E-Book, Deutsch, 318 Seiten, eBook
Selke Kritik der Tafeln in Deutschland
2010
ISBN: 978-3-531-92611-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Standortbestimmungen zu einem ambivalenten sozialen Phänomen
E-Book, Deutsch, 318 Seiten, eBook
ISBN: 978-3-531-92611-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Lebensmitteltafeln in Deutschland befinden sich im Schnittpunkt vielfältiger Interessen und sind Projektionsfläche heterogener Meinungsbilder. Die Entwicklung des Tafelsystems ist dabei weder zufällig noch selbstoptimierend. Seit es auch kritische Thesen zu Tafeln gibt, hat sich der Diskurs über die Tafeln und deren gesellschaftliche Funktion erkennbar ausdifferenziert. Es kam zu einem Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung von Praktiken und Folgen bürgerschaftlichen Engagements bei Tafeln. Die in diesem Band versammelten Beiträge belegen die Vielfalt dieser kritischen Ansätze. Tafeln werden dabei aus den theoretischen Perspektiven von Armutsforschung, Sozialpolitik, Sozialethik sowie der sozialwissenschaftlichen Nutzerforschung, aber auch unter Berücksichtigung praktischer Erfahrungen der Sozialen Arbeit vorgestellt. Ziel ist es, einen Beitrag zur meinungspluralen Diskussion über den zukünftigen Stellenwert existenzunterstützender Angebote zu leisten.
Dr. phil. Stefan Selke ist Professor für Soziologie an der Hochschule Furtwangen University. Er ist der Gründer des Online-Portals www.tafelforum.de.
Zielgruppe
Professional/practitioner
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;5
2;Einleitung und Übersicht;8
3;Kritik der Tafeln in Deutschland – Ein systematischer Blick auf ein umstrittenes gesellschaftliches Phänomen;9
3.1;1 Das Soziale als Störfall gesellschaftlicher Gemütlichkeit;9
3.1.1;1.1 Würde der Armut ? Willkommen in der Wirklichkeit !;10
3.1.2;1.2 Festen Boden unter den Füßen ?;11
3.1.3;1.3 Erwünschte und alternative Sichtweisen auf Tafeln;12
3.2;2 Von der Evolution zur Evaluation des Tafelsystems –Die Rahmenbedingungen kritischer Sichtweisen;14
3.2.1;2.1 Skizze des Forschungsstandes zu Tafeln;14
3.2.2;2.2 Akteure und Diskurse im Feld der „Tafeln“;17
3.2.3;2.3 Zur Legitimation von Kritik an Tafeln;19
3.2.4;2.4 Zielsetzungen der Kritik an Tafeln;20
3.3;3 Praxis des Almosens als gesellschaftlicher Skandal –Dimensionen der Kritik am Tafelsystem;21
3.3.1;3.1 Kritik der Wissensformen: Legitimationsfassaden;21
3.3.2;3.2 Kritik der Systemformen: Irreversibilität;24
3.3.3;3.3 Kritik der Hilfeformen: Pannendienst der Gesellschaft;25
3.3.4;3.4 Kritik der Praxisformen: Disziplinierung des Elends;26
3.3.5;3.5 Kritik der Vergesellschaftungsformen: Etablierte Scheinwelten;28
3.3.6;3.6 Kritik der Privatisierungsformen: Instrumentalisierung der Helfer;29
3.3.7;3.7 Kritik der asymmetrischen Solidaritätsformen: Helfen als Selbstzweck;29
3.4;4 Tafeln als „angenehmere Abhängigkeit“ ?Kritik zwischen Einzelfall und Regel;31
3.5;6 Fazit: Praktische Kritik und verdaute Theorie;33
3.6;7 Einordnung der Beiträge dieses Bandes;35
3.7;Literatur;47
4;I. Tafeln als Angebote der Existenzsicherung im Sozialstaat ?;52
5;Sozialstaat und Gerechtigkeit;53
6;Gerechtigkeit auf dem Rückzug;69
6.1;Zusammenfassung;69
6.2;1 Definitionen, Funktionen und Entwicklungsphasen des Sozialstaates in Deutschland;69
6.3;2 Die neoliberale Reformagenda als Grundsatzentscheidung für einen anderen Wohlfahrtsstaat;72
