Sienkiewicz | Pan Wolodyjowski, der kleine Ritter | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 651 Seiten

Reihe: Classics To Go

Sienkiewicz Pan Wolodyjowski, der kleine Ritter


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98744-552-1
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 651 Seiten

Reihe: Classics To Go

ISBN: 978-3-98744-552-1
Verlag: OTB eBook publishing
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Dieser Roman, Teil einer Trilogie, der Ereignisse aus der polnischen Geschichte des 17. Jahrhunderts thematisierte, begründete Sienkiewiczs Ruhm innerhalb der polnischen Literatur.

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Erster Teil
I
An einem schönen Herbsttage saß Herr Andrzej Kmicic unter dem schattigen Dache seines Gartenhauses und zuweilen einen Krug mit Meth an die Lippen setzend, betrachtete er durch das von wildem Hopfen bewachsene Gitterwerk seine Ehegemahlin, welche auf einem sorgfältig gesäuberten Wege vor dem Gartenhause lustwandelte. Sie war eine ungewöhnlich schöne Frau mit ihren hellen Haaren und den fast engelhaften Zügen, in denen sich Heiterkeit und Frohsinn ausdrückte. Langsam und vorsichtig schritt sie dahin, getragen von der Empfindung, daß Gottes Segen auf ihr ruhe. Herr Andrzej Kmicic schaute sie mit unendlicher Liebe an. Sein Blick verfolgte sie fortwährend mit der Anhänglichkeit eines treuen Hundes, der seinen Herrn nicht aus den Augen läßt. Manchmal lächelte er, denn große Freude erfüllte sein Herz bei ihrem Anblick, und er drehte wohlgefällig seinen Schnurrbart in die Höhe. Dabei malte sich aber auch eine gewisse Leichtfertigkeit in seinem Gesichtsausdruck. Offenbar war er ein Kriegsmann, der Vergnügen an allerlei Scherz und Kurzweil fand, und der in seinen Junggesellenjahren viele lustige Streiche gemacht hatte. Die Stille im Garten wurde nur hie und da durch das Herabfallen einer überreifen Frucht und durch das Summen der Insekten unterbrochen. Es war im Anfang des September und das Wetter schön und beständig. Die Sonne brannte nicht mehr so heiß, sandte aber immer noch goldene Strahlen hernieder. In ihrem Scheine schimmerten rotbackige Aepfel in solcher Fülle unter den graugrünen Blättern hervor, daß die Aeste vollständig davon übersät zu sein schienen. Auch die Zweige der Zwetschenbäume bogen sich förmlich unter der Last der wie mit Wachs überzogenen Früchte. Ein leichter Windhauch bewegte die an den Bäumen hängenden Sommerfäden, ein so leises Lüftchen, daß nicht einmal die Blätter rauschten. Vielleicht war es das schöne Wetter, welches Herrn Kmicic so heiter stimmte, denn sein Gesicht wurde immer strahlender. Er that einen langen Zug aus dem Kruge und sagte zu seinem Weibe: »Olenka, komm hierher! Ich möchte Dir etwas sagen!« »Sicherlich ist es etwas, das ich nicht gerne höre!« »So wahr ich Gott liebe, nein! Höre mich an!« Bei diesen Worten umschlang er sie mit den Armen, drückte seine Lippen auf ihre hellen Haare und flüsterte ihr zu: »Wenn es ein Knabe ist, soll er Michal heißen.« Sie aber wendete ihr errötendes Antlitz ab und erwiderte leise: »Du versprachst mir ja, keine Einwendung gegen den Namen Heraklius zu erheben.« »Siehst Du, um Wolodyjowski zu ehren« ... »Sollten wir nicht zuerst das Andenken meines Großvaters ehren?