Singer | Die Klientin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Reihe: Justizthriller

Singer Die Klientin

Thriller
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7751-7323-0
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Reihe: Justizthriller

ISBN: 978-3-7751-7323-0
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kaltblütig gesteht die 16-jährige Tara Bannister den Mord an ihrem Stiefvater. Sie wird der jungen Anwältin Leslie Connor zugewiesen, die das Mädchen verteidigen soll. Es ist Leslies erster Mordfall und sie fühlt sich verunsichert, vor allem, weil sie das Gefühl nicht loswird, etwas übersehen zu haben. Langsam ahnt sie, dass die Geschehnisse jener Nacht noch viel schockierender sind als das Verbrechen selbst. Ein dramatischer Singer-Krimi über Gewalt, Schuld und Sühne. 'John Grisham trifft C.S. Lewis. Das Ergebnis ist explosiv!' (Brandilyn Collins)

Randy Singer wird von der Fachpresse hoch gelobt. Seine Justiz-Thriller sind 'mindestens genauso unterhaltsam wie John Grisham' (Publishers Weekly). Für 'Die Witwe' erhielt er sogar den begehrten Christy Award. Dabei kommt Singer aus der Praxis: Im wirklichen Leben arbeitete er als Anwalt. Und die Botschaft von Gottes Liebe 'verteidigt' er sonntags auf der Kanzel der 'Trinity Church' in Virgina Beach (USA).
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1


Drei Wochen später

»Ich bin froh, dass er tot ist«, sagt die missmutige Jugendliche, während sie sich auf der anderen Seite des Konferenztisches noch tiefer in den Lederstuhl mit der hohen Lehne rutschen lässt. Meine Visitenkarte liegt unangerührt vor ihr auf dem Tisch: Leslie Connors, Rechtsanwältin.

Das sind nicht die Worte, die man von einem neuen Mandanten hören will. Besonders dann nicht, wenn es sich um den ersten Mordfall handelt, den man vor Gericht verhandelt.

Ihr Name ist Tara Bannister. Und sie legt ein wenig entgegenkommendes Verhalten an den Tag. Sechzehn Jahre alt. Spindeldürr. Blondes Haar mit platinblonden Strähnchen. Vier Ohrringe auf jeder Seite. Dunkler Lidschatten, der schmale, leblos-braune Augen umrandet. Selbst ihre Klamotten scheinen »Mir doch egal!« zu schreien. Sie trägt ein Tanktop mit Spaghettiträgern und eine abgewetzte Jeans, die tief auf ihrer Hüfte sitzt. Sie zeigt so viel Bauch, dass ich anfangs nicht umhinkann, ihr Bauchnabelpiercing anzustarren. Wahrscheinlich ist das auch der Effekt, den das Ganze auf Jungs ihres Alters haben soll. Was eine fünfunddreißigjährige Anwältin wie ich, die sich gerade uralt vorkommt, davon hält, ist Tara mit Sicherheit ziemlich egal.

»Das würde ich einer Jury gegenüber nicht unbedingt erwähnen«, sage ich.

Sie zuckt mit den Schultern, was die von ihr am meisten dargebotene Reaktion ist.

»Tara, ich versuche nur zu helfen. Aber das kann ich nicht, wenn du mich nicht lässt.« Ich hasse es, wie meine Mutter zu klingen. Eins meiner Ziele im Leben lautet, nicht so zu werden wie sie.

Tara zuckt erneut mit den Schultern.

Zeit, sie ein wenig mit der Realität zu konfrontieren. Mit ihrer Mutter habe ich bereits gesprochen. Das Mädchen steckt in ernsten Schwierigkeiten.

»Du hast Glück, dass man dich auf Kaution freigelassen hat«, sage ich und kneife die Augen zusammen. »Wir haben es hier mit einer ernsten Anschuldigung zu tun – dem Mord an deinem Stiefvater.« Selbst als ich mich die Worte aussprechen höre, kommt mir die Situation unwirklich vor. Noch vor wenigen Monaten, im Februar, habe ich für die Anwaltsprüfung gebüffelt. Jetzt berate ich eine Mandantin, die wegen Mordes angeklagt ist. Ich weiß, dass ihre Mutter unsere Kanzlei in der Hoffnung aufgesucht hat, mein Seniorpartner Brad Carson würde den Fall übernehmen. Um sie zu beruhigen, habe ich ihr versichert, dass Brad sich persönlich um die Sache kümmern würde und ich ihn nur bei der Arbeit unterstütze. Doch gerade jetzt ist Brad, wie üblich, vor Gericht. Fürs Erste ist Tara also meine Mandantin.