6.3.1;2.1 Aus dem Wohlfahrtsstaat wird ein neoliberaler Wettbewerbsstaat;72
6.3.2;2.2 Aus dem Sozialwird ein Minimalstaat;73
6.3.3;2.3 Aus dem Sozialwird ein „Kriminalstaat“;74
6.3.4;2.4 Aus dem Leistungswird ein Gewährleistungsstaat;75
6.3.5;2.5 Aus dem aktiven wird ein „aktivierender“ Sozialstaat;76
6.3.6;2.6 Abkehr von der gesamtgesellschaftlichen Solidarität und Rückkehr zur Familiensubsidiarität;77
6.3.7;2.7 Spaltung des Gemeinwesens in einen Wohlfahrtsmarkt und einen Wohltätigkeitsstaat;78
6.3.8;2.8 Aus dem Sozialversicherungswird ein Fürsorge-, Almosen-und Suppenküchenstaat;78
6.3.9;2.9 Sozialstaat, „Neosozialstaat“ oder Neoliberalstaat ?;79
6.4;3 Die globale Finanzund Weltwirtschaftskrise: Tafeln als billiger Ersatz für den Sozialstaat ?;80
6.5;Literatur;83
7;Hunger in der Über ussgesellschaft;86
7.1;Zusammenfassung;86
7.2;1 Hunger: Ein unerwartetes Thema in der Über ussgesellschaft;86
7.3;2 Hunger und Ernährungsarmut in Deutschland: Eine Annäherung über empirische Indizien;88
7.4;3 Ernährungsarmut als ein sozial-existenzielles Teilhabeproblem am Beispiel Eating Out;92
7.5;4 Gesellschaftliche Umgangsformen mit Hunger: Delegierung – Negierung – Stigmatisierung;94
7.5.1;4.1 Delegierung der Nahrungssicherung an Ehrenamt und Privatwirtschaft;94
7.5.2;4.2 Erbe des Wirtschaftswunders: die Negierung dessen, was nicht sein darf;95
7.5.3;4.3 Körpermale und tafeladäquate Armut – neue Formen der Stigmatisierung;97
7.6;Literatur;98
8;Warum sind die Tafeln erfolgreich ?;103
8.1;Zusammenfassung;103
8.2;1 Grunddaten zum Erfolg der Tafeln;103
8.3;2 Ein Funktionsmodell der Tafeln oder die Verzeitlichung von Armutslagen;109
8.3.1;2.1 Die Verzeitlichung von Armut;109
8.3.2;2.2 Ein Modellhaushalt;114
8.4;3 Resümee;119
8.5;Literatur;121
9;„Feeding America and the World“;123
9.1;Zusammenfassung;123
9.2;1 Einleitung;123
9.3;2 Private Hungerhilfe im „Land of Plenty“;124
9.4;3 Von altem Käse und anderen Besonderheiten des US-amerikanischen Sozialsystems;128
9.5;4 Kontroversen und Kon ikte;133
9.5.1;4.1 Inef zienz;134
9.5.2;4.2 Korruption;134
9.5.3;4.3 Fokussierung auf organisatorische Eigeninteressen;135
9.5.4;4.4 Entpolitisierung und Unterminierung sozialer Grundrechte;135
9.6;5 Perspektiven in der Krise;136
9.7;Literatur;138
10;II. Tafeln und die Sozialethik der mildtätigen Gabe;141
11;Wie die Tafeln den Status der Armen als Bürger gefährden;142
11.1;Zusammenfassung;142
11.2;1 Das Verhältnis von Privatwohltätigkeit und öffentlicher Wohlfahrtsp ege im historischen Kontext;142
11.3;2 Warum Tafeln mit Aldi, Lidl & Co. nicht vergleichbar sind;144
11.4;3 Von „Zivilgesellschaft“ und „ethisch anspruchsvoller Entsorgung des Warenüber usses“ werden die Armen so wenig satt wie vom „S;145
11.5;4 Die moderne Neubestimmung des Verhältnisses von Privatwohltätigkeit und öffentlicher Wohlfahrtsp ege für den demokratischen so;146
11.6;5 SGB II und XII im Kontext der Tafeln;149
12;Tafelangebote aus caritastheologischer Perspektive1;155
12.1;Zusammenfassung;155
12.2;1 Einleitung;155
12.3;2 Caritaswissenschaftliche Ausgangspunkte;157
12.3.1;2.1 Tafelangebote zwischen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit;157
12.3.2;2.2 Rückfrage nach dem Pro l christlich inspirierter und kirchlich getragener Tafelangebote;157
12.3.3;2.3 Christen im Rampenlicht einer neuen Sozialen Frage;158
12.3.4;2.4 Caritas im Fahrtwind sozialpastoralen Denkens;159
12.3.5;2.5 Engagement im Wissen um eine „Tafel-Plus“-These;160
