Scott | Schwerenöter küsst man nicht | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Scott Schwerenöter küsst man nicht


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1947-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7337-1947-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Debütantin Zara hat keinesfalls vor, sich auf diesem Sommerfest mit einem passenden Mann verkuppeln zu lassen. Da wirft sie sich lieber dem berüchtigten Schwerenöter Kael an den Hals. Aber ihr unschuldiger Flirt hat ungeahnte Folgen ...



Bronwyn Scott ist der Künstlername von Nikki Poppen. Sie lebt an der Pazifikküste im Nordwesten der USA, wo sie Kommunikationstrainerin an einem kleinen College ist. Sie spielt gern Klavier und verbringt viel Zeit mit ihren drei Kindern. Kochen und waschen gehören absolut nicht zu ihren Leidenschaften, darum überlässt sie den Haushalt am liebsten ihrem Ehemann, der früh morgens und spät abends am College unterrichtet, sodass er tagsüber als Hausmann glänzen kann.

Nikkis ganzes Leben steht im Zeichen des Schreibens. Schon in der vierten Klasse nahm sie an Nachwuchsautoren-Konferenzen der Schule teil und ist immer noch sehr stolz auf ihren ersten Roman, den sie in der sechsten Klasse fertigstellte - ein mittelalterliches Abenteuer, das ihre Mutter auf einer elektrischen Schreibmaschine für sie abtippte. Mittlerweile besucht sie RWA-Konferenzen und besitzt natürlich ihren eigenen Computer. Sie ist sehr an Geschichte interessiert, recherchiert gern, immer auf der Suche nach Stoff für neue Geschichten. Es macht ihr viel Spaß, sich mit anderen Autoren und LeserInnen über ihre Lieblingsbücher und den Prozess des Schreibens auszutauschen.

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Weitere Infos & Material


1. KAPITEL

Samstag, 14. Juni 1817

Brockmore Manor Hausparty

Programm

Willkommensfeier im großen Salon

Vorführung der weltberühmten russischen Artisten

„Die Fliegenden Vengarovs“

im großen Ballsaal

Das war also die Hausparty der Saison? Miss Zara Titus stand an der Seite ihrer Mutter im Bogengang und blickte in den eleganten Salon des Duke of Brockmore. Der große Raum war mit blauen Wandbehängen und maritimen Gemälden als „Ode an das Meer“ gestaltet. Zara ließ ihren Blick über die Menschen schweifen, die sich dort tummelten, und empfand eine starke Abneigung, die sie kaum verbergen konnte. Am liebsten wäre sie an irgendeinem anderen Ort, nur nicht hier. Tatsächlich hatte sie bis vor drei Wochen noch gedacht, dass sie auf dieser Party überhaupt nicht erscheinen müsste. Doch dann hatte Viscount Haymore ihr langjähriges Verlöbnis gelöst. Seit diesem Moment war alles anders geworden, sogar sie selbst hatte sich verändert. Sie wusste kaum noch, wer sie war und was sie wollte. Sie war nicht mehr vorteilhaft verlobt, die geplante Hochzeit an Weihnachten würde nie stattfinden. Plötzlich war sie nichts anderes als eine Debütantin, die bereits drei Saisons hinter sich hatte und noch keinen Heiratskandidaten vorweisen konnte.

Diese Party sollte das alles wieder in Ordnung bringen. Wenn sie es zuließ. Ihre früheren Träume passten irgendwie nicht mehr zu ihr. Nach Haymores Treuebruch fragte sie sich, ob es überhaupt ihre eigenen Träume gewesen waren. Inzwischen sehnte sie sich nach etwas ganz anderem – Eigenständigkeit. Sie wollte selbst entscheiden, welchen Weg ihr Leben nehmen sollte und mit wem sie ihn gehen würde. Falls sie überhaupt noch jemanden wollte. Diese Party brachte jedoch ihre noch unfertigen Pläne in Gefahr.

