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Silber Kaltes Vergessen


2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96817-733-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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Traue niemandem, vor allem nicht dir selbst
Der packende True Crime Thriller basierend auf einem ungelösten Mordfall in Finnland

Fünf Teenager zelten am Karfreitag 1984 am Totenmaar. Am nächsten Morgen sind drei von ihnen tot – sie wurden auf grausame Art und Weise ermordet. Die anderen beiden überleben schwer verletzt. Sebastian behauptet, nichts gesehen zu haben und Katharina hat durch das Trauma ihr Gedächtnis verloren. Der Täter wurde nie gefunden.
30 Jahre später werden die Morde von Ermittlerin Janna Habena als „cold cases“ wiederaufgenommen. Bei der erneuten Befragung trifft Katharina nach all den Jahren wieder auf Sebastian und die beiden verlieben sich ineinander. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen? Spielt Sebastian ihr nur etwas vor, weil er Angst hat, dass sie sich erinnert? Und weiß er mehr als er zugibt?

Dies ist eine Neuauflage des bereits erschienenen Titels Forgotten Girl.

Erste Leserstimmen
„Einen fesselnden Schreibstil, gut gewählten Handlungsaufbau und Überraschungsmomente beherrscht die Autorin perfekt.“
„Schockierende Szenen, die einem Horrorfilm entsprungen sein könnten, erzeugen beim Lesen Gänsehaut.“
„Ein unglaublich gut konstruierter Psychothriller, der einem stellenweise das Blut in den Adern gefrieren lässt.“
„Eva-Maria Silber hat einen spannenden und düsteren Plot kreiert, der mich vor allem durch sein schockierendes und überraschendes Ende überzeugen konnte.“
„Bei dieser realistischen Darstellung merkt man, dass die Vorlage für diesen Thriller in der Realität zu finden ist.“



Eva-Maria Silber, geboren 1959, studierte Jura und arbeitete als Rechtsanwältin und Strafverteidigerin, bevor sie 2010 ihren Beruf wegen hochgradiger Schwerhörigkeit aufgeben musste. Seit sie nicht mehr ihrem Beruf nachgehen kann, schreibt sie Krimis und Thriller.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


1984

Am meisten schockierte Elisabeth das ausgestochene Auge.

Sie war an diesem lauen, sonnigen Ostersamstag mit Mann und Labrador Tessie am Totenmaar unterwegs. Auf halber Strecke an der alten sechseckigen Holzhütte unterhalb der Martinskapelle jaulte die Hündin auf. Da sie sonst friedfertig war und nur selten bellte, blieb das Ehepaar verdutzt stehen. Nun zerrte Tessie an der Leine in Richtung See.

„Elisabeth, halt mal den Hund, ich schau nach, was los ist“, verkündete ihr Mann und marschierte los. Doch schon nach wenigen Schritten blieb er stehen, würgte und übergab sich. Elisabeth, zutiefst beunruhigt, lief ihm nach.

Diese fünf Schritte würde sie für den Rest ihres Lebens bereuen.

Der erste Streifenwagen, der eintraf, war mit Polizeihauptmeister Herbert Schüller und Polizeiobermeister Heinz Sartorius besetzt. Eine Viertelstunde nach dem Notruf, den die Eheleute Schmidt vom nahe gelegenen Segelflugplatz abgesetzt hatten, erreichten sie den Parkplatz an der alten Kapelle. Über den Rundwanderweg machten sie sich an den Abstieg, ließen den alten Friedhof links liegen.

So ganz glauben konnten sie nicht, was die Eheleute gemeldet hatten. Sicherlich war das wieder nur ein Spaß von jungen Leuten, die zu gerne hier verboten zelteten und sich gegenseitig mit alten Gruselgeschichten Angst einjagten. Die waren bestimmt mit einem Scherz zu weit gegangen.

Der See ruhte friedlich unter ihnen. Zwei blendend weiße Schwäne ließen sich im hellen Sonnenschein auf dem Wasser treiben und leise brummend suchten die ersten frühen Bienen Nektar. In dieser Idylle störte lediglich das Schwirren der Fliegen, das plötzlich an ihre Ohren drang, kaum dass sie die alte Holzhütte beim See erreicht hatten. Trotzdem waren sie nicht auf das Bild vorbereitet, das sich ihnen bot.

