E-Book, Deutsch, Band 3, 326 Seiten
Reihe: Niedergang der Götter
Siebert Niedergang der Götter Teil 3
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-944893-29-7
Verlag: Pandämonium
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Von Kaisern und Königen
E-Book, Deutsch, Band 3, 326 Seiten
Reihe: Niedergang der Götter
ISBN: 978-3-944893-29-7
Verlag: Pandämonium
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie von Pandora geweissagt, steht eine Zeit großer Ereignisse bevor. Und so hat sich niemand anderes als der totgeglaubte König Larkyen den in Nemar stationierten Widerstandskämpfern angeschlossen. Das gefürchtete Totenheer folgt seinen Befehlen und gemeinsam beziehen sie ihre Stellung in den Sümpfen des einstigen Fürstentums. Der erwartete Großangriff erfolgt, Strygar und seine Mutter Santharia führen ihre Heere höchstpersönlich auf Nemar zu. Und während sich der Himmel verdunkelt und das Erdreich erbebt, tobt eine Schlacht, deren Ausgang eine ganze Epoche nachhaltig prägen wird.
Bereits seit seiner Kindheit begeistert sich Uwe Siebert für Literatur. Schon früh ersann er eigene Geschichten. Im Verlauf seines Lebens entwickelte er ein großes Interesse für archaische Mythen und Sagen, die er in das Konzept seiner Romane einfließen ließ. Besonders beliebt sind seine Dark-Fantasy-Geschichten um den grausamen Krieger Larkyen, der in einer frühzeitlichen Welt ums Überleben kämpft. Uwe Siebert betrieb zwischenzeitlich diverse berufliche Tätigkeiten, so führte er u. a. einen Underground Mailorder für Rock - und Heavymetal Bands. Er lebt im Landkreis Kassel. Jedes Jahr verbringt er einige Zeit in Norwegen und erfreut sich an der dortigen Landschaft, sowie an ausgedehnten Wandertouren durch das Hochgebirge. Auch weiterhin widmet er sich mit großer Freude dem Schreiben.
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Kapitel 1 – Die Finsternis naht
An den Nemar zugewandten Ausläufern des gewaltigen Pregargebirgskammes hatte sich das Totenheer versammelt. Das erste Licht des Tages umspielte die verschwommenen Konturen von annähernd einhunderttausend schemenhaften Gestalten. In den Sümpfen hatten sie sich am Rüstzeug der Gefallenen bedient, um es einzig aus alter Gewohnheit anzulegen. Das schlammverschmierte und rostige Eisen verlieh ihnen ein umso furchteinflößenderes Erscheinungsbild. Zusätzlich hatte ihr König ein Drittel von ihnen mit den schwarzstählernen Waffen der bisher gefallenen Kultisten und Widerstandskämpfer ausgestattet. Schulter an Schulter standen sie nun da, blickten mit flammenden Augen zu ihm, der auf einem Felsvorsprung stand, empor. Fortwährend konnte Larkyen ihre Unruhe spüren, sie sehnten sich nach der letzten Schlacht, nach dem Ende des einst von ihnen geleisteten ewigen Schwurs. Dennoch misstrauten insbesondere Shagoraz und Lyra den Kentaren noch immer und wollten nicht glauben, dass Varnak Eisenzahn sich an sein gegebenes Wort hielt. All ihre Bedenken und Warnungen stießen bei Larkyen auf taube Ohren. Lange genug war er mit dem Totenheer verbunden, um zu wissen, wie bedeutsam der Sieg in einem Zweikampf für einen jeden Kentaren war und welch immenser Wert der Kriegerehre beigemessen wurde. Varnak verharrte nur wenige Schritte von Larkyen entfernt, in der rechten Hand hielt er ein Schwert aus den alten Schmieden Eisenburgs. Ohne Weiteres hätte er ihn damit niederstrecken können, aber nichts dergleichen sollte geschehen. Zusammen mit allen anderen Kentaren lauschte er den von Larkyen verkündeten Einzelheiten der geplanten Schlachtordnung. Wie schon damals während des Feldzugs im Westen unterteilte der König das Totenheer in zwei gleichgroße Armeen: Die Erste Armee sollte sich ringförmig um die Festung und das Schloss herum postieren. Die Zweite Armee stand unter seiner persönlichen Führung und würde zusammen mit den Wolfsrudeln an den Hängen des Pregargebirges warten. Die erhöhte Position garantierte eine gute Aussicht auf das Schlachtfeld sowie über weite Teile der Sümpfe und die angrenzenden Gebiete. Erst wenn sich die Kultisten und die Schattenbringer zeigten, war der Zeitpunkt ihres Einschreitens gekommen. Die vereinigten Rudel hatten sich in einem nahen Waldstück versammelt, wo sie sich vorerst verbargen. Zuweilen zeigten sich einzelne Tiere zwischen den Stämmen der Bäume, unter ihnen auch der große, weiße Wolf. Die Kentaren, insbesondere jene als Werwölfe berühmt-berüchtigten Krieger, kommunizierten mit ihnen über Bell-, Heul- und Knurrlaute, demonstrierten so ihre ewige Verbundenheit zu dem Raubtier, welches ihr Banner schmückte. „Heil Larkyen, König von Kentar!“, rief Varnak aus. Und die Kentaren der Ersten und Zweiten Armee fielen in den Ruf ein.
