E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Scott Debütantin in geheimer Mission
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-4623-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-4623-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schon als er den Rücken der exotischen Debütantin sieht, stockt Baron Pendennys der Atem: Wie gern würde er ihre verführerische alabasterfarbene Haut streicheln, und mit seinen Lippen ihre zarten Schultern liebkosen! Aber schon mit dem ersten Kuss bringt er sich in Lebensgefahr: Denn Lilya hütet ein dunkles Geheimnis
Bronwyn Scott ist der Künstlername von Nikki Poppen. Sie lebt an der Pazifikküste im Nordwesten der USA, wo sie Kommunikationstrainerin an einem kleinen College ist. Sie spielt gern Klavier und verbringt viel Zeit mit ihren drei Kindern. Kochen und waschen gehören absolut nicht zu ihren Leidenschaften, darum überlässt sie den Haushalt am liebsten ihrem Ehemann, der früh morgens und spät abends am College unterrichtet, sodass er tagsüber als Hausmann glänzen kann.
Nikkis ganzes Leben steht im Zeichen des Schreibens. Schon in der vierten Klasse nahm sie an Nachwuchsautoren-Konferenzen der Schule teil und ist immer noch sehr stolz auf ihren ersten Roman, den sie in der sechsten Klasse fertigstellte - ein mittelalterliches Abenteuer, das ihre Mutter auf einer elektrischen Schreibmaschine für sie abtippte. Mittlerweile besucht sie RWA-Konferenzen und besitzt natürlich ihren eigenen Computer. Sie ist sehr an Geschichte interessiert, recherchiert gern, immer auf der Suche nach Stoff für neue Geschichten. Es macht ihr viel Spaß, sich mit anderen Autoren und LeserInnen über ihre Lieblingsbücher und den Prozess des Schreibens auszutauschen.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Beldon Stratten, der vierte Baron Pendennys, war in einer wichtigen Angelegenheit unterwegs: Er hielt Brautschau auf dem Ball der Fitzsimmons.
Da er einen guten Ruf hatte und ein gewisses Vermögen besaß, sollte einer standesgemäßen Heirat nichts im Wege stehen. Er schaute sich um und betrachtete die anwesenden Debütantinnen. Eine von ihnen würde er bis zum Ende der Saison zur Seinen gemacht haben.
Vielleicht die süße Miss Canby mit ihrer recht bescheidenen Mitgift, aber einer tadellosen Erziehung. Vielleicht aber auch Miss Ellsworthy, die Enkelin eines Viscounts, deren finanzielle Ausstattung ihren Mangel an Liebreiz sicher wettmachen könnte. Oder die elegante Elizabeth Smithbridge, eine kühle Schönheit, die ein Vermögen von zwanzigtausend Pfund besaß … Beldon korrigierte sich. Nein. Nicht Miss Smithbridge, sie war zu kalt. Ein Mann musste Grundsätze haben. Es ging schließlich nicht nur um Geld.
Oh nein, hat mir Miss Canby gerade wirklich zugezwinkert? Sie tanzte mit dem jungen Erben einer Grafschaft an ihm vorbei. Offenbar versuchte sie, so viele Kohlen wie möglich im Feuer zu haben. Ja, sie hat mir definitiv zugezwinkert …
Er griff sich ein Glas Champagner vom Tablett eines vorübereilenden Kellners und prostete sich selbst zu.
Willkommen zur Ballsaison in London!
Willkommen zu einer Welt voller Möglichkeiten!
Vier Monate lang hatte er nun Zeit, um abzuwägen, ob es sich lohnen würde, zu heiraten. Aber da er kein junger Dummkopf war, wusste er, dass die Frauen im heiratsfähigen Alter ihn genauso sorgfältig anschauen und prüfen würden, wie er es mit ihnen täte.
Als er den ersten Schluck von seinem Champagner nahm, schwebte Lady Eleanor Braithmore – die Tochter eines Earl und damit die begehrenswerteste Erbin der Saison – in einem üppigen Kleid aus weißer Spitze und rosafarbenen Stickereien an ihm vorbei. Sein gesunder Menschenverstand sagte ihm, dass er um diese junge Frau werben sollte. Sie war wohlhabend, jung und schön. Eleanor hatte alles, was sich ein Gentleman nur wünschen konnte.
Bis sein Blick weiterwanderte und er sie sah.