« »Meines Wohlthäters ... Hm! Du hast recht ... Aber der zweite muß Michal heißen. Anders darf es nicht sein.« Hier erhob sich Olenka und suchte sich den Armen des Herrn Andrzej zu entwinden, doch sie nur noch fester an sich ziehend, küßte er sie auf Mund und Augen, indem er unablässig sagte: »O Du mein Schatz, mein geliebtes Herz!« Ihr Zwiegespräch wurde durch einen Diener unterbrochen, welcher sich am Ende des Weges zeigte und eilig auf das Gartenhaus zulief. »Was willst Du?« fragte Kmicic, seine Gattin freigebend. »Herr Charlamp ist soeben angekommen und wartet im Hause,« entgegnete der Diener. »Hier ist er selbst!« rief Kmicic beim Anblick eines sich der Laube nähernden Mannes – »wie groß sein Schnurrbart geworden ist! Willkommen, lieber Kriegsgefährte! Willkommen, alter Kamerad!« Bei diesen Worten stürzte er aus der Laube heraus und lief Herrn Charlamp mit ausgebreiteten Armen entgegen. Herr Charlamp neigte sich zuerst tief vor Olenka, die er in früherer Zeit am Hofe in Kiejdany bei dem fürstlichen Wojwoden aus Wilna gesehen hatte, und drückte ihre Hand an seinen ungewöhnlich großen Schnurrbart; dann aber sank er an die Brust seines Freundes und begann laut zu schluchzen. »Um Gotteswillen, was ist geschehen?« fragte Herr Kmicic erstaunt. »Dem einen hat Gott Glück gegeben, dem andern hat er alles genommen!« entgegnete Charlamp. »Den Grund meines Kummers aber kann ich nur Euer Liebden sagen.« Hier blickte er Frau Kmicic an, und da sie bemerkte, daß er sich auch vor ihr nicht aussprechen wollte, sagte sie zu ihrem Gatten: »Ich lasse Euch jetzt allein und werde Euch einen frischen Krug Meth schicken« ... Kmicic zog Herrn Charlamp in das Gartenhaus und nachdem er ihn veranlaßt hatte, auf einer Bank Platz zu nehmen, fragte er: »Was ist geschehen? Habt Ihr meine Hülfe nötig? Ihr könnt auf mich zählen, wie auf einen Zawisza«. F1 »Um mich handelt es sich nicht,« antwortete der alte Krieger, »und ich habe auch keine Hülfe nötig, so lange diese Hand noch diesen Säbel zu führen vermag, aber unser Freund, der würdigste Kavalier der Republik, ward von schwerem Leid heimgesucht. Ich weiß nicht einmal, ob er jetzt noch atmet.« »Bei den Wundenmalen des Erlösers! Ist Wolodyjowski etwas zugestoßen?« »Ja,« entgegnete Charlamp, abermals in einen Strom von Thränen ausbrechend, »wisset denn, daß Fräulein Anna Borzobohata dies Jammerthal verlassen hat.« »Tot!« schrie Kmicic auf, mit beiden Händen sein Haupt umfassend. »Ein Vögelchen, das von einem Pfeile getroffen ward!« Ein tiefes Schweigen folgte. Nichts war zu hören als das schwere Aufschlagen der hie und da herabfallenden Aepfel, nichts als die tiefen Atemzüge des Herrn Charlamp, welcher sich bemühte, sein Schluchzen zu unterdrücken. Kmicic aber rang die Hände und rief, den Kopf hin und her wiegend: »Lieber Gott! Lieber Gott! Lieber Gott!« »Euer Liebden wird sich jetzt nicht mehr über meine Thränen wundern,« sagte schließlich Charlamp, »denn wenn Euer Herz durch die Kunde von dem Unglücksfall allein schon bedrückt ist, wie muß es erst mir sein, der Zeuge ihres Endes und ihrer jedes Maß überschreitenden Leiden gewesen ist.