Siebert | Totenheer | Buch | 978-3-9813482-3-1 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 200 Seiten, PB, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 298 g

Siebert

Totenheer


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-9813482-3-1
Verlag: Pandämonium

Buch, Deutsch, 200 Seiten, PB, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 298 g

ISBN: 978-3-9813482-3-1
Verlag: Pandämonium


Nach einer langen Reise und vielen Abenteuern hat Larkyen mit seiner Gefährtin Patryous endlich das Land Kentar erreicht. Dort erhofft er sich Hinweise auf seine Vergangenheit, doch der Unsterbliche findet lediglich die Schlachtfelder und Massengräber eines längst vergangenen Krieges vor.
Eines Tages begegnet er Wulfgar, dem totgeglaubten König der Kentaren. Durch eine Intrige zwingt der König den Unsterblichen dazu, in das Nachbarland Bolwarien zu reisen. Inmitten des ewigen Waldes soll Larkyen ein uraltes Artefakt entwenden, in das die Runen des Lebens und des Todes eingraviert sind. Mit Hilfe des Artefakts will Wulfgar das sagenumwobene Totenheer entfesseln und einen neuen Krieg über den Westen bringen.
Doch noch eine andere Bedrohung sucht die friedliebenden Völker des Westens heim. Der Himmel verfinstert sich, und die ewige Nacht wird von den Reißzähnen und Klauen eines alten Feindes regiert. Es ist Larkyens Aufgabe, zu entscheiden, ob das Totenheer auf der richtigen Seite kämpfen wird.

