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E-Book

E-Book, Deutsch, 317 Seiten

Reihe: Systemische Horizonte

Simon Formen

Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8497-8129-3
Verlag: Carl Auer Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen

E-Book, Deutsch, 317 Seiten

Reihe: Systemische Horizonte

ISBN: 978-3-8497-8129-3
Verlag: Carl Auer Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Wesenskern systemischen Denkens liegt in einer einfachen, aber folgenreichen Unterscheidung: der zwischen System und Umwelt. Sie verlangt, dass für unterschiedliche Arten von Systemen unterschiedliche System-Umwelt-Unterscheidungen getroffen werden. Biologische, psychische und soziale Prozesse stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander: Wo die Aufmerksamkeit auf psychische Systeme fokussiert, sind soziale und biologische Systeme jeweils Umwelten. Wo soziale Systeme in den Fokus genommen werden, sind psychische und biologische Systeme Umwelten. Es ist nicht möglich, eine Unterscheidung zu fassen, die allen anderen Unterscheidungen zugrunde läge oder diese von ihr herleiten ließe - außer eben der formalen und allgemeinen zwischen System(en) und Umwelt(en). Dieser Ansatz wird häufig als Provokation erlebt, scheint er doch die Idee des ganzen Menschen und einer menschlichen Identität aufzugeben oder aktiv zu unterlaufen. Welche großen Chancen zu hilfreichen Einsichten und welche enormen Grade an Eigenwirksamkeit aber gerade in dieser methodischen Fragmentierung liegen, arbeitet Fritz B. Simon in diesem Buch klar und transparent heraus. Für Arbeitsfelder wie Psychotherapie, Psychiatrie, Coaching, Organisationsberatung und - last not least - bürgerschaftliches Engagement ermöglicht es eine im wahrsten Sinne aufgeklärte Haltung. Man könnte sagen: Drunter ist es nicht zu haben. Aber der Einsatz lohnt sich. 'Formen' ist ein Buch für Menschen, die Lust am genauen und seine eigenen Folgen reflektierenden Denken haben. Und hier geht es weiter: formen-blog.de

Fritz B. Simon, Dr. med., Univ.-Prof.; Studium der Medizin und Soziologie; Psychiater und Psychoanalytiker, systemischer Therapeut und Organisationsberater. Forschungsschwerpunkt: Organisations- und Desorganisationsprozesse in psychischen und sozialen Systemen. Autor bzw. Herausgeber von ca. 300 wissenschaftlichen Fachartikeln und 30 Büchern, die in 15 Sprachen übersetzt sind, u. a.: Der Prozeß der Individuation (1984), Die Sprache der Familientherapie (1984), Lebende Systeme (1988), Unterschiede, die Unterschiede machen (1988), Meine Psychose, mein Fahrrad und ich (1990), Radikale Marktwirtschaft (1992), Die andere Seite der Gesundheit (1995), Die Kunst, nicht zu lernen (1997), Zirkuläres Fragen (1999), Tödliche Konflikte (2001), Die Familie des Familienunternehmens (2002), Gemeinsam sind wir blöd!? (2004), Mehr-Generationen-Familienunternehmen (2005), Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus (2006), Einführung in die systemische Organisationstheorie (2007), Einführung in die systemische Wirtschaftstheorie (2009), Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Systemische Aspekte des Fußballs (2009), Einführung in die Systemtheorie des Konflikts (2010), 'Zhong De Ban' oder: Wie die Psychotherapie nach China kam (2011), Einführung in die Theorie des Familienunternehmens (2012), Wenn rechts links ist und links rechts (2013), Einführung in die (System-)Theorie der Beratung (2014).
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2Beobachten


2.1


Unter Beobachten soll eine verstanden werden, die durch die zweier anderer Operationen entsteht: und .

2.2


Unterscheiden: Jede Operation, durch die ein oder (= eine Welt) geteilt wird.

2.2.1


Die Operation des Unterscheidens erzeugt eine abgegrenzte und einen bzw. eine dieser Einheit (= Rest der Welt).

2.2.2


Durch die Operation des Unterscheidens entsteht ein Raum, Zustand oder Inhalt, der der so entstandenen Einheit verortet ist, und ein Raum, Zustand oder Inhalt, der dieser Einheit verortet ist (= Innen-außen-Unterscheidung).

