E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Shalvis Weihnachtsmänner küssen besser
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7515-0478-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0478-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das ist er doch - ihr Mr. Right im Weihnachtsmannkostüm! Plötzlich kann Katie nicht anders. Sie küsst den verkleideten Kollegen leidenschaftlich unter dem Mistelzweig - und erlebt eine Überraschung: Ihr Santa Claus ist ausgerechnet der Büro-Casanova Bryan Morgan!
New York Times-Bestsellerautorin Jill Shalvis lebt in einer Kleinstadt in Sierras, voller verschrobener Mitmenschen. Jegliche Ähnlichkeit mit den Quirky Charakters in ihren Büchern ist, naja, meistens zufällig. Besuchen Sie sie auf ihrer Website www.jillshalvis.com, um mehr über Jills Bücher und ihre Abenteuer als Berge erklimmendes Stadtkinde zu lesen.
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1. KAPITEL
Sie würde es tun. Sie würde den Weihnachtsmann verführen.
Nicht, dass sie besonders auf Männer mit weißem Bart und rotem Mantel stand. Obwohl sie zugeben musste, dass ihr das sonore Lachen von Weihnachtsmännern gefiel.
In Wahrheit war Katie Wilkins nur an dem Mann unter dem Weihnachtsmannkostüm interessiert – Mr Perfect aus den Chefbüros am Ende des Flurs. Er besaß alles, was sie von einem Mann erwartete: eine gewisse Reife, gutes Aussehen und seriöses Auftreten. Er war so seriös, dass er, obwohl sie sich schon ein ganzes Jahr lang kannten, noch kein einziges Mal mit ihr geflirtet hatte.
Aber das sollte sich heute Abend ändern.
Weihnachten war eigentlich erst in drei Wochen, doch das tat der Stimmung auf der jährlichen Weihnachtsparty von Wells Aircraft nicht den geringsten Abbruch. Aus sämtlichen Lautsprechern, die in dem Flugzeughangar montiert waren, dröhnten Weihnachtslieder, und alle Angestellten der kleinen privaten Fluggesellschaft – angefangen von den Mechanikern bis hin zu Mr Riggs, dem Direktor – hatten richtige Partylaune mitgebracht.
Der würzige Punsch tat ein Übriges.
Zumindest war das Katies Vermutung, als sie Mrs Giddeon, die ansonsten recht prüde wirkende Empfangsdame, Arm in Arm mit Mr Riggs entdeckte. Mit einem neckischen Glitzern in den Augen zog sie soeben ihren Chef unter den Mistelzweig, der von der Nase eines Jets herunterhing.
Und die Mechaniker Dale, Jake und Evan, ansonsten eher zurückhaltende junge Männer, schäkerten ungeniert mit Katies Kolleginnen Julie, Cassandra und Eloise, die gerade zu der Rockversion von „Jingle Bells“ einen bühnenreifen Gogo-Dance hinlegten.
Verwundert schüttelte Katie den Kopf. So außer Rand und Band hatte sie ihre Kollegen noch nie erlebt. Es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, dass ihre Kollegen derart ausflippen könnten. Bisher hatte sie alle nur eifrig bei der Arbeit gesehen. Häufig mussten sie Überstunden machen, weil die Firma gerade am Expandieren war und viele neue Kunden betreut werden mussten. Wie war es möglich, so Knall auf Fall alles loszulassen? Ihr kam es vor, als sei sie die einzige Erwachsene auf der Party.
Doch im tiefsten Inneren beneidete sie ihre Kollegen. Auch sie würde gerne die Anspannung abschütteln, die sich seit Jahren in ihr angestaut hatte. Sich ein Glas Punsch genehmigen und alle Zwänge über Bord werfen.
Dieser Gedanke brachte sie zurück zu ihrem eigentlichen Vorhaben: sich an den Weihnachtsmann heranzumachen.
Katie blickte sich in dem großen, mit Gold- und Silbergirlanden geschmückten Hangar um. Natürlich fehlte auch nicht der Tannenbaum, der über und über mit Weihnachtsschmuck behängt war. Auf diese Weise fiel es nicht so sehr auf, dass er etwas mitgenommen aussah. In diesem Jahr war der Sommer in Südkalifornien besonders trocken gewesen.