« In diesem Augenblick kam der Diener zurück, der ein Servirbrett mit einer großen, bauchigen Flasche und einem zweiten Glase trug, und hinter ihm erschien auch Frau Andrzej, welche nun doch ihre Neugierde nicht länger bezwingen konnte. Ihrem Gatten in das Gesicht blickend und dessen tiefe Bekümmernis wahrnehmend, fragte sie: »Was für eine Kunde habt Ihr gebracht, Euer Gnaden? Verlangt nicht, daß ich mich wieder entferne, ich will Euch trösten, so gut es möglich ist, oder ich will mit Euch weinen, oder ich kann Euch vielleicht irgend einen Rat erteilen.« »In diesem Falle kannst auch Du nicht Rat schaffen,« antwortete Herr Andrzej. »Und ich fürchte, daß der Kummer Deine Gesundheit schädigen kann.« Und sie erwiderte: »Gar viel vermag ich zu ertragen, Ungewißheit aber ist das Schlimmste.« »Anusia ist tot!« sagte Kmicic. Olenka erbleichte und ließ sich schwer auf die Bank niedersinken. Kmicic glaubte schon, durch den plötzlichen Schrecken überwältigt sei sie einer Ohnmacht nahe, doch der Schmerz kam sofort zum Ausbruch und sie begann laut zu weinen. Die beiden Ritter folgten ihrem Beispiel. »Olenka,« sagte Kmicic schließlich, um den Gedanken seines Weibes eine andere Richtung zu geben, »glaubst Du denn nicht, daß sie im Paradiese ist?« »Ich beklage sie auch nicht, sondern ich traure um sie und über die Verlassenheit Herrn Michals, denn was ihr ewiges Heil anbelangt, so wünschte ich, ich könnte mit der gleichen Zuversicht auf meine ewige Seligkeit bauen, wie ich auf die ihre baue. Ein edleres Mädchen, ein besseres, redlicheres Herz giebt es nicht. O meine Annika! Meine geliebte Annika!« »Ich bin an ihrem Sterbelager gewesen!« sagte Charlamp. »Gebe Gott einem jeden von uns ein solch seliges Ende.« Ein tiefes Schweigen folgte. Erst als die Thränen allen ein wenig Erleichterung gebracht hatten, begann Kmicic wieder: »Erzählt uns, wie die Sache sich zugetragen hat, Euer Gnaden, doch stärkt Euch zuvor ein wenig mit Meth.« »Ich danke Euch,« entgegnete Charlamp. »Von Zeit zu Zeit werde ich einen Schluck nehmen, falls Euer Liebden mir zutrinkt, denn der Schmerz ergreift nicht nur das Herz, er drückt uns auch die Kehle zusammen wie ein Wolf, und wen er packt, den kann er erdrosseln, wenn nicht Hülfe kommt. Die Sache verhält sich folgendermaßen: Ich wollte mich von Czestochowa aus in meine Heimat begeben, um meine alten Tage in Ruhe zu verleben und mich dort niederzulassen. Das Kriegshandwerk hatte ich satt, denn als junges Bürschlein habe ich es schon ausgeübt und nun ist mein Schnurrbart ergraut. Nur wenn ich ganz und gar nicht stille sitzen könnte, dann zöge ich unter irgend einem Banner ins Feld, aber jene zum Schaden des Vaterlandes und Vorteil des Feindes geschlossenen Kriegsbündnisse, sowie die Bürgerkriege haben mir die Bellona vollständig zum Ekel gemacht ... Lieber Gott! Der Pelikan nährt seine Kinder mit dem eigenen Blute, das ist wahr! Aber unser Vaterland hat schon allzu viel geblutet. Swiderski ist ein großer Kriegsheld gewesen! ... Möge Gott ihn richten!« »O meine geliebte Anulka!« unterbrach ihn hier Frau Kmicic laut weinend – »was wäre aus mir, was wäre aus uns allen geworden ohne Dich? ... Mein Schutz und Schirm bist Du gewesen! O meine geliebte Anulka!« Als Charlamp dies vernahm, schluchzte er abermals laut, doch währte es nicht lange, da Kmicic sich an ihn wendete und ihn fragte: »Und wo seid Ihr mit Wolodyjowski zusammengetroffen?« »Mit ihm und seiner Verlobten bin ich in...



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