Seela / Lieberknecht | Wanderwelten | Buch | 978-3-942115-42-1 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 376 Seiten, GB, Format (B × H): 177 mm x 249 mm

Seela / Lieberknecht

Wanderwelten

Die Wanderbewegung in Thüringen – ein historischer Abriss
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-942115-42-1
Verlag: Bussert u. Stadeler

Die Wanderbewegung in Thüringen – ein historischer Abriss

Buch, Deutsch, 376 Seiten, GB, Format (B × H): 177 mm x 249 mm

ISBN: 978-3-942115-42-1
Verlag: Bussert u. Stadeler


Eingebettet in die große Fragestellung, wie sich die Wanderbewegung in Thüringen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelt hat, sollen mit dem vorliegenden Band vor allem die Formen, Motive, Konzepte, Kontinuitäten und Diskontinuitäten, Brüche in der Entwicklung dieses historischen Phänomens von seinen Anfängen bis heute, von den Schulwanderungen Christian Gotthilf Salzmanns und Karl Volkmar Stoys bis zum 25-jährigen Gründungsjubiläum des Thüringer Wanderverbandes aufgezeigt werden. Dass Geschichte »geronnene Politik« ist, zeigt sich dabei einmal mehr auch in der Wanderbewegung, die natürlich nicht losgelöst von den jeweiligen politischen Ordnungen und Machtverhältnissen betrachtet werden kann. Der jeweilige Teil in den verschiedenen gesellschaftlichen und individuellen »Welten« des 19. und 20. Jahrhunderts und darüber hinaus ist daher stets in einem politischen Kontext zu betrachten. Es geht auch um Thüringens Ruf als das »Wanderland« im »Grünen Herzen Deutschlands«. Dem Leser sollen dabei Antworten auf folgende Fragen gegeben werden: Wo liegen die Anfänge dieser Wanderbewegung und von wem ging die Idee dafür aus? Wie fand das organisierte Wandern in Thüringen seine Verbreitung? Welcher Zweck und welche Ziele steckten hinter dieser sozialen Erscheinung? Welche biographischen, sozialen und weltanschaulich-politischen Einflüsse prägten die Akteure beim Ausbau der Wanderbewegung in Thüringen? Von welchen Ideen, Werten und politischen Vorstellungen wurden sie dabei geleitet? Was wollten sie mit ihrem Engagement erreichen? Welche Strategien verfolgten sie bei der Umsetzung ihrer Vorstellungen von der Entwicklung der Wanderbewegung in Thüringen? Wie verhielten sich vor allem ihre Funktionsträger zum Staat im deutschen Kaiserreich, in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus, in der DDR und wie stellt sich dieses Verhältnis heute im wiedervereinten Deutschland dar? Welches Interesse hatten umgekehrt staatliche bzw. politische Institutionen an der Wanderbewegung?

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Weitere Infos & Material


Zum Geleit · Bodo Ramelow 6
Zum Geleit · Hans-Ulrich Rauchfuß 7
Vorwort · Christine Lieberknecht 8
Vorbemerkungen des Autors 11
Einführung – eine Annäherung an das Thema 22
Was ist Wanderbewegung? 22
Ein landeskundlicher Exkurs 31
»Das Wandern ist des Müllers Lust« 52
Von Vorgeschichten und Wegbereitern der Wanderbewegung 54
Frühe Wurzeln des zweckgebundenen Wanderns 54
Aufklärer, Romantiker und andere Wegbereiter des freizeitorientierten Wanderns 58
Organisiertes Schülerwandern: zur Etablierung des Schulwandertages durch thüringische Pädagogen 77
»Schwöret Treu‘ dem Vaterland!« 84
Die Entwicklung der Heimat- und Wandervereine in Thüringen 1871 bis 1945 86
Die Voraussetzungen: Bürgerliche Assoziationsbestrebungen, Tourismus und Verkehr 86
Historische Schlaglichter der thüringischen Wanderbewegung im Deutschen Kaiserreich,
in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 97
Exkurs: »Die Naturfreunde« im Gau Thüringen 160
»Wir wollen zu Land ausfahren« 164
»Jugendwandern« in Thüringen seit 1900 – als Institution, Gruppenphänomen und Lebensinhalt 166
Facetten der Jugendbewegung in Thüringen 1900 bis 1945 166
Das thüringische Jugendherbergswesen als Teil der Wanderbewegung 1900 bis 1975 207
Nachleben: Deutsche Wanderjugend – Landesverband Thüringen e. V. zwischen Wandel
und Neuaufbruch 1990 bis 2016 252
»Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land …« 260
Organisiertes Wandern unter Kontrolle von Partei und Staat in der SBZ/DDR 1945 bis 1989 262
Die Auflösung und Enteignung der Heimat- und Wandervereine in Thüringen 262
Wandern als politisierte Bewegung des Massentourismus und -sports im Herrschaftskalkül
von Partei und Staat 273
»Kultur- und Bildungswandern« versus »Sportwandern«: zur Rolle des Kulturbundes für die
Wanderbewegung in der DDR 291
»Thüringen, holdes Land« 304
Thüringens Wanderbewegung im wiedervereinten Deutschland 306
Die Wiedergründung freier unabhängiger Heimat- und Wanderverbände in Thüringen 1989/90 306
Der Thüringer Gebirgs- und Wanderverein e. V. 331
25 Jahre »Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine Landesverband Thüringen e. V.« 335
Quellen- und Literaturverzeichnis 354
Kurzbiographien aus der Geschichte der Wanderbewegung in Thüringen 363
Abbildungsnachweise 375


