E-Book, Deutsch, Band 1, 194 Seiten
Reihe: Die dritte Generation
Seemann Die Holzfäller
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-6806-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die dritte Generation
E-Book, Deutsch, Band 1, 194 Seiten
Reihe: Die dritte Generation
ISBN: 978-3-7562-6806-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Passt auf sie auf! Die liebenswürdige und hyperaktive Anastassja und ihr vertrauenswürdiger und verlässlicher Zwillingsbruder Aleksej, werden von ihren Eltern in eine Eliteschule für Mädchen und Jungen eingeschrieben. Aber vorerst sind sie von der schrulligen Tante Olga in den russischen Wald eingeladen. Schon am ersten Tag müssen sie schuften! Aleksej muss das Holz schlägern und schichten. und Anastassja muss im Haushalt aushelfen... Ich bin nicht schwul! Der Charmebolzen Florian Jackson ist besonders bei den Mädchen in der Schule beliebt. Bei Olga, wo er mit Freunden seine Ferien verbringt, begegnet er zufällig Justin aus der höheren Klasse. Sie fühlen sich zueinander hingezogen und es entwickelt sich mehr als eine Freundschaft, sehr zum Ärger von Papa Jackson... Als Florian sich vor seinen Eltern outet, rastet sein Dad aus. Das Familiendrama ist perfekt, sehr zur Erheiterung der Schüler vor dem Internat, die sich davon nichts entgehen lassen!
Die österreichische Autorin, Ingrid Seemann ist glücklich verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Ihre Leidenschaften sind das Schreiben und das Lesen von Romanen mit Happy End und Sport als Ausgleich. Wenn sie nicht gerade vor ihrem Laptop sitzt, oder ein Buch liest, ist sie im Fitness Studio, oder mit ihren Nordic Walking Stöcken unterwegs. Endlich! die dritte Generation als Buch... drei Bücher mit jeweils zwei Geschichten! Im dritten Buch präsentiere ich Euch die Abschlussgeschichte 'Paparazzi'! Dieser Roman ist bis jetzt noch nicht erschienen!
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Hänsel und Gretel
Die Koffer der Geschwister sind gepackt und im Auto verstaut. Aleksej schaut zu seiner Schwester. Sie nimmt diese Fahrt als Ausflug wahr. Sie hat den Aufenthalt bei Tante Olga schon lange aus ihrem Gedächtnis verdrängt. Sie summt gut gelaunt vor sich hin. „Wir machen einen Ausflug. Wer weiß wohin…? La…la…la…“, trällert sie leise. Nikita Kaminov sieht fragend zu ihrem Sohn auf die Rückbank. Er schüttelt auf ihre stumme Frage hin, den Kopf. Nein, er hat sich nicht mehr die Mühe gemacht und Ana eingeweiht. Die Eltern sehen sich stillschweigend, fragend an. Ob das gut geht? Das Haus der Tante Olga steht wirklich in der Pampa… inmitten von dicht stehenden Nadelbäumen in einer kleinen Lichtung! Die Gegend ist trostlos. Aleksej kennt das noch vom letzten Mal. Er und Ana sind noch klein gewesen und ihre Tante ist ihnen furchterregend erschienen. Aber jetzt sind sie größer. Vielleicht wird es nicht mehr so schlimm… Die Eltern haben sie in der Nähe des Hauses von Tante Olga abgesetzt und sind gleich wieder weggefahren. Aleksej fühlt sich wie aus dem Märchen Hänsel und Gretel. Anastassjas große tränenerfüllte Augen sehen ihren Eltern nach, als diese sie einfach auf dem Weg stehen gelassen und sich nicht richtig von ihnen verabschiedet haben. Sie haben einen dringenden Termin, entschuldigen sie sich überstürzt. Sie haben ein schlechtes Gewissen. Das Mädchen ist still in sich gekehrt und sagt kein Wort mehr. Fest in Aleksejs Hand gekrallt, lässt sie seither nicht mehr locker. Sie ist verwirrt und hat Angst… Betont langsam gehen sie zum Haus, als wären sie auf dem Weg zum Schafott. Der