Singh Einsame Spur
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8025-9057-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 11, 400 Seiten
Reihe: Psy Changeling
ISBN: 978-3-8025-9057-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der SnowDancer-Wolf Riaz fühlt sich unwiderstehlich zu der schönen Adria hingezogen. Doch dann werden die beiden in einen tödlichen Konflikt der Medialen verwickelt, der das Schicksal der ganzen Welt bedroht. Sie müssen eine Entscheidung treffen, die ihre Liebe auf eine harte Probe stellt.
Nalini Singh wurde auf den Fidschi-Inseln geboren und ist in Neuseeland aufgewachsen. Nach verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als Rechtsanwältin und Englischlehrerin, begann sie 2003 eine Karriere als Autorin von Liebesromanen.
Weitere Infos & Material
1
Riaz sah jemanden mit nachtschwarzem Haar und langen Schritten vorbeieilen und rief: »Indigo!« Doch als er näher kam, bemerkte er, dass er sich geirrt hatte. »Adria.«
Tiefviolette Augen trafen seinen Blick so frostig, dass die Temperatur im Flur um mehrere Grade sank. »Indigo ist in ihrem Büro.« Die Worte waren hilfreich, auch wenn sie scharf wie eine Klinge durch die Luft schnitten.
Was ihn aufbrachte. »Habe ich deinen Hund geschlachtet?«
Auf der hübschen Stirn erschienen Falten. »Wie bitte?«
Mein Gott, dieser Ton! »Ein anderer Grund fällt mir nicht ein«, sagte er und war kurz davor, in die Luft zu gehen. »Keine Ahnung, warum du sonst so verdammt sauer auf mich sein könntest.« Adria war vor etwa einem Monat zur Unterstützung im Kampf gegen Henry Scott und die Makellosen Medialen in die Höhle zurückgekehrt und danach als erfahrene Soldatin im Revier geblieben. Zu allem entschlossen, hatte sie an Riaz Seite gekämpft und war seinen Befehlen ohne Zögern gefolgt.
Aber außerhalb des Kampfeinsatzes?
Schieres Eis.
Unbeirrbar.
Erbarmungslos.
Zum Reinbeißen.
Als sie nicht antwortete, verschränkte er die Arme vor der Brust, trat einen Schritt näher und witterte einen Hauch von zerstoßenen Beeren und Reif. Eigenartig zart für diesen Eisblock von Frau, kam ihm kurz in den Sinn, bevor sein Zorn jeden anderen Gedanken beiseiteschob. »Du hast meine Frage nicht beantwortet«, knurrte er.
Mit stahlhartem Blick trat auch sie einen Schritt näher, langsam und entschlossen, die reine Provokation. Sie war groß, aber er überragte sie dennoch. Was sie offenbar aber nicht davon abhielt, hochnäsig auf ihn herunterzuschauen. »Mir war nicht klar«, sagte sie mit ausgesuchter Höflichkeit, die messerscharf ins Herz traf, »dass Katzbuckeln zur Jobbeschreibung gehört.«
»Jetzt weiß ich, woher Indigo ihre gemeine Seite hat.« Doch unter der harten Schale seiner Offizierskameradin schlug ein warmes, großzügiges Herz, während er nicht sicher war, ob Adria über Gefühle verfügte, die das Thermometer höher als null Grad Celsius treiben würden.
Ihre Antwort war dann auch wie mit dem Skalpell gezogen. »Keine Ahnung, was sie mal an dir gefunden hat, aber jede Frau hat das Recht, Fehler zu machen.« Ein klitzekleiner Riss in der Fassade, bevor sie sich wieder in sich zurückzog und ihr Gesicht zu einer undurchdringlichen Maske wurde.
