See | Der Seidenfächer | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 394 Seiten

See Der Seidenfächer

Roman | Ein historischer Roman im China des 19. Jahrhunderts
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-012-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Ein historischer Roman im China des 19. Jahrhunderts

E-Book, Deutsch, 394 Seiten

ISBN: 978-3-98690-012-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei Freundinnen, vom Schicksal vereint - und entzweit? Der bewegende historische Roman »Der Seidenfächer« von Lisa See jetzt als eBook bei dotbooks. Ein berührender Roman über eine große Freundschaft, die durch Nushu, die 1000 Jahre alte Geheimschrift chinesischer Frauen, am Leben gehalten wird: Lisa See lässt uns in ihrem internationalen Bestseller in eine verborgene Welt schauen, in der den Frauen nach einer grausamen Tradition die Füße gebunden werden, aber auch das Herz gefesselt wird - doch ihre Sehnsucht nach Liebe, Glück und Freiheit bleibt lebendig ... Als Tochter einer armen Bauernfamilie im China des 19. Jahrhunderts hat Lilie keine Chance auf ein glückliches Leben - bis ihre kleinen, zierlichen Füße auffallen: Sie scheinen perfekt dafür geeignet zu sein, nach altem Brauch gebunden zu werden und Lilie so in eine begehrte, rare Schönheit zu verwandeln. Bereitwillig nimmt das Mädchen die Schmerzen auf sich, um Ansehen zu erlangen. Schon bald zahlt sich das aus: Sie bekommt einen Brief, kunstvoll in der Geheimschrift der Frauen geschrieben. Darin lädt Schneerose, ein Mädchen aus gutem Hause, sie ein, ein traditionelles, lebenslanges Band zu knüpfen. Aber kann die Freundschaft zwischen zwei Mädchen so unterschiedlicher Herkunft wirklich ein Leben lang halten? »Lisa Sees bestes Buch: Eine faszinierende und anrührende Geschichte, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gefangen nimmt.« Amy Tan Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der historische Roman »Der Seidenfächer« von Bestsellerautorin Lisa See, der auch als Film adaptiert wurde. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Lisa See entstammt einer chinesisch-amerikanischen Familie. Sie wurde in Paris geboren und wuchs in Los Angeles in Chinatown auf. Dreizehn Jahre lang arbeitete sie als Journalistin für Publishers Weekly. Später betreute sie als Kuratorin mehrere große Ausstellungen, die sich mit interkulturellen Beziehungen zwischen Amerika und China beschäftigen. Bereits ihr erstes Buch, eine Biographie ihrer Familie, war ein internationaler Bestseller und erhielt die »Notable Book«-Auszeichnung der New York Times. Dieselbe Auszeichnung bekam sie auch für ihren bald darauf folgenden ersten Thriller »Die rote Klinge«. Sie wurde als »National Woman of the Year« ausgezeichnet, erhielt den »Chinese American Museum's History Makers Award« und den »Golden Spike Award« in Kalifornien. Mit ihrem Roman »Der Seidenfächer« gelang ihr ein Weltbestseller, der auch verfilmt wurde. Heute lebt sie in Los Angeles. Die Website der Autorin: https://www.lisasee.com/ Bei dotbooks veröffentlicht Lisa See die historischen Romane »Der Seidenfächer« und »Eine himmlische Liebe«, außerdem »Töchter aus Shanghai« und »Tochter des Glücks« aus ihrer Reihe um »Die Frauen von Shanghai«. Zudem erscheint bei dotbooks auch ihre Thrillerreihe um die Polizistin Liu Hulan und den Staatsanwalt David Stark mit den Bänden »Die rote Klinge«, »Der Feuerdrache« und »Tod am Jangtse«.
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Weitere Infos & Material


Kapitel 1:
Milchjahre


Mein Name ist Lilie. Ich kam am fünften Tag des sechsten Monats des dritten Jahres der Herrschaft von Kaiser Daoguang auf diese Welt. Mein Heimatdorf Puwei liegt im Landkreis Yongming, dem Landkreis der ewigen Helligkeit. Die meisten Menschen, die hier leben, stammen vom Volk der Yao ab. Von den Geschichtenerzählern, die in meiner Kindheit durch Puwei zogen, hörte ich, dass die Yao zur Zeit der Tang-Dynastie in diese Gegend einwanderten, also vor zwölfhundert Jahren. Die meisten Familien kamen aber ein Jahrhundert später, sie waren auf der Flucht vor den Mongolenarmeen, die in den Norden einmarschierten. Die Leute hier waren zwar nie reich, aber wir waren selten so arm, dass die Frauen auf den Feldern arbeiten mussten.

