E-Book, Deutsch, Band 0339, 144 Seiten
Reihe: Mystery
Shultz Der Fluch des Medaillons
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95446-175-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0339, 144 Seiten
Reihe: Mystery
ISBN: 978-3-95446-175-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Magie liegt in jeder ihrer Berührungen, in jedem Kuss, in jeder Umarmung. Welcher Zauber liegt auf mir? fragt Emma sich verwundert. Ausgerechnet Brendan, für den alle in der High School schwärmen, verliebt sich in sie! Hat das etwas mit dem geheimnisvollen Medaillon zu tun, das sie von ihrer Mutter geerbt hat? Denn ein ganz ähnliches Schmuckstück gibt es auch in Brendans Familie. Und dann liest Emmas Freundin in einem alten Hexenbuch: Die Medaillons sind verflucht. Seit einem Jahrtausend sind die Träger füreinander bestimmt, doch diese Liebe kann den Tod bedeuten ...
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1. KAPITEL
Am ersten Tag an meiner neuen Schule – einer irrsinnig teuren Privatschule auf der Upper East Side von New York – wurde ich von meiner kleinen Cousine begleitet. Wie peinlich!
Tante Christine wollte sichergehen, dass ich nicht zu spät zur Schule kam.
Meine Cousine, die um einiges kleiner war als ich und ihre wilden roten Locken mit einem Haarreifen zu bändigen versucht hatte, war total aufgedreht.
„Hi, Emma! Wie gefällt dir die Schuluniform?“ Ashley war fast immer gut gelaunt.
Ich musterte mein Outfit, eine langärmlige weiße Bluse und einen blau-grün karierten Faltenrock.
„Wie sehe ich aus?“, fragte ich.
„Super“, meinte sie. „Aber warum hast du die Bluse mit den langen Ärmeln angezogen? Sie haben für heute über vierzig Grad angesagt. Hast du nichts mit kurzen Är…“ Ashley verstummte. „Sorry.“
Von dem Autounfall war eine hässliche Narbe auf meinem Arm zurückgeblieben, die ich unter meinen Klamotten versteckte.
„Ist schon okay“, meinte ich.
Wir machten uns auf den Weg. „Also, wie läuft das wirklich an dieser Schule?“, versuchte ich meine Cousine auszuquetschen.
Ich stellte mir vor, dass es so war wie in den Fernsehserien über reiche, verwöhnte Kids aus New York, die nur Klamotten im Kopf hatten und sich selbst für den Nabel der Welt hielten. So konnte ich mich schön unauffällig im Hintergrund halten. Hoffte ich zumindest.
„Na ja, wir sind auf der teuersten Schule der Stadt.“ Lachend spielte Ashley mit ihren langen Ohrringen. „Muss ich noch mehr sagen?“
„Nein.“ Da ich absolut nicht wollte, dass die Geschichte mit meinem Stiefvater überall breitgetreten wurde, würde ich mir eben irgendwas anderes einfallen lassen müssen.
Ashley gab mir einen kurzen Überblick, was mich erwartete. „Da sind wir!“, verkündete sie schließlich.
Ich musterte das Gebäude, vor dem wir standen. Es war früher eine alte Villa gewesen, die man zu einer Schule umgebaut hatte. Die Fassade war grau gestrichen und mit reichlich Stuck verziert.
Wir waren etwas früher gekommen, weil ich mich noch im Sekretariat anmelden musste. In der Halle saßen ein paar Mädchen, die in ihren Büchern blätterten. Auf der breiten Treppe hockten einige Jungs. Auch sie trugen eine Schuluniform. Schwarze Hose, weißes Hemd und ziemlich locker gebundene Krawatte.
Mir fiel auf, dass alle Mädchen die strenge Uniform durch schicke Schuhe – meistens High Heels – aufgepimpt hatten. Eine langhaarige, solariumgebräunte Blondine trug glitzernde Diamantohrringe. Und ich? Unechte silberne Kreolen, die ich im Ausverkauf ergattert hatte.
