E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Scott Miss Emma und der Abenteurer
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0679-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0679-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie ist stark, unterwirft sich keinem Mann: Eine Frau ganz nach dem Geschmack von Renford Dryden! Schon bei ihrem ersten Treffen sprühen die Funken der Leidenschaft ... doch Emma verbirgt etwas vor ihm. Er muss ihr Geheimnis lüften - sonst gibt es keine Zukunft für sie ...
Bronwyn Scott ist der Künstlername von Nikki Poppen. Sie lebt an der Pazifikküste im Nordwesten der USA, wo sie Kommunikationstrainerin an einem kleinen College ist. Sie spielt gern Klavier und verbringt viel Zeit mit ihren drei Kindern. Kochen und waschen gehören absolut nicht zu ihren Leidenschaften, darum überlässt sie den Haushalt am liebsten ihrem Ehemann, der früh morgens und spät abends am College unterrichtet, sodass er tagsüber als Hausmann glänzen kann.
Nikkis ganzes Leben steht im Zeichen des Schreibens. Schon in der vierten Klasse nahm sie an Nachwuchsautoren-Konferenzen der Schule teil und ist immer noch sehr stolz auf ihren ersten Roman, den sie in der sechsten Klasse fertigstellte - ein mittelalterliches Abenteuer, das ihre Mutter auf einer elektrischen Schreibmaschine für sie abtippte. Mittlerweile besucht sie RWA-Konferenzen und besitzt natürlich ihren eigenen Computer. Sie ist sehr an Geschichte interessiert, recherchiert gern, immer auf der Suche nach Stoff für neue Geschichten. Es macht ihr viel Spaß, sich mit anderen Autoren und LeserInnen über ihre Lieblingsbücher und den Prozess des Schreibens auszutauschen.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Bridgetown, Barbados – Anfang Mai 1835
Ren Dryden war zu dem Schluss gekommen, dass man zwei Dinge über die Natur eines Mannes sagen konnte: Ein weiser Mann versuchte nicht, vor seinen Sorgen davonzulaufen, und nur ein närrischer Mann floh vor den Chancen, die das Schicksal ihm schenkte. Ren zählte sich lieber zu der ersten Gruppe, und aus diesem Grund hatte er zwei Wochen auf einem Paketschiff verbracht, hatte dem wilden Atlantik getrotzt und alles zurückgelassen, was ihm vertraut war. Allerdings musste er zugeben, dass er sich in gewisser Weise auf die unbekannte Herausforderung freute, die ihn erwartete, sobald er das Ziel seiner Reise erreicht haben würde. Endlich würde er etwas tun können.
Ren stieg aus dem Beiboot, das ihn an Land gerudert hatte, warf dem Bootsmann eine Münze zu und stand gleich darauf auf dem Dock von Bridgetown. Sofort fühlte er sich wie zu Hause im geschäftigen Gewimmel, das ihn umgab. Das Herz klopfte ihm bis zum Hals vor freudiger Erregung. Die Karibik! Land des Rums und der Abenteuer.
Begeistert sah er sich um, nahm die bunten Farben der Menschen auf, der Früchte, des Himmels und des Meeres, die Düfte von Zitrusfrüchten und Schweiß, die Hitze auf seiner Haut. Es war ein wahres Fest der Sinne, und Ren genoss es in tiefen Zügen. Sein Leben begann heute, so, wie er es sich ausgesucht hatte, nicht wie es ihm durch die Willkür früherer Generationen von Drydens vorgezeichnet worden war.
Sehr viele Leute in London würden gewiss sagen, dass er vor seinen Problemen davonrannte. Die Liste dieser Leute war sehr lang und bestand vor allem aus Mitgliedern seiner Familie, die glaubte, die „vollkommene Lösung“ für das kleine Problem ihrer Schulden in einer kurzsichtigen, blässlichen Erbin aus York gefunden zu haben. Mit deren Geld man dann die Gläubiger, die ihm durch die grauen Straßen Londons hinterherjagten und sogar so weit gingen, ihm vor seinen exklusiven Klubs aufzulauern, hätte bezahlen können.
Sehr viele seiner Bekannten hätten sich dem Unvermeidlichen gebeugt und die Erbin geheiratet, die Schulden bezahlt und ihr Leben damit zugebracht, neue Schulden anzuhäufen, sodass ihre eigenen Söhne eine Generation später dieselben Opfer bringen müssten. Ren hatte sich allerdings schon vor Jahren geschworen, dass er nicht zum Sklaven seiner Vergangenheit werden würde, sobald er einmal volljährig war.
