E-Book, Deutsch, Band 2, 505 Seiten
Reihe: Forbidden Love
Shen Madly Forbidden
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7363-2515-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit wunderschönem Motivfarbschnitt in der Erstauflage
E-Book, Deutsch, Band 2, 505 Seiten
Reihe: Forbidden Love
ISBN: 978-3-7363-2515-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Spiel mit dem Feuer war noch nie verlockender
Dylan will in New York mit ihrer kleinen Tochter einen Neustart wagen, weit weg von ihrem betrügerischen Ex-Freund. Nur hat die junge Mutter nicht damit gerechnet, dass ihr großer Bruder ihr einen Aufpasser zur Seite stellt. Rhyland Coltridge ist ein Frauenheld, so nervtötend wie sexy, ihr neuer Nachbar - und als bester Freund ihres Bruders absolut tabu! Doch als Rhylands potenzieller Business-Partner die beiden für ein Paar hält, bittet er Dylan kurzerhand, seine Fake-Verlobte zu spielen, um als liebevoller Familienvater dazustehen. Während sie das verliebte Paar vortäuschen, können sie jedoch schon bald die Funken zwischen ihnen nicht länger leugnen ...
»L. J. Shen hat es mal wieder geschafft, dass ich mich in ein weiteres Buch und weitere Charaktere von ihr verliebe. Sie ist und bleibt meine Queen.« charlies_library
Band 2 der FORBIDDEN-LOVE-Reihe von SPIEGEL-Bestseller-Autorin L.J. Shen
L. J. Shen lebt mit ihrem Ehemann, ihren Söhnen und einer faulen Katze in Florida. Wenn sie nicht gerade an ihrem neuesten Roman schreibt, genießt sie gern ein gutes Buch mit einem Glas Wein oder schaut ihre Lieblingsserien auf NETFLIX.
Weitere Infos & Material
1
DYLAN
Es gibt schlimmere Arten, zu Hause begrüßt zu werden, als der Anblick der eigenen Mutter, die, mit gespreizten Gliedern an die Scheibe der Hintertür gedrückt, von ihrem Verlobten vernascht wird. Allerdings fiel mir keine ein, als ich, die Klinke noch in der Hand, in der Haustür stehen blieb und gegen meinen Würgereflex ankämpfte … vergeblich.
»Ja, Marty! Ja, genau da … Dio mio … nicht aufhören!« Ihre undeutlichen Anfeuerungsrufe, gedämpft von seiner Hand, damit sie das Kleinkind oben nicht weckten, bohrten sich in mein Gehirn und brannten sich unauslöschlich in mein Gedächtnis ein.
Instinktiv wollte ich wie Phoebe Buffay »MEINE AUGEN, MEINE AUGEN!« schreien und wild um mich schlagend Haus, Stadt, Staat und Planet verlassen, doch das konnte ich leider nicht. Erstens, weil meine dreijährige Tochter im Obergeschoss schlief und ich sie niemals zurücklassen würde. Zweitens, weil ich mit sechsundzwanzig immer noch bei meiner italienischen Mamma wohnte, wenn auch in einem prächtigen Mini-Herrenhaus, das mein Bruder für sie errichtet hatte. Ihr stand das Haus eher zu als mir.
Und drittens? Schon verstanden, Mamma. Ich ziehe den Hut vor dir, weil du dein Leben lebst, so gut du kannst.
Ich unterdrückte den Brechreiz, schloss mit einem leisen Klicken die Tür, stieg wieder in meinen roten 1999 GMC Jimmy, um ihre Privatsphäre nicht zu stören, und knallte die Fahrertür der uralten Karre zu. Aus Rache fiel das Ding aus den Angeln und landete mit einem zornigen Knall auf dem schmutzigen Bordstein.
Ich schloss die Augen, packte das Lenkrad, als wollte ich es erwürgen, und holte tief Luft.
Alles ist gut. Mehr als gut. Sehr gut sogar. Du hast ein Dach über dem Kopf. Einen festen Job. Ein Kind, das du liebst …
In der verschlissenen Vordertasche meiner Kellnerinnenuniform begann mein Handy zu vibrieren. Die Uniform bestand aus einem hellrosa Kleid, so kurz, dass es auch als Serviette durchgehen könnte, und einer karierten Schürze mit allerlei Flecken von Tomatensoße über Kaffee bis zu Fett und Kotze.