Sartorius war vorneweg gegangen. „Verdammte Scheiße.“

Fassungslos starrte er auf das wirre Knäuel aus zerfetztem Zeltstoff und blutigen Körpern. Auf einem zusammengefallenen Zelt lag eine halb nackte Mädchenleiche, ihr Kopf eine einzige Masse aus Blut und Knochensplittern. Dass es sich überhaupt um das Antlitz eines Mädchens handelte, erkannte er nur an dem blonden halblangen Haar, das verfilzt von Blut einer grotesken Hochsteckfrisur glich. Jeans und Schlüpfer waren ihr bis zu den Fußknöcheln heruntergezogen.

Ihr rechtes, leicht angewinkeltes Bein ruhte auf dem leblosen Kopf der zweiten Mädchenleiche, die fast komplett in eine blutrot verfärbte, ehemals hellbraune Filzdecke eingehüllt war. Nur der dunkle Pferdeschwanz mit rosafarbener Haarschleife wies sie als weibliches Wesen aus. Auch ihr Schädel war oberhalb der Augenbrauen eine einzige blutige Masse. Ihre verschleierten Augen starrten in den Himmel, schienen Gott oder ein Monster um Gnade anzuflehen.

Auf der rechten Seite des Zelts, halb unter der blutgetränkten Plane, krümmte sich ein junger Mann mit geöffnetem Jeanshemd und über der Brust gekreuzten Armen. Sein rechtes Bein klemmte unter dem Körper der unteren Mädchenleiche. Sein Kopf wurde von dem über ihm zusammengefallenen Zelt bedeckt.

Ganz oben auf dem Leichenhaufen lag ein weiterer toter Jugendlicher auf dem Rücken. Auch sein Gesicht von Schlägen malträtiert und blutüberströmt, wenn auch nicht so schlimm wie bei den anderen.

Sartorius war seit über zwanzig Jahren Polizist. Zunächst in Frankfurt am Main und dann, weil es ihm dort zu brutal zuging, hier in der Eifel. Er hatte schon viele Tote gesehen, bei Autounfällen, nach dem goldenen Schuss oder Messerstechereien im Bahnhofsviertel. Doch nichts hatte ihn auf diese surreale Szene vorbereitet. Entsetzen wütete in seinem Kopf. Tote Jugendliche, fast noch Kinder, dachte er und bebte innerlich vor Empörung. Das Bedürfnis, zu ihnen zu gehen, die Blutungen zu stoppen, sie zu retten, war übermächtig. Aber er wusste, es war zu spät.

Schüller trat neben ihn.

„Oh mein Gott, das sind ja fast noch Kinder“, stöhnte er auf und bewegte sich einen Schritt auf den Leichenberg zu. Dort ging er in die Knie und legte die Hände über Kreuz auf die Brust des zuoberst liegenden Jungen, wie um Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen.

„Mensch, lass das, siehste denn nicht, dass die alle tot sind?“

Doch Schüller konnte offenbar nicht anders. Er drückte und drückte, war so völlig darauf konzentriert, dass er nicht den zuckenden Fuß bemerkte.

„Oh Gott, der lebt ja noch“, entfuhr es Sartorius. Sich über den Jugendlichen beugend, fühlte er nach dem Puls am Hals. Tatsächlich, er konnte einen schwachen spüren.

„Ich lauf zum Wagen und fordere Verstärkung und einen Rettungswagen an“, brüllte er unnötig laut im Umdrehen.

Diesmal nahm er den Weg über den Friedhof, das ging schneller. Noch im Rennen hört er ein Schluchzen. Verwirrt blieb er stehen. Warf einen Blick in die Runde, konnte aber nichts Auffälliges entdecken. Weiter, zum Wagen. Doch schon nach ein paar Schritten hört er es wieder, diesmal wie das Wimmern eines verletzten Hundes. Ruckartig blieb er stehen. Drehte sich um, hatte nun eine andere Perspektive und konnte hinter den großen Doppelgrabstein bei den Steinstufen zur Pforte der Kapelle sehen. Dort hockte ein junges Mädchen, mit dem Rücken an den Grabstein gelehnt. Vorsichtig ging er näher. Sofort zuckte sie panisch zusammen, strampelte hilflos, versuchte, auf die Beine zu kommen.

„Ruhig, ganz ruhig“, versuchte Sartorius sein Glück, doch das Mädchen, das den gehetzten Blick eines angeschossenen Rehes hatte, wich zurück. Ihre Jeans war an den Knien aufgerissen und im Schritt blutig. Ein Träger ihres Tops war gerissen, das Gesicht von Schrammen überzogen. Blut war auch in ihrer engelsgleichen Haarpracht.

Das ist doch die Pfarrerstochter, schoss es Sartorius durch den Kopf.

„Komm her, Mädchen, ich will dir doch nur helfen“, versuchte er erneut, sie zu beruhigen. Diesmal schien er zu ihr durchzudringen.

