Shakespeare / Klose | Othello | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 149 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

Shakespeare / Klose Othello

Tragödie - Shakespeare, William - Literaturklassiker - deutsche Übersetzung
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-15-961050-4
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Tragödie - Shakespeare, William - Literaturklassiker - deutsche Übersetzung

E-Book, Deutsch, 149 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

ISBN: 978-3-15-961050-4
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Othello« war schon bei seiner Uraufführung 1604 ein großer Erfolg und gehört bis heute zu den beliebtesten Stücken Shakespeares. Wie kein anderes ruft es beim Zuschauer spontane Reaktionen hervor. Jagos Auftritte sind in der Vergangenheit oft mit Zischen lauten Protesten und gar mit direkten, an Othello gerichteten Warnrufen begleitet worden. Immerhin ist das Publikum heute bereit, die schauspielerische Leistung des Jago-Darstellers am Schluss mit Beifall zu honorieren. Dieser gewandelten Einstellung der Zuschauer entsprechen auch veränderte Inszenierungen und literaturkritische Bewertungen. Wir sehen in »Othello« Bezüge, die Shakespeares Zeitgenossen aufgrund eines völlig anderen Weltbildes entgingen. »Othello« ist eine Familientragödie, in der es aber nicht nur um private Dinge wie Vertrauen oder Misstrauen geht, sondern auch um das Spannungsfeld von Individualität und gesellschaftlichen Erwartungen und Normen und nicht zuletzt um die prägende Kraft von Rollenbildern. Die sogenannte Schlegel-Tieck-Übersetzung, zu der August Wilhelm Schlegel und - unter Mitübersetzer- und Herausgeberschaft von Ludwig Tieck - auch Dorothea Tieck und Wolf Heinrich Graf Baudissin beigetragen haben, ist im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem eigenständigen deutschen Klassiker geworden. Indem sich die Übersetzer der Literatursprache der deutschen Klassik im Gefolge Goethes und Schillers bedienten, schufen sie ein poetisches Übersetzungswerk von großer sprachlicher Geschlossenheit und weitreichender Wirkung. - Text in neuer Rechtschreibung. Der venezianische Feldherr Othello wird Opfer zweier Intrigen seines Fähnrichs Jago, der bei einer Beförderung übergangen wurde und sich rächen will. Zunächst stachelt er den Senator Brabantio gegen Othello auf, weil Brabantios Tochter Desdemona und Othello ein Liebespaar sind. Als eine Anklage gegen Othello niedergeschlagen wird, verwickelt Jago den Cassio, der statt seiner befördert wurde, in einen Streit, woraufhin Cassio degradiert wird. Jago rät Cassio, sich an Desdemona zu wenden, damit diese bei Othello ein Wort für ihn einlegt; zugleich weckt er bei Othello den Verdacht, dass Cassio Desdemonas Liebhaber sei. Othello verfällt einer rasenden Eifersucht und tötet Desdemona. Jago wiederum tötet seine Frau Emilia, weil sie Othello die Wahrheit gesagt hat. Schließlich bringt sich Othello aus Verzweiflung um. An seine Stelle rückt Cassio, der den geflohenen Jago vor Gericht zu bringen will.

William Shakespeare (23.4.1564 in Stratford - 23.4.1616 in Stratford) gehört neben Christopher Marlowe und Ben Jonson zu den maßgeblichen Protagonisten des Elisabethanischen Theaters. Der Sohn eines Handschuhherstellers besucht eine Lateinschule und beginnt mit seiner Mitgliedschaft bei den Lord Chamberlain's Men (später King's Men) seine Karriere als Schriftsteller, Lyriker und Schauspieler. Ab 1599 ist Shakespeare Teilhaber des Globe Theaters in London. 1612 zieht er zurück in seine Heimatstadt Stratford, wo er seinen Lebensabend verbringt. Neben 154 Sonetten und Versdichtungen werden ihm 38 Dramen zugeschrieben, die er in einem Zeitraum von 21 Jahren zu Papier bringt. Bekannt sind Geschichtsdramen, wie etwa 'Julius Cäsar' ('Julius Caesar'), 'Heinrich V.' ('King Henry V') oder 'Richard III'. Daneben stehen Komödien wie 'Ein Sommernachtstraum' ('A Midsummer Night's Dream') oder 'Viel Lärm um nichts' ('Much ado about nothing') oder Tragödien, wie 'Macbeth', 'Othello', 'Hamlet' und 'König Lear' ('King Lear'). In 'Romeo und Julia' ('Romeo and Juliet') schuf Shakespeare eines der populärsten Liebespaare der Theatergeschichte.
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[7]Erster Akt


Erste Szene


Venedig. Eine Straße.

(Es treten auf Rodrigo und Jago.)

RODRIGO.

Sag mir nur nichts, denn damit kränkst du mich –

Dass Jago, du, der meine Börse führte,

Als wär’ sie dein – die Sache schon gewusst.

JAGO.