Liebe Wanderfreundinnen und Wanderfreunde,

Thüringen bedeutet Landschaft. Thüringen bedeutet Liebe zur Heimat und Leidenschaft.
Thüringen ist Kernland deutscher Geschichte, deutscher Kultur und einer Vielzahl geistiger Entwicklungen.
Der Thüringer ist bodenständig; er schätzt Bewährtes und ist zugleich aufgeschlossen für Neues.
Er liebt seine Thüringer Küche. Der weiße Rauch über ungezählten Thüringer Bratwurstständen kündet noch immer vom Sieg Thüringer Lebensart über alle globalen Expansionsbestrebungen weltweiter Fastfood-Ketten hinweg als auch gegen die immer wiederkehrenden Kampfansagen elitärer Kunst- und Kulturgenießer, die zwar ihren Goethe hoch schätzen, aber der Thüringer Heimat- und Brauchtumspflege ansonsten eher wenig abgewinnen können.
Zu den Vorlieben der Thüringer gehört freilich auch die Musik, die Literatur, Erfindungsgeist und – Wandern.
Dabei waren die Höhen und Tiefen der Thüringer Geschichte stets aufs Engste mit den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Ereignissen deutscher und europäischer Geschichte, ja mit dem Weltgeschehen, über die Jahrhunderte verbunden.
Die Thüringer Leidenschaft, das Wandern, macht hierbei keine Ausnahme. Im Gegenteil.
Und nicht nur im Hinblick auf die Geschichte, auch heute gilt – ganz in Übereinstimmung von organisierter Wanderbewegung und offizieller freistaatlicher Politik: Thüringen ist Wanderland. Für die touristische Werbung und deren Marketinginitiativen gibt man sich gar überzeugt: »Thüringen ist das Wanderland Nummer 1.« Soviel Superlativ muss sein. Seit Jahren liefert uns die Statistik für den »Klassenprimus« unter den deutschen Wanderländern munter die Belege.
Uns als Thüringer Wanderer freut das sehr. Und sehr gern sage ich für all die behördliche, touristische und mediale Begleitung unserer verbandlichen Wanderarbeit an dieser Stelle ein aufrichtiges und großes Dankeschön. Das Wanderland Thüringen lässt sich nur gestalten und weiterentwickeln im gemeinsamen Miteinander von Haupt- und Ehrenamt; im Miteinander von ehrenamtlich tätigen Wanderfreunden und ihren gemeinnützigen Vereinen gemeinsam mit dem Hauptamt im Tourismus, im ThüringenForst, in den Kommunen und auf der Landesebene in den Ministerien und deren nachgeordneten Behörden.
Allerdings gibt soviel Bedeutungsschwere und Gemeinsamkeit auch Anlass zu kritischer Reflexion, lässt neugierig werden und konkret fragen: Inwieweit ist Wandern tatsächlich eingebettet und verwoben mit dem jeweiligen Zeitgeschehen?
Wie sehr haben die jeweils herrschenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse auch Einfluss auf das Wandern genommen und es am Ende gar geprägt? Inwieweit ist Wandern damit auch zum Spiegel des Zeitgeschehens geworden? Das sind Fragen, nach deren Beantwortung wir Wanderer jenseits aller Tagesaktualität einmal etwas ausführlicher suchen sollten.
Für eine solche Aufgabe bietet sich das 25-jährige Jubiläum der Gründung des Thüringer Wanderverbandes e. V. im Herbst diesen Jahres geradezu an; sind doch Jubiläen und Jahrestage immer Gelegenheiten innezuhalten, zurückzublicken und zugleich nach Neuem auszuschauen.
Hinzu kommt, dass die Thüringer Wanderbewegung in ihrer Geschichte mit einer Vielzahl großer Namen und deren Pionierleistungen so Herausragendes zu bieten hat, dass nicht nur Wanderer aus ganz Deutschland und Europa immer wieder nach Thüringen blicken, sondern ebenso Pädagogen, Natur-, Heimat- und Volkskundler, Mediziner, Historiker, Musikwissenschaftler und noch einige andere mehr. Die Erfindung des Kindergartens durch Friedrich Fröbel, die Schnepfenthaler Erziehungsanstalt mit Christian Gotthilf Salzmann, GutsMuths »Gymnastik für die Jugend« oder die Begründung der Schulwandertage durch den Jenaer Pädagogen Karl Volkmar Stoy sind nur wenige Beispiele, deren Reihe sich spielend fortsetzen ließe.
Dies alles im Zusammenhang zu erfassen und darzustellen, verlangt umfangreiche und gründliche Recherchen. Doch anders lassen sich Verpflichtung und Glück unserer heutigen Thüringer Wanderbewegung kaum ermessen. Die Verpflichtung gilt unserem Thüringer Land, seinem kulturellen Reichtum und der Schönheit unserer Landschaft (so die Präambel unserer Thüringer Verfassung aus dem Jahr 1993). Sie gilt den Generationen, deren Erbe wir übernommen haben und denjenigen, denen wir eines Tages unsere Arbeit für unser Land anvertrauen werden. Als Demokraten ist uns dabei die Auseinandersetzung mit den Lehren aus der Geschichte der Diktaturen des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Anliegen.
