Siebert | Totenkönig | Buch | 978-3-9813482-7-9 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 200 Seiten, PB, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 292 g

Siebert

Totenkönig


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-9813482-7-9
Verlag: Pandämonium

Buch, Deutsch, 200 Seiten, PB, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 292 g

ISBN: 978-3-9813482-7-9
Verlag: Pandämonium


Einige Zeit ist vergangen, seit Larkyen mit dem Totenheer siegreich von den Schlachtfeldern des Westens zurückgekehrt ist.
Aus Anerkennung gewährt der Imperator von Kyaslan ihm und seiner Gefährtin Patryous eine Audienz im Reich der Unsterblichen. Auf dem Weg dorthin müssen sie die größte Stadt der menschlichen Zivilisation durchqueren.
Inmitten der Straßenschluchten von Meridias begegnet Larkyen dem alternden Majunaykrieger Khorgo wieder. Doch die Freude über das Wiedersehen ist nur von kurzer Dauer, denn Khorgos Tochter Zaira schwebt in großer Gefahr.
Tief unter der Stadt, in den von Dunkelheit erfüllten Kanälen, lauert eine Kreatur, die schon seit langer Zeit auf Zaira wartet und deren Macht und Einfluss nicht zu unterschätzen ist.

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Die Luft war stickig und vom Gestank der Fäulnis geschwängert, doch längst hatte er gelernt, damit zu leben. Er stand bis zur Hüfte in einem trüben Fluss aus Abwasser. Die unterirische Strömung umspielte seine nackten Füße. Von weit oben drang ein schwacher Lichtstrahl durch einen vergitterten Spalt hinab in den Kanalschacht. Gedämpft, jedoch klar und deutlich, hörte er die Stimmen der Menschen auf den Straßen des Stadtreichs Meridias – Menschen, jene sterblichen Kreaturen, denen er gestattete zu leben, zu gedeihen, ihr Glück zu finden, sei es in den Ausbildungslagern der Stadtwachen, den Palästen der Gilden, oder in den Wirtshäusern und Bordellen. Für die Stadtmenschen bedeutete Glück zumeist Reichtum. Es gab viele Wege in Meridias, um Reichtum zu finden und ein kurzes sterbliches Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.
Vor langer Zeit, da hatten ihn die Belange der Menschen gekümmert. Und wie gern hatte er sich früher von ihnen ernährt, wie gern war er in finsteren Nächten hinaus an die Oberwelt getreten, um seine Beute auszuwählen und zu jagen. Doch seit dem Verlust seiner Geliebten war sein einst so legendärer Hunger beinahe wie betäubt. Er jagte nur noch selten. Und er strafte die Welt und auch die Menschen, die in ihr lebten, mit Gleichgültigkeit. Es kümmerte ihn nicht einmal, dass die Scharen einer Gilde sich erdreistet hatten, ihr geheimes Lager in den Tunneln unterhalb des Hafenviertels aufzuschlagen. Früher hätte er sie als Opfer auserkoren und ihr kaltes, lebloses Fleisch den Ratten als Mahl überlassen, heute jedoch ließ er sie gewähren.
Und sogar als er von der Nachricht erfahren hatte, dass im Westen der Welt ein Krieg gegen einen bisher unbekannten Feind entbrannt war und ein unsterblicher Krieger namens Larkyen mit seinem Totenheer den Sieg davongetragen hatte, war er in den Kanälen geblieben. Es war ihm gleichgültig.
Ein Herz, das für die Ewigkeit schlug, konnte hart wie Stahl sein, doch auch der härteste Stahl vermochte Risse zu bekommen und irgendwann zu bersten. Und selbst Unsterbliche konnten sterben. Was waren Leben und Tod anderes als zwei Welten, die durch eine unzerstörbare Mauer voneinander getrennt waren? So lange Zeit hatte er darauf gewartet, ein Tor inmitten der Mauer zu entdecken und es zu öffnen, um sich aus der anderen Welt zu nehmen, was er begehrte: Jene Geliebte mit Namen Marityr.
Und wenngleich er das Wissen für eine solche Tat besaß, so besaß er jedoch nicht die erforderliche Macht. Für ein so großes Ereignis war der richtige Moment noch nicht gekommen, doch er war ihm nahe, so nahe wie nie zuvor.
Sein Schlüssel für die Pforte zur Welt der Toten war eine Frau mit Namen Zaira. Er hatte ihren Namen bereits gekannt, noch bevor sie geboren wurde. Und er wusste manche Dinge einfach, so wie die Schwalben den Weg nach Süden wissen und immer wissen werden.