12.4;3 Caritastheologische Einsichten und Handlungsperspektiven;161
12.4.1;3.1 Orientierung an der Einheit von Gottesglaube und Menschensolidarität;161
12.4.2;3.2 Sinn für eine spezi sche Qualität christlichen Handelns;163
12.4.3;3.3 Engagement für Hilfe in der Not, Hilfe aus der Not, Abhilfe von Not !;165
12.5;4 Praktisch-theologische Visionen;168
12.5.1;4.1 Die Vision von einem Kapitalismus mit menschlichem Antlitz;168
12.5.2;4.2 Die Vision einer diakonischen Pastoral im Netzwerk kirchlicher Orte;168
12.6;Literatur;169
13;Tafeln in der Wohltätigkeitsfalle;171
13.1;Zusammenfassung;171
13.2;1 Armutsbekämpfung ohne Sozialstaat;171
13.3;2 Sozialstaatsverp ichtung und Teilhaberechte;173
13.4;3 Soziale Rechte gewährender Sozialstaat;174
13.5;4 „Tafeln“ in der Wohltätigkeitsfalle: Barmherzigkeit, Sponsoring und Gerechtigkeit;176
13.6;5 Die Tugend der Barmherzigkeit und die Rückkehr der Barmherzigkeit;177
13.7;6 Steuerund medienwirksames Social Sponsoring als Beitrag zur Armutsbekämpfung;179
13.8;7 Social Sponsoring und die Frage nach der Gerechtigkeit;180
13.9;8 Forderungen der Gerechtigkeit;183
13.10;9 Von der Armutsbekämpfung zur Armenfürsorge und wieder zurück;185
13.11;10 Auswege aus der Wohltätigkeitsfalle: „Tafeln“ plus Beteiligungsrechte;186
13.12;Literatur;188
14;Lebensmittel gegen gar nichts;191
14.1;Zusammenfassung;191
14.2;1 Einleitung;191
14.3;2 Reziprozität oder Almosen ?;194
14.4;3 Homo audiutor oder homo oeconomicus ?;199
14.5;4 Die Kunden;203
14.6;5 Fazit;207
14.7;Literatur;208
15;Beschränkung und sozialpolitisches Wachstum – Überlegungen zur Transformation von Tafeln;211
15.1;Zusammenfassung;211
15.2;1 Tafeln im Spannungsfeld zwischen Armutslinderung und anwaltschaftlichem Handeln;211
15.3;2 Barmherzigkeit auf Abwegen ! ?;214
15.4;3 Können Tafeln und andere Lebensmittelausgabestellen mehr sein als eine zivilgesellschaftliche Geste der Solidarität ?;215
15.5;4 Überlegungen zur Transformation von Tafeln und anderen Initiativen der Lebensmittelausgabe;216
15.6;5 Tafeln im Kontext sozialer Gerechtigkeit – Eine diakonische Positionierung;217
15.7;6 Fazit;220
15.8;Literatur;221
16;III. Tafeln und die Praxis der Umverteilung;222
17;Tafeln aus der Perspektive der sozialpädagogischen NutzerInnenforschung;223
17.1;Zusammenfassung;223
17.2;1 Schnittstellen zwischen Tafelarbeit und Sozialer Arbeit;223
17.3;2 Perspektive der TafelnutzerInnen;226
17.4;3 Dienstleistungstheoretische Perspektive auf Tafeln;227
17.5;Literatur;229
18;Grundversorgung, Barmherzigkeit und Elendsverwaltung im Modus der Tafeln;230
18.1;Zusammenfassung;230
18.2;1 Zur Einstimmung;230
18.3;2 Almosen als Gabe;232
18.4;3 Armenspeisung als Armutslinderung;233
18.5;4 Normalisierung und Verfestigung von Armut – zur gesellschaftlichen Bedeutung der Tafeln;236
18.6;5 Zwei-Klassen-Sozialarbeit – Barmherzigkeit und Elendsverwaltung;241
18.7;6 Zur Ausstimmung;244
18.8;Literatur;245
19;Von Brotkörben und anderen Lebensmittelausgaben1;247
19.1;Zusammenfassung;247
19.2;1 „Tafel“ als geschützter Markenname;247
19.3;2 Erfahrungen mit der Gründung eines „Brotkorbs“ und exklusiven Rahmenverträgen mit Lebensmittellieferanten;248
19.4;3 „Wilde“ und andere Tafeln;249
19.5;4 Überlegungen zur Durchsetzung von Qualitätsstandards;249
19.5.1;a) Wahrung der Würde der betroffenen Menschen;250
19.5.2;b) Individuelle Armutsbekämpfung;250
19.5.3;c) Einsatz für soziale Gerechtigkeit;251