Besonders beängstigend kam es ihm vor, dass jene Bekannten sich nicht nur gebeugt hätten, sondern es sogar vorgezogen hätten, die Hoffnung aufzugeben, statt sich von allem loszureißen. Immerhin war das Vertraute auf eine gewisse Weise tröstlich, Ren bemitleidete allerdings jeden, der daran um jeden Preis festhielt. Er selbst war nie so ein Mann gewesen.
Oberflächlich betrachtet, mochte er ihnen ja in Aussehen und Benehmen ähneln, sie besuchten dieselben Klubs und gingen denselben Aktivitäten nach, aber innerlich war Ren immer anders gewesen. Stets hatte er sich insgeheim aufgelehnt gegen alles und jeden, der seine Hoffnungen zu zerstören versuchte, und seiner Freiheit durch die strikten Regeln der Gesellschaft Fesseln anlegen wollte.
Doch jetzt hatten seine Hoffnungen sich erfüllt. Er war weit weg von London und frei, wenn es ihn auch viel gekostet hatte. Allerdings erkaufte man sich die Freiheit immer teuer. Sollte er bei diesem Wagnis versagen, würde seine Familie es genauso büßen müssen – seine Mutter, die nach dem Tod seines Vaters noch immer von Gram erfüllt war, seine beiden Schwestern, von denen die eine auf ihre Einführung in die Gesellschaft wartete und die andere darauf, sich zu vermählen, und der dreizehnjährige Teddy, der als nächster Earl nichts als mit Schulden belastete Ländereien erben würde, sollte Ren nicht zurückkehren.
Ren umfasste entschlossen den Griff des Mantelsacks, den er nicht auf dem Boot hatte lassen wollen, so, wie die übrigen seiner Gepäckstücke, die später an Land gebracht werden würden. Seine Zukunft befand sich in diesem Mantelsack – das Empfehlungsschreiben und eine Kopie von Cousin Merrimores Testament, das ihm den Anspruch auf einundfünfzig Prozent einer Zuckerrohrplantage vermachte, die Mehrheit eines einträglichen Geschäfts.
Sicher gab es auch andere Teilhaber, doch ihm gehörte die Mehrheit, er würde die Führung übernehmen. Er würde es schaffen. So unziemlich es auch war für einen Mann von seiner Geburt, hatte Ren sich mit den Grundlagen des Handels vertraut gemacht. In London hatte er gelegentlich an der Börse in diverse Schiffsfrachten investiert, aufmerksam Diskussionen im Oberhaus gelauscht und lebhaftes Interesse an politischen Zirkeln gezeigt.
Folglich war er nicht nach Barbados gekommen, ohne einiges über dieses Juwel unter den britischen Kolonien zu wissen. Er war entschlossen, seinen Prinzipien treu zu bleiben. Die Gewinne, die er zu erringen hoffte, würden ehrlich erwirtschaftet sein. Auf keinen Fall wollte er seine Familie mit dem grausam erzwungenen Schweiß anderer Menschen unterstützen. Selbst ein verzweifelter Mann wie er vergaß seine Ehre nicht.
„Ahoi, Dryden, bist du es?“ Ein hochgewachsener, sonnengebräunter Mann mit hellem Haar bahnte sich einen Weg durch die Menge und ließ Ren verblüfft aufblicken. Ren hätte den Mann vielleicht nicht wiedererkannt, aber die Stimme seines besten Freundes war unverkennbar. Die gute Gesellschaft Londons wäre entsetzt gewesen, könnte sie den ehemaligen Liebling aller Damen jetzt sehen. Die Karibik hatte sein dunkelblondes Haar ausgebleicht und die blasse Haut gebräunt.
„Kitt Sherard!“ Ren lächelte breit. „Ich war nicht sicher, ob du kommen würdest.“ Er hatte ihm in einem Brief von seiner Ankunft geschrieben, aber es war keine Zeit gewesen, auf eine Antwort zu warten.