Wir gehörten der Familie Yi an, die eine ganz alte Yao-Sippe und in dieser Gegend sehr verbreitet war. Mein Vater und mein Onkel hatten sieben mou Land von einem reichen Grundbesitzer gepachtet, der tief im Westen der Provinz lebte. Sie bauten dort Reis, Baumwolle, Taro und Getreide an. Das Haus meiner Familie war insofern typisch, als es zwei Stockwerke besaß und nach Süden ausgerichtet war. Ein Zimmer oben war den Zusammenkünften der Frauen vorbehalten und diente den unverheirateten Mädchen als Schlafraum. Zimmer für jede Familieneinheit und ein eigener Raum für unsere Tiere flankierten den Hauptwohnraum im Erdgeschoss, wo mit Eiern oder Orangen gefüllte Körbe und zum Trocknen aufgefädelte Chilis am Balken in der Mitte aufgehängt waren, um sie vor Mäusen, Hühnern oder auch einem umherstreifenden Schwein zu schützen. An einer Wand stand ein Tisch mit Hockern. In der Ecke gegenüber befand sich eine Feuerstelle, an der Mama und Tante kochten. In unserem Hauptwohnraum hatten wir keine Fenster, deshalb ließen wir in den warmen Monaten die Tür zu der Gasse vor unserem Haus offen, damit Licht und Luft hereinkamen. Die restlichen Zimmer waren klein, der Boden bestand aus festgestampfter Erde, und, wie gesagt, unsere Tiere lebten bei uns.

Ich habe nie weiter darüber nachgedacht, ob ich als Kind glücklich war oder mich vergnügte. Ich war ein ganz normales Mädchen, das in einer ganz normalen Familie in einem ganz normalen Dorf wohnte. Ich hatte keine Ahnung, dass es noch eine andere Art zu leben geben könnte, und ich machte mir auch gar keine Gedanken darüber. Aber ich erinnere mich an den Tag, an dem ich plötzlich bewusst wahrnahm, was mich umgab, und darüber nachzudenken begann. Ich war gerade fünf geworden und hatte das Gefühl, ich wäre über eine hohe Schwelle getreten. Ich wachte kurz vor Sonnenaufgang auf und verspürte so eine Art Kitzeln im Hirn. Diese kleine Irritation machte mich sensibel für alles, was ich an diesem Tag sah und erlebte.

Ich lag zwischen Älterer Schwester und Dritter Schwester. Ich warf einen Blick auf die andere Seite zum Bett meiner Cousine hinüber. Schöner Mond, die so alt war wie ich, schlief noch, also blieb ich still liegen und wartete darauf, dass sich meine Schwestern rührten. Ich hatte das Gesicht Älterer Schwester zugewandt, die vier Jahre älter war als ich. Wir schliefen zwar im selben Bett, aber ich lernte sie erst wirklich gut kennen, als mir die Füße gebunden wurden und ich selbst ins Frauengemach kam. Ich war froh, dass ich Dritte Schwester nicht sah. Sie war schließlich ein Jahr jünger als ich, und deshalb fand ich, sie sei viel zu unbedeutend, um einen Gedanken an sie zu verschwenden. Meine Schwestern verehrten mich sicher auch nicht gerade, aber die Gleichgültigkeit, die wir an den Tag legten, war nur eine Maske, um unsere wahren Wünsche zu verbergen. Jede Einzelne von uns wollte von Mama wahrgenommen werden. Jede Einzelne von uns wetteiferte um Babas Aufmerksamkeit. Jede Einzelne von uns hoffte, jeden Tag etwas Zeit mit Älterem Bruder verbringen zu dürfen, denn als erster Sohn war er das wertvollste Familienmitglied. Auf Schöner Mond war ich nicht so eifersüchtig. Wir waren gute Freundinnen und froh, dass unser Leben miteinander verknüpft sein würde, bis wir beide verheiratet würden.

Wir vier sahen einander sehr ähnlich. Wir hatten alle schwarze, kurz geschnittene Haare, wir waren sehr dünn und beinahe gleich groß. Unterscheidungsmerkmale hatten wir nur wenige. Ältere Schwester hatte einen Leberfleck über dem Mund. Dritte Schwester hatte die Haare immer in kleinen Büscheln hochgebunden, weil sie es nicht leiden konnte, wenn Mama sie kämmte. Schöner Mond hatte ein hübsches rundes Gesicht, während ich stramme Beine vom Rennen und kräftige Arme vom Herumtragen meines kleinen Bruders hatte.

»Mädchen!«, rief Mama über die Treppe zu uns herauf.

Das genügte, um die anderen zu wecken und uns alle aus dem Bett zu holen. Ältere Schwester zog sich rasch an und ging hinunter. Schöner Mond und ich brauchten etwas länger, weil wir nicht nur uns, sondern auch Dritte Schwester ankleiden mussten. Dann gingen wir zusammen nach unten, wo Tante den Boden fegte, Onkel ein Morgenlied sang, Mama – mit Zweitem Bruder auf dem Rücken – gerade das letzte Wasser zum Kochen in den Teekessel goss und Ältere Schwester Lauchzwiebeln für den Reisbrei schnitt, den wir Congee nennen. Meine Schwester warf mir einen gelassenen Blick zu, den ich so verstand, dass sie an diesem Morgen bereits die Anerkennung meiner Familie bekommen hatte und nun für den Rest des Tages sicher war. Ich verbarg meinen Groll, ohne zu begreifen, dass ihre vermeintliche Selbstzufriedenheit eher die freudlose Resignation war, die meine Schwester nach ihrer Verheiratung an den Tag legen sollte.

