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E-Book

E-Book, Deutsch, 370 Seiten

Singer Leben retten!

Wie auch du die weltweite Armut bekämpfen kannst
3. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7565-5244-3
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Wie auch du die weltweite Armut bekämpfen kannst

E-Book, Deutsch, 370 Seiten

ISBN: 978-3-7565-5244-3
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In dieser Jubiläumsausgabe von Leben retten! bringt Peter Singer zehn Jahre nach der Erstausgabe sein bahnbrechendes Werk auf den neuesten Stand. Er wiederholt nicht nur seine überzeugenden Argumente für den Kampf gegen extreme Armut stark, sondern untersucht auch die inzwischen erreichten Fortschritte und berichtet davon, wie die Erstauflage das Leben vieler Menschen verändert hat. Erfahre auch du, wie du Teil der Lösung sein kannst, indem du Gutes für andere tust und gleichzeitig auch dein Leben bereicherst.

Peter Singer ist ein australischer Philosoph und Ethiker. Er hat an den renommierten Universitäten in Melbourne, Oxford und New York gelehrt. 1999 wurde er als Professor für Bioethik an das Center for Human Values der Princeton University berufen. Seit 2005 ist er Ehrenprofessor an der Universität von Melbourne. Er hat mehr als 30 Bücher veröffentlicht, darunter den internationalen Bestseller Animal Liberation, der Tierschützern längst als Standardwerk gilt, sowie sein kontrovers diskutiertes Hauptwerk Praktische Ethik. Nach der Veröffentlichung der Erstausgabe von Leben retten hat er die Organisation The Life You Can Save gegründet, die hochwirksame Hilfsorganisationen für Spendende empfiehlt, um die weltweite Armut zu bekämpfen.
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EINLEITUNG VON PETER SINGER

Als er sah, wie der Mann auf die Gleise der U-Bahn stürzte, zögerte Wesley Autry keine Sekunde. Obwohl er die Lichter des einfahrenden Zuges bereits sehen konnte, sprang Autry auf das Gleisbett. Er riss den Mann in eine Entwässerungsrinne zwischen den Schienen, warf sich schützend über ihn, der Zug donnerte über sie hinweg und hinterließ eine schmierige Ölspur auf Autrys Mütze. Für diese Tat erhielt er eine Einladung nach Washington zur alljährlichen Rede des Präsidenten zur Lage der Nation und dieser lobte seinen Mut. Aber Autry spielte den Vorfall herunter: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas Spektakuläres getan habe. Ich habe einen Menschen in Not gesehen, der Hilfe brauchte. Ich habe bloß getan, was ich für richtig hielt.“1

Und wenn ich dir nun sage, dass auch du ein Leben retten kannst, möglicherweise sogar viele Leben? Steht eine Flasche Wasser oder eine Dose Limonade neben dir auf dem Tisch? Solange du dafür Geld ausgibst, obwohl sauberes Wasser aus dem Wasserhahn fließt, hast du offensichtlich Geld für Dinge, die du nicht wirklich brauchst – während gleichzeitig auf diesem Planeten 700 Millionen Menschen einen ganzen Tag mit weniger Geld auskommen müssen, als du für dieses eine Getränk ausgegeben hast.2 Diese Menschen können sich nicht einmal eine medizinische Gesundheitsversorgung leisten, ihre Kinder können jederzeit an einer harmlosen und leicht heilbaren Krankheit wie Durchfall sterben.

Du kannst ihnen helfen. Und dafür musst du dich nicht einmal vor einen Zug werfen.

Seit mehr als 40 Jahren denke ich darüber nach, wie wir mit Hunger und Armut umgehen sollten. Was in diesem Buch steht, habe ich zuvor bereits Tausenden von Studierenden in meinen Seminaren und in meinem Online-Kurs über effektives Spenden vorgestellt und in Zeitungen, Zeitschriften, einem TED-Talk, in Podcasts und Fernsehsendungen diskutiert.3 Infolgedessen musste ich immer wieder auf gut durchdachte Kritik reagieren.

