Silver | Merula und die vergessenen Farben | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 447 Seiten

Reihe: Eternal Shadows Chroniken

Silver Merula und die vergessenen Farben


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7541-9767-7
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 447 Seiten

Reihe: Eternal Shadows Chroniken

ISBN: 978-3-7541-9767-7
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Prinzessin, die nicht weniger zuhause am Königshof sein könnte. Anlässlich des jährlichen Sternenfeuerfest kehrt Merula aber heim und stellt sich den Herausforderungen am Adelshof. Am anderen Ende der Herachie beginnt zeitgleich die letzte Mission einer Auftragskillerin. Diese führt sie zu tief hinter den Schleier, wo sie nach und nach die finstersten Geheimnisse um die Prinzessinnen von Luzine aufdeckt. Schnell verweben sich die Geschehnisse der beiden Protagonisten und es bricht eine Festzeit voller Spannung, Geheimnisse und viel Humor an Aus zwei Perspektiven erzählt sich so eine queere Fantasy Geschichte, der erste Band der Eternal Shadows Chroniken!

Hinter dem Autorensynonym Michael Silver verbirgt sich der österreichische Autor Michael Silberschneider. Sein Debüt feierte der Autor im Jahre 2021 mit 'Eternal Shadows - Die magische Träne'.
Silver Merula und die vergessenen Farben jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Am anderen Ende


2

Dieselbe Stadt hatte auch ein anderes Gesicht, ein weniger adliges.

Langsam und kontrolliert führte sie das Messer am Porzellan entlang. Mit jeden Streich wurde die Klinge etwas schärfer. Gewöhnlich war sie nicht. Sie war aus dem feinsten Federdamast geschmiedet worden, ein besonderes Messer.

Das Geräusch des Schärfens beruhigte sie mittlerweile, denn es war gewöhnlich geworden, so oft hatte sie es gehört. Mit viel Liebe und Sorgfalt pflegte sie alle ihre Messer. Ihre einstig große Sammlung war ein eindeutiger Beweis dafür gewesen.

Eine Glocke, wie die einer Eingangstür, läutete.

Sie ließ das Porzellan am Tisch liegen und stolzierte federnden Schrittes auf eine Luke im Boden des Raumes zu, das Messer hinter ihrem Rücken. Es lag gut in der Hand.

Es läutete erneut. War die Person etwa in Eile?

Langsam öffnete sie die Lukentür. Es war ein buckelnder, junger Mann. Dieser erschrak, beim Anblick auf das, was ihn da von oben herab anlächelte.

Die junge Dame strich sich mit der freien Hand die roten Haare, die in ihr Gesicht hingen, zur Seite. Die andere Hand hielt das Messer weiter umschlungen.

»Sie ... Also ich bin hier, weil ... nun ...«, begann der Mann. Wieso er wohl keinen geraden Satz hervorbrachte?

Sie steckte ihm einen schwarzen Briefumschlag zu und schloss die Klappe wieder. Sie war noch zu müde, für den Alltag, obwohl es schon fast Mittag war.

Langsam schritt sie wieder zurück in den einen Raum, den sie ihr Zuhause nannte. Der Dachboden war nicht riesig, bot ihr aber einen warmen Schlafplatz und war als Wohnraum nirgends verzeichnet. Es blieb also ein Geheimnis, dass sie hier war. Dieser Umstand ließ sie ruhig schlafen.

Sie setzte sich auf das alte Sofa und schärfte ihr Messer weiter. Dabei summte sie eine Melodie und wippte mit dem Kopf. So ging das die nächsten Stunden. Sie bekam leider viel zu schnell einen Ohrwurm.

Am Dachboden standen neben dem Sofa und dem dazugehörenden Tisch nichts, außer ein kleiner Kamin und viele Kisten voller Gerümpel. Ihre wenigen Klamotten hingen an Haken von der Decke herab. Viel mehr, besaß sie nicht.

Sie unterbrach ihr Summen, denn eine kleine Spinne hatte sich vor ihrem Gesicht abgeseilt. Ihre kleinen Beinchen bewegten sich so elegant und quirlig zugleich. Ohne Zweifel war die Faszination für Spinnen nichts, das alle teilten, sie aber umso mehr.

