Silesius | Cherubinischer Wandersmann | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 140 Seiten

Silesius Cherubinischer Wandersmann


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95676-903-0
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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Angelus Silesius (lateinisch für Schlesischer Bote/Engel, eigentlich Johannes Scheffler, getauft 25. Dezember 1624 in Breslau, † 9. Juli 1677 ebendort) war ein deutscher Lyriker, Theologe und Arzt. Seine tiefreligiösen, der Mystik nahestehenden Epigramme werden zu den bedeutendsten lyrischen Werken der Barockliteratur gezählt. (Auszug aus Wikipedia)

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Erinnerungs Vorrede an den Leser.
GOttsbegiehriger Leser / vor etlichen Jahren habe ich dir den Seraphinischen begiehrer in meiner verliebten Psyche zum andernmahl: mit vermehrung der Heiligen Liebs begiehrden zu glükseeliger entzündung deines Hertzens in göttlicher Liebe / zuegesendet; wie auch unlängst die sinnliche betrachtung der vier Letzten Dinge / welche dich gleichfalls Gott innbrünstig zu lieben aufmuntern kan: anitzo trage ich dir meinen Cherubinischen Wandersmann oder geistliche Sinn- und Schluß-Reime zum andernmahl auch vermehrt / zu einem gefehrten an; umb durch denselben noch mahls die Augen deiner Seele zur Göttlichen beschawligkeit zuleiten und zuerheben. Glükseelig magstu dich schätzen / wann du dich beyde lässest einnehmen / und noch bey Leibes Leben bald wie ein Seraphin von himmlischer Liebe brennest / bald wie ein Cherubin mit unverwandten augen Gott anschawest: denn damit wirstu dein ewiges Leben schon in dieser sterbligkeit / so viel es seyn kan anfangen / und deinen beruff oder außerwälung zu demselben gewiß machen. Weil aber folgende Reimen vil seltzame paradoxa oder widersinnische Reden / wie auch sehr hohe und nicht jederman bekandte schlüsse / von der geheimen Gottheit / jtem von Vereinigung mit GOtt oder Göttlichem Wesen / wie auch von Göttlicher Gleichheit und Vergöttung oder GOttwerdung / und waß dergleichen / in sich halten; welchen man wegen der kurtzen Verfassung leicht einen Verdamlichen Sinn oder böse Meinung könte andichten: Als ist vonnöthen dich deß halben zuvor zuerinnern. Unnd ist hiermit einmal für allemal zuwissen / daß deß Urhebers Meinung nirgends sey / daß die Menschliche Seele jhre Geschaffenheit solle oder könne Verliehren / und durch die Vergöttung in GOtt oder sein ungeschaffenes Wesen verwandelt werden: welches in alle Ewigkeit nicht seyn kan. Denn obwol GOtt Allmächtig ist / so kan er doch dises nicht machen (und wann Ers könte / wäre Er nicht GOtt) daß eine Creatur natürlich und wesentlich GOtt sey. Derowegen sagte Thaulerus in seinen Geistlichen Unterrichtungen c. 9. weil der Allerhöchste nicht machen kondte / daß wir von Natur GOtt wären (denn diß steht jhm alleine zu) so hat Er gemacht / daß wir GOtt wären auß Gnaden; damit wir zugleich mit Jhm in jmmerwehrender Liebe besitzen mögen eine Seeligkeit / eine Freüde / und ein einiges Königreich: Sondern dieses ist sein Sinn / daß die Gewürdigte und Heilige Seele zu solcher naher Vereinigung mit GOtt und seinem Göttlichen Wesen gelange / daß sie mit demselben gantz und gar durchdrungen / überformet / Vereinigt und eines sey; dermassen / daß wenn man sie sehen solte / man an jhr nichts anders sehen und erkennen würde als GOtt; wie dann im ewigen Leben