E-Book, Deutsch, Band 2, 372 Seiten
Reihe: Die Tore der Zeit
Simon Die Tore der Zeit
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7562-8263-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Hüter der Tore
E-Book, Deutsch, Band 2, 372 Seiten
Reihe: Die Tore der Zeit
ISBN: 978-3-7562-8263-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kennst du die andere Seite der Tore schon? Ein seltsamer Ruf erreicht die Magischen Vier. Die Urkräfte des Bösen beanspruchen das kommende Zeitalter im Terukanis-Weltenverbund für sich. Der dunkle Zauberer Marwin, den sie einst besiegten, war ihr erster Bote. Doch es wird ein neuer Bote gesandt und der Kampf um die Erde entbrennt. Die Magischen Vier gelangen an die Häuser des Wissens, da ruft sie der Anführer der Hüter der Tore in seine Welt Erindala. Der Herr der Finsternis ist nun selbst dort eingefallen, um seine mächtigsten Waffen, die Stäbe des Todes, hervorzuholen. Gemeinsam mit den Hütern der Tore versuchen die Magischen Vier, dies zu verhindern.
Anke Simon arbeitet als Buchhändlerin und Autorin. Sie absolvierte ein Belletristik-Studium, nahm Schauspielunterricht und Weiterbildungen in Theaterpädagogik. Die Theatergruppe Die Tore der Zeit leitet sie und bringt mit ihren Mitgliedern die spannenden Charaktere ihrer Fantasy-Saga auf die Bühne. Anke Simon lebt in der Schweiz.
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DAS ZEICHEN
Es waren grüne Augen, aber nicht irgendwelche. Solch ein Grün hatten sie noch nie gesehen. Es war rätselhaft und drang bis in die tiefste Zelle hinein. In diesen magisch grünen Augen spiegelte sich der Zugang zu einer anderen Welt wider. Aber das war noch nicht alles. Die Augen schauten aus einer Uhr, genauer gesagt, aus der Wanduhr in Tims Zimmer. Ein unergründlicher Hauch von Kühle umwehte sie. Sprachlos starrten Tim, Nick, Robby und Selina auf die geisterhafte Uhr. Es war der dreißigste März, Tims fünfzehnter Geburtstag. Die Zeiger der Uhr zeigten die zehnte Stunde abends an. Auf der Rosenstraße in Rhog war Ruhe eingetreten. Die Menschen verabschiedeten den Tag und bereiteten sich auf die Nachtruhe vor. Shaja war vor zwei Stunden durch ein Elbentor auf die Erde gekommen und hatte Tim nach Maleia geholt. Er wollte dort mit ihr noch feiern. Aber Tim war zurückgekehrt und hatte sofort seine Freunde zu sich gerufen! WAR DAS ZEICHEN JETZT DA? Kam es aus dieser Uhr, der ganz offensichtlich Magie zugrunde lag? Sie war ein Geschenk der Elbenkönigin und trug ein Elbensymbol in der Mitte. Ein Dreieck mit einem doppelten Torbogen, dessen Zwischenraum mit hellen Strahlen ausgefüllt war. Das Ziffernblatt verblasste plötzlich. Ein dreiviertel Jahr war vergangen. Viel zu lange. So empfanden es jedenfalls Tim und Nick. Sie wollten unbedingt auf die magische Seite des Tores zurück, an die fünf Häuser des Wissens. Selina und Robby hatten es damit nicht ganz so eilig. Sie hatten sich schnell wieder an ihren Alltag auf der nicht magischen Seite gewöhnt und die Erinnerung an ihre Erlebnisse auf der magischen Seite des Tores verblasste. Vor allem Robby fühlte sich besser denn je. Durch seinen Status als Selinas Freund und einer der Entdecker des Tores von Rhog war sein Ansehen bei den Schülern erheblich gestiegen. Auch Lea verschwendete keinen Gedanken mehr an die magische Seite des Tores. Sie hatte im vergangenen Sommer die Schule