Oh, die Party machte einen ganz harmlosen Eindruck. Als sie den Salon betrat, stellte sie fest, dass die üblichen Akteure an den üblichen Orten saßen oder standen. Lady Verity Fairholme, die Nichte des Dukes, thronte in der Mitte des Salons. Umgeben von ihren Verehrern saß sie in einem zierlichen Sessel. Alles war perfekt arrangiert wie für ein Porträt. Zweifellos hatte sie ihr cremefarbenes Kleid mit den blauen Bordüren auf die Einrichtung des Salons abgestimmt. Diese Strategie, mit der sie die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf sich ziehen wollte, bemerkte Zara bei ihrer Rivalin nicht zum ersten Mal. Miss Florence Canby, ganz in Weiß gekleidet, saß in der Nähe der geöffneten Glastüren, die nach draußen führten. Sie war umgeben von Gentlemen, die angeblich wegen des kühlen Luftzugs dort standen. Vielleicht aber auch, weil das Gerücht kursierte, dass sie einen Mann tatsächlich küssen und noch mehr tun würde, wenn sie genug Champagner genossen hatte. Kein Wunder, dass Florence hier war, sie musste wirklich schnellstens heiraten.

Wie du selbst, meldete sich Zaras Gewissen. Sie hatte den anderen Mädchen nicht mehr viel voraus. Die anderen mochten nicht so hübsch sein wie sie, waren jedoch genauso reich und rangierten ebenso hoch in der Gesellschaft. Und aus welchen Gründen auch immer – sie hatten es genauso nötig wie sie, hier einen Gatten zu finden. Zara schob diese unguten Gedanken zur Seite. Sie gehörten zu der alten Zara, deren alte Träume sich wieder in den Vordergrund gedrängt hatten.

Es war für sie eine ziemlich beschämende Erkenntnis, dass sie so stolz auf ihren Status als Verlobte gewesen war. Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatte sie ihr Selbstwertgefühl an ihr Verlöbnis geknüpft, und jetzt war es nicht mehr da. Haymore hatte seine wahre Liebe gefunden, aber das war nicht sie gewesen. Ihn zu verlieren hatte wehgetan, doch das war wohl nur natürlich. Auf dieser Party wollte Zara unter Beweis stellen, wie sehr sie entschlossen war, ihre neuen Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Sie hoffte auf eine von ihr selbst bestimmte Zukunft, die nicht mehr von ihren wohlmeinenden Eltern gelenkt wurde.

Zara sah sich weiter im Salon um. Noch andere ihr bekannte Gesichter waren zugegen, darunter Jeremy Giltner, Douglas Brigstock und Jessamy Addington. Sie kannte die drei flüchtig und wusste, dass sie Protegés des Dukes waren. Außerdem entdeckte sie Lord Markham, der den Titel erst kürzlich geerbt hatte, und seine Schwester Catherine, die nach dem Trauerjahr für ihren Vater verspätet in die Saison gestartet war. Die hübschen Kilmun-Zwillinge, Cynthia und Cecily, standen in Veritys Nähe. Die schüchterne Miss Ariana Falk wurde begleitet von ihrer Mutter, die ein wahrer Drachen war. Mr. Melton Colter hatte leider die grässliche Angewohnheit, während des Essens sehr anschaulich über die Pferdezucht zu reden.

Auf den ersten Blick erschien dies wie die übliche Ansammlung von Mitgliedern der Londoner Oberschicht, dennoch war jeder Gast vom Duke selbst sorgfältig ausgewählt worden, und nur eine sehr naive Person konnte annehmen, dass es sich um eine normale Hausparty handelte. Jeder der Gäste wusste genau, worum es hier ging. Man konnte die Bedeutung dieser Party gar nicht hoch genug ansetzen. An diesem Ort kamen die unverheirateten Söhne und Töchter der angesehensten Familien ganz Englands zusammen. Der Silberfuchs, wie der Duke of Brockmore genannt wurde, sorgte gemeinsam mit seiner Duchess dafür, dass sich die jungen Leute hier zu prestigeträchtigen Ehen zusammenfanden. Bei diesen Eheschließungen ging es um hochrangige diplomatische Posten, einträgliche Ländereien, einflussreiche Parlamentssitze oder militärische Karrieren. Der Duke konnte das Vorankommen eines Gentlemans fördern oder dafür sorgen, dass eine Dame ein angenehmes und sicheres Leben in Reichtum führen konnte. Alles war möglich, wenn man die Vorgaben des Dukes befolgte und die von ihm geplante Verbindung einging. Sich nicht daran zu halten war undenkbar. Wer die Einladung zur Hausparty annahm, willigte damit zugleich ein, nach Brockmores Regeln zu spielen.