Ihr hört ja nicht! –

Hab ich mir je davon was träumen lassen,

Verabscheut mich!

RODRIGO.

Du hast mir stets gesagt, du hassest ihn!

JAGO.

Verachte mich, wenn’s nicht so ist.

Drei Mächtige aus dieser Stadt, persönlich

Bemüht, zu seinem Leutnant mich zu machen,

Hofierten ihm – und auf Soldatenwort,

Ich kenne meinen Preis – das kommt mir zu.

Doch er, verliebt in seinen Stolz und Dünkel,

Weicht ihnen aus, mit Schwulst, weit hergeholt,

Den er staffiert mit grausen Kriegssentenzen,

Und kurz und gut,

Schlägt’s meinen Gönnern ab: denn traun – so spricht er –

Ernannt schon hab ich meinen Offizier.

Und wer ist dieser?

[8]Seht mir! ein gar ausbünd’ger Rechenmeister,

Ein Michael Cassio, ein Florentiner,

Ein Wicht, zum schmucken Weibe fast versündigt,

Der niemals eine Schar ins Feld geführt,

Noch von der Heeresordnung mehr versteht

Als Jüngferchen; nur Büchertheorie,

Von der in seiner Toga wohl ein Ratsherr

So weislich spricht als er – all seine Kriegskunst

Geschwätz, nicht Praxis – nun wird erwählt;

Und ich, von dem sein Auge Proben sah

Zu Rhodus, Zypern und auf anderm Boden,

Christlich und heidnisch, komm um Wind und Flut

Durch solchen Rechenknecht, solch Einmaleins;

, wohl bekomm’s ihm, muss sein Leutnant sein,

Und ich, Gott besser’s! seiner Mohrschaft Fähnrich.

RODRIGO.

Bei Gott! sein Henker würd’ ich lieber sein! –

JAGO.

Da hilft nichts für; das ist der Fluch des Dienstes.

Befördrung geht Euch nach Empfehl’ und Gunst,

Nicht nach ehmal’gem Rang, wo jeder Zweite

Den Platz des Vormanns erbt. Urteilt nun selbst,

Ob mich wohl irgend Recht und Dank verpflichtet,

Zu lieben diesen Mohren.

RODRIGO.

So dient’ ich ihm auch nicht.

JAGO.

Oh, seid ganz ruhig.

Ich dien ihm, um mir’s einzubringen; ei, wir können

[9]Nicht alle Herrn sein, nicht kann jeder Herr

Getreue Diener haben. Seht Ihr doch

So manchen pflicht’gen, kniegebeugten Schuft,

Der, ganz verliebt in seine Sklavenfessel,

Ausharrt, recht wie die Esel seines Herrn

Ums Heu, und wird im Alter fortgejagt. –

Peitscht mir solch redlich Volk! Dann gibt es andre,

Die, ausstaffiert mit Blick und Form der Demut,

Ein Herz bewahren, das nur sich bedenkt;

Die nur Scheindienste liefern ihren Obern,

Durch sie gedeihn, und wann ihr Pelz gefüttert,

Sich selbst Gebieter sind. Die Burschen haben Witz,

Und dieser Zunft zu folgen ist mein Stolz.

Denn, Freund,

’s ist so gewiss, als Ihr Rodrigo heißt,

Wär’ ich der Mohr, nicht möcht’ ich Jago sein.

Wenn ich ihm diene, dien ich nur mir selbst;

Der Himmel weiß es! nicht aus Lieb’ und Pflicht,

Nein, nur zum Schein für meinen eignen Zweck.

Denn wenn mein äußres Tun je offenbart

Des Herzens angeborne Art und Neigung

In Haltung und Gebärde, dann alsbald

Will ich mein Herz an meinem Ärmel tragen

Als Fraß für Krähn. Ich bin nicht, was ich bin! –

RODRIGO.

Welch reiches Glück fällt dem Dickmäul’gen zu,

Wenn ihm der Streich gelingt! –

JAGO.

Ruft auf den Vater,

Hetzt den ihm nach; vergiftet seine Lust,

Schreit’s durch die Stadt, macht ihre Vettern wild,

[10]Und ob er unter mildem Himmel wohnt,

Plagt ihn mit Fliegen; ist die Freud’ ihm Freude,

Versetzt sie dennoch ihm mit so viel Pein,

Dass sie etwas erbleiche.

RODRIGO.

Hier ist des Vaters Haus; ich ruf ihn laut.

JAGO.

Das tut, mit gleichem Angstruf und Geheul,

Als wenn bei Nacht und Lässigkeit ein Feuer

Erspäht wird in volkreichen Städten.

RODRIGO.

Hallo, Brabantio! Signor Brabantio, ho! –

JAGO.

Erwacht; hallo! Brabantio! Diebe! Diebe! –

Nehmt Euer Haus in acht, Eu’r Kind, Eu’r Geld! –

He, Diebe! Diebe! –

(Brabantio oben am Fenster.)

BRABANTIO.

Was ist die Ursach’ dieses wilden Lärms?