schmale, festgetretene Pfad wird von hochgewachsenen Tannenbäumen gesäumt. Aleksej schwitzt. Seine Muskulatur ist für einen Fünfzehnjährigen noch nicht kräftig genug, als dass er das schwere Gepäck, in der einen Hand und das Mädchen, das sich schwer an die andere Hand hängt, mit Leichtigkeit bewältigen könnte. Aber er beißt die Zähne zusammen und sie erreichen irgendwann das Haus. Es ist kein Lebkuchenhaus. Es sieht sehr alt und verwittert aus. Vereinzelt fehlen Ziegel auf dem Dach. Der Putz an den Wänden blättert ab. Die Fensterläden hängen gerade so in den Angeln. Da ist schon lange nichts mehr gemacht worden. Eine alte gebeugte Frau, auf einem Stock gestützt, kommt ihnen entgegen. „Hallo Tante Olga! Mama und Papa haben einen Termin. Sie sind gleich weitergefahren!“, versucht Aleksej die Situation zu erklären. Tante Olga sieht die beiden Kinder schweigend an. Sie spürt, dass sie Angst haben und lächelt, was keine gute Idee ist. Denn sie hat große Zahnlücken. Die restlichen Zähne sehen auch verfault aus. Außerdem steht sie mit bunten Lumpen und ungekämmten langen, grauen und verfilzten Haaren vor ihnen… wie eine Hexe aus dem Märchenbuch! Aleksej zieht seine Schwester schützend hinter sich. Die Hexe ist ihm nicht geheuer. „Was ist los mit euch! Steht nicht so herum und kommt rein in die gute Stube!“ Olga dreht sich um und humpelt voran. Aleksej stakst vorsichtig mit Anastassja hinter ihr her. Argwöhnisch betreten sie das Häuschen. Er sieht sich um. Welches Durcheinander! Alte Möbel… bunt durcheinandergewürfelt, als wären sie vom Flohmarkt erstanden… uralt und verbraucht, wie Olga selbst. „Macht es euch gemütlich!“, zwitschert sie. „Ihr habt sicher Hunger! Ich habe schon gekocht. Setzt euch!“ Sie rührt in dem Kessel über der offenen Feuerstelle um und schöpft den Kindern je einen Schöpflöffel voll von der undefinierbaren Brühe auf ihre Teller. „Mahlzeit! Lasst es euch schmecken!“ Tante Olga nimmt einen Bissen zu sich, um zu zeigen, dass es essbar ist und deutet wortlos den Kinder an, es auch zu probieren. Zumindest riecht es gut. Vorsichtig kostet Aleksej. Es schmeckt sogar sehr gut! „Wirklich gut Tante Olga! Anastassja, iss!“, fordert er sie auf. Sie lässt ihn endlich los und macht es ihm nach. Die Teller sind bald leer und werden wohlwollend nachgefüllt. Gesättigt und froh, dass es bis jetzt nicht so schlimm bei Tante Olga ist, lehnen sie sich zurück und warten ab. Tante Olga redet die ganze Zeit, ohne eine Antwort zu erwarten. Irgendwann werden sie auftauen, denkt sie sich. „Anastassja, ich habe junge Kätzchen. Willst du sie sehen? Sie sind hinten im Schuppen!“ Anastassja nickt und springt auf. Der Sessel fällt auf den Boden. „Ts…ts… nicht so stürmisch! Der Sessel muss noch eine Weile halten!“, meint sie kopfschüttelnd. Sofort ist Anastassja wieder auf Tauchstation hinter Aleksej. Sie hat Angst. Die Tante ist ihr nicht geheuer. „Kommt!“, fordert die alte Frau sie auf und geht gichtgeplagt voraus. Aleksej folgt ihr, mit Anastassja an der Hand und mit etwas Abstand zur Tante, zum Schuppen. Als seine Schwester jedoch die kleinen Kätzchen sieht, reißt sie sich endgültig von ihrem Bruder los und kniet entzückt vor den niedlichen Tieren nieder. Hingerissen von den flauschigen Wollknäueln, sieht sie glückselig zu Aleksej auf. „Schau! Aleksej! Sind die nicht süß?“ Ich möchte auch so ein Kätzchen!“ Sie hält ein flauschiges weiß-schwarzes Kätzchen in die Höhe und fängt an mit dem Tierchen zu schmusen. Sie blendet ihre Umgebung komplett aus. Aleksej schmunzelt. Die Kätzchen werden den Aufenthalt bei Tante Olga retten. „Gefallen sie dir? Du kannst sie versorgen, derweil ihr hier seid. Sie haben ihre Mutter bei der Geburt verloren und müssen gefüttert werden. Wenn du willst zeig ich dir wie es geht.