Zara Titus wollte sich aber nicht daran halten. Sie wollte keinen Mann heiraten, den sie erst eine Woche kannte, nur um ihr Gesicht zu wahren. Ihre Mutter, die unerschütterliche Viscountess Aberforth, sah das natürlich ganz anders. Ihrer Ansicht nach war Brockmore Manor genau der richtige Ort, um der feinen Gesellschaft zu beweisen, dass es nicht Haymore gewesen war, der die Verlobung gelöst hatte. Vielmehr konnte man zeigen, dass der Bruch auf Gegenseitigkeit beruhte, allerdings etwas mehr von Zara ausging. Zara konnte eine bessere Partie machen als den Viscount, doch ihr blieb nur eine Woche Zeit dafür. Sie musste sich mit einem Herrn von höherem Rang und größerem Vermögen als Haymore verloben. Während der letzten drei Wochen hatte Zara nichts anderes mehr zu hören bekommen.

„Kinn hoch, Schultern zurück, schau nach links, Augenkontakt mit unserem Gastgeber herstellen“, wies ihre Mutter sie leise, aber bestimmt an. Brockmore kam auf sie zu, um sie zu begrüßen. Er war ein stattlicher und gepflegter Gentleman mit silberfarbenem Haar, dem er seinen Spitznamen verdankte. Trotz seiner zweiundfünfzig Jahre war er noch im besten Mannesalter. „Ein- und ausatmen …“

mit einem Lächeln, beendete Zara im Kopf die Anweisung ihrer Mutter. Sie schaute sich mit strahlendem Gesicht im Salon um, ohne dass sie darüber nachdenken musste. Nach drei Jahren kannte sie diesen Ablauf genau und führte alles mühelos aus. Es war Routine für eine selbstsichere und schöne Dame, der es stets gelang, alle Anwesenden zu faszinieren. Drei Jahre lang hatte sie das getan, obwohl es zu der Zeit kaum von Bedeutung war, weil jeder wusste, dass sie Haymore heiraten würde. Nun war es wichtig für sie geworden, wenngleich nicht unbedingt aus den Gründen, die ihre Mutter annahm. Wenn ihre Mutter die Gedanken kennen würde, die ihrer sonst so pflichtbewussten Tochter durch den Kopf gingen, wäre sie sehr besorgt. Gute Mädchen taten, was man ihnen sagte, sie machten keine eigenen Erfahrungen. Zara beabsichtigte jedoch, gegen alles hier aufzubegehren – die Regeln, die Erwartungen, die erdrückenden Konventionen.

Obwohl sie wütend auf ihren ehemaligen Verlobten war, weil er sie verlassen hatte, wollte sie sich nicht an einen anderen Mann verkaufen, nur um sich an Haymore zu rächen. Eine Ehe war für immer, ein Skandal dauerte nur ein paar Wochen, bis wieder etwas Neues die Aufmerksamkeit des ton erregte. In London schwirrten immer viele Gerüchte umher.

In den drei Wochen nach der Trennung von Haymore hatte sie ziemlich viel über sich selbst gelernt. Dass sie ihn nie geliebt hatte, zum Beispiel. Sie hatte nur die angenehme Vorstellung genossen, dass er da war. Es war ja nie anders gewesen, denn Haymore war ihr schon fast ihr ganzes Leben lang versprochen. Jetzt wusste sie, dass sie auch allein stark sein konnte, denn sie hatte die ersten schlimmen Tage nach der Trennung und das niederträchtige Gerede darüber allein durchgestanden. Nun musste sie nicht mehr auf Haymores Ansichten und seinen gesellschaftlichen Rang Rücksicht nehmen. Ihre neu gewonnene Freiheit gefiel ihr.

Sie konnte ihre eigenen Entscheidungen treffen, wenn sie mutig genug war, dafür einzustehen. Haymore hatte den Mut dazu aufgebracht, also warum nicht auch sie? Warum sollte sie sich nicht auch ein bisschen Vergnügen gönnen, statt sich ständig alles vorschreiben zu lassen? Wie gern würde sie selbst entscheiden, ob sie überhaupt heiraten wollte, auch wen und wann. Sie wollte selbst bestimmen, wie und wo sie ihr Leben verbringen wollte, selbst wenn sie dabei die Grenzen der Londoner...



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