Singh | Ruf der Vergangenheit | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 07, 416 Seiten

Reihe: Psy Changeling

Singh Ruf der Vergangenheit


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8025-8566-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 07, 416 Seiten

Reihe: Psy Changeling

ISBN: 978-3-8025-8566-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Dev Santos findet eine bewusstlose Frau vor seiner Haustür. Als sie aufwacht, stellt er fest, dass sie eine Mediale ist. Katya hat ihr Gedächtnis verloren. Das Einzige, woran sie sich erinnert, ist der Auftrag, den sie von einem Unbekannten erhalten hat: Sie soll Dev Santos töten. Dieser Auftrag ist ihr so tief ins Bewusstsein eingeprägt, dass es ihre ganze Kraft kostet, sich dagegen zu wehren. Doch was geschieht, wenn sie diesen Kampf irgendwann verliert? Dev entwickelt unerwartet tiefe Gefühle für die hübsche Mediale. Kann er Katya helfen und mit ihr gemeinsam denjenigen finden, der es auf sein Leben abgesehen hat?



Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als Rechtsanwältin und Englischlehrerin, begann sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen.

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1

Sie schlug die Augen auf, und einen Moment war ihr, als wäre die Welt eine andere. Nie zuvor hatte sie Augen von einem solchen Braun gesehen. Gold schimmerte in ihnen. Bernstein. Und Bronze. Unglaublich viele Farben.

„Sie ist wach.“

Die Stimme kam ihr bekannt vor, sie hatte sie schon einmal gehört.

Ganz ruhig. Ich halte Sie.

Sie schluckte, versuchte zu sprechen.

Ein kaum wahrnehmbares Fauchen. Beinahe unhörbar. Körperlos.

Der Mann mit den braunen Augen schob die Hand unter ihren Kopf, hob ihn ein wenig an und hielt ihr etwas an die Lippen.

Kalt.

Eis.

Gierig öffnete sie den Mund, um die Eisstückchen darin schmelzen zu lassen. Ihre Kehle wurde feucht, aber es war nicht genug. Sie brauchte Wasser. Wieder versuchte sie zu sprechen. Hörte sich selbst nicht, aber er hatte sie verstanden.

„Setzen Sie sich auf.“

Es war, als versuchte sie gegen eine gefährliche Flut anzukämpfen – ihre Knochen waren wie Gummi, ihre Muskeln ohne jede Kraft.

„Warten Sie.“ Fast musste er sie hochheben. Ihr Herz schlug so schnell, war das wilde Flattern eines Vogels in der Falle.

Klopf-klopf.

Klopf-klopf.

Klopf-klopf.

Warme Hände umfingen ihren Kopf und bewegten ihn. Ein Gesicht tauchte vor ihren Augen auf und verschwand wieder.

„Ich glaube, sie steht immer noch unter Medikamenteneinfluss.“ Seine Stimme war tief, drang tief in ihr flatterndes Herz. „Hast du – vielen Dank.“ Er hielt ihr etwas hin.

Eine Tasse.

Wasser.

Sie griff nach seinem Handgelenk, beinahe wären ihre Finger an der lebensvollen warmen Haut abgerutscht.

Er hielt die Tasse immer noch außer Reichweite. „Langsam. Haben Sie mich verstanden?“ Mehr ein Befehl als eine Frage – von einer Stimme, die es gewohnt war, dass man ihr gehorchte.

Sie nickte und spürte etwas an den Lippen. Einen Strohhalm.

Ihre Finger griffen fester zu, sie kam fast um vor Durst.

„Langsam“, wiederholte er.

Sie nippte vorsichtig. Köstlich. Süß. Nach Orangen. Trotz des scharfen Tons ihres Retters hätte sie vielleicht gierig gesogen, wenn ihr Mund es vermocht hätte. Doch sie war kaum in der Lage, ein wenig zu saugen. Es reichte gerade, um ihre raue Kehle zu beruhigen, die schmerzende Leere in ihrem Magen zu füllen.

Sie hatte so lange gehungert.