Sie streckte einen Finger aus und ließ das kleine Spinnentier darauf klettern. Dann brachte sie das Tier in eine dunkle Ecke des Dachbodens hinter den vielen Kisten.

Nun war sie wach. Der Tag durfte beginnen.

Sie zog sich ihre Klamotten an. Diese bestanden aus einer einfachen Ledertunika mit Kapuze und einer eng anliegenden Leinenhose mit Gürteln und Verstärkungen aus Leder- und Eisenteilen.

Dieses Outfit war deutlich zu teuer für ihrem Stand in der Gesellschaft. Die typische Frau, die am Dachboden einer Taverne lebte, konnte sich so etwas für gewöhnlich nicht leisten, doch war dies hier mehr, als ihre ungewöhnliche Unterkunft.

Ihr geliebtes Messer wanderte in eine schöne Lederscheide, die an ihren Gürtel gebunden war. Unbewaffnet sollte man nämlich nicht die Gegend besuchen, in der sie vor hatte heute zu gehen.

Sie schlüpfte noch in zwei alte Stiefel, die neben dem Ausgang standen, öffnete dann die Luke und schob eine Leiter hinab, um runterklettern zu können. Dies tat sie auch, aber erst nachdem sie die Dachbodenluke zweimal abgeschlossen hatte.

Das rege Treiben war nicht zu übersehen. Personal huschte durch die Gänge. Der Eingang zu ihrem Dachboden lag unglücklicherweise direkt auf einem der Gänge, der von der Küche zum Gästebereich der Taverne führte.

Ihr Job begann erst in den Abendstunden. Das traf sich gut, denn sie musste sowieso noch ein paar Besorgungen machen.

Sie zwängte sich durch zum Hinterausgang und erntete dabei einige genervte Blicke, an die sie aber keinen einzigen Gedanken verschwendete.

Im Hinterhof saßen einige Männer und Frauen ihre Rast ab. Auch diese warfen ihr nicht gerade positive Blicke zu. Sie ignorierte auch diese und verließ die Hinterhofgasse und betrat die Hauptstraße.

Dort wartete ein kleiner Mann. Er hatte auch, und dies war verdächtig, ähnliche Klamotten wie sie an. An seiner Reaktion war zu erkennen, dass er auf sie gewartet hatte.

Sie schnaubte, als wüsste sie bereits, was nun kam.

»Zula! Ich bin froh dich ...«

»Dex, spuck’s aus«, sagte Zula, ohne stehen zu bleiben.

Der kleine Mann lief neben her. Er hatte Probleme damit, Schritt zu halten. Sein großer Krempenhut flog beinahe weg.

»Du hattest schon bessere Tarnungen.«

»Nun warte doch einen Moment«, erbat Dex und Zula blieb stehen. Der kleine Mann stützte sich an ihrem Bein ab. »Alte Freundin ...«

Zula nahm ihn mit beiden Händen hoch und setzte ihn auf einer brusthohen Mauer ab. »Ich bin ganz Ohr.« Sie sondierte genau ihre Umgebung, damit niemand sie beobachten konnte.

Nun da die beiden auf Augenhöhe waren, wurde der Körper des kleinen Mannes deutlich, der kein Menschlicher war. Es war ein Havanturin, ein Maulwurfmensch mit der langen Nase, dem typischen Schnurrbart und der dicken Krempe, die vor der Sonne schützen sollte.

Langsam kam Dex wieder zu Atem. »Hör zu. Ich brauche deine Hilfe, bei dieser Sache ...«

»Ich habe damit aufgehört«, warf Zula ein.

»Jaja, du bist ein braves Mädchen geworden, aber ...«

»Ich habe heute zum ersten Mal meine Miete gezahlt«, erzählte Zula. »Verrückt oder?«

»Ganz toll. Aber du sollst gar nichts Böses für mich tun«, sagte Dex und gestikulierte dabei mit seinen Armen.

Zula traute dem Braten nicht.

»Ehrlich. Nur etwas Lohn ... ähm, Umverteilung. Das ist alles.«

Zula ging weiter.

»Warte!«, schrie Dex und sprang von der Mauer. Dummerweise vergaß er die Höhe und landete unsanft auf allen vieren. »Die haben mich übers Ohr gehauen!«

Zula blieb stehen und drehte den Kopf zurück. »Wer hat dich übers Ohr gehauen und bei was?«, fragte sie.