abgeschlossen und befand sich nun auf Reisen quer durch Europa. Damit erfüllte sie sich ihren lang gehegten Traum. Anschließend wollte sie mit Mia und Rena, ihren beiden besten Freundinnen, durch Südamerika reisen. Nur weit fort von Rhog. Ihre Elbenkleidung, der Erdstab, ihr Elbenschwert, der Feengürtel, der Zirkonstein und der Amethystobelisk lagen gut verstaut im Kleiderschrank ihres Zimmers. Ihr Leben war genauso, wie es sich Lea vor ihrem magischen Abenteuer gewünscht hatte. Aus ihrer Sicht bestand kein Bedarf mehr, auf die magische Seite des Tores zurückzukehren. Selbst das Elixier des Lebens hatte sie vergessen. Wenn alles ruhig blieb, brauchte sie es nicht mehr. Die Menschen in Rhog wussten nun, dass die Legende von den Toren der Zeit auf Wahrheit beruhte. Rhog war wieder zu einem Ort mit einem Geheimnis geworden, aber niemand würde es preisgeben und das Dorf einem unnötigen Rummel von neugierigen und sensationslüsternen Menschen aussetzen. Die Familien wollten ein ruhiges Leben führen. Also hatte sich der Alltag in Rhog kaum verändert. Das Tor im Schulkeller wurde von dem Geschichtslehrer des Gymnasiums gehütet. Olowen Scout hatte sich freiwillig gemeldet und den Gang verschlossen. Nur mit seiner ausdrücklichen Erlaubnis konnte man zum Tor gelangen. So ungefähr jeder Bürger von Rhog hatte es inzwischen gesehen und die Besichtigungen hatten nachgelassen. Am Anfang waren Tim, Lea, Nick, Robby und Selina wie Könige und Königinnen behandelt worden. Vor allem Tim war ein beliebtes Objekt bei den Mädchen, obwohl er immer sehr unbeteiligt tat. Und wenn er doch einmal mit einem Mädchen sprach, eilte Selina schnell mahnend herbei. «Shaja denkt bestimmt jede Minute an dich.» Dafür erntete sie immer nur ein müdes Lächeln von Tim. Irgendwann hatte sich der Rummel um sie dann gelegt. Nun rief die Magie wieder nach ihnen. Die merkwürdigen grünen Augen in der Wanduhr wurden immer fordernder. Mit unverminderter Kraft durchbohrten sie jeden Einzelnen im Raum. Der kühle Hauch, der sie hartnäckig umwehte, brachte noch ein leises Pfeifen mit. «Sssss …», wisperte es durch die Luft. «Tim, was passiert hier?» Selinas Augen vergrößerten sich argwöhnisch. Ihre Farbe schien sich dem tiefen Grün in der Wanduhr anzupassen. Ein leichtes Unwohlsein stieg in Selina auf. Sie befanden sich allein im Haus. Tims Eltern waren für ein paar Tage verreist. In Gegenwart von Erwachsenen fühlte sich Selina immer noch etwas sicherer, selbst wenn Tim magische Fähigkeiten besaß. «Ist das jetzt das Zeichen?», fragte Nick gespannt. Tim schwieg. Der kreisrunde Vollmond am Himmel sandte ein unfassbar helles Licht auf die Erde. Dieses ungewöhnliche Leuchten verlieh der Finsternis der Nacht die Helligkeit des Tages. Man konnte nicht schlafen, war munter und hätte die ganze Nacht durchmachen können. «Sssss …», sirrte es abermals durch Tims Zimmer. Aus dem kühlen Hauch wurde nun ein stetig wachsender Sog. «Tim? Ist es das Zeichen?», bohrte Selina nach. Sie saß mit Robby auf Tims Bett und rutschte noch näher an ihn heran. Ihr Freund war immer für sie da, machte alles mit, was ihr gefiel, und sie hatte sich an diesen Zustand gewöhnt. Jetzt griff sie nach seinem Arm und klammerte sich an ihn. Auch Robby war wie sie alle in den letzten Monaten noch gewachsen. Durch seine Ruhe und seine kräftige Statur wirkte er auf sie wie ein Fels in der