Singh Leopardenblut
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8025-8763-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 01, 400 Seiten
Reihe: Psy Changeling
ISBN: 978-3-8025-8763-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In einer Welt, in der Gefühle verboten sind und die telepathisch begabten Psy jede Form von Leidenschaft unterdrücken, führt die junge Sascha Duncan ein Doppelleben. Als sie dem gutaussehenden Gestaltwandler Lucas Hunter begegnet, fällt es Sascha immer schwerer, die Maske der Gleichgültigkeit aufrechtzuerhalten. Hunter kommt indessen einem fürchterlichen Geheimnis auf die Spur ...Erotik-Thriller in einer fantastischen Alternativwelt: Die Zukunft der Fantasy Romance! Shooting Star Nalini Singh lässt die Gefühle explodieren!
Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als Rechtsanwältin und Englischlehrerin, begann sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen. Die Gestaltwandler-Serie ist ihr erster Ausflug in die Fantasy Romance.
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2
Lucas strich in seinem Büro umher. Am Fenster blieb er stehen, starrte hinunter auf die engen Straßen von Chinatown, dessen unterschiedliche Eindrücke die Sinne explodieren ließ, und dachte an Sascha Duncans nachtschwarze Augen. Er hatte etwas Unpassendes an ihr gewittert, etwas war nicht ganz … richtig. Aber es war nicht der üble Geruch einer Geisteskrankheit, sondern etwas Verführerisches, das sich deutlich vom metallischen Gestank der meisten Medialen abhob.
„Lucas?“
Er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer der Besucher war. „Was ist, Dorian?“
Dorian trat neben ihn. Mit seinen blonden Haaren und den blauen Augen hätte man ihn glatt für einen herumlungernden Surfer halten können, der auf die richtige Welle wartete. Nur der wilde Ausdruck in seinen Augen passte nicht dazu. Dorian war ein nicht voll entwickelter Leopard. Irgendetwas war im Mutterleib schiefgegangen, denn er war zwar mit allen Merkmalen eines Gestaltwandlers auf die Welt gekommen, konnte sich aber dennoch nicht in ein Tier verwandeln.
„Wie ist es gelaufen?“
„Eine Mediale wird mir ab jetzt wie ein Schatten folgen.“ Lucas sah, wie ein Auto durch die Dämmerung glitt, ohne dass seine Antriebszellen Spuren in der Luft hinterließen. Gestaltwandler hatten diese Zellen entwickelt. Wenn ihre Rasse nicht gewesen wäre, wäre die Welt längst im Morast der selbst verschuldeten Umweltverschmutzung versunken.
Die Medialen dachten zwar, sie würden die Welt beherrschen, aber die Gestaltwandler, und hin und wieder auch einer der Menschen, nahmen den Herzschlag der Erde wahr und sahen, wie sich die Ströme des Lebens miteinander verbanden.
„Meinst du, du kannst sie anzapfen?“
Lucas zuckte mit den Schultern. „Sie ist wie alle anderen. Aber ich bin erst mal drin. Außerdem ist sie eine Kardinalmediale.“
Dorian wippte auf den Absätzen nach hinten. „Wenn einer von ihnen was über den Killer weiß, dann wissen es alle. Über das Netz sind sie alle miteinander verbunden.“
„Sie nennen es Medialnet.“ Lucas lehnte sich vor, legte die Handflächen auf das Fensterglas und genoss den kalten Kuss. „Ich bin nicht sicher, ob es wirklich auf diese Weise funktioniert.“
„Es ist ein scheißkollektives Gehirn. Wie soll’s denn sonst funktionieren?“
„Sie haben eine strikte Rangordnung – schwer vorstellbar, dass die Massen Zugang zu allen Informationen haben könnten. Keine Spur von Demokratie.“ Die Medialenwelt mit ihrem Recht des Stärkeren schien ihm grausamer als alles, was er bisher gesehen hatte.
