses öffnete sich ein Fenster. Frau Patros stand dort, mit zwei Topfdeckeln bewaffnet, die sie mehrmals kräftig gegeneinanderschlug. Die Vierbeiner verstummten und beruhigten sich augenblicklich.
Anika schaute verblüfft zu ihr hoch. »Die Rasselbande haben Sie aber gut im Griff«, meinte sie und lächelte.
»Was wollen Sie denn hier?«, stöhnte Eleni. Ihr Blick schoss zu Anika herunter und hinterließ auf Anikas Haut ein eigenartiges Kribbeln.
»Mit Ihnen reden. Vielleicht finden wir ja doch noch eine passende Lösung«, sagte Anika in freundlichem Ton.
Frau Patros kniff ärgerlich die Augen zusammen. »Will Ihr Mandant etwa aufgeben?«, fragte sie angriffslustig. »Baut er sein Hotel woanders?« Ihre Augen blitzten Anika zornig an.
Anika verzog traurig die Mundwinkel, während sie ihren Blick noch einmal über das traumhafte Panorama schweifen ließ. »Wohl kaum«, seufzte sie entschuldigend.
»Dann vergessen Sie es.« Eleni winkte ab. »Je länger sich die Sache hinzieht, desto mehr verdienen Sie doch schlussendlich auch, oder? Sie sollten also mit dem bisherigen Werdegang ganz zufrieden sein.« Abschätzig, ja beinahe verächtlich musterte sie Anika von oben herab.
Bin ich aber nicht, dachte Anika und holte tief Luft. »Frau Patros . . .«, versuchte sie es geduldig noch einmal. »Seien Sie doch vernünftig. Mein Mandant hat mir einen gewissen Verhandlungsspielraum gegeben. Ich könnte Ihnen ein wirklich großzügiges Angebot unterbreiten.«
Elenis eisblaue Augen blitzten Anika wütend an. »Machen Sie einen Abflug!«, fauchte sie. Laut knallend flog das Fenster zu.
Was für eine Frau, dachte Anika. Aber leider mehr Temperament als Verstand. Wenn sie doch nur mit mir reden würde, seufzte sie innerlich und drehte sich einmal um die eigene Achse. Sie würde wohl ihren Mandanten anrufen und ihm mitteilen müssen, dass die Vergleichsverhandlungen gescheitert waren.
Anika hatte den ganzen Tag in der Kanzlei zu tun. Sie musste alle anfallenden Arbeiten selbst erledigen, da sie hier einen Ein-Frau-Betrieb führte. Damit es Sina und ihr finanziell an nichts fehlte, hatte sie bewusst darauf verzichtet, eine Sekretärin einzustellen.
Ungläubig schüttelte sie den Kopf. Immer öfters erwischte sie sich dabei, wie sie gedanklich abschweifte. Diese Eleni und diese wunderschönen Augen wollten ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. So sehr sie sich auch bemühte, nicht an sie zu denken, es half nichts. Anika raufte sich genervt die Haare. Immer wieder sah sie den Glanz, die Leidenschaft und das Feuer dieses Blickes vor sich aufblitzen.
Kurz vor Mitternacht löschte Anika endlich das Licht und verließ müde die Kanzlei. Seit Mitte Nachmittag regnete es schon in Strömen. Sie hielt sich ihren Aktenkoffer zum Schutz über den Kopf und rannte zum Auto. Durch ein Gässchen sah sie, wie das Meer wild vor sich hin tobte und furchteinflößende Geräusche von sich gab. Was für eine Weltuntergangsstimmung, dachte sie. Nichts wie nach Hause.
In der Dunkelheit quietschten die Scheibenwischer auf Hochtouren über die Frontschutzscheibe. Ihr war kalt und ihre alte Kiste brauchte immer eine gefühlte Ewigkeit, bis sie das kleinste bisschen Wärme produzierte. Ungeduldig versuchte sie, in diesem Unwetter auch nur irgendetwas auf der Straße erkennen zu können.
Was ist das denn? Ein Jeep stand einsam am Straßenrand. Langsam fuhr sie an ihm vorbei. Keine Menschenseele zu sehen. Komisch. Sie schüttelte den Kopf und fuhr weiter.