Brandung. Manchmal fand Selina Robby zu schweigsam und zu zurückhaltend, aber jetzt war er genau das, was sie brauchte. Tim nickte endlich. «Ja, es ist das Zeichen.» «Es fühlt sich unheimlich an», stellte Nick verwundert fest. «Wieso nur? Es sollte doch alles gut sein.» «Der Wandel der Zeit hat begonnen», erklärte Tim ernst. «Das alte Zeitalter in unserem Weltenverbund geht zu Ende und ein neues Zeitalter soll beginnen. Der Herr und die Herrin der Finsternis und der Herr und die Herrin des Lichts kämpfen um die Herrschaft der neuen Zeitepoche. Sie erhalten ein Zeichen, wenn ein neuer Wandel der Zeit anbricht, und senden ihren Ruf an ihre Krieger in die Welten hinaus. Diese beginnen den Kampf. Derjenige, der seinen Ruf zuerst aussendet, erhält eine zusätzliche Kraft. So lautet das Gesetz des Wandels. Bisher ist das noch nie geschehen. Beide Seiten haben sich an das Gesetz gehalten und ihren Ruf gleichzeitig ausgesandt. Aber diesmal …» Tim brach unvermittelt ab. «WAS IST DIESMAL?» Selinas Finger schraubten sich tief in Robbys Arm hinein. «Aua, du tust mir weh.» Selina lockerte ihren Hände nur ganz leicht und Robby versuchte heldenhaft, diesen schmerzvollen Klammergriff auszuhalten. «Diesmal hat der Herr Finsternis das Gesetz des Wandels gebrochen, das Zeichen nicht abgewartet und seinen Ruf zuerst ausgesandt. Die Erde sollte als erste Welt in seine Hände fallen und Marwin war sein erster Bote. Der Herr der Finsternis dachte, er hätte leichtes Spiel mit dieser Welt. Er hat nicht damit gerechnet, dass die Magischen Vier so schnell zusammenfinden und die Elben den Menschen auch noch helfen würden. Er hatte gehofft, dass Marwin einen der Magischen Vier vernichten kann und der Bund nicht zustande kommt. Deshalb wurden wir damals auf dem Weg zum großen Frühlingsfest im Park von Schattenkriegern angegriffen. Ich sollte sterben.» «Das … das ist entsetzlich», hauchte Selina. «Ja, und wenn die Finsternis den Kampf gewinnt, fallen alle Welten in unserem Verbund bis zum nächsten Wandel der Zeit in die Dunkelheit.» «So habe ich mir das Zeichen nicht vorgestellt.» Selina versuchte ihre Tränen zu unterdrücken. Ihr Griff um Robbys Arm verstärkte sich wieder. «Sssss …», wisperte es erneut durch die Luft. «Selina! Du tust mir weh!» Robby musste seine ganze Kraft aufbringen, um Selinas Klammergriff endlich loszuwerden. Es reichte ihm, und dann sagte auch er etwas. Nur sehr widerstrebend löste sich Selina. «Die Magischen Vier werden wieder gebraucht und sollen zu den fünf Häusern des Wissens kommen», erklärte Tim. «Und was ist mit uns?» Nick gefiel das nicht. Tim druckste herum. «Ihr sollt auch mitkommen. Aber wir werden kämpfen müssen. Ihr seid hier sicherer.» «Nichts da!», sagte Nick entschieden. «Wir haben das Abenteuer gemeinsam begonnen und werden es auch gemeinsam beenden. Ich komme mit, basta!» «Du willst doch bloß an die Häuser des Wissens wegen der Magie.» Wenn es gefährlich war, zurückzugehen, dann wollte Selina lieber Tims Ratschlag befolgen und hierbleiben. «Nein, ich gehe, weil Tim mein Freund ist», beharrte Nick. «Wir können doch gar nicht kämpfen. Wir sind nicht stark genug.» Selina wollte nicht aufgeben. «Auch in Rhogat sind wir sicher. Nichts Dunkles kann dort eindringen, schon vergessen?» «Hab ich nicht», behauptete Selina, obwohl sie tatsächlich nicht mehr daran gedacht hatte. «Wir sind alle...