Ein Gedanke berührte sie flüchtig, aber sie bekam ihn nicht zu fassen. Sah gebannt in die eigenartigen Augen. Aber das war nicht alles. Er hatte scharfe, beinahe harte Gesichtszüge und goldbraune Haut. Exotische Augen. Exotische Haut.

Sein Mund bewegte sich.

Sie konnte den Blick nicht von seinen Lippen lösen. Die Unterlippe war ein wenig voller, als man es bei einem Mann erwartet hätte. Aber nicht weich. Ganz und gar nicht. Hart und befehlsgewohnt.

Warme Finger auf ihrer Wange. Sie blinzelte und konzentrierte sich erneut auf seine Lippen. Versuchte zu verstehen.

„… heißen Sie?“

Sie schob den Saft fort und schluckte, ließ die Hände auf das Laken fallen. Er wollte wissen, wie sie hieß. Eine verständliche Frage. Sie wollte ja auch seinen Namen wissen. Man stellte sich einander vor, wenn man sich zum ersten Mal begegnete. Das war ganz normal.

Ihre Finger krallten sich in das weiche Baumwolllaken.

Klopf-klopf.

Klopf-klopf.

Klopf-klopf.

Schon wieder der eingesperrte Vogel in der Brust. Wie grausam.

Das war nicht normal.

„Wie heißen Sie?“ Er sah sie so durchdringend an, dass sie nicht wegschauen konnte.

Und antworten musste: „Ich weiß es nicht.“

Verwirrung und Angst schlugen Dev aus grüngoldenen Haselaugen entgegen. „Was hältst du davon, Glen?“

Mit zusammengezogenen Augenbrauen stand Dr. Glen Herriford auf der anderen Seite des Bettes. „Könnte ein Nebeneffekt der Betäubungsmittel sein. Sie hatte ziemlich viel genommen. Du solltest noch ein paar Stunden abwarten.“

Dev nickte, stellte die Tasse ab und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Frau auf dem Bett zu. Die Augen fielen ihr schon wieder zu. Er sagte nichts, half ihr nur, sich hinzulegen. Kurz darauf war sie eingeschlafen.

Dev ging auf den Flur, und Glen folgte ihm. „Was hast du gefunden?“

„Das ist ja das Eigenartige.“ Glen tippte auf das elektronische Krankenblatt in seiner Hand. „Letztlich nichts anderes als die guten alten Schlaftabletten.“

„Sah für mich aber ganz anders aus.“ Sie wirkte zu desorientiert, und ihre Pupillen waren viel zu groß.

„Es sei denn …“ Glen hob eine Augenbraue.

Devs Mund war auf einmal ganz trocken. „Könnte sie es selbst getan haben?“

„Schon möglich – aber irgendwer muss sie vor deiner Wohnung abgesetzt haben.“

„Bin abends gegen zehn gekommen und fünfzehn Minuten später wieder rausgegangen.“ Er hatte sein Handy im Wagen gelassen und sich geärgert, die Arbeit unterbrechen zu müssen, um es zu holen. „Da lag sie bewusstlos vor der Tür.“

Glen schüttelte den Kopf. „Dann kann sie auf keinen Fall ihre Sinne noch so beieinander gehabt haben, dass sie durch die Sicherheitskontrollen hätte schlüpfen können – die feinmotorischen Fähigkeiten sind mit Sicherheit schon vorher ausgefallen.“

Wie hilflos musste sie sich gefühlt haben, was hätte ihr nicht alles zustoßen können – Dev unterdrückte den aufsteigenden Ärger und sah durch die offene Tür zum Bett. Die helle Lampe am Kopfende schien auf das strähnige blonde Haar und hob die Kratzer im Gesicht hervor, die Knochen, die fast durch die Haut stachen. „Sie sieht halb verhungert aus.“

Der stets lächelnde Glen schaute grimmig. „Wir konnten sie noch nicht vollständig untersuchen, aber Arme und Beine sind mit blauen Flecken übersät.“

„Willst du damit sagen, man hat sie geschlagen?“ Heiß schoss die Entrüstung in Dev hoch.