Schüchtern klopfte ich und betrat das Sekretariat. „Du musst Emma Connor sein.“ Die Frau hinter dem Empfangstresen schien mich mit ihren stahlgrauen Augen förmlich zu durchbohren.
„Äh, ja“, stotterte ich. „Woher wissen Sie das?“
Sie lächelte. „Du bist die einzige neue Schülerin auf meiner Liste. Warte, ich hole dir deinen Stundenplan.“
Ich stöhnte leise, weil mir entfallen war, dass es an der Vincent Academy nur zweihundert Schüler gab. Meinen Plan, in der Menge unterzutauchen, konnte ich wohl vergessen.
„Hier.“ Die Schulsekretärin drückte mir ein Blatt Papier in die Hand. „Deine erste Stunde findet im dritten Stock statt“, erklärte sie, um mich gleich darauf aufzufordern: „Stell dich da hin und lächle.“
„Was?“ Abwesend schaute ich auf und wurde von einem Blitzlicht geblendet.
„Du kannst deinen Ausweis nach dem Essen abholen. Bis dahin füll mir bitte diese Formulare aus.“ Die Frau gab mir einige gelbe Zettel und erklärte mir, ich solle jedem Lehrer einen davon geben.
Hoffentlich musste ich nicht irgendwas über mich erzählen. Von wegen: Hi, ich bin Emma. Mein Vater ist abgehauen, als ich sechs war. Mein Zwillingsbruder ist gestorben, da war ich vierzehn. Kurz darauf ist meine Mutter krank geworden und ein Jahr später gestorben. Und im Juni ist mein Stiefvater mit dem Auto gegen eine Mauer gefahren und hätte mich fast umgebracht. Jetzt lebe ich bei meiner Tante.
Ich ging zurück zu meiner Cousine, die mir den Stundenplan aus der Hand riss.
„Hey, wir haben sogar einen Kurs zusammen.“
Wie konnte das sein? Ich warf einen Blick auf den Zettel. Latein. Sie hatten mich in die Anfängerklasse für Latein gesteckt.
Tante Christine war eine gute Bekannte der Direktorin und hatte ihre Beziehungen spielen lassen, deshalb war ich noch aufgenommen worden, obwohl das neue Schuljahr bereits vor Wochen begonnen hatte. Latein gehörte zu den Pflichtfächern der Academy, und ich hatte nicht den blassesten Schimmer von dieser ausgestorbenen Sprache.
Ashley begleitete mich zu meinem Spind, der im Keller in einem engen Flur zwischen Heizungsraum und Chemielabor stand.
„Okay, ich muss los“, meinte sie. „Wir sehen uns bei Latein. Du wirst es hassen.“
Ich umarmte sie. „Danke.“
Auf der Treppe drehte sie sich nochmals um. „Du wirst schon klarkommen“, versicherte sie mir.
Ich stopfte die Bücher in meinen Spind, knallte die Tür zu und sprach mir insgeheim Mut zu.
Mein erster Klassenraum war noch leer, also drückte ich den gelben Zettel, den mir die Schulsekretärin gegeben hatte, meiner ersten Lehrerin Mrs Urbealis in die Hand. Die grüßte mich herzlich, meinte: „Setz dich da hin“, und zeigte auf einen Stuhl in der letzten Reihe.
„Gern.“
Nachdem sich der Raum gefüllt hatte, begann Mrs Urbealis mit dem Unterricht.
„Schlagt eure Bücher auf Seite 106 auf. Ach, wir haben übrigens eine neue Schülerin. Sie heißt Emma Connor. Bitte sorgt dafür, dass sie sich an unserer Schule wohlfühlt, okay?“
Mein nächster Kurs, Mathe, fand im gleichen Raum statt, also blieb ich einfach sitzen, wie das Mädchen vor mir. Sie drehte sich zu mir um.