„Marityr“, flüsterte er ihren Namen wie eine Beschwörungsformel in die Dunkelheit des Tunnels hinaus. Er sprach ihn oft aus, in Trauer und Wut, jedoch auch in Vorfreude über ihre Rückkehr. Und während jener Name in der Ferne verhallte, suchte ihn eine Flut von Erinnerungen heim. Erinnerungen an eine Zeit, in der er, der große Erbauer, der Schöpfer, an der Oberwelt gelebt hatte, an der Seite seiner Geliebten.
Marityr war eine riesenhafte Frau mit hellgrauen Augen, die wie die Gestirne des Himmels schimmerten. Ihr Haar glich feinster pechschwarzer Seide und glänzte im Sonnenlicht. Und ihr Leib war so sehnig wie der eines Gepards und von einem Nimbus archaischer Macht umgeben.
Er stand an ihrer Seite auf dem Gipfel einer Pyramide, und sie ließen ihre Blicke über eine weite Ebene von Gräsern schweifen, die sich bis zu den zackigen Ausläufern des Helyargebirges erstreckte. Der große Fluss, der später den Namen Nefalion tragen sollte, teilte die Ebene. Seine ruhige Wasseroberfläche reflektierte die Strahlen der Sonne und erinnerte aus der Ferne an die Bewegungen einer silbernen Schlange. An seinen Ufern gab es nur wenige Häuser, primitive Lehmbauten, die in einem beinahe ehrfurchtvollen Abstand von der Pyramide entfernt errichtet waren.
Menschen hatten sich zusammengefunden, um am Fuße der Pyramide in einer Geste der Unterwürfigkeit niederzuknien. Sie waren klein im Vergleich zu den Göttern, die sie verehrten, und so zerbrechlich wie Tonskulpturen.
„Hier wird einst die größte Stadt der Welt errichtet werden“, hatte er zu Marityr in einer Sprache gesagt, an die sich heute kein Sterblicher mehr erinnerte. „Ein steinerner Wald, bestimmt für die Ewigkeit. Nicht länger werden Menschen nur in Höhlen leben, nicht länger werden sie den Tieren der Wildnis ähneln, sondern sie werden den Fortschritt kennenlernen, den wir ihnen bringen. Ihre Bauten werden sich dem Himmel nähern, in dessen blauen Weiten sie einst uns Götter vermuteten. Und Feuer wird nicht länger nur in den Eingeweiden der Erde brennen, sondern im Heim der Menschen.“
„Du liebst die Menschen sehr.“
„Nicht so sehr wie ich dich liebe, Marityr. Aus den Strömen von tausend verborgenen Flüssen und Quellen will ich tief unter der Erde einen Ozean erschaffen, ein Denkmal des reinen Ur-Ozeans, an dessen weißen Stränden wir uns das erste Mal begegneten. Und als Zeichen meiner Liebe an dich soll das gesamte Reich deinen Namen tragen.“
Doch Marityr hatte nur gesagt: „Dieses Reich wird nach deinen Wünschen und Vorstellungen errichtet werden, also ist es nur recht und billig, dass es auch deinen Namen trägt, Meridias.“
„Wenn es dein Wunsch ist, dass jenes Reich meinen Namen trägt, dann soll es so geschehen.“
„Es ist mein Wunsch. Die erste und größte Stadt der Welt soll den Namen Meridias tragen, und die Menschen die in ihr leben, sollen fortan Meridianer genannt werden.“ Marityrs erhabenes Lächeln war das einer Göttin.
Doch Marityr war tot, ihr großer und einst so wunderschöner Leib längst der Vergänglichkeit anheim gefallen. Es hatte geschmerzt, zusehen zu müssen, wie ihr Fleisch den großen und kleinen Tieren der Unterwelt als Nahrung dienen musste. Wie sich Scharen von Ratten mit scharfen Nagezähnen lange Tunnel durch ihr verwesendes Fleisch bahnten. Zurück waren nur ihre Knochen geblieben.
Er wusste nicht mehr, wie viele Jahre seitdem vergangen waren, denn wer dazu bestimmt ist, den Ozean der Zeit für immer zu bereisen, schert sich weder um Jahre noch um Tage. Und was war schon die Vergangenheit, wenn die Zukunft doch so viel glückseliger sein konnte.
Der Schlüssel zur Pforte in die Welt der Toten näherte sich in Gestalt einer Menschenfrau mit Namen Zaira. Und bald schon würden Meridias und Marityr wieder vereint sein.


Bereits seit seiner Kindheit begeistert sich Uwe Siebert für Literatur. Kaum war er des Schreibens mächtig, ersann er bereits eigene Geschichten. Im Verlauf seines Lebens wuchs sein Interesse für fremde Kulturen, archaische Mythen und Sagen, und er ließ jenes Interesse in das Konzept seiner Romane einfließen.
Er betrieb zwischenzeitlich diverse berufliche Tätigkeiten, so führte er u. a. einen Underground Mailorder für Rock - und Heavymetal Bands. Er lebt im Landkreis Kassel. Jedes Jahr verbringt er einige Zeit in Norwegen und erfreut sich an der dortigen Landschaft, sowie an ausgedehnten Wandertouren durch das Hochgebirge.
Auch weiterhin widmet er sich mit großer Freude dem Schreiben.



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