„Gefoltert wäre die richtige Bezeichnung, die Verletzungen sind sowohl älteren als auch neueren Datums.“

Dev fluchte leise. „Wann wird sie wieder richtig bei sich sein?“

„Wahrscheinlich wird die Wirkung der Betäubung erst nach achtundvierzig Stunden vollständig nachgelassen haben. Meiner Meinung nach war es eine einmalige Gabe. Wäre sie dem Mittel über längere Zeit ausgesetzt gewesen, wäre sie noch mehr durcheinander.“

„Halte mich auf dem Laufenden.“

„Wirst du die Polizei informieren?“

„Nein.“ Dev würde die Frau keinesfalls aus den Augen lassen. „Es muss einen Grund geben, warum sie vor meiner Tür gelandet ist. Sie bleibt hier, bis wir herausgefunden haben, was zum Teufel los ist.“

„Dev …“ Glen seufzte tief. „Sie muss eine Mediale sein, wenn sie so stark auf dieses Mittel reagiert.“

„Das weiß ich.“ Sein Geist hatte ein „Echo“ gespürt. Unterdrückt, aber dennoch vorhanden. „In diesem Zustand stellt sie keine Gefahr dar. Wir reden weiter, wenn sie wieder auf den Beinen ist.“

Im Zimmer piepte etwas, Glen sah auf sein Gerät. „Alles in Ordnung. Hast du nicht heute Morgen eine Verabredung mit Talin?“

Dev verstand den Wink und fuhr zum Duschen und Umziehen nach Hause. Kurz nach halb sieben betrat er erneut das Hauptquartier der Shine-Stiftung. In den vier oberen Stockwerken befanden sich Gästewohnungen, die mittleren zehn beherbergten Büroräume, unter der Erde waren der Krankenhaustrakt und die Forschungslabors untergebracht. Und seit heute – eine Mediale. Eine Frau, die sich als der neuste Versuch des Rats erweisen konnte, die Vergessenen zu vernichten.

Aber im Augenblick schlief sie, und auf ihn wartete eine Menge Arbeit. „Stimmerkennung aktivieren – Devraj Santos.“ Der durchsichtige Bildschirm seines Computers glitt nach oben und zeigte die ungelesenen Nachrichten. Seine Sekretärin Maggie wusste genau, welche Antworten „warten konnten“ und welche „dringend“ waren, diese zehn fielen ausnahmslos in die letzte Kategorie – obwohl der Tag gerade erst begonnen hatte. Dev lehnte sich zurück und sah auf die Uhr.

Noch zu früh für einen Rückruf – selbst in New York saß kaum jemand um Viertel vor sieben am Schreibtisch. Aber das waren ja auch nicht Direktoren von Shine oder Oberhäupter einer vieltausendköpfigen „Familie“, die im ganzen Land, sogar in der ganzen Welt, verstreut war.

Unvermeidlich musste er dabei an Marty denken.

„Diese Arbeit“, hatte sein Vorgänger gesagt, nachdem Dev den Direktorenposten angenommen hatte, „wird dein Leben verschlingen, dir das Mark aus den Knochen saugen und dich danach wie eine leere Hülse ausspucken.“

„Du bist doch auch dabeigeblieben.“ Marty war über vierzig Jahre lang Direktor gewesen.

„Ich hatte Glück“, hatte der Ältere ohne Umschweife geantwortet. „Als ich anfing, war ich bereits verheiratet, und ich werde meiner Frau auf ewig dankbar sein, dass sie den ganzen Mist mit mir durchgestanden hat. Du fängst alleine an und wirst bis zum Ende allein bleiben.“

Dev wusste noch genau, wie er gelacht hatte. „So wenig hältst du also von meinem Charme.“

„Und wenn du noch...


Singh, Nalini
Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als Rechtsanwältin und Englischlehrerin, begann sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen.

Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als Rechtsanwältin und Englischlehrerin, begann sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen.



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