Singer | Die Vision | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Reihe: Jusitzthriller

Singer Die Vision

Thriller
2. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7751-7013-0
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Reihe: Jusitzthriller

ISBN: 978-3-7751-7013-0
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gibt es eine höhere Macht - als Recht und Gesetz? Catherine O'Rourke - live aus dem Gerichtssaal. Der jüngste Vergewaltigungs-Fall raubt der Reporterin den Atem. Als sie dann noch Details der jüngsten Kindsentführungen haargenau beschreibt, hat sie die Polizei am Hals. Woher kennt sie den Bibelvers, den 'Der Rächer' am Tatort hinterlässt? Gibt es übernatürliche 'Visionen'? Schließlich weiß sie selbst nicht mehr, ob sie wirklich unschuldig ist. Kann ihr Anwalt Quinn Newberg sie für unzurechnungsfähig erklären? Ist Selbstjustiz eine Lösung? Ein rasanter Thriller über Recht, Gerechtigkeit und die Grauzonen unseres Rechtssystems. 'Elegante Perspektiv-Wechsel, zackige Dialoge, überraschender Witz' Publishers' Weekly 'Im Mittelpunkt der rasanten Handlung liegen ethische Zwickmühlen, die zu Singers Markenzeichen geworden sind. ... aber auch für sich genommen ist es ein aufregender Thriller. Mary Frances Wilkens, Booklist

Randy Singer wird von der Fachpresse hoch gelobt. Seine Justiz-Thriller sind 'mindestens genauso unterhaltsam wie John Grisham' (Publishers Weekly). Für 'Die Witwe' erhielt er sogar den begehrten Christy Award. Dabei kommt Singer aus der Praxis: Im wirklichen Leben arbeitete er als Anwalt. Und die Botschaft von Gottes Liebe 'verteidigt' er sonntags auf der Kanzel der 'Trinity Church' in Virgina Beach (USA).
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2

Quinn blieb stehen und wandte sich den Geschworenen zu, während er versuchte, die Gefühle hinunterzuschlucken, die ihn zu überwältigen drohten. Er schluckte, einmal, zweimal … aber er konnte den Kloß in seinem Hals nicht auflösen oder das leichte Zittern in seiner Stimme beruhigen. Er wusste, er war kurz davor, die Beherrschung zu verlieren, direkt hier im Gerichtssaal, vor aller Augen. In der Vergangenheit hatte er Geschworene zum Weinen gebracht oder sogar selbst ein paar künstliche Tränen hervorgepresst. Aber dieses Mal waren die Tränen echt.

Quinn Newberg, der juristische Magier, stand in Gefahr, sein Schlussplädoyer nicht beenden zu können. Der Geschworenen Nummer fünf, eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, standen ebenfalls die Tränen in den Augen. Sämtliche Geschworene starrten Quinn unverwandt an. Der Gerichtssaal war so still wie das Haus, das Quinn eben beschrieben hatte.

Langsam kehrte Quinn an seinen Anwaltstisch zurück und legte seiner Mandantin behutsam eine Hand auf die Schulter. Sie hatte den Prozess über stoisch dagesessen, doch jetzt spürte er Annies leises Schluchzen, das leichte Zittern ihrer Schulter. Sie tupfte sich mit einem zerschlissenen Taschentuch die Tränen weg.

»Wer kann auch nur ansatzweise verstehen, was solch ein Missbrauch mit der Seele eines jungen Mädchens anstellt? Mit ihrem Geist? Mit ihrer Psyche? Das Zuhause sollte eigentlich ein sicherer Ort sein. Ein Vater sollte ein Beschützer sein.« Quinn hatte seine Selbstkontrolle wiedergewonnen, hielt die Schulter seiner Mandantin und wandte sich wieder in Richtung Gerichtssaal, ohne den Blick von den Geschworenen abzuwenden.