Hätte Larkyen nicht um die mittlerweile beängstigende Macht des Herrn der Finsternis gewusst, wäre er jetzt schon siegessicher gewesen. Mit dem Totenheer hätte ein Tyrann die Welt erobern können. Niemals aber unterschätzte er die Elementarmagie, deren gleißendes Feuer sogar die ältesten Gespenster verzehrte. Doch hielt er auch die Warnungen des Kriegsgottes sowie der Hexe des Ewigen Waldes vor der Zeitenwende und dem Verschwinden der Götter in seinen Gedanken fest. Wahrlich gab es viele Prophezeiungen, Überlieferungen und Mutmaßungen über zukünftige Ereignisse und das Ende der Welt, nicht einmal ein Bruchteil davon verwirklichte sich. Manche Geschichten aber konnten viel mehr sein. Schon früher hatte er eine ähnlich apokalyptische Erzählung aus dem Munde seines Mentors Tarynaar vernommen. Dem Sagenschatz der Kentaren entstammend, handelte sie ebenfalls von einer Zeit, in der das Göttervolk zerstrittten war und sich eine fremde Macht offenbarte, die Larkyen heute als die Bedrohung durch Strygar und die Dunkle Allianz interpretierte. Nach dem Ausbruch eines verheerenden Krieges wurde einem Krieger namens Larkyen eine gewichtige Rolle zuteil, die auf der Bedeutung seines Namens in altnordischer Sprache beruhte: Der den Sturm bringt . Lange war es her, dass er das letzte Mal ausführlicher darüber nachgedacht hatte, da fortwährend große Ereignisse in den Vordergrund drängten. Erst seitdem er wieder in Nemar war, liefen viele Fäden der Vergangenheit zusammen. Die Rückkehr des Schwertes Kaerelys zu ihm als rechtmäßigem Besitzer schien ein bedeutender Teil davon zu sein. Für einen Augenblick hatte die Klinge den eisblauen Schimmer aus vergangenen Tagen präsentiert und Larkyen ihre ursprüngliche Bestimmung einmal mehr in Erinnerung gerufen: die Lebenskraft all jener, die durch sie starben, an sich zu binden, um damit ein ruhendes Unheil wiederzuerwecken. Er hob sein persönliches Werkzeug der Massenvernichtung empor, ahmte im Geiste jenen darin eingravierten Runenvers nach – der unter den Runenkundigen kurzum als Veirss bekannt war. Der Reihe nach bestehend aus: Verkara, in ihrer Form verlaufend wie eine nach rechts geschwungene Mondsichel. Indynor, gleichend der Spitze eines Jagdpfeils. Rowan, geformt wie ein vierendiges Hirschgeweih. Swantaka, ein gleicharmiges Kreuz, dessen Arme jeweils in einem Dreizack enden. Sigarya, die machtvolle Blitzrune. Er flüsterte den Namen des Schwertes, woraufhin es lediglich in seiner gewöhnlichen Glut aufflackerte. Noch war er sich nicht sicher, ob er darüber enttäuscht sein sollte. „Der nordische Stahl wird dir abermals gute Dienste leisten“, flüsterte Varnak. „Davon bin ich überzeugt. Und wer weiß, vielleicht entfachst du damit irgendwann doch noch einen Sturm, der so viel verheerender wirkt als alles, was unser Volk jemals vollbracht hat.“ „Manche glauben, ich hätte ihn längst entfacht, als ich euch auf den Schlachtfeldern des Westens anführte.“ „Wir beide wissen, dass es nur eine Windböe war im Vergleich zu dem, was noch kommen könnte.“ Das Lächeln in seinem Antlitz verriet, dass er die Geschichte des Schwertes ebenso gut kannte wie sein König. „Als der Kriegsgott dein Schwert schmiedete, erschuf er eine einzigartige Waffe, die sich ihres Schicksals mehr bewusst ist, als die meisten von euch Göttern der Erde. Doch das weißt du viel besser als ein altes Gespenst wie ich.