Singh | Gefangener der Sinne | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 05, 432 Seiten

Reihe: Psy Changeling

Singh Gefangener der Sinne


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8025-8564-7
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 05, 432 Seiten

Reihe: Psy Changeling

ISBN: 978-3-8025-8564-7
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Nach außen hin ist Ashaya Aleine die perfekte Mediale: kühl, gelassen und emotionslos. Doch innerlich sind ihre Gefühle in Aufruhr. Sie wurde von ihrem Sohn getrennt und soll nun ein Hirnimplantat entwickeln, mit dem die Medialen versklavt werden können. Fieberhaft sucht sie nach einer Möglichkeit zu entkommen. Doch als ihr schließlich die Flucht gelingt, läuft sie dem Werleoparden Dorian direkt in die Arme. Dessen Schwester wurde einst von einem Medialen getötet, und seither hat er Rache geschworen. Doch seine aufkeimenden Gefühle für Ashaya bringen seinen Entschluss ins Wanken...



Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten begann sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen. Mit ihrer Gestaltwandlerserie feiert sie international große Erfolge.

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1

Wenn Du überleben willst, musst Du tiefer in Silentium verankert sein als der Rat, Dein Herz muss zu Eis werden, Dein Geist ein makelloses Prisma. Doch Du darfst eines nicht vergessen: Prismen brechen das Licht, verändern die Richtung des Bekannten und schaffen Splitter der Schönheit. Schaffen letztlich eine eigene Wahrheit.

– aus einem handgeschriebenen Brief, unterzeichnet mit „Iliana“, Juni 2069

Die Aktion an sich war denkbar einfach. Der Scharfschütze hatte die genauen Koordinaten bekommen, wusste, an welcher Stelle der Wagen über die verschlafene Landstraße fahren würde, wie viele Personen sich in dem Fahrzeug befanden und wo das Kind saß. Den Informationen zufolge waren dem Kind die Augen verbunden worden, trotzdem gefiel dem Scharfschützen der Gedanke nicht, in Gegenwart eines unschuldigen Wesens zu töten.

Doch wenn man das Kind den Händen seiner Entführer überließ, würde es unwissentlich zum Instrument des Bösen werden. Würde schließlich sterben. Der Schütze tötete nicht leichtfertig, aber wenn es um die Rettung eines Kindes ging, war er bereit, noch zu weit schlimmeren Mitteln zu greifen.

„Los“, flüsterte er, das Headset gab den Befehl an die Helfer auf der Straße weiter.

Unvermittelt brach ein langsam fahrender Lastwagen auf der Gegenspur aus und rammte seitlich das Zielfahrzeug, stark genug, um es von der Straße zu drängen, aber dennoch so vorsichtig, dass niemand zu Schaden kam – sie konnten es sich nicht leisten, das Kind zu verletzen. Mehr noch, sie wollten das Kind nicht verletzen. Doch der Schütze richtete seine ganze Aufmerksamkeit nicht auf das Kind, sondern ausschließlich auf das Ziel, das er im Visier hatte, als der Wagen am Straßenrand stehen blieb.

Mit einem einzigen Schuss zerschmetterte er die Windschutzscheibe.

Zwei Sekunden später waren der Fahrer und sein Beifahrer tot, beide hatten ein Loch in der Stirn. Der Schütze hatte Spezialkugeln verwendet, die im Körper stecken blieben, um die Passagiere auf der Rückbank nicht zu gefährden.

Sofort gingen die beiden hinteren Wagentüren auf, und zwei Männer sprangen heraus. Einer von ihnen sah hoch zum Versteck des Schützen in den ausladenden Ästen einer alten Kiefer. Der Scharfschütze spürte das Eindringen einer fremden Macht in seinen Kopf, aber der Mediale hatte seine telepathischen Kräfte zu spät eingesetzt. Er konnte die Kugel, die ihn im Hals traf, nicht mehr aufhalten. Seinen Helfer warf ein Treffer in der Brust zu Boden, noch bevor er den zweiten Schützen lokalisiert hatte.

Der Scharfschütze war bereits mit der Waffe in der Hand auf dem Weg nach unten. Er hinterließ keine Spuren, aus denen jemand auf seine Identität hätte schließen können, und fasste auch den Wagen nicht an. „Konnten sie noch Alarm geben?“, fragte er den unsichtbaren Beobachter.