»Wenn sie ihren Vater in dieser Nacht, am 4. Juli 1986, in Notwehr erschossen hätte – wer hätte sie verurteilen wollen? Wer wäre so dreist gewesen, sie des Mordes anzuklagen?«

Quinn senkte die Stimme und sah forschend in die Gesichter der Geschworenen. »Sie haben die Aussage von Dr. Rosemarie Mancini gehört«, sagte er mit einer Geste zum Zeugenstand. Er wusste, sie hatten seine zierliche, aber extravagante psychiatrische Sachverständige noch vor Augen. Ihr scharfer Verstand und ihr sicheres Auftreten hatten den ganzen Gerichtssaal gefesselt. »Dr. Mancini hat ausgeführt, dass Annie tat, was die meisten Kinder getan hätten – sie verdrängte diese schrecklichen Taten und schottete sie geistig ab. Sie schuf sich eine alternative Realität, selbst während ihr Vater sie missbrauchte – eine Traumwelt, in die ihr Geist fliehen und die Schrecken des Missbrauchs hinter sich lassen konnte.«

Quinn stand jetzt vor der Jury, so dicht, dass er die Hand ausstrecken und das Geländer berühren konnte. »Manche Leute sagen, die meisten Frauen heiraten Männer, die genauso sind wie ihre Väter. In Annies Fall stimmt das. Blind vor Liebe schenkte sie sich Richard Hofstetter Jr., einem zwölf Jahre älteren Mann. Er konnte sehr charmant sein und sie fiel darauf herein. Und ja, sie ging ihm seines Geldes wegen auf den Leim. Er sollte das Las-Vegas-Imperium seines Vaters erben. Annie wusste, dass er jähzornig war, aber niemand ist perfekt. Und er hatte nie die Stimme gegen Annie erhoben, zumindest nicht, bis Annie und ihre zehnjährige Tochter Sierra auf das Hofstetter-Anwesen zogen.«

Quinn griff nach unten und nahm eine Plakattafel hoch, die am Geländer der Geschworenenbank lehnte. Er stellte sie auf die Staffelei und zeigte große Fotos von Annies Gesicht nach ihrem zweiten Anruf wegen häuslicher Gewalt. »Sie erinnern sich an die Zeugenaussage zu diesem Anruf bei der Polizei«, sagte er. Seine Stimme blieb gefasst, doch er spürte, wie sein Blutdruck stieg. »Richard machte selbst auch ein paar Anrufe, bevor die Polizei ankam. Eines muss ich ihm lassen – der Mann hatte Beziehungen. Er flehte Annie an, ihm zu vergeben. Er versprach, zur Beratung zu gehen. Die Polizisten verhafteten Richard nicht, sondern waren einverstanden, das Paar seine Probleme selbst lösen zu lassen.« Quinn schüttelte angewidert den Kopf. »Wir haben gesehen, wie gut das funktioniert hat.«

Er spürte, dass die Jury langsam müde wurde. Sie saßen schon drei ganze Wochen an diesem Fall. Jetzt würde es vermutlich mehr schaden als nützen, wenn er sämtliche Beweise wiederkäute.

»Und Sie wissen aus der Zeugenaussage, dass es nicht nur der körperliche Missbrauch war«, fuhr Quinn fort. »Hofstetter flirtete direkt vor Annies Nase mit anderen Frauen – und demütigte sie damit absichtlich. Er drohte, sie durch ein jüngeres, ein schlaueres Model zu ersetzen. Zu ihrem zweiunddreißigsten Geburtstag schenkte er Annie einen Termin bei einem Schönheitschirurgen.

Es ist ein Wunder, dass sie nicht schon früher ausgerastet ist – was Dr. Mancini als psychotischen Ausbruch bezeichnet hat. Die Staatsanwaltschaft sagt, sie hätte sich an das System wenden müssen. Sie hätte eine Familienschutzorganisation in Anspruch nehmen können. Sie hätte die Scheidung einreichen sollen.

Aber Sie denken nicht rational, wenn Ihre dreizehnjährige Tochter sagt, ihr Stiefvater hätte ihre Geschlechtsteile berührt. Vielleicht können Sie Ihren eigenen Missbrauch durch Ihren Ehemann ertragen, aber Sie können nicht zulassen, dass er Ihre Tochter verletzt, wie er Sie verletzt hat. Ihre Vergangenheit überrollt Sie mit voller Wucht – diese Nächte, in denen Sie Gott angefleht haben, dass es aufhören möge. Sie dachten, Sie hätten die schmerzhaften Erinnerungen verarbeitet, aber Sie hatten sie nur für eine Weile weggesperrt. Und jetzt füttert Ihr Ehemann das Monster aus der Vergangenheit jedes Mal, wenn er Sie missbraucht, jedes Mal, wenn er Sie in der Öffentlichkeit erniedrigt. Das Monster wächst und die Wut zehrt von sich selbst. Sie sperren die Scham und die Demütigung in denselben Käfig und machen das Monster nur noch stärker.«