„Hi, ich bin Jenn“, stellte sie sich lächelnd vor. „Jenn Hynes. Wie läuft’s denn so an deinem ersten Schultag?“
„Bis jetzt ganz gut“, erwiderte ich lächelnd.
„Woher kommst du?“
„Philadelphia.“ Kurzerhand schrieb ich die Geschichte meines Lebens um. „Meine Mom ist nach Tokio versetzt worden. Ich wollte nicht mit, also bin ich zu meiner Tante Christine gezogen.“
Jenn starrte auf die Kette, die ich um den Hals trug.
„Was ist das?“ Sie zeigte auf den silbernen Anhänger. Er war oval, schon ziemlich abgegriffen und mit einem eingravierten Wappen darauf.
„Oh, die Kette hat mir mein Bruder Ethan mal geschenkt.“
„Cooles Teil“, meinte Jenn. Offenbar hatte sie beschlossen, dass es okay war, sich mit mir abzugeben, und fragte mich, ob ich mit ihr und ihren Freundinnen Mittag essen wollte.
Der Lehrer, Mr Agneta, stellte mir jede Menge Fragen zum Stoff, die ich locker beantworten konnte. Mathe war schon mal kein Problem für mich.
Jenn und ich hatten auch den nächsten Kurs zusammen, doch sie war plötzlich verschwunden. Ich hielt mich dicht an der Wand, um in dem engen Flur mit niemandem zusammenzustoßen, während ich auf meinem Stundenplan nachschaute, wohin ich musste.
„Hey, brauchst du Hilfe?“, hörte ich plötzlich eine dunkle Stimme neben mir. Ich schaute auf … in ein Paar strahlend blaue Augen.
„Äh, ja, danke“, murmelte ich. „Weißt du, wo Raum 201 ist?“
„Da muss ich auch hin. Wir können zusammen gehen.“ Der gut aussehende Typ zupfte seine rote Krawatte zurecht. „Für ein hübsches Mädchen tue ich doch fast alles.“
„Hmm, danke.“ Wie war der denn drauf? Zusammen gingen wir die Treppe runter.
„Übrigens, ich bin Emma.“
„Freut mich wirklich sehr, dich kennenzulernen, Emma“, meinte er. Er sah aus wie ein Model, groß, blond, gut gebaut. Und das wusste er auch.
„Und du bist …?“
„Du bist wohl nicht von hier, was?“ Er legte eine Hand auf meinen Hintern. Demonstrativ ging ich einen Schritt schneller, um ihn abzuschütteln.
„Nein“, murmelte ich.
„Das erklärt einiges. Wenn du aus New York wärst, wüsstest du, wer ich bin.“ Dabei zeigte er seine strahlend weißen Zähne und starrte mir ungeniert in den Ausschnitt. Na super! Gleich an meinem ersten Tag hatte ich den übelsten Womanizer der Schule am Hals. Zum Glück waren wir endlich in dem Raum angekommen, in dem der Englischunterricht stattfinden würde.
„Danke, dass du mir geholfen hast.“ Ich wollte den Typen so schnell wie möglich wieder loswerden.
„Oh, es war mir ein Vergnügen“, gab er zuckersüß zurück. Dabei musterte er mich von Kopf bis Fuß. Jetzt wusste ich, was es hieß, wenn jemand einen ‚mit den Augen auszog‘.
Jenn hatte mir den Platz neben sich freigehalten. Ich rannte förmlich durch die Klasse, und sie stellte mich ihren Freunden vor. Kristin Thorn war die Blonde, die mir schon ganz zu Beginn aufgefallen war. Francisco Fernandez, ein Junge mit einem süßen Lächeln, war mir auf Anhieb sympathisch.
Kristin nahm mich genau unter die Lupe. „Du bist also die Neue.“ Sie warf ihre langen blonden Haare zurück und schaute mich herausfordernd an.
„Ja, hi, ich bin Emma.“ Unsicher lächelte ich ihr zu.
„Woher kommst du?“
„Philadelphia“, antwortete Jenn für mich.
Mir reichte es. „Hast du nervöse...