Die erste Ausgabe dieses Buches entfachte weitere Diskussionen und offenbarte neue Herausforderungen. Der Effektive Altruismus wurde als Bewegung immer stärker und inspirierte mehr und mehr Forschung darüber, welche Formen der Hilfe die größte Wirkung erzielen. Diese aktualisierte Ausgabe zum 10. Jahrestag der Erstveröffentlichung von Leben retten! fasst nun alles zusammen, was ich im Laufe der Jahre darüber gelernt habe, warum wir geben oder nicht geben – und was wir ändern sollten.

Wir leben in einer einzigartigen Zeit. Der Anteil der Menschen, die ihre körperlichen Grundbedürfnisse nicht stillen können, ist heute kleiner als je zuvor in der jüngeren Geschichte, vielleicht sogar in der Menschheitsgeschichte. Gleichzeitig ist, kurzfristigen Konjunkturschwankungen ungeachtet, auch der Anteil der Menschen, die weit mehr haben, als sie brauchen, so hoch wie nie zuvor. Vor allem aber sind heute Arm und Reich auf eine noch nie dagewesene Weise miteinander verbunden: Berührende Bilder von Menschen, die ums Überleben kämpfen, werden in Echtzeit auf unsere Mobilgeräte übertragen. Wir wissen nicht nur sehr viel über das Leben der Ärmsten der Armen, wir können ihnen auch mehr denn je zur Verfügung stellen: eine bessere Gesundheitsversorgung, verbessertes Saatgut und bessere landwirtschaftliche Techniken, neue Technologien zur Stromerzeugung. Noch erstaunlicher ist, dass wir ihnen durch direkte Kommunikation und offenen Zugang zu Informationen (in einer Fülle, die das Angebot der größten Bibliotheken des Vor-Internet-Zeitalters weit in den Schatten stellt) die Möglichkeit geben können, in der weltweiten Gemeinschaft eine Rolle zu spielen. Wenn wir es nur schafften, ihnen dabei zu helfen, die Armut weit genug zu überwinden, dann wären sie endlich dazu in der Lage, diese Gelegenheit zu ergreifen – und zwar auf Dauer.

Die Vereinten Nationen und ihre Mitgliedsstaaten haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Beendigung extremer Armut bis 2030 .4 Dafür bleiben jetzt nur noch 11 Jahre. Eine Herausforderung, aber: Wir haben schon beachtliche Fortschritte auf dem Weg dahin gemacht. 1960 starben nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF 20 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. In der ersten Ausgabe dieses Buches 2009 konnte ich meinen Lesern, mit Blick auf die damals neuesten mir verfügbaren Berechnungen, die gute Nachricht überbringen, dass die Zahl der Todesfälle auf 9,7 Millionen gesunken war. Diese Jubiläumsedition kann das noch toppen: Laut neuestem Bericht sind 2017 5,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren gestorben.5 In diesem Jahr starben also jeden Tag 11.780 Kinder weniger (das sind 21 vollbesetzte Airbus A380) als in der ersten Ausgabe erwähnt und 40.000 Kinder weniger als 1960. Große Impf- und Aufklärungskampagnen gegen Pocken, Masern und Malaria haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Sterblichkeit bei Kindern so stark zurückgegangen ist. Auch der wirtschaftliche Aufschwung in vielen Ländern hat dabei geholfen. Es ist eine wirklich beeindruckende Entwicklung, erst recht, wenn man sich vor Augen führt, dass sich die Weltbevölkerung seit 1960 mehr als verdoppelt hat. Trotzdem dürfen wir uns damit nicht zufriedengeben. Denn jedes Jahr sterben immer noch 5,4 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag, mehr als die Hälfte an Krankheiten, die mit einfachen, erschwinglichen Mitteln hätten verhindert oder schnell behandelt werden können. Das ist eine unermessliche Tragödie – vom moralischen Versagen einer Welt, die so reich ist wie die unsere, einmal ganz abgesehen.6

Wir können unsere Situation mit dem Versuch vergleichen, den Gipfel eines riesigen Berges zu erklimmen. In allen Epochen der menschlichen Existenz sind wir durch dichte Wolken aufgestiegen. Wir wussten nicht, welche Strecke noch vor uns liegt oder ob der Aufstieg überhaupt machbar ist. Nun haben wir den Nebel endlich hinter uns gelassen und können einen Weg über die letzten steilen Hänge bis zum Gipfel erkennen. Der Gipfel liegt noch in einiger Entfernung vor uns. Manche Abschnitte des Wegs werden uns das Äußerste abverlangen, aber wir sehen jetzt: Das Ziel ist tatsächlich zu erreichen.

