Shakespeare / Bletschacher | William Shakespeare: Sonette | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 212 Seiten

Shakespeare / Bletschacher William Shakespeare: Sonette

Übersetzt und mit einem Essay über das Elisabethanische Theater herausgegeben von Richard Bletschacher
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-99094-284-0
Verlag: Hollitzer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Übersetzt und mit einem Essay über das Elisabethanische Theater herausgegeben von Richard Bletschacher

E-Book, Deutsch, 212 Seiten

ISBN: 978-3-99094-284-0
Verlag: Hollitzer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Shakespeares' Sonette transportieren einen nie enden wollenden Zauber, über ihnen scheint ein besonderes Geheimnis zu walten. Der Dichter spricht darin in der Ich-Form zu uns, er nennt sich selbst beim Namen: Will. 'Will', das ist im Englischen aber auch der Wille und so nennt sich auch jener, dem ein Großteil der Gedichte gewidmet ist. Und doch ist von vielen der Sonette keineswegs mit Gewissheit zu sagen, ob sie sich an einen Mann oder an eine Frau wenden. An wen sie auch gerichtet sein mögen - die Sonette erzählen in unnachahmlicher Weise von den Himmel- und Höllenfahrten der Liebe eines Dichters, der schon zu Lebzeiten für unsterblich gegolten hat.

Richard Bletschacher, geboren 1936, ist Regisseur, Dramaturg, Maler und Autor zahlreicher musikwissenschaftlicher und literarischer Publikationen. Von 1982-1996 war er Chefdramaturg an der Wiener Staatsoper. Zahlreiche Operninszenierungen auf vier Kontinenten, Lehraufträge an der Opernklasse der Universität für Musik und darstellende Kunst sowie am Max Reinhardt Seminar. Er lebt und arbeitet nun als Schriftsteller und Maler in Wien und Drosendorf an der Thaya.
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Einleitung

Sonette 1–154

Von der Kunst der Darstellung
auf dem Elisabethanischen Theater

Einleitung

Sonette 1–154

Von der Kunst der Darstellung
auf dem Elisabethanischen Theater


1

From fairest creatures we desire increase,

That thereby beauty’s rose might never die,

But as the riper should by time decease,

His tender heir might bear his memory:

But thou, contracted to thine own bright eyes,

Feed’st thy light’s flame with self-substantial fuel,

Making a famine where abundance lies,

Thyself thy foe, to thy sweet self too cruel:

Thou that art now the world’s fresh ornament,

And only herald to the gaudy spring,

Within thine own bud buriest thy content,

And, tender churl, mak’st waste in niggarding:

Pity the world, or else this glutton be,

To eat the world’s due, by the grave and thee.

1

Vermehren sollen sich die schönsten Wesen,

auf dass der Schönheit Rose nie verderbe,

dann mag, was reif ist, welken und verwesen,

sein Angedenken trüg’ ein zarter Erbe.

Verliebt in deine eignen Augen muss

dein Feuer aber an dir selber zehren,

und Hunger leidest du im Überfluss,

dein eigner Feind, willst du dich selbst verheeren.

Du bist der Erde junge Zierde nun,

des hellen Frühlings einziger Verkünder,

und lässt die Blüte in der Knospe ruhn.

Durch deine Schuld, du Geizhals, herrscht der Winter.

Erbarme dich und zahl der Welt Tribut,

dass nicht das Grab verschlingt ihr höchstes Gut!

2

When forty winters shall besiege thy brow,

And dig deep trenches in thy beauty’s field,

Thy youth’s proud livery, so gazed on now,

Will be a tattered weed, of small worth held:

Then being asked, where all thy beauty lies,

Where all the treasure of thy lusty days;

To say within thine own deep-sunken eyes,

Were an all-eating shame, and thriftless praise.

How much more praise deserved thy beauty’s use,

If thou couldst answer ‘This fair child of mine

Shall sum my count, and make my old excuse’

Proving his beauty by succsession thine.

This were to be new made when thou art old,

And see thy blood warm when thou feel’st it cold.

2

Wenn deine Stirn von vierzig Wintern kündet

und durch ihr blüh’ndes Feld einst Furchen gehen,

dann wird der Kranz, den dir die Jugend windet,

wie ein zerschlissnes Unkraut dich umwehen.

Wenn sie dich dann nach deiner Schönheit fragen

und nach den Schätzen deiner frohen Zeiten,

was deine eingesunknen Augen darauf sagen,

das kann nur Schmach und Schande dir bereiten.

Weit größre Ehre würdest du erwerben,

wenn deine Antwort wär’: Seht her, verzeiht,

was mir verwelkte, blüht in meinem Erben,

und was ich einstmals war, das ist er heut.

So wüchse neues Leben aus dem alten,

und warmes Blut entspränge aus dem kalten.

3

Look in thy glass, and tell the face thou viewest

Now is the time that face should form another,

Whose fresh repair if now thou not renewest,

Thou dost beguile the world, unbless some mother.

For where is she so fair whose uneared womb

Disdains the tillage of thy husbandry?

Or who is he so fond will be the tomb,

Of his self-love to stop posterity?

Thou art thy mother’s glass and she in thee

Calls back the lovely April of her prime,

So thou through windows of thine age shall see,

Despite of wrinkles, this thy golden time.

But if thou live remembered not to be,

Die single, and thine image dies with thee.

3

Wenn du an deinem Spiegelbild dich freust,

so schaff ein neues Bild aus diesen Zügen;

denn wenn du jetzt nicht deren Glanz erneust,

wirst du die Welt und eine Frau darum betrügen.