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Seit jeher besaß die Nacht ihre eigenen Geheimnisse und sie würde ihren schwarzen Schleier nicht für jeden lüften, dessen war sich Mendagar gewiss. Es war noch nicht lange her, da hatte er den Tag geschätzt, seine Helligkeit und Wärme in den Gärten des Palastes willkommen geheißen. Es hatte ihn fasziniert, wie die Welt um ihn herum jeden Morgen aufs neue erwachte. Die Vögel in den Kronen der Eichenbäume begannen zu zwitschern, außerhalb der Palastmauern füllten sich die Straßen und Marktplätze mit Menschen, die Luft war vom Geruch frischer Backwaren erfüllt. Und dann dieses schier endlose Azurblau eines klaren Himmels, in dem er sich verlieren konnte und das ihn zum Träumen anregte. Manchmal wünschte er sich, er könne einfach emporsteigen wie die Vögel und davonfliegen in die Ferne.
Gedanken wie diese hätten die eines kleinen Kindes sein können und ziemten sich nicht für einen König, dass wusste er, und es gab niemanden dem er sie je anvertraut hätte.
Alles hatte sich verändert, er hatte sich verändert. Die Hochzeit seines Lebens war längst vorüber, seine Augen drohten trüb zu werden, und seine Hand war zu schwach, ein Schwert zu halten. Über zwanzig Jahre war es her, dass er für seine Heimat Ken-Tunys gegen die Kentaren gekämpft hatte, für Ruhm und Ehre, für das Leben seines Volkes.
Er war alt geworden, viel zu alt und seine Zeit neigte sich dem Ende zu. Der Herbst, der draußen den Bäumen die Blätter raubte und die Tage kürzer werden ließ, hatte letzten Endes auch Mendagar zu fassen bekommen. Doch er war noch nicht bereit, den Tod zu empfangen und seine Augen für die immerwährende Dunkelheit zu schließen.
Mendagar sehnte sich danach, die Äonen zu überdauern, wie es sonst nur den Göttern bestimmt war, und in beinahe spielerischer Absicht hatte er diesen Wunsch eines Abends hinaus in die Dunkelheit geflüstert, mochten die Sterne ihn erhören, oder gar der Mond, oder mochte er ungehört verhallen. Es waren nur die Worte eines alten Königs, der von den Gedanken eines Kindes erfüllt war, davon war er überzeugt gewesen, bis ihn eines Nachts ein ungebetener Gast besucht hatte. Es schien fast, als habe die tiefste Schwärze ihn ausgespien,
in seiner dunklen Kleidung und mit dem blassen Gesicht, den faszinierenden wilden Augen, war er wie eine Illusion. Mit verschränkten Armen stand er inmitten des Privatgemachs.
„Ich grüße dich, König Mendagar!“
„Wer bist du und wie ist es dir gelungen, an meiner Leibwache vorbeizukommen?“
Der Besucher lächelte kurz, wie als Erklärung wehte eine frische Brise durch das offene Fenster in das Gemach und ließ Mendagar frösteln.
„Ich komme von weit her“, sagte der Besucher. „Denn ich weiß, dass diese Stadt ein ganz besonderer Ort ist.“
„Das ist mir gleich“, grummelte Mendagar. „Ich bin der König von Ken-Tunys, und niemand hat sich in meinen Palast einzuschleichen. Ich werde dich hinrichten lassen!“
Mendagar rief nach den Wachen, doch wie durch die Einwirkung einer fremden Macht blieben all seine Rufe ungehört. Und nur noch die wohlklingende Stimme des Besuchers hallte durch das Gemach.
„Ich bin nicht dein Feind, König Mendagar.“
„Nenne mir deinen Namen, Eindringling.“ Ohne die Leibwache an seiner Seite rang es Mendagar einiges an Mühe ab, so selbstsicher und mächtig aufzutreten, wie es von einem König erwartet wurde.
„Man nennt mich den Nächtlichen. Und ich biete dir eine Gelegenheit, die sich viele Menschen nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vorstellen können.“
„Was soll das bedeuten?“
„Stell dir vor, du seiest wieder ein Kind und die Welt, in der du lebst, wäre frei von all den Schranken und Mauern, die ein alternder König zu ertragen hat. Ein ganzes Leben läge vor dir, deine Möglichkeiten wären grenzenlos.“
„Aber ich bin kein Kind mehr“, flüsterte der König empört. Die Offenlegung seiner geheimsten Wünsche trieb ihn beinahe die Schamesröte ins Gesicht und erinnerte ihn einmal mehr an seine Verwundbarkeit im Alter. Hätte er in diesem Moment ein Schwert in den Händen gehalten und wäre er nur kräftig genug gewesen, dann hätte er den Besucher ohne weiteres erschlagen.
„Natürlich bist du kein Kind mehr“, sagte der Besucher zynisch, „du bist ein greiser König, in Furcht vor dem Tod. Doch es muss nicht so sein. Wünsche können in Erfüllung gehen, wenn sie nur mit größter Sehnsucht ausgesprochen werden.“
Damit sollte ein neues Zeitalter für Ken-Tunys und den Westen beginnen und Mendagar hatte sein Herz an die Nacht verloren. Er wusste dass sich in der Geborgenheit ihrer Finsternis nie gekanntes Leben regte. Und er wusste auch, dass nur die Nacht die Wünsche eines alternden Mannes erfüllen konnte.


Bereits seit seiner Kindheit begeistert sich Uwe Siebert für Literatur. Kaum war er des Schreibens mächtig, ersann er bereits eigene Geschichten. Im Verlauf seines Lebens wuchs sein Interesse für fremde Kulturen, archaische Mythen und Sagen, und er ließ jenes Interesse in das Konzept seiner Romane einfließen.
Er betrieb zwischenzeitlich diverse berufliche Tätigkeiten, so führte er u. a. einen Underground Mailorder für Rock - und Heavymetal Bands. Er lebt im Landkreis Kassel. Jedes Jahr verbringt er einige Zeit in Norwegen und erfreut sich an der dortigen Landschaft, sowie an ausgedehnten Wandertouren durch das Hochgebirge.
Auch weiterhin widmet er sich mit großer Freude dem Schreiben.



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