Auf einmal entdeckte sie im Dunkeln eine Menschengestalt, die rechts an der Straße entlanglief. Sie fuhr langsamer, wollte gerade anhalten, drehte sich nach rechts und blickte direkt in Eleni Patros’ kristallklare Augen. Für einen Moment saß sie stocksteif hinter dem Lenkrad und hielt überrascht den Atem an. Dann kurbelte sie eilig das Fenster hinunter, so dass der Regen nur so hereinprasselte. »Gehört Ihnen der Jeep? Hatten Sie eine Panne?«, fragte sie mit zusammengezogenen Augenbrauen.
Eleni rollte genervt mit den Augen. »Sie sind wirklich die Intelligenz in Person«, knurrte sie völlig durchnässt. Dann stieß sie einen Seufzer aus. »Wie haben Sie das nur erraten?«, fragte sie spöttisch und schüttelte den Kopf.
Anika bekam sofort ein schlechtes Gewissen. Diese Frau hatte das genauso gut drauf wie Sina. »Steigen Sie ein«, bot sie trotzdem an. »Ich fahre Sie nach Hause.«
Elenis Mundwinkel zuckten. »Wieso sollte ich ausgerechnet bei Ihnen einsteigen?«, fragte sie entnervt.
Anika verzog das Gesicht und zuckte gespielt gleichgültig die Schultern. »Hm . . . Gute Frage«, meinte sie und blickte zur Frontschutzscheibe hinaus. Dann wandte sie sich wieder Eleni zu. »Vielleicht, weil es gerade wie aus Kübeln schüttet und Sie schon völlig durchnässt sind.« Sie lächelte einladend und nickte. »Geben Sie sich einen Ruck. Ich beiße wirklich nicht. In zehn Minuten sind Sie zu Hause und können sich morgen in aller Ruhe um Ihr Auto kümmern.«
Frau Patros blickte zweifelnd zum Himmel hoch, als suchte sie dort nach Rat. »Okay«, murmelte sie schließlich. »In Anbetracht der Situation . . .«, seufzte sie und stieg ziemlich widerwillig bei Anika ein.
Im Auto herrschte eisiges Schweigen. Die Sekunden kamen Anika wie Minuten vor, die Situation war ihr mehr als unangenehm. »Sie sprechen aber gut Griechisch«, kam ihr das Erstbeste, was ihr einfallen wollte, über die Lippen – wohl in der Hoffnung, mit Eleni über irgendein unverfängliches Thema reden zu können, damit diese belastende Stille endlich ein Ende hätte.
Eleni strich sich müde mit der Hand übers Gesicht und starrte stur geradeaus. »Ich bin zweisprachig aufgewachsen«, antwortete sie barsch und erstickte damit jegliches Gespräch im Keim.
Anika schauderte es. Das kann ja heiter werden. Ganz offensichtlich will sich Eleni nicht mit mir unterhalten, dachte sie und konzentrierte sich erneut auf den Straßenverkehr.
Sie waren kaum ein paar Minuten gefahren, da schrie es neben Anika unvermittelt auf: »Stopp. Anhalten!«
Anika erschrak fürchterlich und drückte geistesgegenwärtig auf die Bremse. Beide wurden recht unsanft nach vorn geschleudert.
»Haben Sie das denn nicht gesehen?« Eleni schaute Anika mit strafendem Blick an.
Anika zuckte die Schultern und blickte suchend um sich. »Wie? Wo? Was denn?«, fragte sie reichlich verunsichert.
»Den Hund natürlich.« Sie starrte Anika prüfend an und schüttelte ungläubig den Kopf.
»Wo?«, fragte Anika ganz aufgeregt und blickte nach links und rechts.
Eleni zeigte mit der Hand nach hinten. »Da . . . im Straßengraben.«
Anika riss die Augen weit auf. »Und jetzt?«, fragte sie und starrte Eleni etwas hilflos an.
»Warten Sie hier«, befahl Eleni energisch, öffnete eilig die Autotür und wandte sich noch kurz zu Anika um. »Ich schaue erstmal in Ruhe allein nach. Zu zweit könnten wir das Tier zu sehr verunsichern.«
»Okay . . .«, murmelte Anika und stellte den Motor ab. Im Rückspiegel beobachtete sie, wie sich Eleni langsam dem Hund näherte, der nun fast panisch versuchte aufzustehen. Doch er schaffte es nicht, überschlug sich mehrmals und blieb schließlich erschöpft im Graben liegen. Anika schloss die Augen. Sie fühlte einen ihr bis...