Wo wäre die, so schön und stolz geboren,

dass ihre Furche solche Saat verschmähte,

und wo der Mann, so in sich selbst verloren,

dass er ins eigne Grab die Zukunft säte?

Du dienst der Mutter als ein Spiegel nun,

dass sie des eignen Frühlings sich entsinnt.

Bald wirst auch du solch einen Rückblick tun

in goldne Zeiten, die vergangen sind.

Doch wenn du lebst und stirbst als fremdes Wesen,

vergehst du so, als wärst du nie gewesen.

4

Unthrifty loveliness why dost thou spend

Upon thy self thy beauty’s legacy?

Nature’s bequest gives nothing but doth lend,

And being frank she lends to those are free:

Then beauteous niggard why dost thou abuse,

The bounteous largess given thee to give?

Profitless usurer, why dost thou use

So great a sum of sums yet canst not live?

For having traffic with thy self alone,

Thou of thy self thy sweet self dost deceive,

Then how when nature calls thee to be gone,

What acceptable audit canst thou leave?

Thy unused beauty must be tombed with thee,

Which used, lives th’ executor to be.

4

Warum vergeudest du der Schönheit Blüh’n,

verstreust den Liebreiz wie ein eitler Erbe?

Die Erbschaft der Natur ist nur geliehn,

auf dass ein Freier sie sich frei erwerbe.

Warum, du schöner Geizhals, gibst du aus,

was dir die Großmut einst so reich vermacht?

Wieviel Profit schlägst du am End’ daraus,

dass du nicht leben kannst von all der Pracht?

Doch da du nur allein mit dir verkehrst,

betrügst du dich um deinen eignen Zins;

und wenn du einst den letzten Becher leerst,

wo bleibt die Rechnung deines Reingewinns?

Die ungenützte Schönheit sinkt ins Grab;

drum schenke weiter, was man dir einst gab.

5

Those hours that with gentle work did frame

The lovely gaze where every eye doth dwell

Will play the tyrants to the very same,

And that unfair which fairly doth excel:

For never-resting time leads summer on

To hideous winter, and confounds him there,

Sap checked with frost and lusty leaves quite gone,

Beauty o’er-snowed, and bareness every where:

Then were not summer’s distillation left

A liquid prisoner pent in walls of glass,

Beauty’s effect with beauty were bereft,

Nor it nor no remembrance what it was.

But flowers distilled though they with winter meet,

Leese but their show, their substance still lives sweet.

5

Die Stunden, die ein feines Netz dir spinnen

um deine Augen, die von Liebreiz strahlen,

sie werden bald die Oberhand gewinnen

und deine Schönheit hässlich übermalen.

Die Zeit drängt deinen Sommer rastlos fort,

dass in des Winters Krallen er verdirbt

Die Säfte frieren und das Laub verdorrt,

bis unterm Schnee der Hauch des Lebens stirbt.

Blieb die Essenz der Schönheit nicht erhalten

so wie ein Destillat ins Glas gezwungen,

nie könnte sich die Blüte mehr entfalten

und mit ihr stürben die Erinnerungen.

Ihr Duft kann selbst den Winter überstehen,

mag auch die Blütenpracht im Frost vergehen.

6

Then let not winter’s raggéd hand deface,

In thee thy summer ere thou be distilled:

Make sweet some vial; treasure thou some place,

With beauty’s treasure ere it be self-killed:

That use is not forbidden usury,

Which happies those that pay the willing loan;

That’s for thy self to breed another thee,

Or ten times happier be it ten for one,

Ten times thy self were happier than thou art,

If ten of thine ten times refigured thee:

Then what could death do if thou shouldst depart,

Leaving thee living in posterity?

Be not self-willed, for thou art much too fair,

To be death’s conquest and make worms thine heir.

6

Lass von des Winters rauen Fäusten nicht

den Sommer deiner Schönheit jäh beenden.

Vergrab den Schatz. Erfüll die süße Pflicht.

Denn sein Gedeih’n liegt nur in deinen Händen.

In dem Gebrauch kann man nicht Wucher sehen,

der die beglückt, an die du dich verschwendest.

So wird ein zweites Du aus dir entstehen,

ein zehntes gar, wenn du es zehnfach spendest.

Es muss sich zehnfach auch dein Glück vermehren,

wenn du in zehn Gestalten neu erstehst.

Wie könnt’ der Tod dir dann das Leben wehren?

Du lebst doch weiter, wenn du auch vergehst.

Lass Selbstsucht...


Richard Bletschacher, geboren 1936, ist Regisseur, Dramaturg, Maler und Autor zahlreicher musikwissenschaftlicher und literarischer Publikationen. Von 1982–1996 war er Chefdramaturg an der Wiener Staatsoper. Zahlreiche Operninszenierungen auf vier Kontinenten, Lehraufträge an der Opernklasse der Universität für Musik und darstellende Kunst sowie am Max Reinhardt Seminar. Er lebt und arbeitet nun als Schriftsteller und Maler in Wien und Drosendorf an der Thaya.

Richard Bletschacher, geboren 1936, ist Regisseur, Dramaturg, Maler und Autor zahlreicher musikwissenschaftlicher und literarischer Publikationen. Von 1982–1996 war er Chefdramaturg an der Wiener Staatsoper. Zahlreiche Operninszenierungen auf vier Kontinenten, Lehraufträge an der Opernklasse der Universität für Musik und darstellende Kunst sowie am Max Reinhardt Seminar. Er lebt und arbeitet nun als Schriftsteller und Maler in Wien und Drosendorf an der Thaya.



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