„Natürlich. Ich würde dich doch niemals allein am Kai stehen lassen.“ Kitt umarmte ihn kräftig. „Wie lange ist es her, Ren? Fünf Jahre?“
„Fünf lange Jahre. Sieh dich bloß an, Kitt. Barbados scheint dir gutzutun“, rief Ren. Die völlige Veränderung seines Freundes war verblüffend. Kitt hatte schon immer den Hang zur Zügellosigkeit besessen, aber jetzt schien diese Wildheit völlig Besitz von ihm ergriffen zu haben. Nicht nur war sein Haar von der Sonne gebleicht, sondern auch lang. Sein Aufzug glich dem all jener Menschen in ihrer eher lockeren, offenbar sehr bequemen Kleidung, von denen es hier auf dem Dock nur so wimmelte, als der traditionelleren, bestehend aus Ausgehrock und Hose, die Ren trug. Aber Kitts Augen waren unverändert klug und lebhaft und von einem klaren Meeresblau. Oh ja, es war sein guter, alter Freund Kitt, und es war wundervoll, sein freundliches Gesicht zu sehen.
„Das tut es wirklich.“ Kitt lachte, als eine hübsche Obstverkäuferin mit verführerischem Hüftschwung auf sie zukam.
„Frisches Obst, meine Lieben, das beste auf dieser Insel. Ist dieser gut aussehende Bursche Ihr Freund, Mr. Kitt?“ Sie hielt Ren lockend eine feste runde Orange unter die Nase. Ihre Methode war erfolgreich. Nach zwei Wochen ohne etwas, das auch nur im Entferntesten hätte frisch genannt werden können, stellte die Orange eine große Versuchung dar. Die Frau hätte genauso gut Eva mit dem Apfel sein können, und wenn Eva auch nur halb so verführerisch ausgesehen hatte wie diese Inselschönheit, konnte Ren vollkommen verstehen, warum Adam den Apfel genommen hatte.
„Er ist den weiten Weg aus London hierhergereist, Liddie. Sei nett zu ihm.“ Kitt gab ihr zwei Münzen, ergriff die Orange und drückte sie Ren in die Hand.
„Sind all Ihre Freunde so attraktiv?“ Liddie flirtete unverhohlen mit Ren und beugte sich leicht vor, damit er in dem tiefen Ausschnitt ihrer weiten Bluse einen Blick auf feste, runde Früchte einer viel sinnlicheren Natur werfen konnte. Sie lächelte ihn ermutigend an.
Kitt gab vor, beleidigt zu sein, und presste dramatisch die Hand auf die Brust. „Attraktiver als ich, Liddie?“
Sie lachte perlend. „Sie sind einfach zu viel für ein armes Mädchen wie mich, Mr. Kitt. Wollen Sie mich nicht vorstellen?“
„Liddie, das hier ist Ren Dryden, Albert Merrimores Cousin. Er wird die Sugarland-Plantage übernehmen.“
Ren hatte den Eindruck, dass Liddie leicht zurückwich. Ihre nächsten Worte bestätigten, dass er sich nicht geirrt hatte. „Die Plantage bedeutet Unheil.“ Sie bedachte Kitt mit einem warnenden Blick. „Erzählen Sie ihm besser von den Geistern und der Hexe, Mr. Kitt.“ Hastig betastete sie ihren Hals und zog sich eine Kette, an der ein Stück Koralle hing, über den Kopf, um sie Ren zu reichen. „Sie werden Schutz brauchen. Dies wird die bösen Geister fernhalten.“
Verblüfft betrachtete Ren die Kette in seinen Händen. Die Vorstellung, es könnte Ärger auf seiner Plantage geben, war mehr als nur ein wenig beunruhigend. Dass dabei sogar Geister und eine Hexe eine Rolle spielen könnten, machte die Sache nicht besser. Fragend sah er seinen Freund an, der nur die Achseln zuckte.
„Mein Freund und ich sind gute Anglikaner, Liddie. Wir glauben nicht an böse Geister“, meinte er gelassen.
Gute Anglikaner? Ren hätte fast laut aufgelacht. Er zweifelte sehr an Kitts Religiosität, und gut war er sehr wahrscheinlich nur darin, anderen Leuten Scherereien zu bereiten.
Ren steckte die Kette in seine Hemdtasche, während Kitt wieder mit Liddie schäkerte. „Trotzdem bin ich ein wenig eifersüchtig, Liddie. Was ist mit mir? Bekomme ich keine Kette? Für alle Fälle, meine ich.“
Ein hübsches Lächeln umspielte Liddies Lippen. „Mr. Kitt, ich kann die armen Geister nur bemitleiden, die es wagen...