»Schöner Mond! Lilie! Kommt her! Kommt her!«

Meine Tante begrüßte uns jeden Morgen so. Wir rannten zu ihr hin. Tante gab Schöner Mond einen Kuss und klopfte mir liebevoll auf den Po. Dann rauschte Onkel herein, nahm Schöner Mond in die Arme und küsste sie. Nachdem er sie wieder abgesetzt hatte, zwinkerte er mir zu und zwickte mich in die Wange.

Du kennst doch das alte Sprichwort, dass schöne Menschen immer schöne Menschen und begabte Menschen begabte heiraten? An diesem Morgen kam ich zu dem Schluss, dass Onkel und Tante zwei hässliche Menschen waren und deshalb perfekt zusammenpassten. Onkel, der jüngere Bruder meines Vaters, hatte O-Beine, eine Glatze und ein rundes, glänzendes Gesicht. Tante war mollig, und ihre Zähne ragten hervor wie Steinzacken aus einer Karsthöhle. Ihre gebundenen Füße waren nicht sonderlich klein, vielleicht vierzehn Zentimeter lang, also doppelt so groß, wie meine Füße später einmal werden sollten. Böse Zungen in unserem Dorf behaupteten, dies sei der Grund, weshalb Tante – die aus einer gesunden Familie stammte und breite Hüften hatte – nie einen Sohn austragen konnte. Solche Vorwürfe hörte ich zu Hause nie, nicht einmal von Onkel. Für meine Begriffe führten sie eine ideale Ehe: Er war eine liebevolle Ratte, und sie war ein pflichtbewusster Ochse. Tag für Tag sorgten sie für Glück in unserem Heim.

Meine Mutter hingegen hatte sich bis jetzt noch nicht anmerken lassen, dass sie meine Anwesenheit zur Kenntnis genommen hatte. Das war so, seit ich denken konnte, aber an diesem Tag spürte ich ihre Missachtung deutlich. Ich wurde ganz melancholisch, und die Freude, die ich eben noch mit Tante und Onkel empfunden hatte, war zu meiner Verblüffung sofort wie weggeblasen. Doch gleich darauf verschwand dieses Gefühl so schnell, wie es gekommen war, denn Älterer Bruder, der sechs Jahre älter war als ich, rief mich, damit ich ihm bei seinen morgendlichen Pflichten half. Da ich im Jahr des Pferdes geboren wurde, bin ich natürlich immer gerne im Freien, aber noch wichtiger war mir, dass ich Älteren Bruder ganz für mich allein haben konnte. Ich wusste, dass ich mich glücklich schätzen durfte und meine Schwestern mir das übel nehmen würden, doch das war mir egal. Wenn er mit mir redete oder mich anlächelte, dann fühlte ich mich nicht unsichtbar.

Wir rannten nach draußen. Älterer Bruder zog Wasser aus dem Brunnen hoch und füllte unsere Eimer. Wir trugen sie zurück ins Haus und machten uns gleich wieder auf, um Feuerholz zu sammeln. Wir legten alles auf einen Haufen, dann lud mir Älterer Bruder die Arme mit kleineren Ästen voll. Er nahm den Rest, und wir machten uns auf den Heimweg. Zu Hause reichte ich Mama die Stöcke, in der Hoffnung, sie würde mich loben. Immerhin ist es gar nicht so einfach für ein kleines Mädchen, einen Wassereimer zu schleppen oder Feuerholz zu tragen. Aber Mama sagte gar nichts.

Noch heute, nach so langer Zeit, fällt es mir schwer, an Mama zu denken und an das, was ich an diesem Tag begriff. Mir wurde damals ganz deutlich bewusst, dass ich ihr unwichtig war. Ich war ein drittes Kind, ein zweites wertloses Mädchen, und bis es so aussah, als würde ich meine Milchjahre überleben, lohnte es nicht, Zeit auf mich zu verwenden. Sie betrachtete mich, wie alle Mütter ihre Töchter betrachten – als Besucherin auf Zeit, als ein weiteres hungriges Maul, das man stopfen musste, als einen weiteren Körper, der gekleidet werden musste, bis ich ins Haus meines Ehemanns zog. Ich war fünf, alt genug, um zu wissen, dass ich ihre Aufmerksamkeit nicht verdiente, doch ich sehnte mich plötzlich danach. Ich wollte so gerne, dass sie mich ansah und mit mir sprach wie mit Älterem Bruder. Doch selbst in diesem Augenblick, als ich zum ersten Mal ein wirklich tiefes Verlangen empfand, war ich so schlau zu wissen, dass Mama jetzt nicht gestört werden wollte, weil sie um diese Zeit immer so viel zu tun hatte. Sie hatte mich nämlich schon so oft gescholten, weil ich zu laut geredet hatte oder Löcher in die Luft um mich herum geschlagen, wenn ich ihr im Weg stand. Stattdessen gelobte ich, wie Ältere Schwester zu sein und so unauffällig und aufmerksam wie möglich zu helfen.

Großmutter tippelte herein. Ihr Gesicht...



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