geschehen wird: Weil sie von dem Glantze seiner Herrligkeit gleichsamb gantz Verschlungen seyn wird. Ja daß sie zu solcher Vollkomner gleichnüß GOttes gelangen könne / daß sie eben das Jenige sey (auß Genaden) was GOtt ist (von Natur;) und also in diesem Verstande recht und wol ein Liecht in dem Liechte / ein Wort in dem Worte / und ein GOTT in GOtte (wie in den Reimen geredet wird) könne genennet werden. Sinthemal / wie ein alter Lehrer sagt / GOtt der Vatter hat nur einen Sohn / und derselbe sind wir alle in Christo. Sind wir nun Söhne in Christo / so müssen wir auch seyn was Christus ist / und dasselbe Wesen haben / welches der Sohn GOttes hat. Denn eben darumb (spricht Thaulerus in der vierdten Predigt am H. Christage) daß wir dasselbe Wesen haben / werden wir Jhm gleich / und sehen Jhn wie Er wahrer GOtt ist. Und diesem Satze stimmen bey alle Heilige GOttesschawer; jnsonderheit jetzt gedachter Tauler in der 3. Predigt am 3. Sontag Trinit. da er spricht: Die Seele wird (durch das wider erlangte Ebenbild) GOtte gleich und Göttlich: Ja alles wird sie auß genaden was GOtt ist von Natur. Jn diser Vereinigung und einsenckung in GOtt / wird sie über sich selbst in GOtt geführt / und GOtte so gleich / daß wann sie sich selber sähe / sie sich für GOtt würde schätzen: Und wer sie sähe / der würde sie sehen / nicht zwar in dem Natürlichen sondern in dem auß Genaden jhr mit getheiltem Wesen Form und weise GOttes / und würde also Seelig von dem Gesichte. Sinthemal GOtt und die Seele in solcher Vereinigung eines sind; wiewol nicht von Natur / sondern auß Genaden. Und nach wenigem: Die lautere und Göttliche Seele welche von der Creaturen Liebe so frey ist wie GOtt / wird von andern gesehen werden / auch sich selber in Ewigkeit ansehen als GOtt (denn GOtt und eine solche Seele sind in der obgemeldten Vereinigung eins) und wird jhre Seeligkeit in und auß sich selbst nehmen in diser Vereinigung. Rusbroch im dritten Buch vom Zierrath der Geistlichen Hochzeit c. 1. Jn der Wesentlichen Einheit GOttes sind alle Andächtige und jnnige Geister eins mit GOtt durch Jhre Liebhabende einsenckung und zerschmeltzung in ihn: Und sind auß Gnaden eben dasselbige Eins das dieselbe Wesenheit in sich selber ist. Und eben daselbst: GOtt über alle gleichnüsse / wie Er in sich selber ist / fassen und Verstehen / das ist etlicher massen GOtt mit GOtt seyn ohne mittel / (oder daß ich so sage) ohne eine empfindliche Anderheit. Und eben im selben Buche c. 2. spricht Er: Wann der Geist deß Menschen durch die genießliche Liebe sich selber verlohren hat / so empfängt er die Klarheit GOttes ohne mittel: ja er wird auch selbst / (soviel einer Creatur zusteht) ohne unterlaß dieselbe Klarheit welche er embfängt. Gleichermassen redet auch S. Bernard. im Buche vom Einsamen Leben / da er spricht: Wir werden das seyn was Er ist. Denn welchen die Macht gegeben ist GOttes Kinder zu werden / denen ist auch die Macht gegeben / nicht zwar daß sie GOtt seyn / sondern daß sie seyn was GOtt ist. Und nach disem: Diese gleichnüß GOttes wird die Einheit deß Geistes genent / nicht alleine weil sie der Heilige Geist zu Wercke richtet / oder den Geist deß Menschen damit anthut: Sondern weil sie selbst der Heilige Geist / GOtt die Liebe ist / weil durch Jhn / welcher die Liebe deß Vatters und deß Sohnes ist und Einheit / und Anmütigkeit / und Gut / und Kuß und umbfassung / und alles was beyden kan gemein seyn / in jener