“ Plötzlich erregte ein nahender Krieger Larkyens Aufmerksamkeit. „Tizgar!“ Der Hüne stapfte mit großen Schritten den steinigen Hang hinauf. Die Anwesenheit der Kentaren war Tizgar noch immer unangenehm, fortwährend versuchte er, ihnen nicht zu nahe zu kommen. „Mein König“, zischte Varnak, „wünschst du, dass wir ihn aufhalten?“ „Nein, wie du wohl weißt, ist er ein Freund.“ Zuletzt war der Kentare durch seine Übereifrigkeit auffällig geworden – während er im Verlauf des einstigen Feldzugs im Westen nur ein Hauptmann gewesen war, der still und zuverlässig seinen Dienst verrichtet hatte. So vieles hatte sich verändert – schon die Betrachtung des eigenen Spiegelbilds erinnerte Larkyen immer wieder daran. „Was führt dich hierher?“, fragte er den Freund. „Geht es dem Großmeister etwa besser?“ Tizgar schüttelte nur den Kopf und berichtete vom Vorstoß der Kultisten in den Bergen, der Aufgabe des Vorpostens und dass der Hauptmann vermisst wurde. Larkyens Gesichtsausdruck verfinsterte sich. „Ich hatte nie viel für Grimm übrig. Würde uns nicht der Angriff der Dunklen Allianz bevorstehen, wäre mir sogar sein Tod völlig gleichgültig.“ „Das habe ich mir fast gedacht“, merkte Tizgar an. „Wahrscheinlich würde er dasselbe über dich sagen. Ihr Dickköpfe pflegt eure alte Fehde viel zu sehr. Ich besuche dich wegen Ayrus, er hat sich in den Kopf gesetzt, den Hauptmann zu retten.“ „Etwa völlig allein?“ „Nein, Herr Castagyr hat verfügt, dass Ayrus zwei Gefolgsleute aus den Reihen des Widerstands zur Seite stehen dürfen.“ „Die Gegend jenseits der Sümpfe, des Ranoywaldes sowie die niedrige Region des Pregargebirgskammes ist für uns inzwischen Feindesland. Glaubt er denn nicht, dass auch die Kultisten Späher oder sogar eine Vorhut dorthin entsandt haben? Welche Narren haben sich nur für diese Unternehmung gemeldet?“ Tizgar räusperte sich. „Ich werde ihn begleiten.“ „Ihr müsst von Sinnen sein. Wer kümmert sich um Amar, wenn Ayrus da draußen ist?“ „Wir bleiben nicht lange fort, Amar wird währenddessen in anderen guten Händen sein.“ „Wer ist der Dritte in eurem Bunde?“ „Shagoraz, auch er wird uns unterstützen.“ „Es ist noch nicht lange her, da hat Grimm ihm offen mit dem Tode gedroht.“ „Offenbar hat Shagoraz dem Hauptmann längst vergeben. Die beiden kennen sich immerhin seit dem Sonnensturm. Jedenfalls dachten wir drei, dass du uns womöglich begleiten willst. Wir treffen uns in der Festung und brechen dann sofort auf.“ Jetzt mischte sich Varnak ein: „Uns Kentaren steht die allerletzte Schlacht bevor. Hast du wirklich geglaubt, dass der Totenkönig sich hier und jetzt für eine solche Torheit hergeben würde?“ „Ich spreche zu deinem König und nicht zu dir“, entgegnete Tizgar. „Wie du bemerkst, alter Freund, sind meine Soldaten hungrig nach Krieg“, sagte Larkyen. „Wahrlich wäre es eine Torheit, fernab von ihnen mit euch durch die Wildnis zu ziehen, so kurz vor Beginn der Schlacht. Aber derlei Wagnisse sind mir wohl kaum fremd, und den Krieg werden wir gewiss nicht versäumen.“ Doch Varnak schüttelte verständnislos den Kopf. „Mein König, schon bald ist mit dem Angriff des Feindes zu rechnen. Du musst uns anführen, ein...




