Scott | Ivanhoe | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 570 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Scott Ivanhoe

Roman
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-10-401235-3
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 570 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-401235-3
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Der edle Ritter Ivanhoe, Robin Hood, Rächer der Enterbten - sie beflügeln seit jeher die Traumfabrik Hollywood. Lanzen brechen an prunkvollen Schilden: Es gilt, für die Königin der Schönheit und der Liebe das Turnier zu gewinnen. Doch Lady Rowena wird entführt. Die Edelleute brauchen die Geächteten, um die Lady aus der Burg des Feindes zu befreien. Walter Scott hat diesen Bildern so nachdrücklich seinen Stempel aufgedrückt, dass sich alle an seinem Vorbild orientieren. ?Ivanhoe? ist einer der größten Romane über ritterlichen Edelmut - und die besten Tricks, den Reichen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Walter Scott wurde am 15. August 1771 in Edinburgh geboren. Seit dem ersten historischen Roman ?Waverley? von 1814 erzielte er unerhörte Verkaufserfolge und erlange Weltruhm. 1820 wurde er geadelt. Bereits 1813 geriet der Verlag, an dem er beteiligt war, in finanzielle Schwierigkeiten, was sich 1826 wiederholte und Scott dem finanziellen Ruin nahe brachte. Durch frenetisches Schreiben gelang es ihm beide Male, seine Schulden zu tilgen. Nach mehreren Schlaganfällen starb er am 21. September 1832 in Abbotsford in Schottland.
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I


So sprachen sie, indessen nach der Hütte

Die Schweine kehrten, die nach ihrer Sitte

Sich heftig sträubten, lärmend, grunzend, träge,

Und doch bezwungen durch die Macht der Schläge.

POPES ODYSSEE

In jener lieblichen Gegend Englands, welche der Fluß Don bewässert, erstreckte sich vor alten Zeiten ein ansehnlicher Wald, der den größten Teil der schönen Hügel und Täler bedeckte, die zwischen Sheffield und der freundlichen Stadt Doncaster liegen. Noch jetzt finden sich Überbleibsel dieser Waldung in der Nähe der Rittersitze von Wentworth, Warncliffe Park und um Rotherham. Hier hauste vor alters der fabelhafte Drache von Wantley, hier ward manche verzweifelte Schlacht in den Bürgerkriegen der ›Rosen‹ ausgefochten, und hier war es, wo in alten Zeiten jene Banden tapferer Geächteten ihr Wesen trieben, deren Taten in den alten englischen Volksliedern besungen werden.

Dies ist der Schauplatz unsrer Erzählung. Ihr Zeitalter fällt in das Ende der Regierung Richards I., als seine Rückkehr aus langer Gefangenschaft für sein verzweifeltes Volk mehr ein Gegenstand der Wünsche als der Hoffnungen war, da dieses in der Zwischenzeit unter mancherlei hartem Druck zu leiden hatte. Die Edeln, deren Macht während der Regierung Stephans keine Grenzen mehr kannte, und die Heinrich II. mit der größten Anstrengung kaum in einige Abhängigkeit von der Krone zu bringen vermochte, überließen sich nun wieder in vollem Maße der früheren Ungebundenheit und kehrten sich wenig an die schwache Vermittlung des englischen Staatsrats. Sie befestigten ihre Schlösser, vermehrten die Zahl ihrer Reisigen und brachten alles um sich her in einen Zustand von Abhängigkeit, indem sie alle Mittel anwandten, sich an die Spitze einer Macht zu stellen, durch die sie instand gesetzt würden, bei den bevorstehenden Erschütterungen des Staates eine bedeutende Rolle zu spielen.

Die Lage des niedern Adels oder der sogenannten Franklins, welche nach den Gesetzen und dem Geist der englischen Konstitution berechtigt waren, sich von der Feudaltyrannei unabhängig zu erhalten, mußte in hohem Grade schwankend und unsicher werden. Dadurch, daß sie sich, wie es gewöhnlich der Fall war, unter den Schutz eines der kleinen Könige ihrer Nachbarschaft stellten und gewisse Lehnsdienste in dessen Haushalt übernahmen, oder durch gegenseitige Schutz- und Trutzbündnisse sich verpflichteten, ihm Heeresfolge zu leisten, mochten sie sich für den Augenblick Ruhe erkaufen. Aber dies geschah nur mit Aufopferung der jeder englischen Brust so teuern Unabhängigkeit, wodurch sie in jedes unbesonnene Wagnis, das der Ehrgeiz ihres Schutzherrn herbeiführte, verwickelt werden konnten.