20;Tafeln als sozialraumorientiertes Angebot;252
20.1;Zusammenfassung;252
20.2;1 Einleitung;252
20.3;2 Konzeptionelle Grundlagen;254
20.3.1;2.1 Lebenslage Armut;255
20.3.2;2.2 Psychosoziale Auswirkungen der Armut für Familien;258
20.3.3;2.3 Schule, Ausbildung und Arbeit;259
20.4;3 Sozialraumorientierung;262
20.4.1;3.1 Individualisierung der Hilfen;263
20.4.2;3.2 Soziale Netzwerke;264
20.5;4 Die Tafel in der sozialraumorientierten Sozialarbeit;265
20.5.1;4.1 CARIsatt-Läden;265
20.5.2;4.2 Jugendsozialarbeit in Berlin-Lichtenberg;267
20.6;Literatur;271
21;Tafeln und Stadtteilpolitik in Köln – eine Fallstudie;272
21.1;Zusammenfassung;272
21.2;1 Ausgangslage: Armut und Tafelentwicklung in Köln;272
21.3;2 „Was passiert hier eigentlich ?“ Die plötzliche Wahrnehmung einer anderen Tafelwirklichkeit;273
21.4;3 „Zwischen Almosen und Anwaltschaft“– ein erstes Hintergrundgespräch;274
21.5;4 „Vorübergehend geschlossen“ – eine Lebensmittelausgabe besinnt sich;275
21.6;5 In der Bredouille – die verbandliche Caritas zwischen Hartz IV und Tafel e. V.;277
21.7;6 Die Eckpunkte oder die Überwindung der Sprachlosigkeit;278
21.8;7 Positionsgewinne: Die Regionalisierung der kirchlichen Armutsdiskussion;279
21.9;8 Eine Kölner Handlungsempfehlung für kirchliche Lebensmittelausgaben;281
21.10;9 Die Wirkung der Handlungsempfehlung;283
21.11;10 Vom Fachgespräch zum Stadtgespräch: die Organisation eines Tafeldiskurses;285
21.12;11 Wenn Lebensmittelausgaben sich verändern… aber nicht nur sie;286
21.13;Literatur;288
22;Studie der Caritasverbände in Nordrhein-Westfalen: Evaluation existenzunterstützender Angebote;289
22.1;Zusammenfassung;289
22.2;1 Zwischen Sozialstaat und Barmherzigkeit – Positionen, Konzept und Evaluation existenzunterstützende Angebote der Caritas in NR;289
22.3;2 Grundaussagen der zugrundeliegenden Eckpunktepapiere;290
22.4;Literatur;292
23;IV. Ausblick: Tafeln als Signatur der Gegenwartsgesellschaft;293
24;Die Arbeitslosigkeit und die Tafeln gleichzeitig abschaffen !;294
24.1;Zusammenfassung;294
24.2;1 Sozialstaatsund Tafeldebatte trennen wollen;294
24.3;2 Alternativpotential ohne Protest;295
24.4;3 Tafeln schließen oder beblümen ?;296
24.5;4 Die stille Legitimationskrise offensiv nutzen;297
25;Tafeln als Prototyp einer „Freiwilligen-Gesellschaft“ ! ?;299
25.1;Zusammenfassung;299
25.2;1 Neue Begriffe für neue Phänomene;299
25.3;2 Zur Faszination der Freiwilligenarbeit;300
25.3.1;2.1 Verlierer und Gewinner im Markt der Hilfsbereitschaft;301
25.3.2;2.2 Strukturwandel der Freiwilligenarbeit;302
25.4;3 Das Paradigma der Freiwilligen-Gesellschaft;305
25.5;4 Tafeln als Prototyp einer Freiwilligen-Gesellschaft;306
25.5.1;4.1 Tafeln als heterotope Orte und ‚Stätten regulierter sozialer Temperatur‘;307
25.5.2;4.2 Helfen als neue Lebensform in der doppelten Leistungsgesellschaft;310
25.5.3;4.3 Nachteile der Freiwilligen-Gesellschaft;311
25.6;5 Umwege erhöhen die Ortskenntnisse;312
25.7;Literatur;313
26;Hinweise zu den Autorinnen und Autoren;316
Lebensmitteltafeln im Kontext existenzunterstützender Angebote - Hunger in der Überflussgesellschaft - Tafeln im Kontext neuer Armut und Hartz IV - Tafelangebote aus sozialstaatlicher und sozialrechtlicher Sicht - Tafelangebote aus caritastheologischer Sicht - Die Renaissance des Almosenwesens - Tafeln im Kontext von Obdachlosigkeit - Management des Elends - Tafeln im Kontext der Debatte um Grundeinkommen