höchsten Vereinigung der Warheit / und Warheit der Vereinigung / eben dasselbe dem Menschen auff seine Art zu GOtt geschieht / was mit der selbständigen Einheit dem Sohne zum Vatter / oder dem Vatter zum Sohne / wann in der umbfahung und Kuß deß Vatters und deß Sohns sich etlicher massen mitten inne befindet das seelige Gewissen; da auff eine unaussprechliche und Ungedänckliche weise der GOttes Mensch verdienst zu werden / nicht GOtt: sondern doch was GOtt ist auß Natur / der Mensch auß Genaden. Und dieses Bernardus. Fragstu wie das zugehen könne / weil das Göttliche Wesen unmittheilhafftig ist? So antworte ich dir fürs Erste mit dem heiligen Bonaventura: So du es wissen wilt / so frage die Genade / und nicht die Lehre: Das Verlangen / und nicht den Verstand: das Seufftzen deß Gebeths / und nicht das fleissige lesen: Den Bräutigam / nicht den Meister: GOtt / nicht Menschen: Die tunckelheit / nicht die Klarheit: Nicht das Licht / sondern das Feuer welches gantz und gar anflammet / und in GOtt mit brennenden Begierden führet / welches Feuer GOTT selber ist. Fürs ander / daß das Göttliche Wesen zwar unmittheilhafftig sey / solcher gestalt / daß es sich mit einem Dinge vermengen solte / und eine Natur oder Wesen mit ihm werden: Daß es aber auff gewisse Weise wegen der so nahen und jnniglichen Vereinigung / mit welcher es sich in die Heylige Seelen ergiest / gleichwol mit theilhafftig könne genennet werden: Massen auch Petrus sagt / daß wir theilhafftig werden der göttlichen Natur: und Johannes / daß wir Gottes Kinder seynd / weil wir auß GOtt gebohren seynd. Nun können ja die jenige nicht Gottes Kinder / und theilhafftige der Göttlichen Natur genennet werden (spricht Thomas à Jesu l. 4. d. orat. divin. c. 4) wann dieselbige nicht in Uns / sondern weit von Uns abgesondert ist. Denn so wenig ein Mensch kan weise seyn ohne Weißheit (wie Thauler. in der vierdten Sermon im H. Christage redet) so wenig kan einer auch ein Kind Gottes seyn ohne die Göttliche Kindschafft / das ist / er habe dann das warhafftige Wesen deß Sohnes GOttes selber. Derohalben soltu GOttes Sohn oder Tochter seyn / so mustu auch eben das Wesen haben / welches der Sohn GOttes hat / sonsten kanstu GOTTES Sohn nicht seyn. Aber solche grosse Herrligkeit ist uns noch zur Zeit verborgen. Darumb schreibt auch S. Johannes an obgemeltem Ort weiter also: Meine allerliebsten wir sind zwar Gottes Kinder / aber es ist noch nicht offenbahr was wir seyn werden / wir wissen aber wann es erscheinen wird / daß wir ihme werden gleich seyn / das ist / dasselbe Wesen das er ist werden wir auch seyn etc. Darumb sagt Nicolaus à JESU Mar. l. 2. c. 16. Elucid. Theologic. in Joan. à cruce: Daß die Seele durch die Würkungen der Liebe mit welchen sie GOtt liebt / Erlange / daß ihr GOtt nicht allein seine Gaben mittheile / sondern daß auch selbst die selbständigkeit und Wesen GOttes der Seelen mit sonderbahrem Titel selbständig zugegen sey. Und solches bestättigen auch die Worte deß heiligen August. S. 185. de tempore da er spricht: Der heilige Geist ist in diesem Tage zu bereitung der Hertzen seiner Apostel wie ein Platzregen der Heiligung eingefallen / nicht als ein Eilfertiger besucher / sondern als ein jmmerwehrender Tröster / und ewiger beywohner. Dann wie er Matth. am 28. von sich selbst seinen Aposteln gesagt hatte: Siehe ich bin bey euch alle Tage biß zum...



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