Auf der andern Seite standen jenen mächtigen Baronen so viele Mittel der Verfolgung und Unterdrückung zu Gebote, daß es ihnen nie an Vorwand und selten an Willen fehlte, ihre weniger mächtigen Nachbarn zu quälen und zu verfolgen, wenn sie es in jenen gefährlichen Zeiten im Vertrauen auf die Gesetze des Landes wagten, sich ihrer Obhut zu entziehen. Ein Umstand, der sehr viel dazu beitrug, die Tyrannei des Adels und die Leiden der untern Klassen zu erhöhen, entsprang aus der Eroberung Englands durch Wilhelm von der Normandie. Vier Generationen hatten nicht vermocht, das feindliche Blut der Normannen und Angelsachsen zu vermischen, oder durch gleiche Sprache und gemeinschaftliches Interesse die beiden feindlichen Stämme zu vereinigen, von denen der eine immer noch im Übermute des Sieges auftrat, während der andere unter den Folgen der Niederlage seufzte. Durch den Sieg bei Hastings war alle Macht in die Hände des normannischen Adels gekommen, der sie, nach dem Zeugnis unserer Geschichtschreiber, keineswegs mit Mäßigung handhabte. Die sächsischen Fürsten und Edeln waren mit wenigen Ausnahmen entweder gänzlich ausgerottet oder ihres Erbes beraubt. Nicht groß war die Zahl derer, welche auch nur als Eigentümer der zweiten oder einer noch geringeren Klasse Ländereien in dem Erbe ihrer Vorfahren besaßen. Lange Zeit war es Politik der Herrscher, jedes Mittel, gleichviel ob gesetzlich oder ungesetzlich, anzuwenden, um die Macht derjenigen Untertanen zu schwächen, die man mit Recht als die zu betrachten hatte, welche den eingewurzeltsten Haß gegen ihre Unterdrücker nährten. Alle Monarchen aus dem Geschlechte der Normannen hatten die entschiedenste Vorliebe für ihre normannischen Untertanen gezeigt. Die Jagdgesetze und noch manche anderen, dem mildern, freien Geiste der sächsischen Konstitution unbekannten Beschränkungen wurden den Unterjochten aufgebürdet, als geschehe es nur, um die drückenden Ketten der Feudaldespotie noch drückender zu machen. An den Höfen wie auf den Schlössern des hohen Adels, wo man die Pracht der Hofhaltungen nachahmte, ward nur das Normannisch-Französische gesprochen; an den Gerichtshöfen fanden die Verhandlungen und Rechtsprechungen in derselben Mundart statt. Kurz, die französische Sprache war die Sprache der Ehre, der Ritterlichkeit sowie der Gerichte, indes das weit männlichere, ausdrucksvollere Angelsächsische in den Kreis der Bauern und des niedern Volkes verbannt worden war, wo man keine andere Sprache kannte.

Indessen entstand durch die Berührung der Herren des Bodens mit seinen untergebenen Bebauern nach und nach eine eigene aus dem Französischen und dem Angelsächsischen gebildete Mundart, durch die sie sich einander verständlich machten. Aus dieser Notwendigkeit der Verständigung ist endlich die jetzige englische Sprache entstanden, in der sich die Sprachen der Sieger und der Besiegten so glücklich vereinten, und die seitdem aus dem Schatze der klassischen Sprachen sowohl als auch aus denen der südlicheren Nationen Europas so reichlich bedacht worden ist.

Diesen Stand der Dinge glaubte ich dem Leser im Überblick darlegen zu müssen, da er vielleicht vergessen mochte, wie die große eigentümliche Verschiedenheit zwischen den Angelsachsen und ihren Besiegern fortdauerte, obgleich keine großen geschichtlichen Ereignisse, Kriege oder Empörungen nach den Zeiten Wilhelms II. sie als ein für sich bestehendes Volk auftreten lassen. Die Erinnerung an das, was sie waren und worauf sie beschränkt wurden, ließ selbst noch unter der Regierung Eduards III. die Wunden nicht verharschen, welche die Unterjochung geschlagen hatte, und noch immer bestand eine Scheidewand zwischen den Abkömmlingen der siegreichen Normannen und denen der besiegten Angelsachsen.

Die untergehende Sonne beschien einen der üppigsten Grasplätze des Waldes, dessen wir zu Anfang des Kapitels erwähnten. Hunderte von breiten, kurzstämmigen Eichen, die vielleicht schon den stattlichen Zug der römischen Legionen mit angesehen hatten, breiteten ihre knorrigen Arme über das dichte, frische Grün aus. Buchen und andere Waldbäume, oft so dicht, daß der Strahl der Sonne nicht durchdringen konnte, zeigten sich an manchen Stellen; auf andern waren sie wieder so regelmäßig geordnet, daß sie lange, anziehende Durchsichten bildeten, worin das Auge sich gerne verliert und die der Phantasie mit der Ahnung noch dichterer Einsamkeit schmeicheln.