2.2.3


Der Raum, Zustand oder Inhalt auf der Innenseite der Einheit lässt sich durch mindestens ein dort (= ) verortetes (= ) charakterisieren, das auf der Außenseite (= ) zu finden ist.

2.2.4


Die Seite des Unterscheidens, auf der ein oder mehrere definierende Merkmale verortet werden, soll oder genannt werden.

2.2.5


Die durch das der jeweiligen definierenden Merkmale charakterisierte Seite des Unterscheidens soll oder genannt werden.

2.2.5.1


Unmarkierte Räume, Zustände oder Inhalte bleiben , d. h. .

2.2.5.2


Wenn unmarkierte Räume, Zustände oder Inhalte (= Außenseite der Unterscheidung) ihrerseits aufgrund von Merkmalen, die von denen der Innenseite abweichen, markiert werden, werden auch sie beobachtet (= bemerkt) und produzieren ihrerseits eine unmarkierte (= unbemerkte) Außenseite der Unterscheidung.

2.2.6


Unterscheiden kann als elementare Operation jeder – nicht nur des Beobachtens – betrachtet werden (der erste Akt jeder Genesis).

2.2.6.1


Innerhalb der Räume, Zustände oder Inhalte auf der Innenseite eines Unterscheidens kann weiter unterschieden (= ) werden.

2.2.6.2


Mehrere unterschiedene Merkmale bzw. Räume, Zustände oder Inhalte, die auf der des Unterscheidens verortet werden, sind miteinander .

2.2.6.3


Unterschiedene Merkmale bzw. Räume, Zustände oder Inhalte, die auf der des Unterscheidens verortet werden, sind von den Räumen, Zuständen oder Inhalten auf der Innenseite .

2.2.7


Jedes Unterscheiden wird durch unterschiedliches hervorgebracht, das heißt, auf der wird ein Wert (= Merkmal) verortet/zugeschrieben, welcher auf der markierten Seite verortet / zugeschrieben wird (= des Unterscheidens).

2.2.8


Unterscheiden ist eine Operation, d. h. ein , das flüchtig ist, und wie lange sein Ergebnis erhalten bleibt, hängt von dem ab, in dem diese Operation vollzogen wird.

2.3


Bezeichnen: Eine zweite Operation des Unterscheidens wird mit einem ersten Unterscheiden gekoppelt und als (= ) auf das erste Unterscheiden .

2.3.1


Das 1. Unterscheiden soll (= ) genannt werden, das 2. Unterscheiden soll (= ) genannt werden.

2.3.2


Welche der Operationen als (= distinction) und welche als (= indication) zu betrachten ist, der .

2.3.3


Beide Operationen (1. und 2. Unterscheiden) können im selben oder in getrennten (= unterschiedenen) erfolgen.

2.3.4


, denen Merkmal bzw. Merkmale zugeschrieben werden (= Innenseite des 1. Unterscheidens), sollen als bezeichnet werden (= 2. Unterscheiden).

2.3.5


, denen Merkmal bzw. Merkmale zugeschrieben werden (= auf Außenseite des 1. Unterscheidens verortet), sollen als bezeichnet werden (= 2. Unterscheiden).

2.3.6


Räume, Zustände oder Inhalte sollen nur dann als bezeichnet werden, wenn ihnen definierenden Merkmale gleichermaßen zugeschrieben werden.

2.3.7


Räumen, Zuständen oder Inhalten, die als bezeichnet werden, wird zumindest definierendes Merkmal unterschiedlich zu- bzw. nicht zugeschrieben.

2.4


Unterscheiden vs. Bezeichnen: Die definierenden Merkmale des Unterscheidens (= 1. Unterscheiden / distinction) und Bezeichnens (= 2. Unterscheiden / indication) sind in der Regel (das heißt, es gibt Ausnahmen) nicht identisch, das heißt, sie dürfen werden.

2.4.1


Wenn Unterscheiden und Bezeichnen in unterschiedlichen Phänomenbereichen erfolgen, so sind sie immer auch durch die jeweils definierenden , in dem sie verortet werden, charakterisiert.