„Aber deine Kardinalmediale weiß bestimmt Bescheid.“
„Ja.“ Sascha gehörte mit ziemlicher Sicherheit zum engsten Kreis, denn sie war die Tochter einer Ratsfrau und selbst mit starken geistigen Fähigkeiten ausgestattet. Er wollte auf jeden Fall herausfinden, was sie wusste.
„Hast du schon mal mit einer Medialen geschlafen?“
Lucas drehte sich um und sah Dorian belustigt an. „Meinst du, ich sollte sie verführen, um sie zum Sprechen zu bringen?“ Der Gedanke hätte ihn mit Abscheu erfüllen sollen, aber Mann und Tier waren von der Vorstellung gleichermaßen fasziniert.
Dorian lachte. „Ja, nur zu, vielleicht friert ja dein Schwanz dabei ab.“ Zorn loderte in seinen Augen auf. „Ich wollte damit nur sagen, dass sie wirklich nichts fühlen. Ich war mal mit einer im Bett, als ich noch jung war und keine Ahnung hatte. Ich war betrunken und sie nahm mich mit auf ihr Zimmer.“
„Ziemlich unüblich.“ Die Medialen blieben lieber unter sich.
„Ich glaube, für sie war’s so was wie ein Experiment. Ihr Hauptfach waren Naturwissenschaften. Wir hatten Sex, aber ich schwör dir, es war, als ob man einen Betonklotz vögelte. Tot, ohne jedes Gefühl.“
Lucas dachte an Sascha Duncan. Die schwache Erinnerung an ihre Witterung besänftigte die Sinne seines Panthers. Sie war aus Eis, aber das war nicht alles. „Sie sind zu bedauern.“
„Sie verdienen kein Mitleid, sondern Prankenhiebe“, entgegnete Dorian.
Lucas sah wieder auf die Stadt hinunter. Sein Zorn saß genauso tief wie Dorians, nur konnte er ihn besser verbergen. Er war bei ihm gewesen, als sie vor sechs Monaten die Leiche von Dorians Schwester gefunden hatten. Kylie war abgeschlachtet worden. Eiskalt und gefühllos. Ohne Gnade. Man hatte ihr Blut vergossen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie schön und lebendig sie gewesen war.
Am Tatort hatte es nicht nach einem Tier gerochen, aber Lucas hatte den metallischen Gestank der Medialen wahrgenommen. Die anderen Gestaltwandler hatten sofort gewusst, welcher Rasse das Monster angehörte, das dies getan hatte, als sie sahen, mit welcher Brutalität dort gemordet worden war. Aber der Rat der Medialen hatte behauptet, nichts zu wissen, und die Polizeibehörden waren so untätig gewesen, dass es fast so geschienen hatte, als wollten sie den Mörder gar nicht finden.
Die DarkRiver-Leoparden hatten bei ihren Nachforschungen herausgefunden, dass es noch weitere Morde nach demselben Schema gegeben hatte. Die Informationen darüber waren so verschleiert gewesen, dass nur eine Organisation dahinterstecken konnte. Der Rat war wie eine Spinne, die jedes Polizeirevier im Land in ihrem Netz gefangen hielt.
Die Gestaltwandler hatten die Schnauze voll. Schluss mit der Arroganz der Medialen. Schluss mit ihren politischen Machenschaften. Schluss mit den Manipulationen. Über die Jahrzehnte hinweg waren Unmut und Zorn zu einem Pulverfass geworden, das die Medialen nun, ohne es zu wissen, mit ihrer letzten Gräueltat entzündet hatten.
Jetzt herrschte Krieg.
Und eine sehr ungewöhnliche Mediale würde in dessen Wirren gefangen werden.
Als Sascha um Punkt halb acht am Bürogebäude der DarkRiver-Leoparden ankam, wartete Lucas bereits am Eingang auf sie. In Jeans, weißem T-Shirt und schwarzer Kunstlederjacke sah er ganz anders aus als der aalglatte Geschäftsmann, dem sie gestern gegenübergesessen hatte.