“ Tante Olga weiß, dass diese Aufgabe dem Mädchen gefallen wird. Anastassja nickt begeistert. Sie will die kleinen Lebewesen gar nicht mehr verlassen und setzt sich ganz nah an den Korb und streichelt eins nach dem anderen. Vergessen ist der Kummer wegen der Eltern… vergessen die Angst vor ihrer Tante. Olga wendet sich Aleksej zu. „Für dich habe ich auch eine wichtige Aufgabe. Ich habe hinter dem Haus einen Haufen Holz. Es muss gestapelt werden. Glaubst du, dass du das hinbekommst?“ Aleksej nickt. Klar. Er ist stark. Olga begleitet ihn zu dem wilden Holzhaufen auf der hinteren Seite des Hauses. Zuerst muss er schlucken. Da liegen ja sehr viele Scheite herum! Er steht vor einem überdimensional hohen Holzberg. Olga zeigt ihm, wie sie es sich vorstellt und meint: „Na ja, es schaut sehr viel aus. Aber fang erst einmal an. Es ist nicht so wichtig, wenn du damit nicht fertig wirst. Aber ich bin froh, wenn ich nicht mehr alles alleine machen muss. Ich bin schon alt und die Gicht tut schon sauber weh!“, klagt sie und hält sich ächzend die Hand auf das Kreuz und versucht sich gerade aufzurichten, was ihr nicht ganz gelingt. „Tante Olga! Schau! Die Kätzchen klettern auf mir herum!“ Anastassja liegt im Gras und lacht. Die Kätzchen liegen auf ihr und neben ihr. Ein seidenweiches Schwänzchen schlägt ihr ins Gesicht. Anastassja fühlt sich glücklich. Olga gackert. Die Einladung der Hexe scheint nicht so schlimm zu sein, wie erwartet. Aleksej hat seine Schwester, seit ihrer Ankunft, vor ein paar Tagen, immer wieder beobachtet. Seit sie hier sind, ist sie ausgeglichener, als zu Hause. Die Tante ist toll. Sie hat immer für sie Zeit. Sie zeigt ihnen alles. Sie erklärt ihnen alles und sie sagt nie, dass sie zu jung für etwas sind. Er versteht gar nicht mehr, warum sie sich gefürchtet haben. Er seufzt. Am liebsten würde er für immer mit Ana hier bleiben. Eine Woche bleibt ihnen noch. Dann müssen sie wieder nach Hause und dann in die neue Schule. Ihm graut davor, seiner Schwester klarzumachen, dass sie nach den großen Ferien in ein Internat ziehen müssen. „Fleißig! Fleißig Aleksej! Wenn du so weitermachst, habe ich nichts mehr zu tun. Komm! Du hast dir ein kräftiges Abendessen verdient!“ Mit Anastassja an der Hand, geht Olga in die gute Stube voran. Aleksej folgt ihnen. Die körperliche Arbeit und die frische Luft tun ihm gut. Seine Muskeln sind erstarkt und sein T-Shirt spannt über den trainierten Armmuskeln. Anfangs hat er über unerträglichen Muskelkater geklagt. Aber jetzt fühlt er sich stark und frei. Frei…? Ja, frei… Er hat dementsprechend einen riesigen und nachvollziehbaren Heißhunger und langt kräftig zu. Auch seine Schwester isst mit Appetit. Ihre Wangen haben eine gesunde und nicht mehr die blasse Farbe. Ihr Gesicht spiegelt Zufriedenheit wider. Die Versorgung der jungen Tiere macht ihr Spaß. Sie nimmt ihre Aufgabe sehr ernst. Er kennt seine Schwester so nicht. Ihre Aufmerksamkeit war in der Vergangenheit sehr beschränkt. Aber hier? Sie ist wie ausgewechselt. „Schmeckt es dir?“, fragt Olga. Der Junge nickt mit vollem Mund. „Deine Schwester hat mir geholfen!“ „Ja, Olga hat mich das Gemüse schneiden lassen. Das war toll! Dann habe ich den Teig für das Brot geknetet! So etwas habe ich noch nie gemacht! Zu Hause probiere ich das auch! Es gefällt mir! Olga wird mir die Anleitung diktieren.“ Anastassja hat Gefallen an ihren neu entdeckten...