Was gibt es hier? –

RODRIGO.

Ist alles, was Euch angehört, im Hause?

JAGO.

Die Türen zu?

BRABANTIO.

Nun, warum fragt ihr das? –

JAGO.

Ihr seid beraubt, zum Teufel! Nehmt den Mantel!

Eu’r Herz zerbrach, halb Eure Seel’ ist hin.

Jetzt, eben jetzt, bezwingt ein alter schwarzer

Schafbock Eu’r weißes Lämmchen – Auf! heraus!

Weckt die schlaftrunknen Bürger mit der Glocke,

Sonst macht der Teufel Euch zum Großpapa.

Auf, sag ich, auf! –

BRABANTIO.

Was! seid ihr bei Verstand?

RODRIGO.

Ehrwürd’ger Herr, kennt Ihr mich an der Stimme?

[11]BRABANTIO.

Ich nicht! Wer bist du?

RODRIGO.

Rodrigo heiß ich.

BRABANTIO.

Mir umso verhasster!

Befohlen hab ich dir, mein Haus zu meiden;

Ganz unverhohlen hörtest du mich sagen,

Mein Kind sei nicht für dich – und nun, wie rasend,

Vom Mahle voll und törendem Getränk,

In böslich trotz’gem Übermute kommst du,

Mich in der Ruh’ zu stören?

RODRIGO.

Herr, Herr, Herr!

BRABANTIO.

Doch, wissen sollst du dies:

Durch meine Kraft und Stellung hab ich Macht,

Dir’s zu vergällen.

RODRIGO.

Ruhig, werter Herr!

BRABANTIO.

Was sprichst du mir von Raub? Dies ist Venedig,

Mein Palast keine Scheune.

RODRIGO.

Sehr würd’ger Herr,

In arglos reiner Absicht komm ich her.

JAGO.

Wetter, Herr, Ihr seid einer von denen, die Gott nicht dienen wollen, wenn’s ihnen der Teufel befiehlt. Weil wir kommen, Euch einen Dienst zu tun, denkt Ihr, wir sind Raufbolde? Ihr wollt einen Berberhengst über Eure Tochter kommen lassen; Ihr wollt Enkel, die Euch anwiehern, wollt Rennpferde zu Vettern und Zelter zu Neffen haben? –

BRABANTIO.

Wer bist du, frecher Lästrer?

JAGO.

Ich bin einer, Herr, der Euch zu melden kommt, dass Eure Tochter und der Mohr jetzt dabei sind, das Tier mit zwei Rücken zu machen.

BRABANTIO.

Du bist ein Schurke!

[12]JAGO.

Ihr seid – ein Senator.

BRABANTIO.

Du sollst dies büßen; ich kenne dich, Rodrigo.

RODRIGO.

Ich will für alles einstehn, doch ich bitt Euch,

Ist’s Euer Wunsch und wohlbedächt’ge Weisheit

(Wie’s fast mir scheint), dass Eure schöne Tochter

In dieser späten Stunde dumpfer Nacht

Wird ausgeliefert – besser nicht noch schlechter

Bewacht als durch ’nen feilen Gondolier –

Den rohen Küssen eines üpp’gen Mohren? –

Wenn Ihr das wisst und einverstanden seid,

So taten wir Euch groben, frechen Schimpf.

Doch wisst Ihr’s nicht, dann sagt mir Sitt’ und Anstand,

Ihr scheltet uns mit Unrecht. Nimmer glaubt,

Dass, allem Sinn für Höflichkeit entfremdet,

Ich so zum Scherz mit Eurer Würde spielte.

Eu’r Kind, wenn Ihr ihm nicht Erlaubnis gabt –

Ich sag’s noch einmal – hat sich schwer vergangen,

So Schönheit, Geist, Vermögen auszuliefern

Dem heimatlos unsteten Abenteurer

Von hier und überall. Gleich überzeugt Euch, Herr;

Ist sie im Schlafgemach, ja nur zu Hause,

Lasst auf mich los der Republik Gesetze,

Weil ich Euch so betrog.

BRABANTIO.

Schlagt Feuer! ho!

Gebt mir ’ne Kerze! – Weckt all meine Leute! –

Der Vorfall sieht nicht ungleich einem Traum:

[13]Der Glaube dran droht schon mich zu vernichten.

Licht, sag ich, Licht! – (Geht ab.)

JAGO.

Lebt wohl! ich muss Euch lassen,

Es scheint nicht gut, noch heilsam meiner Stelle,

Stellt man als Zeugen mich – und bleib ich, so geschieht’s –

Dem Mohren vor – denn unser Staat, ich weiß es,

Wenn ihn dies gleich etwas verdunkeln wird,

Kann ihn nicht fallen lassen – denn es fordert

So trift’ger Grund ihn für den Zypernkrieg,

Der jetzt bevorsteht, dass um keinen Preis

Ein andrer von der Fähigkeit sich fände

Als Führer dieses Zugs; in welcher Rücksicht,

Obgleich ich...



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