Was soll ich sagen? Ich führte ein Leben voller Luxus und Verschwendung, aber irgendjemand musste es ja tun.
Mein Blick wanderte zu dem Bild meiner besten Freundin Cal auf dem Display. Darauf stand sie vor dem Eiffelturm und lachte sorglos mit zurückgeworfenem Kopf, während mein dämonischer Bruder sein Gesicht an ihrem Nacken vergrub und sie küsste. Ich hatte das Foto als Kontaktbild ausgewählt, um den einzigen Makel ihres ansonsten sonnigen Naturells nicht zu vergessen: Sie schlief mit Luzifers Doppelgänger alias mein herrischer, kontrollsüchtiger älterer Bruder.
Immerhin waren die beiden verheiratet. Und wirklich sehr süß zusammen. Vielleicht war ich ja nur genervt, weil ich von Paaren umgeben war, die nicht mehr aus ihren Liebesnestern herauskamen. Der einzige Freund, den ich in den letzten vier Jahren gehabt hatte, war batteriebetrieben und aus Silikon.
Ich wischte über das Display, sagte aber nichts, denn ich hatte Angst, mich übergeben zu müssen, sobald ich den Mund aufmachte.
»Dyl«, sagte Cal atemlos lachend am anderen Ende der Leitung. Row im Hintergrund brummte wie ein Grizzly – wie immer, wenn er sie küsste.
Ich war nicht eifersüchtig, weil für Cal ein Märchen wahr geworden war. Sie hatte es verdient, denn sie hatte meinen halbwilden Bruder gezähmt.
»Du glaubst nicht, wer uns in Cannes gerade über den Weg gelaufen ist!«, kreischte sie.
Erneut schloss ich die Augen und redete mir einen spontanen Nervenzusammenbruch aus.
Ed Sheeran? Taylor Swift? König Charles? Gott?
Das Leben der beiden war voll mit Promi-Partys, Pinterest-Ferien und Mahlzeiten, die zum Essen zu schön waren.
Es war ja nicht Cals Schuld, dass ich gerade eine Zwölf-Stunden-Schicht in meinem erbärmlichen Job in Dahlia’s Diner hinter mir hatte. Es war nicht Cals Schuld, dass ich alleinerziehend war. Es war nicht Cals Schuld, dass ich noch bei meiner Mutter wohnte. Und es war nicht ihre Schuld, dass mein Leben mir so vorkam wie der mittlere Teil eines quälend langweiligen Buchs mit zusammenklebenden Seiten, bestehend aus einer endlosen Reihe von To-do-Listen und Pflichten.
»Dylan? Bist du noch da?«, quengelte Cal nach kurzem Schweigen.
Ja, leider.
Ich glaubte zu hören, wie Row grunzte: »Bleib stehen und lass es einfach zu.« Jetzt mal im Ernst: Wen hatte ich in meinem vorherigen Leben getötet, um diesen Abend zu verdienen?
Der kreischende, wild wirbelnde Wind peitschte in mein Auto und drang mir in die Knochen.
»Row«, schimpfte Cal. »Ich versuche gerade zu essen.«
»Ich auch.«
Oh Gott. Würde das Jugendamt auch noch bei einer Sechsundzwanzigjährigen eingreifen?
»Ich habe Mamma und Marty gerade beim Vögeln an der Hintertür erwischt«, platzte es aus mir heraus.
Genau deshalb räumst du Tische ab, anstatt Regierungsgeheimnisse für dich zu behalten, Dylan.
»Holy Shit«, sagte Cal – oder Dot wegen der vielen Sommersprossen auf ihrer Nase und den Wangen, ein Beweis dafür, dass Gott sie mit Feenstaub bestreut hatte. »Na ja, ist doch prima für Zeta. Sie hat etwas Sex verdient, aber gleichzeitig … tut es mir leid für dich.« Cal lachte schnaubend. »Du weißt schon, kein Hunger, keine Lust und so.«
»Es wird immer schlimmer«, sagte ich und setzte ein Lächeln auf, nur damit sie es in meiner Stimme hörte. »Außerdem werden sie Flecken hinterlassen, und du weißt ja, wer hier die Fenster putzt.«
Scherz beiseite: Meine Mom hatte eine furchtbare Ehe mit meinem Vater ertragen. Als er sechs Jahre zuvor gestorben war, hätte ich nicht gedacht, dass sie sich jemals wieder verlieben würde. Aber ich war froh, dass wenigstens eine von uns es getan hatte. Denn ich würde keinen Mann mehr anfassen, verdammt, nie mehr, nicht mal mit der Kneifzange.