„Wahrscheinlich. Noch ist der Weg frei, aber wir sollten uns beeilen – wenn der Rat Teleporter einsetzt, ist die Verstärkung bald da.“

Der Schütze sah in das Wageninnere. Auf dem Rücksitz saß ein kleiner, knapp viereinhalbjähriger Junge. Nicht nur seine Augen waren verbunden, in den Ohren steckten Stöpsel, und die Hände waren hinter seinem Rücken gefesselt. Das Kind war beinahe von all seinen Sinnen abgeschnitten.

Der Schütze knurrte und wurde wieder zu Dorian, die eisige Kontrolle verschwand, und der natürliche Beschützerinstinkt gewann die Oberhand. Obwohl er nicht die angeborene Fähigkeit besaß, sich in eine Raubkatze zu verwandeln, war der Leopard ein Teil von ihm. Und die gefühllose Behandlung eines wehrlosen Kindes weckte den Zorn des Tieres. Er holte den starren, verängstigten Jungen aus dem Wagen und hielt ihn sanfter in den Armen, als man einem Scharfschützen zugetraut hätte. „Ich habe ihn.“

Aus dem Nichts tauchte ein weiterer Wagen auf. Ein schnittiges, silbernes Gefährt, eine ganz andere Kategorie als der nun verlassene Lastwagen, obwohl der Fahrer derselbe war. „Lass uns abhauen“, sagte Clay und richtete den Blick seiner mattgrünen Augen nach vorn.

Dorian glitt auf den Rücksitz, setzte die Maske ab und legte das Gewehr zur Seite, bevor er die Fesseln des Jungen mit dem Taschenmesser durchschnitt, das er stets bei sich trug. Plötzlich sah er Blut an seinen Fingern. Er zog die Hand schnell zurück, verletzte sich selbst dabei. Bei nochmaligem Hinsehen wurde ihm allerdings klar, dass er nicht etwa den Jungen unabsichtlich geschnitten hatte – das Kind musste stundenlang an den Fesseln gezerrt haben. Seine Handgelenke waren wundgescheuert und nass von Blut.

Dorian schluckte den Fluch hinunter, der ihm auf den Lippen lag, steckte das Messer in die Hosentasche und befreite den Jungen erst von den Ohrstöpseln und dann von der Augenbinde. Erstaunt sah er in blaugraue Augen, die in unerwartetem Kontrast zu dem dunklen Goldton seiner Haut standen, die beinahe wie antikes Geschmeide schimmerte. „Keenan.“

Der Junge sagte nichts, sein Gesicht blieb unnatürlich ruhig. Bereits in diesem Alter war er auf dem Weg in die Stille von Silentium, hatte gelernt, seine Gefühle zu unterdrücken und ein guter Medialenroboter zu sein. Aber abgesehen von dieser ruhigen Fassade war er noch viel zu jung, um die bodenlose Angst vor dem Gestaltwandler zu verbergen, der ihn gerade anblickte. Der stechende Geruch von Angstschweiß stieg Dorian in die Nase. Kinder sollten nicht gefesselt und als Geisel benutzt werden. Das war kein fairer Kampf.

Der Wagen hielt noch einmal an. Die Tür auf der gegenüberliegenden Seite öffnete sich, und Judd stieg ein, ein Gewehr über der Schulter. „Wir müssen es jetzt tun, sonst finden sie seine Spur im Medialnet.“ Er legte ebenfalls die Maske ab und sah sie mit seinen kalten, braunen Augen an, strich aber sanft über das Gesicht des Jungen. „Keenan, wir müssen deine Verbindung zum Medialnet trennen.“

Der Junge wurde steif und lehnte sich an Dorian. „Nein.“

Dorian legte den Arm um den zarten, zerbrechlichen Körper. „Du musst tapfer sein. Deine Mutter will, dass du in Sicherheit bist.“

Die außergewöhnlichen Augen sahen zu ihm hoch. „Werdet ihr mich töten?“

Dorian sah Judd an. „Wird es wehtun?“

Ein kurzes Nicken.