„Guten Morgen, Sascha.“
Fast hätte sie sein leichtes Lächeln erwidert. Doch diesmal war sie darauf vorbereitet. „Guten Morgen. Wollen wir weitergehen zur Besprechung?“ Nur kalte Nüchternheit konnte diesen Mann auf Distanz halten – sie konnte sich leicht ausrechnen, dass er gewöhnlich bekam, was er wollte.
„Wir mussten unsere Pläne leider ändern.“ Er hob beschwichtigend die Hände, aber die Geste hatte nichts Unterwürfiges an sich. „Ein Mitglied meines Teams hat es nicht rechtzeitig in die Stadt geschafft, deshalb habe ich das Treffen auf drei Uhr verschoben.“
Für Sascha klang das nach einer Ausrede, aber sie wusste nicht, ob er sie nur anlog oder zudem versuchte, mit ihr zu flirten. „Warum haben Sie mich nicht angerufen?“
„Ich dachte, wenn Sie sowieso schon auf dem Weg sind, könnten wir uns gleich den Baugrund ansehen, den ich für das Projekt ausgesucht habe.“ Er lächelte. „Damit würden wir die Zeit sehr effektiv nutzen.“
Er machte sich offensichtlich über sie lustig. „Also los.“
„Wir nehmen meinen Wagen.“
Sie widersprach nicht. Kein richtiger Medialer hätte das getan. Lucas kannte den Weg, also war es nur sinnvoll, dass er fuhr. Aber sie war nun mal keine normale Mediale und hätte ihm gerne gesagt, dass er seine selbstherrlichen Befehle für sich behalten konnte.
„Haben Sie schon gefrühstückt?“, fragte er, während er das Lenkrad ausfuhr.
Sie war zu nervös gewesen, um zu essen. Irgendetwas an Lucas Hunter beschleunigte ihr Abgleiten in den Wahnsinn, aber sie konnte ihren Sturz nicht aufhalten, konnte nicht aufhören, sich auf diese Wortwechsel einzulassen. „Ja“, log sie, ohne zu wissen weshalb.
„Gut. Ich möchte nämlich nicht, dass sie ohnmächtig auf mich kippen.“
„Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie ohnmächtig geworden, Sie sind also vor mir sicher.“
Die Stadt rauschte vorüber, während sie auf die Bay Bridge zufuhren. San Francisco war ein glitzerndes Juwel am Meer, aber ihr war die von der Natur beherrschte Umgebung im Hinterland lieber. In einigen Gegenden reichten die Wälder bis an die Grenzen von Nevada und noch darüber hinaus.
Der Yosemite Nationalpark war eines der größten wilden Areale. Vor ein paar Jahrhunderten hatte es Überlegungen gegeben, den Park auf ein Gebiet östlich von Mariposa zu beschränken. Die Gestaltwandler hatten den Kampf darum jedoch gewonnen und Yosemite konnte sich sogar noch weiter ausdehnen, unter anderem über die Waldgebiete am El Dorado und am Lake Tahoe hinaus, obwohl auch die Stadt an diesem See weiter wuchs.
Der Park erstreckte sich nun über halb Sacramento, schmiegte sich an die ertragreichen Weinberge des Napa Valley und führte im Norden bis hinauf nach Santa Rosa. Südöstlich von San Francisco hatte er sich schon fast ganz Modesto einverleibt. Da er sich immer weiter ausbreitete, war inzwischen nur noch ein Teil des Gebietes ein geschützter Nationalpark. Der Rest war zwar von allgemeinen Erschließungsmaßnahmen ausgenommen worden, aber unter gewissen Umständen durfte man dort wohnen.
Soweit ihr bekannt war, hatten Mediale nie einen Antrag gestellt, so nahe der Wildnis zu wohnen. Sie fragte sich, wie diese grüne, von Wäldern durchzogene Landschaft wohl ausgesehen hätte, wenn die Medialen hier herrschen würden. Irgendwie zweifelte sie daran, dass der größte Teil Kaliforniens auch in diesem Fall aus großen Nationalparks und Wäldern bestanden hätte.
Erst als Lucas ihr einen fragenden...