Mit finsterer Miene wollte Riaz ihr gerade mitteilen, was er von ihr und ihrem abschätzigen Blick hielt, als sein Handy läutete. Ohne sich auch nur einen Zentimeter von dieser Frau fortzubewegen, die ihn durch ihre bloße Gegenwart auf hundertachtzig brachte, nahm er den Anruf entgegen. »Ja?«
»In mein Büro«, sagte Hawke. »Du musst draußen was abholen.«
»Bin in zwei Minuten da.« Riaz klappte das Handy zu und trat so nah an Adria heran, dass sie den Kopf heben musste, um ihm ins Gesicht zu sehen. Nun fiel ihm auf, dass in den tiefvioletten Augen goldene Punkte schimmerten – wunderschön und etwas exotisch. »Wir werden unser Gespräch später fortsetzen.«
In dem Augenblick läutete auch Adrias Handy. »Ja?«, meldete sie sich, ohne den Augenkontakt zu dem großen, muskulösen Wolf zu unterbrechen, der dachte, er könne sie einschüchtern.
»In mein Büro«, befahl Hawke.
»Schon auf dem Weg.« Sie legte auf und zog ganz bewusst eine Augenbraue hoch. »Der Leitwolf wünscht mich zu sehen. Würdest du dich gefälligst verziehen«, sagte sie zuckersüß.
Augen in der Farbe von gehämmertem Gold wurden ganz schmal. »Na, dann haben wir wohl denselben Weg.«
Sie bewegte sich nicht einen Zentimeter, bis er zurücktrat und sich auf den Weg zu Hawke machte. Dann schloss sie sich ihm schweigend an, obwohl die Wölfin in ihr die Zähne fletschte und mit Krallen und Zähnen ein blutiges Zeichen setzen wollte. Der verdammte Kerl. Der Blödmann. Ihr war es so gut gegangen nach der endgültigen Trennung von Martin. Und dabei hatten sie sich bis aufs Blut bekämpft!
Du wirst noch angekrochen kommen. Vielleicht werde ich auf dich warten, vielleicht aber auch nicht.
Adria unterdrückte ein heiseres Lachen. Martin hatte noch nicht begriffen, dass es ein für alle Mal vorbei war. Endgültig. Vor über einem Jahr war er aus ihrer gemeinsamen Wohnung gestürmt und hatte vier Monate lang nichts von sich hören lassen. Erstaunlich war nur, dass er die Chuzpe hatte, darüber erstaunt zu sein, dass sie ihm bei seiner Rückkehr ins Gesicht hinein gesagt hatte, er solle sich eine andere Bleibe suchen, und ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte.
»Hast du dir die Zunge abgebissen?« Ein ätzender Kommentar der tiefen männlichen Stimme, bei der sich ihr stets die Nackenhaare aufstellten.
»Beiß dich doch selbst«, grollte sie, denn ihr war überhaupt nicht nach Spielchen zumute. Sie war zu empfindlich, als hätte sie eine Schutzschicht verloren und könnte jederzeit aus der Haut fahren.
»Dich sollte mal jemand beißen«, antwortete Riaz, der ein Knurren nur mühsam unterdrücken konnte. »Und dir dabei gleich den Stock aus dem Hintern ziehen, den du verschluckt hast.«
Adria knurrte vernehmbar in dem Moment, als sie vor der offenen Tür von Hawkes Büro angelangt waren. Der Leitwolf sah auf, als sie eintraten, die blassblauen Augen eines Wolfes in menschlicher Gestalt blickten ihnen fragend entgegen, doch seine Worte waren ganz pragmatisch. »Könnt ihr zwei euch für einen Auftrag freimachen?«
Adria nickte, Riaz ebenfalls. »Um was geht es?«, fragte Riaz nun weit ruhiger.