Jeder von uns kann seinen Teil zum Gelingen dieses historischen Vorhabens beitragen. In den vergangenen Jahren wurde über einige Personen berichtet, die sich mit großem Engagement und in aller Öffentlichkeit auf den Weg gemacht haben. Warren Buffett zum Beispiel hat sich verpflichtet, 99% seines Vermögens – entweder noch zu Lebzeiten oder nach seinem Tod – für wohltätige Zwecke zu spenden. Seit 2006 hat er mehr als 30,9 Milliarden Dollar gespendet. Bill und Melinda Gates haben rund 50 Milliarden Dollar gespendet und sie werden es nicht dabei belassen. Sowohl für Buffett als auch für Bill und Melinda Gates hat die Bekämpfung der extremen Armut höchste Priorität.7 Was sie spenden können, sind natürlich immense Summen. Wir werden am Ende dieses Buches aber sehen: Sie machen nur einen Bruchteil dessen aus, was die Gesamtheit der in reichen Industrieländern lebenden Menschen spenden könnte – und zwar ohne dass jeder einzelne seinen Lebensstandard wesentlich einschränken müsste. Wir werden unser Ziel, das Ende der globalen Armut, nicht erreichen können, wenn sich nicht viel mehr Menschen daran beteiligen.

Deshalb ist es jetzt für jeden so weit, sich zu fragen: Was kann ich tun, um zu helfen?

Ich verfolge mit diesem Buch zwei Ziele, die in die gleiche Richtung gehen, aber vom Ansatz her verschieden sind. Das erste Ziel: Ich möchte dich zum Nachdenken auffordern – über unsere Pflicht denjenigen gegenüber, die in extremer Armut gefangen sind. Im ersten Teil des Buches werden einige sehr hohe – manche werden sagen: unmöglich hohe – Maßstäbe ethischen Verhaltens definiert. Ich werde behaupten, dass wir nur dann ein moralisch integres Leben führen können, wenn wir mehr geben, als die meisten für menschenmöglich halten. Das mag absurd klingen, aber die Begründung ist erstaunlich simpel. Sie beginnt mit der Flasche Wasser, also mit dem Geld, das wir für Dinge ausgeben, die wir nicht wirklich brauchen. Wenn es so einfach ist, Menschen zu helfen, die ohne eigenes Zutun in Not geraten sind, und wir nicht helfen, läuft dann nicht etwas verkehrt? Wenigstens das möchte ich mit meinem Buch erreichen: Dich davon zu überzeugen, dass mit unseren gängigen Vorstellungen darüber, was ein gutes Leben ausmacht, etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist.

Das zweite Ziel dieses Buches: Ich möchte dich dazu bewegen, freiwillig mehr von deinem Einkommen an Menschen in Armut zu spenden. Aber sei beruhigt – mir ist klar, dass ich von den Höhenflügen einer theoretisch-philosophischen Diskussion Abstand nehmen muss, wenn ich herausfinden will, was konkret wir ändern müssen, um etwas zu bewirken. Ich werde mich schlicht mit den Gründen befassen, die wir oft gegen das Spenden äußern – einige sind relativ überzeugend, andere weniger. Auch mit den psychologischen Hürden, die uns mitunter im Weg stehen, werde ich mich befassen. Menschliches Verhalten spielt sich innerhalb bestimmter Grenzen ab. Das werde ich in meine Überlegungen einbeziehen – um dann zu zeigen, wie Einzelne einen Weg gefunden haben, diese Grenzen zu überwinden. Am Ende werde ich einen Spendenvorschlag machen, der den meisten Menschen keine großen Opfer abverlangt, sie dafür glücklicher und erfüllter macht als je zuvor.

Dennoch, es gibt Gründe, warum vielen von uns der Gedanke schwerfällt, Menschen Geld zu geben, die uns fremd...



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