Shakespeare | König Heinrich VIII. | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 122 Seiten

Shakespeare König Heinrich VIII.


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-2580-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 122 Seiten

ISBN: 978-3-8496-2580-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Heinrich VIII (engl. The Famous History of the Life of King Henry the Eighth oder einfach Henry VIII, Alternativtitel war bis zur Veröffentlichung im First Folio 1623 All is True) ist ein ca. 1612/13 entstandenes Historiendrama von William Shakespeare, das auf dem Leben von König Heinrich dem VIII von England basiert. (aus wikipedia.de)

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Dritte Szene

Vorzimmer der Königin.

Anna Bullen und eine alte Hofdame treten auf.

ANNA.

Auch deshalb nicht: – hier ist der Dorn, der sticht:

Der Herr, der so lang' mit ihr lebte; sie

So gut, daß keine Zunge jemals konnte

Was Schlechtes von ihr sagen, – o nein, wahrlich,

Sie wußte nicht, was Kränken heißt; und nun

So manchen Sonnenumlauf Königin,

In Pomp und Majestät anwachsend, die

Zu lassen tausendmal noch bittrer ist,

Als süß, sie zu erlangen, – nun, nach allem,

So Schmach ihr bieten! Oh, 's ist zum Erbarmen

Und rührt wohl Ungeheu'r. 

HOFDAME.

Die härtsten Seelen

Zerschmelzen in Wehklage. 

ANNA.

Himmel! besser,

Sie kannte nie den Pomp! Zwar ist er weltlich,

Doch wenn das Glück, die Zänkerin, ihn schneidet

Vom Eigner, ist es Leid, so stechend, wie

Wenn Seel' und Leib sich trennen. 

HOFDAME.

Arme Fürstin!

Zur Fremden ward sie wieder! – 

ANNA.

Um so mehr

Muß Mitleid auf sie taun. Wahrlich, ich schwöre,

Viel besser ist's, niedrig geboren sein

Und mit geringem Volk zufrieden leben,

Als aufgeputzt im Flitterstaat des Grams

Und goldner Sorgen. 

HOFDAME.

Ja, Zufriedenheit

Ist unser bestes Gut. 

ANNA.

Auf Treu' und Unschuld,

Ich möchte keine Kön'gin sein! 

HOFDAME.

Mein' Seel', ich wohl

Und wagte dran die Unschuld; so auch Ihr,

Trotz Eurer süßgewürzten Heuchelei:

Ihr, die Ihr alle Reize habt des Weibs,

Habt auch ein Weiberherz, das immer noch

Nach Hoheit geizte, Reichtum, Herrschermacht,

Und die, gesteht's, sind Seligkeit; die Gaben

(Wie Ihr auch zimpert) fänden doch wohl Raum

In Eurem saffian-zärtlichen Gewissen,

Wenn Ihr's nur dehnen wolltet! – 

ANNA.

Nein, auf Treu'!

HOFDAME.

Treu' hin. Treu' her! – Ihr wär't nicht gerne Fürstin?

ANNA.

Nein, nicht um alle Güter unterm Mond.

HOFDAME.

Kurios! Ei, mich bestäch' ein krummer Dreier,

Kön'gin zu sein, so alt ich bin: doch, bitte,

Was meint Ihr zu 'ner Herzogin? Habt Ihr

Zu solcher Bürde Kraft? 

ANNA.

Nein, wahrlich nicht.

HOFDAME.

Dann seid Ihr allzu schwach! Nun, noch eins tiefer:

Ich trät' Euch nicht als junger Graf entgegen

Und mehr als ein Erröten: kann Eu'r Rücken

Die Last nicht tragen, seid Ihr auch zu schwächlich,

Um Kinder zu erzeugen. 

ANNA.

Wie Ihr schwatzt!

Ich schwör' noch eins, ich wär' nicht Königin

Um alle Welt. 

HOFDAME.

Seht, um das kleine England

Würd' Euch der Mund schon wässern: mir schon für

Carnarvonshire, wenn auch nichts anders sonst

Zur Krone mehr gehörte. Wer kommt da?

Der Lord Kämmerer tritt auf.

LORD KÄMMERER.

Guten Morgen, Fräulein! Wie viel wär's wohl wert,

Zu wissen, welch Geheimnis ihr bespracht?

ANNA.

Kaum Eurer Frage, lieber Lord, verlohnt sich's;

Wir klagten über unsrer Herrin Leid.

LORD KÄMMERER.

Ein löblich Thema, das sich trefflich ziemt

Für solche würd'ge Damen. Noch ist Hoffnung,

Daß alles gut wird. 

ANNA.

Amen, geb' es Gott! –

LORD KÄMMERER.

Ihr habt ein freundlich Herz; des Himmels Segen

Folgt Euresgleichen. Daß Ihr seht, Mylady,

Wie wahr ich red' und wie den höchsten Blicken

Von Eurer reichen Tugend Kenntnis ward:

Hochachtungsvoll grüßt Euch des Königs Gnade

Und will Euch mit nicht mindrer Ehre schmücken

Als einer Markgräfin von Pembroke; ferner

Fügt er zu solchem Titel tausend Pfund

Als Jahrgehalt hinzu. 

ANNA.

Noch weiß ich kaum

Der treuen Unterwerfung Form zu wählen.