Neben dem dürren Gewächs stand groß, lächelnd und eindrucksvoll der Weihnachtsmann. Sie wusste, wer sich unter dem Kostüm versteckte: Matt Osborne, ihr Mr Perfect. Sie seufzte im Stillen.
Nun geh schon, flüsterte ihre innere Stimme ihr zu. Tu es. Küss ihn.
Normalerweise hatte Katie mit Weihnachten nicht viel im Sinn. Zu oft war dieses Fest für sie enttäuschend verlaufen. Angefangen hatte es, als sie sechs war, und ihre Nachbarin Holly Stone das Barbie-Ferienhaus bekam, das Katie sich so sehr gewünscht hatte. Als die beiden Mädchen zwölf und immer noch Nachbarn waren, hatte Holly beim Flaschendrehen auf der Weihnachtsparty gemogelt, damit sie den Jungen küssen konnte, auf den Katie es abgesehen hatte. Was dann vor drei Jahren passierte, war schließlich der Gipfel gewesen. Da waren Holly und Katie beide einundzwanzig und keine Nachbarn mehr, aber in einer Kleinstadt wie San Limo begegnete man sich zwangsläufig. Damals hatte Holly ihr den Verlobten ausgespannt – unter dem Weihnachtsbaum.
Genau genommen war Katie auch ein bisschen selbst schuld an ihren Missgeschicken. Sie war einfach zu gehemmt, zu kontrolliert, aber sie konnte nun mal nicht aus ihrer Haut heraus. Nicht von ungefähr war sie Buchhalterin geworden, das passte zu ihr. Sicher, sie war finanziell abgesichert und ganz zufrieden mit ihrem Leben – abgesehen davon, dass sie sich kaum erinnern konnte, wann sie zuletzt mit einem Mann ausgegangen war.
Im nächsten Jahr würde das anders werden. Kein Pech in der Liebe mehr. Das hatte sie sich fest vorgenommen, und sie würde alles tun, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Gleich heute Abend würde sie damit anfangen. Das war ihr einziger Weihnachtswunsch in diesem Jahr. Keine Spiele oder Kleidung oder neuen Küchengeräte. Nein, diesmal wünschte sie sich nichts anderes als einen heißen Kuss von dem unvergleichlichen Matt Osborne. Und vielleicht, ihren Mr Perfect zu erobern.
„Du willst doch hoffentlich nicht kneifen“, sagte eine säuselnde Stimme hinter ihr.
Katie verdrehte die Augen, überlegte sich dann aber, dass das eine ausgesprochen kindische Angewohnheit war, und setzte eine betont gleichgültige Miene auf. Dann drehte sie sich zu Holly, ihrer langjährigen Rivalin, um, die leider mittlerweile ihre Kollegin war.
Holly war immer sehr auffällig gekleidet, umso mehr an einem Abend wie diesem. In ihrem hautengen silbernen Etwas wirkte sie ausgesprochen sexy und selbstsicher.
„Ich kneife nie“, erwiderte Katie.
Holly ließ ein glockenhelles Lachen hören. „Darüber müssen wir jetzt nicht diskutieren, meine Liebe.“
„Und überhaupt, was ist eigentlich mit dir? Warum küsst du denn niemanden?“
„Bin ich diejenige mit dem langweiligen Sexleben oder du?“
„Langweilig“ ist der falsche Ausdruck, dachte Katie. „Nicht vorhanden“ käme der Wahrheit näher.
„Außerdem …“ Holly betrachtete eingehend ihre perfekt manikürten, rot lackierten Fingernägel, auf denen Abziehbildchen von Weihnachtsmännern in schlüpfrigen Posen prangten. „Wenn ich Matt küssen wollte, würde ich einfach zu ihm hingehen und ihn mir schnappen. Ich bin nicht schüchtern.“
Nein, schüchtern war Holly nicht. Das hatte Katie in den letzten Jahren zur Genüge erfahren. Und wenn sie selbst nicht noch drei weitere Jahre das Mauerblümchen spielen wollte, musste sie ihr Vorhaben jetzt durchführen, koste es, was es wolle. Es wäre doch gelacht, wenn sie es nicht schaffen würde, den Weihnachtsmann unter einen der vielen Mistelzweige zu ziehen. Schließlich hatte sie die Dinger extra zu diesem Zweck überall aufgehängt.