»Momentan steht dein Fall aufgrund deines Alters noch zur Entscheidung vor dem Jugend- und Familiengericht aus. Doch die Staatsanwaltschaft hat beantragt, den Fall an das Bezirksgericht zu verweisen, wo du nach Erwachsenenrecht verurteilt wirst. Da es sich um eine Anklage wegen Mordes handelt, müssen sie nur einen hinreichenden Verdacht nachweisen, und schon wird der Fall automatisch weitergereicht.« Ich lehne mich vor, stütze die Ellenbogen auf und halte kurz inne, um meine Worte wirken zu lassen. »Wenn wir vor dem Bezirksgericht verlieren, kannst du mit einer Haftstrafe von zwanzig Jahren bis lebenslänglich rechnen … und zwar nicht in irgendeiner Jugendstrafanstalt, sondern in einem richtigen Staatsgefängnis. Es könnte durchaus sein, dass du nie wieder auf freien Fuß kommst, Tara.«

Auch das ruft keine sichtbare Reaktion hervor, nicht einmal die kleinste Veränderung in ihrem Gesichtsausdruck. Sie starrt mich einfach geringschätzig an. Ich beschließe zu warten, bis sie den nächsten Schritt tut.

Endlich schüttelt sie den Kopf und spricht. »Jetzt habe ich aber Angst«, sagt sie sarkastisch. »Ich stehe kurz davor, mir in die Hose zu machen. Ist es das, was Sie von mir hören wollen? Versuchen Sie gerade, mich durch Abschreckung auf den rechten Weg zu bringen?«

Jetzt reicht es mir. Mein irisches Temperament und meine roten Haare gehen Hand in Hand. »Tara, das ist kein Spiel. Du bist sechzehn Jahre alt. Es geht hier um dein Leben. Weißt du, was die Frauen in diesem Hochsicherheitsladen mit dir anstellen würden?« Um meinen Standpunkt zu verdeutlichen, mustere ich sie scharf und schüttle den Kopf. »Du wärst ihr Spielzeug.« Ich bemerke, wie sie leicht zusammenzuckt, dann versteinert sich ihre Miene wieder. »Wenn du willst, dass ich dich vertrete, musst du mir vertrauen. Wenn du Spielchen spielen willst, besorg dir jemand anderen. Deine Mutter hat 'ne Menge Geld; sie kann dir jeden Anwalt besorgen, den du haben willst.«

Ich lege meinen Stift auf dem Tisch ab, lehne mich zurück und kreuze die Arme vor der Brust.

»Warum sollte ich Ihnen trauen?«, fragt Tara. »Wie viele Mordfälle haben Sie schon verhandelt?«

Eine berechtigte Frage. Aber eine, die ich nicht zu beantworten gedenke.

»Du vertraust mir, weil ich deine Anwältin bin«, erwidere ich. »Ich bin die Einzige, die zwischen dir und einem Leben hinter Gittern steht. Und ich kann dich nicht vertreten, wenn du nicht vollkommen ehrlich zu mir bist und mir alles erzählst. Darüber hinaus ist alles, was du mir erzählst – wirklich alles –, streng vertraulich, und das bleibt es auch. Ich werde mit niemandem darüber reden, nicht mal mit deiner eigenen Mutter.«

Tara schaut auf, in ihren Augen ist ein teuflisches Funkeln zu sehen. Sie grinst mich schief an und sagt dann: »Das ist Ihr erster Fall, nicht wahr?«

Aufgeflogen.

Ich nicke. Ganz professionell. Halte den Augenkontakt.

»Wie haben Sie im Studium abgeschnitten?«, fragt sie.

Na toll. Jetzt muss ich auch noch ein Bewerbungsgespräch mit einer sechzehnjährigen Mordverdächtigen über mich ergehen lassen. »Ich war die Zweitbeste meines Jahrgangs«, antworte ich mit grimmiger Miene.

»Wer war Klassenbester – ein Mann oder eine Frau?«

»Ein Mann.«

»Dann will ich Sie.«

Ich widerstehe dem Drang, eine Siegerfaust zu machen oder auch nur zu lächeln. Von einem Teenager interviewt zu werden, hat etwas Demütigendes, auch wenn man danach eingestellt wird. Zeit, wieder die Kontrolle zu übernehmen.

»Wirst du zu hundert Prozent ehrlich zu mir sein?«, frage ich.

Sie nickt.

»Ja?« Ich will, dass sie es sagt.

»Ja«, sagt sie widerwillig.

Ich bin nicht überzeugt. »Und wirst du meinen Anweisungen bis ins Letzte Folge leisten?«

Wieder nickt sie. Ich runzle die Stirn.

»Ja«, sagt sie durch zusammengebissene Zähne.