Dorian nahm Keenans Hand, das Blut aus seiner Wunde vermischte sich mit dem des Kindes. „Es wird verdammt wehtun, aber danach ist alles in Ordnung.“

Keenan sah ihn fassungslos an, und genau das hatte Dorian mit seinen offenen Worten beabsichtigt. Judd schloss die Augen. Der Mediale arbeitete mit allen Kräften daran, die Schilde des Jungen zu öffnen und in seinen Geist einzudringen, um Keenans Verbindung zum Medialnet zu trennen – einem geistigen Netzwerk, in dem alle Medialen miteinander verbunden waren, ausgenommen natürlich die Abtrünnigen. Nur Sekunden später schrie der Junge auf, und es lag ein solcher Schmerz darin, dass Dorian Judd dafür hätte schlagen mögen. So plötzlich, wie er begonnen hatte, brach der Schrei ab, und Keenan sank bewusstlos in Dorians Arme.

„Mein Gott“, sagte Clay und bog auf eine stark befahrene Schnellstraße ein. „Ist alles in Ordnung mit dem Jungen? Tally bringt mich um, wenn er auch nur einen Kratzer abbekommen hat.“

Dorian strich dem Kind die Haare aus der Stirn. Sie waren ganz glatt, nicht gelockt wie die seiner Mutter. Er hatte sie zwar nur einmal durch das Zielfernrohr seines Gewehrs gesehen, und die Haare waren zu einem Zopf geflochten gewesen, aber er hatte sie trotzdem wiedererkannt. „Er atmet.“

„Nun“, Judd zögerte, weiße Linien zogen sich um seinen Mund, „das ist seltsam.“

„Was denn?“ Dorian zog die Jacke aus und deckte Keenan damit zu.

„Ich sollte ihn in das Netzwerk unserer Familie holen.“ Judd rieb sich unwillkürlich die Schläfen und sah Keenan an. „Aber er ist … irgendwo anders hingegangen. Da er noch am Leben ist, nehme ich an, er hat sich dem geheimen Netzwerk der DarkRiver-Leoparden angeschlossen – von dem ich eigentlich nichts wissen darf.“

Dorian schüttelte den Kopf. „Unmöglich.“ Medialengehirne waren anders als die der Menschen oder der Gestaltwandler – sie brauchten das Biofeedback eines geistigen Netzwerks. Trennte man diese Verbindung, trat beinahe augenblicklich der Tod ein. Deshalb waren Abtrünnige äußerst dünn gesät. Judds Familie Lauren hatte es nur geschafft, indem sie selbst ein kleines Netzwerk aufgebaut hatte. Mit ihren geistigen Gaben konnten sie das sogenannte Laurennetz weiterführen und neue Mitglieder aufnehmen. Aber das Sternennetz, das Netz der Leoparden, war ganz anders.

„Er kann unmöglich in unser Netz gelangt sein.“ Dorian runzelte die Stirn. „Es ist ein Gebilde der Gestaltwandler.“ Durch Loyalität entstanden, nicht aus Notwendigkeit, gewährte es nur einer ausgewählten Schar Zutritt – den Wächtern der Leoparden, die ihrem Alphatier Lucas die Treue geschworen hatten, und deren Gefährtinnen.

Judd zuckte die Achseln und lehnte sich zurück. „Vielleicht hat der Junge ja Gestaltwandlerblut.“

„Wenn es dafür reichte, könnte er sich auch verwandeln“, stellte Clay fest. „Außerdem spürt mein Tier nichts Animalisches in ihm. Er ist ein Medialer.“

„Mag sein, aber sobald ihm der Zugang zum Medialnet versperrt war, ist sein Bewusstsein zu Dorian gewandert. Ich kann euer Netzwerk nicht sehen, aber ich vermute, dass er mit dir verbunden ist.“ Er nickte Dorian zu. „Und über dich dann mit eurem Netz. Ich könnte versuchen, auch diese Verbindung zu trennen“, fuhr er mit offensichtlichem Widerwillen fort, „und ihn mit Gewalt in unser Netz...


Singh, Nalini
Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten begann sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen. Mit ihrer Gestaltwandlerserie feiert sie international große Erfolge.

Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten begann sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen. Mit ihrer Gestaltwandlerserie feiert sie international große Erfolge.



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