Zielstrebig bahnte Katie sich den Weg durch den Hangar, an den mit Lametta behängten Flugzeugen und den herausgeputzten Kolleginnen vorbei, auf den Mann in dem roten Mantel zu. Klar, dass Holly ihr folgte. So etwas ließ sie sich natürlich nicht entgehen. „Bist du wirklich sicher, dass Matt darunter steckt?“, fragte Katie leise.
Die beiden Frauen blieben ein paar Schritte vom Weihnachtsmann entfernt stehen und unterzogen ihn einer eingehenden Prüfung. Der Mann war ziemlich groß, hatte eine rote Nikolausmütze auf dem Kopf und einen weißen Vollbart. Und wie alle Weihnachtsmänner hatte er einen dicken Bauch, sicher hatte er sich ein Kissen unter den roten Mantel gestopft. So weit war also nichts Auffälliges an ihm. Irgendwie sah er fröhlich aus, aber das konnte auch von dem kräftigen Punsch kommen. Es gab keinen wirklichen Anhaltspunkt, wer tatsächlich in diesem Kostüm steckte.
„Er ist es auf jeden Fall“, entschied Holly.
Zwar wusste Katie aus leidvoller Erfahrung, was sie von Hollys Aussagen zu halten hatte, aber was konnte diesmal schon schiefgehen? Schließlich war allgemein bekannt, dass Matt in diesem Jahr den Weihnachtsmann spielen würde, es hatte nämlich im wöchentlichen Infoblatt gestanden.
Und was da stand, stimmte immer.
„Also gut.“ Katie straffte die Schultern und reichte Holly ihr noch volles Sektglas. „Wünsch mir Glück.“
„Heiße Küsse und fröhliches Knuddeln.“ Mit einem anzüglichen Lächeln hob Holly ihr Glas.
Vergeblich versuchte Katie, ihr hautenges rotes Stretchkleid weiter über die Oberschenkel zu ziehen. Dieses gewagte knallrote Nichts zu kaufen, hatte sie einige Überwindung gekostet, denn es entsprach nicht unbedingt ihrem üblichen Stil. Ganz zu schweigen von dem schwindelerregenden Preis. Sie konnte nur hoffen, dass es dem Weihnachtsmann gefiel, denn immerhin hatte sie ihr halbes Monatsgehalt dafür ausgegeben.
Aber wenn es funktionierte, würde sie liebend gern für den Rest des Monats von Spaghetti mit Tomatensauce leben.
Sie hörte auf, am Saum ihres Kleides zu zupfen, und streckte die Schultern. Dadurch kam ihr aufreizend enges Oberteil erst so richtig zur Geltung. Sehr gut. Warum sollte ein schüchternes Mädchen wie sie sich nicht auch einmal in Szene setzen? Tapfer schluckte sie ihre Angst hinunter und stöckelte entschlossen los.
Direkt auf den Weihnachtsmann zu. Ihren Mr Perfect, der in dem Weihnachtsmannkostüm steckte.
Und gleich würde sie ihn küssen.
Er sah sie kommen, das merkte sie an seinem Blick, den er direkt auf sie gerichtet hielt.
Sie holte tief Luft, um sich noch mehr in Positur zu werfen.
Mit dem Ergebnis, dass der Weihnachtsmann sich an seinem Drink verschluckte. Woraufhin die in der Nähe stehende Edwina, die Betreiberin der kleinen Cafeteria im Foyer, sofort herbeisprang und ihm auf den Rücken klopfte. Allerdings löste sie damit nur einen erneuten Hustenanfall aus. Kurzerhand nahm sie dem Mann das Glas ab und stellte es beiseite, dann griff sie nach seinen Armen und streckte sie in die Höhe. Was allerdings etwas...