Dass wir nun schon mehr als ein Vierteljahrhundert in Frieden und Freiheit für das Wanderland Thüringen arbeiten und werben dürfen, begründet neben unseren Verpflichtungen auch ein großes Glück. Was hätten frühere Generationen für dieses Glück gegeben, nicht länger in den Schützengräben auf französische, polnische oder russische Alterskameraden schießen zu müssen, sondern mit gemeinsamen Wanderungen Zeichen für Verständigung, für ein friedliches Miteinander und eine gute Zukunft setzen zu können!
Bereits zwei Mal hatten die Thüringer Wanderer seit der Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 und der Wieder- bzw. Neugründung der Thüringer Wanderverbände nach der friedlichen Revolution von 1989/90 die deutsche und europäische Wanderbewegung mit dem 100. Deutschen Wandertag im Jahr 2000 in Schmalkalden und dem 105. Deutschen Wandertag im Jahr 2005 im Städtedreieck Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg zu Gast. Beides waren großartige und unvergessene Erlebnisse.
Im kommenden Jahr 2017 werden wir mit dem Jahr der 500. Wiederkehr von Luthers Thesenanschlag an die Schlosskirche zu Wittenberg das dritte Mal Gastgeber eines großen Deutschen Wandertages sein. Die Lutherstadt Eisenach und die gesamte Wartburgregion erwarten wiederum Tausende Wanderer aus ganz Deutschland und Europa zum »Wandern auf Luthers Spuren« in der Mitte Deutschlands entlang der zum »Grünen Band« gewordenen ehemaligen innerdeutschen Grenze, auf dem Rennsteig oder im Nationalen Weltnaturerbe, dem Nationalpark Hainich. Da wollen wir Thüringer Wanderer gute Gastgeber sein und gern aus der »Kenntnis des Ortes« berichten. Auch an Ideen für Gegenwart und Zukunft wollen wir es nicht mangeln lassen. Denn: Wandern heißt unterwegs sein. Wandern heißt Inspiration durch die uns umgebende Natur und Landschaft, durch das Lied auf den Lippen und das Wort des Wanderfreundes an meiner Seite.
Ich bin mir sicher, dass auch in Zukunft sich immer wieder Menschen dem Wandern als der natürlichsten und ältesten Form der menschlichen Fortbewegung mit Interesse und Leidenschaft widmen werden. Von daher ist mir um die Zukunft des Wanderns nicht bange. Bekanntlich ist uns der Weg in die Zukunft umso gewisser, je besser wir unsere Herkunft kennen. Auch dieser Gewissheit soll die vorliegende Festschrift dienen.
Dabei gilt es vielfältig Dank zu sagen. Den gegenwärtigen Wanderfreunden, die sich oft über Jahrzehnte ihres Lebens im Ehrenamt in den Dienst der gemeinsamen Wanderbewegung gestellt und den Wiederaufbau und die Neugründungen der Vereine nach 1989/90 geleistet haben, den Gründungsmitgliedern des Landesverbandes, die am 13. Oktober 1991 im Eisenacher Hotel »Berghof« den Mut und die Weitsicht zu diesem Schritt an den Tag gelegt haben genauso wie den Mitgliedern des heutigen Vorstandes für ihren tatkräftigen Einsatz.
Ich danke den Förderern und Unterstützern, die diese Festschrift durch ihre Zeitzeugenberichte, das Öffnen ihrer Archive, das Ausleihen von Fotomaterial und Originaldokumenten sowie finanzielle Hilfen ermöglicht haben. Dem Verleger Helmut Stadeler danke ich für die einfühlsame und umsichtige verlegerische Begleitung. Und schließlich lastete eine wahre Mammut-Aufgabe auf dem Historiker Reyk Seela, der sich als Autor dem ganz besonderen Anliegen dieser Festschrift mit Professionalität und Leidenschaft verschrieben hat und trotz der ständig neu sprudelnden Materialquellen und vieler Weiterungen das Werk termingerecht zum Abschluss brachte. Auch ihm gilt an dieser Stelle mein herzlicher Dank.
Nun wünsche ich der vorliegenden Festschrift die erhoffte Aufmerksamkeit.
Dem Thüringer Wanderverband rufe ich zu: Alles Gute für viele weitere erfolgreiche Jahre!

Mit einem herzlichen »Frisch auf«


Christine Lieberknecht
Präsidentin des Thüringer Wanderverbandes



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