Hier gaben die roten Strahlen der Sonne ein ungewisses, glanzloses Licht, das auf den dickbelaubten Ästen und den moosigen Stämmen zitterte; dort beleuchteten sie mit glänzendem Scheine die Stellen des Rasens, zu denen sie durchzudringen vermochten. Ein ziemlich großer, offener Raum in der Mitte dieser Ebene schien ehedem dem Gottesdienste der Druiden geweiht zu sein; denn auf der Spitze eines künstlich gebildeten Hügels fand man noch immer einen Kreis von großen unbehauenen Steinen. Sieben standen noch aufrecht; die übrigen aber waren wahrscheinlich durch den Eifer eines christlichen Bekehrers umgeworfen und lagen zerstreut umher. Einer dieser großen Steine war ganz hinabgerollt und hatte den Lauf eines kleinen Baches gehemmt, der sanft um den Fuß des Hügels sich herumwand und nun einen kleinen Fall bildend in leisem Murmeln dahinfloß.

Zwei menschliche Gestalten vollendeten dieses Landschaftsgemälde. Kleidung und Gestalt verrieten den wilden und rauhen Charakter der Waldbewohner des westlichen Teils von Yorkshire. Der ältere dieser Männer hatte ein finsteres, rohes und wildes Aussehn; seine Kleidung war die einfachste, die man sich denken kann, denn sie bestand aus einer engen Jacke mit Ärmeln, die aus dem gegerbten Felle eines Tieres gemacht war, auf dem sich noch das ursprüngliche Haar befand, das aber an vielen Stellen so abgetragen war, daß man schwer bestimmen konnte, welcher Tierart es eigentlich angehört hatte. Diese altertümliche, von der Brust bis zu den Knien reichende Kleidung vertrat die Stelle aller andern Kleidungsstücke und hatte bloß oben eine Öffnung, um den Kopf durchzulassen, so daß man es wie ein Hemd der heutigen Zeit oder wie einen altertümlichen Küraß überwerfen konnte. Sandalen mit Riemen von Schweinsleder schützten die Füße, dünnes Leder war kunstvoll um die Beine gewunden bis über die Waden hinauf und ließ die Knie nackt, wie bei den schottischen Hochländern. Damit sich die Jacke noch enger an den Leib anschlösse, war sie in der Mitte mit einem breiten ledernen Gurt vermittelst einer metallenen Schnalle zusammengehalten. An der einen Seite des Gürtels hing eine Art Tasche, an der andern ein Widderhorn, durch ein Mundstück zum Blasen eingerichtet. Ein langes, breites, scharfgespitztes, zweischneidiges Messer mit Horngriff, in der Nachbarschaft verfertigt und schon damals unter dem Namen Sheffielder Messer bekannt, steckte ebenfalls in dem Gurt. Der Mann hatte keine andere Kopfbedeckung als sein eigenes, dickes Haar, das, ineinander verworren und verfilzt, durch die Sonne zu einer rostigen, rotschwarzen...


Scott, Sir Walter
Walter Scott wurde am 15. August 1771 in Edinburgh geboren. Seit dem ersten historischen Roman ›Waverley‹ von 1814 erzielte er unerhörte Verkaufserfolge und erlange Weltruhm. 1820 wurde er geadelt. Bereits 1813 geriet der Verlag, an dem er beteiligt war, in finanzielle Schwierigkeiten, was sich 1826 wiederholte und Scott dem finanziellen Ruin nahe brachte. Durch frenetisches Schreiben gelang es ihm beide Male, seine Schulden zu tilgen. Nach mehreren Schlaganfällen starb er am 21. September 1832 in Abbotsford in Schottland.

Sir Walter ScottWalter Scott wurde am 15. August 1771 in Edinburgh geboren. Seit dem ersten historischen Roman ›Waverley‹ von 1814 erzielte er unerhörte Verkaufserfolge und erlange Weltruhm. 1820 wurde er geadelt. Bereits 1813 geriet der Verlag, an dem er beteiligt war, in finanzielle Schwierigkeiten, was sich 1826 wiederholte und Scott dem finanziellen Ruin nahe brachte. Durch frenetisches Schreiben gelang es ihm beide Male, seine Schulden zu tilgen. Nach mehreren Schlaganfällen starb er am 21. September 1832 in Abbotsford in Schottland.

Walter Scott wurde am 15. August 1771 in Edinburgh geboren. Seit dem ersten historischen Roman ›Waverley‹ von 1814 erzielte er unerhörte Verkaufserfolge und erlange Weltruhm. 1820 wurde er geadelt. Bereits 1813 geriet der Verlag, an dem er beteiligt war, in finanzielle Schwierigkeiten, was sich 1826 wiederholte und Scott dem finanziellen Ruin nahe brachte. Durch frenetisches Schreiben gelang es ihm beide Male, seine Schulden zu tilgen. Nach mehreren Schlaganfällen starb er am 21. September 1832 in Abbotsford in Schottland.



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