Quinn sprach jetzt schneller, die Worte sprudelten aus ihm heraus in einer improvisierten Sturzflut, die aus seiner eigenen schwierigen Vergangenheit floss. »Sie halten das Monster unter Kontrolle, bis Ihr Ehemann das Eine bedroht, das Ihnen lieb ist, die eine reine Sache in Ihrem Leben, das Einzige, für das es sich zu leben lohnt. Die Wut und Angst fressen Sie auf und überwältigen Ihre Hemmungen, bis Sie zu dem Monster werden, das Ihr Vater und Ihr Ehemann geschaffen haben. Sie müssen handeln. Sie müssen Ihr Kind schützen. Sie müssen tun, was Ihre eigene Mutter nicht konnte. Für Sierra müssen Sie dafür sorgen, dass es aufhört!«

Er machte eine Pause und senkte die Stimme: »Und Sie tun es.«

Instinktiv tat Quinn etwas, womit er jegliche Regel der Anwaltskunst brach – etwas, das sämtlichen Verteidigungsstrategien, die er je gelernt hatte, zuwiderlief. Er griff nach der Plakattafel mit den beiden großen Fotos des Opfers. Das erste zeigte eine blutige Nahaufnahme von Richard Hofstetters Gesicht – die Eintrittswunde in der Stirn, wie bei einer Exekution. Laut Annies Geständnis hatte sie ihn hinknien und um sein Leben betteln lassen. Erst dann hatte sie abgedrückt. Das zweite Foto zeigte Hofstetter auf dem Wohnzimmerboden in einer Lache seines eigenen Blutes liegen. Er stellte die beiden Fotos nebeneinander auf die Staffelei.

»Wollen Sie eine Mutter dafür bestrafen, dass sie ihre Tochter geschützt hat?«, fragte Quinn. »Wollen Sie dieses missbrauchte dreizehnjährige Mädchen dafür bestrafen, dass es schließlich, zweiundzwanzig Jahre später, die Waffe gegen diesen Missbrauchstäter richtet? Wie Sie von Dr. Mancini gehört haben, verschmolzen in diesem Schlüsselmoment in Annies Leben all ihre voneinander getrennten Realitäten zu einer explosiven Mischung. Das kleine Mädchen und die schützende Mutter, die harte Realität der Vergangenheit und die Gegenwart kollidieren miteinander, die reale Welt verschmilzt mit einer Traumwelt von scheinbarer Gerechtigkeit.

Hat meine Mandantin abgedrückt? Ja. Aber ist sie schuldig? Nicht vor dem Gesetz. Nicht, wenn sie unter dem Einfluss eines unwiderstehlichen Impulses handelte, der sie unfähig machte, die richtige Handlungsweise zu wählen.«

Quinn überblickte die Geschworenen und versuchte, die Blicke in den Gesichtern zu deuten. Er fühlte sich auf einmal ausgelaugt. »Meine Mandantin war wahnsinnig, als sie abdrückte«, sagte er leise. »Das Einzige, was noch wahnsinniger wäre als diese Tat, wäre, sie dafür bezahlen zu lassen. Ihr Vater missbrauchte sie. Ihr Ehemann missbrauchte sie. Lassen Sie nicht zu, dass das System sie auch noch missbraucht.«

Er wartete einen Augenblick, bevor er sich umdrehte und zu seinem Anwaltstisch zurückging. Auf halbem Weg hielt er inne und wandte sich noch einmal an die Geschworenen. Diesmal spürte er, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.

»Vor zweiundzwanzig Jahren versuchte ein zehnjährige Junge, seiner Schwester zu...


Singer, Randy
Randy Singer wird von der Fachpresse hoch gelobt. Seine Justiz-Thriller sind "mindestens genauso unterhaltsam wie John Grisham" (Publishers Weekly). Für "Die Witwe" erhielt er sogar den begehrten Christy Award. Dabei kommt Singer aus der Praxis: Im wirklichen Leben arbeitete er als Anwalt. Und die Botschaft von Gottes Liebe "verteidigt" er sonntags auf der Kanzel der "Trinity Church" in Virgina Beach (USA).

Randy Singer wird von der Fachpresse hoch gelobt. Seine Justiz-Thriller sind "mindestens genauso unterhaltsam wie John Grisham" (Publishers Weekly). Für "Die Witwe" erhielt er sogar den begehrten Christy Award. Dabei kommt Singer aus der Praxis: Im wirklichen Leben arbeitete er als Anwalt. Und die Botschaft von Gottes Liebe "verteidigt" er sonntags auf der Kanzel der "Trinity Church" in Virgina Beach (USA).



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