Mehr denn mein alles ist noch nichts; mein Beten

Nicht heilig g'nug, noch meine Wünsche mehr

Als leerer Schall: doch Wünsche und Gebete

Sind, was ich darzubieten hab'. Ich bitt' Euch,

Versucht zu schildern meines Danks Gehorsam,

Als einer tief beschämten Magd, dem König,

Für dessen Heil und Kron' ich bete. 

LORD KÄMMERER.

Fräulein,

Ich eil', in seiner günst'gen Meinung noch

Zu stärken meinen Herrn. 

Beiseit.

Wohl prüft' ich sie,

Schönheit und Zucht sind so verwebt in ihr,

Daß sie den Herrn umstrickten; und wer weiß,

Ob ihr nicht ein Juwel entsprießen mag,

Dies ganze Land durchstrahlend. – Jetzt zum König,

Ihm melden, daß ich Euch gesehn. 

ANNA.

Mein teurer Lord! –

Lord Kämmerer ab.

HOFDAME.

Da haben wir's! Nun seht einmal, nun seht!

Ich habe sechszehn Jahr am Hof gebettelt,

Bin stets noch bettelhaft am Hof, und zwischen

Zu zeitig und zu spät traf ich's noch nie,

Warb ich um ein'ge Pfund. Und Ihr? O Schicksal!

Ihr, noch ein junger Weißfisch (Zeter über

Dies aufgedrängte Glück!), kriegt voll den Mund,

Eh' Ihr die Lippen öffnet! 

ANNA.

Seltsam, in Wahrheit!

HOFDAME.

Wie schmeckt's? Ist's bitter? Ich wett' 'nen Taler, nein!

Es war 'mal eine Dam' (erzählt ein Märchen),

Die wollte Königin nicht sein, durchaus nicht,

Um allen Schlamm Ägyptens nicht. – Kennt Ihr's?

ANNA.

Geht, Ihr seid munter! 

HOFDAME.

Ich, in Eurer Stelle,

Flög' über Lerchen weg. Markgräfin Pembroke!

Eintausend Pfund des Jahrs! Aus bloßer Achtung!

Und von Verpflichtung nichts! Bei meinem Leben,

Mehr Tausende verspricht das. Der Ehre Schlepp'

Ist länger als ihr Vorderkleid. Nun, jetzo

Tragt Ihr wohl auch die Herzogin? Nicht wahr?

Seid Ihr nicht stärker schon?

ANNA.

Mein gutes Fräulein,

Ergetzt Euch selbst mit Euren eignen Grillen

Und laßt mich aus dem Spiel! – Stürb' ich doch lieber,

Wenn dies mein Blut erhitzt; nein, es erschreckt mich,

Zu denken, was mag folgen. –

Die Königin ist trostlos, wir vergeßlich,

Sie so allein zu lassen. Bitt' Euch, sagt nicht,

Was Ihr gehört. 

HOFDAME.

Was denkt Ihr nur von mir?

Beide ab.

Vierte Szene

Ein Saal in Blackfriars.

Trompetenstoß; Zinken und Hörner. Zwei Gerichtsdiener treten auf, mit kurzen Silberstäben; nach ihnen zwei Schreiber in Doktorkleidung; darauf der Erzbischof von Canterbury allein; nach ihm die Bischöfe von Lincoln, Ely, Rochester und St. Asaph. Dann folgt in einer kleinen Entfernung ein Edelmann, der die Tasche mit dem großen Siegel und einen Kardinalshut trägt; alsdann zwei Priester, jeder mit einem silbernen Kreuz; hernach ein Marschall mit entblößtem Haupt, mit einem Herold, der ein silbernes Szepter trägt; ferner zwei Edelleute mit zwei silbernen großen Pfeilern. Ihnen folgen nebeneinandergehend die zwei Kardinäle Wolsey und Campejus; endlich zwei Kavaliere mit Schwert und der Maße: Der König nimmt Platz unter dem Baldachin; die beiden Kardinäle sitzen unter ihm als Richter. Die Königin nimmt ihren Platz in einiger Entfernung vom Könige. Die Bischöfe setzen sich an jede Seite des Gerichtshofes, nach Art eines Konsistoriums; unter ihnen die Schreiber. Die Lords sitzen zunächst den Bischöfen. Der Rufer und der übrige Teil des Gefolges steht in gebührender  

Ordnung um die Bühne umher.

WOLSEY.

Bis unsre röm'sche Vollmacht abgelesen,

Laßt Stille rings gebieten! 

KÖNIG.

Zu was Ende?

Sie ward schon einmal öffentlich verlesen

Und ihre Rechtskraft allerseits erkannt,

Drum spart die Zeit! 

WOLSEY.

So sei's; dann schreitet weiter!

SCHREIBER.

Ruft: Heinrich, König von England, erscheine vor Gericht!

AUSRUFER.

Heinrich, König von England, erscheine vor Gericht!

KÖNIG.

Hier.

SCHREIBER.

Ruft: Katharine, Königin von England, erscheinevor Gericht!

AUSRUFER.

Katharine, Königin von England, erscheine vor Gericht!

Die Königin antwortet nicht, steht von ihrem Sitze  

auf, geht der Versammlung vorüber, kommt zum König, kniet zu seinen Füßen und spricht darauf.

KÖNIGIN.

Herr, Recht begehr' ich und Gerechtigkeit,

Und daß Ihr Euer Mitleid mir gewährt,

Der sehr beklagenswerten Frau, der Fremden,

In Eurem Reich nicht heimischen, der hier

Kein Richter unparteilich, keine Aussicht

Auf bill'ge Freundschaft und Begegnis bleibt.

Ach, lieber Herr, wie...



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