Verzagt, mit schwimmenden Augen, sah sie zu ihm auf. Er streckte die Hand aus, nickte wohlwollend und trat einen Schritt näher. Wieder dieses Wimmern, doch ihr Blick hielt ihn fest. Noch ein Schritt und er erreichte ihren Arm, auch der zerkratzt.

Was hatte man ihr nur angetan?, fragte Sartorius sich, als er sie hochzog und in den Arm nahm. Sie schlotterte wie Espenlaub und fühlte sich eiskalt an.

„Komm mit, Mädchen“, flüsterte er ihr ins Ohr. Ihren Vornamen wusste er nicht und sie mit Fräulein Zamanka anzusprechen, erschien ihm zu unpersönlich. Vorsichtig zog er sie mit sich zum Streifenwagen und schob sie auf den Rücksitz des funkelnagelneuen Mercedes, der ganze Stolz der Dienststelle. Sofort setzte er sich auf den Fahrersitz und forderte über das Funksprechgerät Verstärkung und zwei DRK-Rettungswagen aus der Leopoldstraße in Daun an.

Zeitgleich mit dem Rettungswagen traf Kriminalmeisterin Janna Habena an der Martinskapelle ein. Sie verrichtete an diesem Feiertag Bereitschaftsdienst im Kriminalkommissariat Daun und war im Erstzugriff zuständig für alle Vorgänge, die das Einschalten der Kriminalpolizei erforderten.

Janna war todmüde. In der Nacht hatten Viele zu viel getrunken und selbst in einem ruhigen Örtchen wie Daun war es zu Randale zwischen einer Gruppe einheimischer Jugendlicher und Auswärtigen gekommen. Zudem hatte sich an der Lindenstraße ein Exhibitionist gezeigt. Nachdem sie mit den Kollegen von der Streife angekommen war, wurde schnell klar, dass es nur ein Besoffener war, der die Hose nicht schnell genug zubekommen hatte.

Zu guter Letzt hatten ein paar junge Leute „Autowackeln“ gespielt. Sie schaukelten geparkte Luxuslimousinen so lange hin und her, bis die Alarmanlage losging.

An Schlaf war nicht mehr zu denken gewesen.

Der Einsatz am Ostersamstagmorgen hatte zunächst geklungen, als sei ihre Anwesenheit nicht erforderlich. Alle glaubten, es handele sich um einen weiteren Spaß von Jugendlichen – bis der Funkspruch des Kollegen alle aufscheuchte.

In dem Streifenwagen der Bereitschaftspolizei auf dem Parkplatz bei der Kapelle saß Kollege Sartorius auf dem Rücksitz und hielt ein junges Mädchen in den Armen. Gerade winkte er die Rettungssanitäter weiter.

„Unten bei der Hütte liegt ein Junge, der schlimm verletzt ist. Ich warte mit Fräulein Zamanka auf den nächsten Rettungswagen.“

Janna kannte sich nach ihrer kurzen Dienstzeit von knapp drei Monaten noch nicht in der Dauner Umgebung aus. Hatte keine Ahnung, wo hier eine Hütte sein sollte. Also folgte sie den Sanitätern, die mit einer zusammengeklappten Trage über den Friedhof liefen. Im Eiltempo rannten sie weiter eine Erdtreppe runter, die mit ihren zu hohen hölzernen Setzstufen zum Stolpern einlud. Endlich sah sie vor sich eine Holzhütte und ein paar Meter entfernt am Ufer des Sees einen zweiten Streifenbeamten. Die Sanitäter waren gerade bei ihm angekommen, erstarrten aber mitten in der Bewegung.

Janna holte auf, erreichte sie und erstarrte ebenfalls. Einen Moment lang war sie zu schockiert, konnte weder sprechen noch denken.

„Was zum Teufel ist denn hier passiert?“, entfuhr es ihr, kaum, dass sie wieder ein Wort herausbekam.

Normalerweise ließ sie sich nicht so schnell aus der Fassung bringen, war selbst bei unappetitlichen Dienstaufgaben nicht empfindlich. Wollte allen Kollegen beweisen, wie hart sie im Nehmen war, härter als alle anderen zusammen. Doch hier fiel ihre sonst auch in den übelsten Situationen perfekt aufgesetzte Fassade der Standhaftigkeit in sich zusammen.

Gerade untersuchte der ältere Sanitäter einen Jungen, der rücklings auf einer halb nackten Mädchenleiche lag. Janna konnte unter ihr weitere Körper ausmachen. Als die Rettungssanitäter den Jugendlichen von dem...



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