»Gut.« Ich nehme meinen Stift zur Hand und starre einen Moment lang an ihr vorbei. Ich bin kurz davor etwas zu tun, vor dem mich meine Dozenten immer gewarnt haben. Wenn Brad hier wäre, würde er ebenfalls versuchen, das Thema zu meiden. Aber das war noch nie meine Art. Ich will es wissen. Wenn meine Mandantin das Verbrechen begangen hat, muss ich es von Anfang an wissen. Mit den Auswirkungen kann ich mich später auseinandersetzen.

Idealerweise würde ich dem Mädchen jetzt alle rechtlichen Strategien, die ihr zur Verfügung stehen, erklären. Wenn ich meine Stimme an den richtigen Stellen hebe, ihr ab und an zuzwinkere oder unmerklich mit dem Kopf nicke, wird sie den Wink mit dem Zaunpfahl schon verstehen. Dann könnte ich sie bitten, mir die Ereignisse jenes Abends zu schildern, und sie würde ihre Geschichte, angepasst an die entsprechende Verteidigung, zum Besten geben.

Aber wie ich bereits erwähnte, entspricht das nicht meiner Art.

»Erzähl mir, was passiert ist. Schritt für Schritt. Fang ganz am Anfang an.«

Sie zögert kurz, schaut sich im Raum um, während sie sich die Frage durch den Kopf gehen lässt. Diese Angewohnheit werde ich ihr abgewöhnen müssen, bevor sie vor Gericht aussagt. »Vor etwa drei Wochen kam ich Freitagabend um circa 23 Uhr von einer Party nach Hause. Mein Stiefvater war sturzbetrunken.« Ihre Augen sind starr auf die Wand hinter mir gerichtet, während sie spricht. Ihre Stimme ist ganz sachlich, als würde sie das Wetter beschreiben. »Eigentlich hatte ich Hausarrest, also kam es in der Eingangshalle zu einem heftigen Streit. Ich war frech und er schlug zu.« Sie hebt eine Hand und berührt ihre Wange. »Fest. Mich hatte er vorher noch nie geschlagen, nur meine Mutter. Ich bin in mein Zimmer gestürmt. Ich hatte Angst, war aber auch echt angepisst … ähm, Entschuldigung … wütend. Und dann schau ich so in den Spiegel und sehe, dass mein Gesicht schon neben dem Auge anschwillt. Also beschließe ich, wieder nach unten zu gehen und etwas Eis draufzulegen. Ich holte mir ein Handtuch, in das ich das Eis reinlegen konnte, und hab meine Waffe unter dem Handtuch versteckt.«

»Deine Waffe?«, frage ich nach. »Wo hattest du die her?«

Sie zögert, senkt den Blick auf den Tisch. »Aus meinem Schlafzimmer.«

»Du hattest eine Waffe in deinem Schlafzimmer?«

»Mmm. Hab sie unter der Matratze versteckt. Hab sie mir ein paar Wochen vor jener Nacht besorgt. Sie hätten auch eine, wenn Sie mit ihm hätten zusammenleben müssen.«

»Wo hattest du sie her?«

»Von einem Freund.«

Ich lehne mich ein wenig vor. »Hat dein Freund auch einen Namen?«

Sie schiebt ein paar imaginäre Staubpartikel auf dem Tisch herum, während sie versucht zu entscheiden, ob sie mir trauen kann. »Kann ich nicht sagen.«

»Kannst du es nicht, oder willst du es nicht?«

»Will nicht.«

Ich beschließe, nicht weiter nachzubohren. Später vielleicht. Aber nicht jetzt. »Okay, was ist dann passiert?«

»Auf meinem Weg in die Küche laufe ich an James vorbei. Wahrscheinlich hätte ich einfach...


Singer, Randy
Randy Singer wird von der Fachpresse hoch gelobt. Seine Justiz-Thriller sind "mindestens genauso unterhaltsam wie John Grisham" (Publishers Weekly). Für "Die Witwe" erhielt er sogar den begehrten Christy Award. Dabei kommt Singer aus der Praxis: Im wirklichen Leben arbeitete er als Anwalt. Und die Botschaft von Gottes Liebe "verteidigt" er sonntags auf der Kanzel der "Trinity Church" in Virgina Beach (USA).

Randy Singer wird von der Fachpresse hoch gelobt. Seine Justiz-Thriller sind "mindestens genauso unterhaltsam wie John Grisham" (Publishers Weekly). Für "Die Witwe" erhielt er sogar den begehrten Christy Award. Dabei kommt Singer aus der Praxis: Im wirklichen Leben arbeitete er als Anwalt. Und die Botschaft von Gottes Liebe "verteidigt" er sonntags auf der Kanzel der "Trinity Church" in Virgina Beach (USA).



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