»Mack ist mit einem Auszubildenden zu einer Routinekontrolle der Wasserstation gefahren«, erklärte Hawke und schob ein paar silbrig goldene Strähnen zurück, die dieselbe Farbe hatten wie sein Fell in Wolfsgestalt. »Ihr Wagen springt nicht an, und sie müssen einige Teile zur Reparatur in die Höhle bringen.«
»Kein Problem«, sagte Riaz. »Ich nehme einen Geländewagen und hole sie.«
Auch Adria war der Meinung, dass die Aufgabe nur einen erforderte, doch Hawke wandte sich jetzt an sie. »Du gehörst zu den Soldatinnen und Soldaten, die die meiste Erfahrung mitbringen.« Hawkes Dominanz forderte Adrias volle Aufmerksamkeit. »Ich möchte, dass du dich wieder mit der Gegend vertraut machst, denn du hast nie längere Zeit in der Höhle verbracht, seit du erwachsen bist.«
Sie nickte. »Ich werde Riley und Eli bitten, mir zwischen meinen Schichten genug Zeit dafür zu lassen.« Das war eine notwendige Zusatzaufgabe – sie stand in der Hierarchie nur knapp unter den Offizieren, und ranghohen Soldaten wurden oft Führungsaufgaben übertragen. Dafür mussten sie jeden Zentimeter des Territoriums kennen, nicht nur den Abschnitt, für den sie im Kampf eingeteilt wurden. »Am besten mache ich das zu Fuß.« So würde sie mehr sehen und wittern.
»Um Einzelheiten kannst du dich später kümmern. Ich möchte, dass du dir sobald wie möglich ein ausreichendes Wissen aneignest.« Er reichte ihr eine dünne Plastikkarte. »Die Fahrt zur Wasserstation führt durch mehrere wichtige Abschnitte – du bist ja als Automechanikerin ausgebildet, oder liege ich da falsch?«
»Das ist richtig.« In der zusätzlichen Ausbildung, die alle weiblichen und männlichen Soldaten ableisten mussten, hatte sie ihr Interesse für diesen Bereich entdeckt. Später hatte ihr die Fähigkeit, Dinge zu reparieren, geholfen, bei Verstand zu bleiben. »Ich werde mir das Fahrzeug ansehen.«
»Was ist mit der Aufforstung?«, fragte Riaz, seine Stimme kratzte über ihre Haut wie Fingernägel auf den altmodischen Schreibtafeln, auf denen die Jungen so gerne zeichneten. »Ist Felix’ Team genügend abgesichert?«
»Alles in Ordnung.« Hawke trat zu der großen Karte an der Wand und tippte auf die mit einem Kreuz gekennzeichnete Stelle, an der die Schlacht mit den Makellosen Medialen stattgefunden hatte. »Die Freiwilligen und freiwillig Verpflichteten –«, scharfe Reißzähne blitzten bei einem wölfischen Grinsen auf, »– forsten das Gebiet mit schnell wachsenden heimischen Gewächsen auf. Noch ist es dort allerdings so leer, dass die Überwachung nicht schwer ist, vor allem, da auch die Raubkatzen einen Teil der Wachen übernehmen.«
Adria fielen die Szenen auf dem Schlachtfeld ein, die Schreie der verwundeten Wölfe, die kalten, tödlichen Flammen. Welchen Preis hatte die junge Mediale wohl dafür zahlen müssen, die eine solche Macht in sich barg – und das Herz des Leitwolfs erobert hatte. »Wie wahrscheinlich ist ein weiterer ernsthafter Angriff der Makellosen Medialen?«, fragte sie, noch fasziniert von dieser Beziehung, die nach außen so ungleich wirkte, obwohl die Wölfin in ihr spürte, dass sie so fest und unerschütterlich wie die Felsmauern der Höhle war.
Riaz war derjenige, der antwortete: »Judds Quellen zufolge mehr als unwahrscheinlich. Die haben ganz andere Probleme.«
»Ein Bürgerkrieg im Medialnet steht möglicherweise bevor«, sagte Hawke und schüttelte den Kopf. »Wenn Judd recht behält, bricht die Hölle los – deshalb sollten wir uns darauf vorbereiten, ein paar Stürme abzuwettern.«
»Also Störmanöver?«, fragte Riaz. Adria wusste, worauf er anspielte: Ab und zu gab es Versuche, Fallen zu stellen.
»So ist es«, stimmte Hawke mit finsterem Blick zu. »Der Witterung nach sind es ein paar wenige überlebende Makellose Mediale, die nicht aufgeben wollen. Sie sind schlecht organisiert, und die Fallen sind lachhaft. Dennoch musste ich alle Wachen anweisen, auf Löcher in der Erde zu achten, um nicht...