Dex stand auf und lief schnell zu ihr. »Eine große Lieferung an die Abenteurergilde.«

Für Zula war die Sache klar. »Ich will nicht wissen, was du ihnen verkauft hast.« Sie wusste von Dex’ Schwarzmarktgeschäften. Er war einer der Besten, wenn man an illegale Dinge gelangen wollte, aber er war nicht der Stärkste. »Ich helfe dir. In Zukunft lässt du die von der Gilde aber raus aus deinen Geschäften. Deal?«

Dex brauchte eine Weile, bevor er eine Antwort hervorbrachte. »Deal! Schön mit dir Geschäfte zu machen.«

»Wie auch immer.« Zula drehte um. Die Abenteurergilde lag in der anderen Richtung und bedeutete somit einen großen Umweg.

Die gepflasterte Straße führte sie in einen belebteren Teil dieser Stadt, den Handelsbezirk. Dieser lag nahe an den Kettenaufzügen, die zum Hafen am Fuße der Klippen führten, auf welche diese Stadt einst erbaut wurde.

Für Zula war der Fußmarsch kein Problem, dafür für Dex, der immer doller begann zu schnaufen und ächzen. Seine kurze Schrittlänge war auf Dauer ein Problem, wenngleich seine Lunge auch nicht mehr die reinste war.

Der Handelsbezirk war zu dieser Zeit überlaufen mit Käufern und Verkäufern. Je nach Straßenabschnitt roch man frisches Leder und Stoffe oder jede Art von Lebensmittel aus dieser Region. Im Grunde fand man hier alles, was das Herz begehrte, sofern es nicht zu exquisit oder illegal war. Überwiegend erschwingliche Waren für jedermann.

Zula mochte diese Gegend. Hinderlich war nur, dass dies auch der Stadtteil war mit der höchsten Personendichte zu dieser Tageszeit und dies missfiel ihr aus persönlichen Gründen.

Mit etwas Mühe und viel Schubserei schafften sie es, sich durch die Menschenmassen zu zwängen, bis ins Zentrum dieses Bezirks, die Abenteurergilde. Das große Gebäude sah ein wenig aus, wie der Bug eines Schiffes, der falsch herum dalag.

Die vielen Flaggen und Banner protzten von den Heldentaten dieser Gildenvereinigung, damals. Heute war dieser Ort ein anderer. Und dies war sogar mit ein Grund, warum Zula sich zu dieser Missetat überreden ließ.

Sie standen nun vor der großen Doppeltür. Sie war geschlossen.

»Also wenn ich es mir recht überlege, wäre es doch besser, wenn wir nachts wiederkommen und die Kohle klauen?«, bemerkte Dex.

»Ja wäre einfacher.« Zula war in ihrem Element. »Es würde dann aber nicht mal halb so viel Spaß machen«, sagte sie voller Vorfreude und nahm ihr Messer vom Gürtel ab und gab es samt Scheide an ihren kleinen Mittäter. »Wehe du verkaufst es, bis ich wieder da bin«, drohte sie.

In Dex Händen sah das Messer eher wie ein großer Zweihänder aus. Er lehnte es an die Wand neben sich.

»Ist nämlich eines meiner Lieblinge, musst du wissen«, sagte Zula und dehnte sich noch kurz. »Das wird Spaß machen.«

Dex schluckte nervös.

Anstatt zuerst zu klopfen, warf sie sich mit voller Wucht gegen die Tür, die sofort aufsprang. »Hallo? Jemand zu Hause?«, fragte Zula provozierend, als sie ohne Scheu eindrang.

Sie ging auf das große Gildenpult zu, an einigen großen Kürbissen vorbei. Früher konnten hier Abenteurer Aufträge annehmen. Heutzutage allerdings, war die Rezeption unbesetzt.

Viel mehr ein Grund, wieso sie so schnell auf das Pult zuging, war der köstliche Geruch von Kürbissuppe. Sie wusste nicht, wieso sich dieser große, heiße Topf hier befand, doch bevor er noch kalt werden würde ...

Der Eingangsbereich bis zum Pult war mehrstöckig hoch und so konnte man in die oberen Stockwerke sehen. Plötzlich hörte Zula Schritte aus dem Zweiten, kein...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.