2.4.2


Das (= 2. Unterscheiden / indication) verweist (= ) auf das (= 1. Unterscheiden / distinction) als seinen (= ), das heißt, Sinn/Bedeutung des 2. Unterscheidens (= Bezeichnens/Verweisens/Zeigens) ist das 1. Unterscheiden.

2.4.3


Sinn/Bedeutung: Selektion eines Raums, Zustands oder Inhalts aus einem beobachterspezifischen Universum Räume, Zustände oder Inhalte.

2.4.4


Unterscheiden und Bezeichnen können auch im selben Phänomenbereich verortet sein.

2.4.5


(1. Unterscheiden / distinction) und (2. Unterscheiden / indication) können auch identisch sein, d. h. nur eine einzige , die gleichzeitig beide Funktionen erfüllt.

2.5


Grenze: Der Raum, Zustand oder Inhalt, in dem Innenseite und Außenseite eines Unterscheidens zusammentreffen / getrennt werden, soll genannt werden.

2.5.1


Aus einer Beobachtungsperspektive auf der des Unterscheidens (= Beobachtung 1. Ordnung) gehört die Grenze zum Phänomenbereich der Innenseite.

2.5.2


Aus einer Beobachtungsperspektive auf der des Unterscheidens (= Beobachtung 1. Ordnung) gehört die Grenze zum Phänomenbereich der Außenseite.

2.5.3


Ob eine Grenze der Innenseite oder der Außenseite des Unterscheidens zugerechnet werden kann/muss, ist aus einer Beobachtungsperspektive jenseits der Unterscheidung (= Metaperspektive / Beobachtung 2. Ordnung) (= tertium datur).

2.5.4


Grenzen können aufgrund ihrer die beiden Seiten eines Unterscheidens zugleich als auch Funktion auch als zwischen den beiden Seiten des Unterscheidens fungieren.

2.5.5


Nicht jedes Unterscheiden produziert eine beobachtbare Grenze zwischen Räumen, Zuständen oder Inhalten innen und außen, die werden können (z. B. beim Unterscheiden zwischen Ideen).

2.6


Beobachtung: Ein Unterscheiden und Bezeichnen eines Raums, Zustands oder Inhalts (= innen) mit einer Außenseite zu einem Zeitpunkt, d. h. ein , soll genannt werden.

2.6.1


Beobachtungen als Ereignisse finden immer nur in einer (= hier und jetzt) statt.

2.6.2


Wenn über Beobachtungen gesprochen wird, so wird stillschweigend vom Beobachter und der Operation des Beobachtens abstrahiert, das heißt, und werden...


Fritz B. Simon, Dr. med., Univ.-Prof.; Studium der Medizin und Soziologie; Psychiater und Psychoanalytiker, systemischer Therapeut und Organisationsberater. Forschungsschwerpunkt: Organisations- und Desorganisationsprozesse in psychischen und sozialen Systemen. Autor bzw. Herausgeber von ca. 300 wissenschaftlichen Fachartikeln und 30 Büchern, die in 15 Sprachen übersetzt sind, u. a.: Der Prozeß der Individuation (1984), Die Sprache der Familientherapie (1984), Lebende Systeme (1988), Unterschiede, die Unterschiede machen (1988), Meine Psychose, mein Fahrrad und ich (1990), Radikale Marktwirtschaft (1992), Die andere Seite der Gesundheit (1995), Die Kunst, nicht zu lernen (1997), Zirkuläres Fragen (1999), Tödliche Konflikte (2001), Die Familie des Familienunternehmens (2002), Gemeinsam sind wir blöd!? (2004), Mehr-Generationen-Familienunternehmen (2005), Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus (2006), Einführung in die systemische Organisationstheorie (2007), Einführung in die systemische Wirtschaftstheorie (2009), Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Systemische Aspekte des Fußballs (2009), Einführung in die Systemtheorie des Konflikts (2010), "Zhong De Ban" oder: Wie die Psychotherapie nach China kam (2011), Einführung in die Theorie des Familienunternehmens (2012), Wenn rechts links ist und links rechts (2013), Einführung in die (System-)Theorie der Beratung (2014).



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