»Wir wär’s mit einem Geschwisterchen?«, fragte Cal provozierend. Die Stille um sie herum ließ mich annehmen, dass Row aufgehört hatte, sie zu belästigen, und unser Gespräch nun belauschte.
»Danke. Mir ist schon schlecht.«
»Vielleicht bist du ja schwanger … obwohl ich Nonnen kenne, die mehr Sex haben als du.« Cal kicherte. »Hat sie nicht gewusst, dass du nach Hause kommen würdest?«
»Eigentlich sollte ich eine Doppelschicht machen, aber es war nicht viel los, darum hat Dahlia mich früher nach Hause geschickt.«
»Und wo bist du jetzt?«, fragte Cal.
»Ich hab bei Jimmy Zuflucht gesucht«, sagte ich und streckte eine Hand aus, um eine dicke Staubschicht vom Armaturenbrett zu wischen. »Aber bei dem ist gerade die Fahrertür abgefallen, also ist es hier drin alles andere als warm und gemütlich.«
»Heute ist definitiv nicht dein Tag«, sagte meine beste Freundin mitfühlend. »Ich schicke dir einen Kuchen.« Pause. »Und ein Ladekabel für deinen Zauberstab, weil ich weiß, dass du deine immer verlierst.«
Im Hintergrund hörte ich Row angeekelt würgen. Gut so. Seit die beiden zusammen waren, bekam ich ungefähr einmal im Monat mit, wie er meine beste Freundin aus Kindertagen besudelte. Auf diese Art konnte ich mich wenigstens revanchieren.
»Ladekabel haben Beine«, protestierte ich und zwang mich zu lachen, wodurch sich mein Rachen rau und metallisch anfühlte. »Eine andere Erklärung gibt es nicht dafür, dass die Dinger immer wieder verschwinden. Ihr seid also gerade in Cannes?«
Row und Cal verbrachten ihre Zeit abwechselnd in New York und London. Row besaß in beiden Städten mit Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurants, aber sie reisten auch gern mal woanders hin.
»Jep. Morgen früh fliegen wir wieder nach London und bleiben vermutlich eine Weile dort. Row eröffnet in Edinburgh ein neues Restaurant, und er möchte, dass Serafina und ich in seiner Nähe sind.«
Serafina war meine Nichte. Sie war gerade zwei geworden und hatte die riesigen blauen Augen ihrer Mom, die wilden, rabenschwarzen Locken ihres Dads und die Lunge der Opernsängerin von nebenan. Das Mädel war imstande, mit seinem Geschrei ein Erdbeben der höchsten Stufe auszulösen.
»Dylan …« Cal zögerte. »Ich habe eine Idee.«
Sie und Row hatten ständig Ideen. Und alle drehten sich um den Versuch, mein verpfuschtes Leben zu verbessern. Nicht, dass ich ihnen das vorwarf. Mein Dasein war tatsächlich so erbärmlich, dass es nach Rettung förmlich schrie.
»Nein«, sagte ich und rieb mir mit dem Handballen seufzend die Augen. »Alles, was ich noch habe, ist mein Stolz.«
»Bist du sicher?«, fragte Row sarkastisch.
»Haha. Fick dich.«
»Nein, danke, Dyl. Und mal ganz im Vertrauen: Deine Ansprüche sind in den letzten Jahren stark gesunken. Inzest ist keine schöne Sache.«
»Halt’s Maul, verdammt.« Ich trat das Gaspedal durch und hätte am liebsten jemanden überfahren.
»Wir werden jemanden brauchen, der auf unsere Wohnung in New York aufpasst«, redete Cal weiter, ohne unserem Geplänkel Beachtung zu schenken. »Könntest du das nicht übernehmen? Du wolltest doch schon immer in New York leben.«
Ja, aber das vor vorher gewesen.
Bevor mir klar wurde, dass ich niemals aufs College gehen würde.
Bevor ich geschwängert wurde und mit...