Ihren Rücken, um genau zu sein.
Und sie war nicht Eleanor Braithmore.
Er wusste überhaupt nicht, wer sie war, nur dass ihr Anblick ihm den Atem raubte.
Zwar sah er nur ihren Rücken, aber schon der war außerordentlich bemerkenswert. Im Stillen bedankte er sich bei den Modeschöpfern, die in dieser Saison tief ausgeschnittene Kleider vorschrieben, welche einen beinahe unanständigen Blick auf die Rücken der Frauen und ihre wohlgeformten Schultern erlaubten.
Der Frau, die er gerade betrachtete, stand der neue Kleidungsstil ausgesprochen gut. Ihr rabenschwarzes Haar war hochgesteckt und mit Perlenschnüren durchwoben. Die Frisur ließ ihren Nacken und genug von ihrem Rücken frei, sodass er mehr als nur einen Anflug von Begierde in sich aufsteigen fühlte. Plötzlich war er sich ganz und gar klar darüber, wie sehr er sich nach der Erfüllung seiner sinnlichen Begierde sehnte. Wie es wohl wäre, eine solche Frau im Schlafgemach zu verwöhnen … Ihr bloßer Anblick beflügelte seine ohnehin schon lebhafte Fantasie.
Er schloss seine Augen einen Augenblick lang und stellte sich vor, wie seine Fingerspitzen diesen geraden, eleganten Rücken berührten. Sogar auf diese Entfernung schmerzten seine Finger bei dem Gedanken fast. Wie gern würde er ihre alabasterfarbene Haut streicheln, während er mit seinen Lippen ihre zarten Schultern liebkoste …
In Gedanken verführte er sie bei Kerzenlicht. Er würde sich ihr von hinten nähern, seine Hände sanft, aber fest auf die nackten Schultern legen und ihr das Kleid nach unten schieben, bis ihr gesamter Rücken bis zu ihrem wohlgerundeten Po entblößt wäre.
Nackt würde sie noch viel erotischer sein.
Ein Mann wusste so etwas instinktiv. Und ein kluger Mann würde diese Gedanken nun schleunigst aus seinem Kopf verbannen, dorthin, wo sie sein Urteilsvermögen nicht beeinflussen konnten.
Beldon war ein kluger Mann.
Für solche Fantasien gab es andere Zeiten und andere Orte. In der Vergangenheit hatte er sich oft ablenken lassen. Sein Besuch bei diesem Ball diente lediglich dazu, endlich eine Gattin zu finden, nicht, mit einer Fremden eine Affäre zu beginnen.
Deshalb atmete er tief durch und konzentrierte sich. Wer immer diese Frau auch sein mochte, sie stand nicht auf seiner Liste möglicher Kandidatinnen. Dafür gab es wahrscheinlich gute Gründe. Eine verführerische Frau bedeutete mögliche Komplikationen. Ein ruhiges, anständiges Leben würde mit ihr nicht möglich sein und er wollte keine unnötige Aufregung. Sein Vater, der aufgrund seiner abgöttischen Liebe zu seiner Gattin beinahe die Familie für immer ruiniert hätte, war ihm ein mahnendes Beispiel.
Dann drehte sich die Fremde um, und seine guten Absichten waren zum Teufel.
Er verlangsamte seinen Schritt.
Er hielt den Atem an.
Lilya!
Die geheimnisvolle Frau war keine Unbekannte, sondern niemand anders als Lilya Stefanov, die Schutzbefohlene seines Freundes Valerian. Vor einiger Zeit hatte er sie in Valerians Haus in Cornwall getroffen. Aber das war eine Weile her. Im vergangenen Jahr war er viel unterwegs gewesen.
Sie hatte wenig Ähnlichkeit mit dem zurückhaltenden, schlicht gekleideten Mädchen, an das er sich erinnerte. Die Wandlung war erstaunlich. Während seiner Abwesenheit hatte sie sich zu einer außerordentlich schönen Frau entwickelt. In ihrem Kleid aus cremefarbener Seide bot sie einen atemberaubenden Anblick. Andere Debütantinnen wirkten beinahe bleich in ihren hellen Roben, Lilya hingegen glühte geradezu darin. Sie war eine Frau in einem Ballsaal voller schüchterner Schulmädchen, die vor dem heutigen Abend nicht einmal den Ärmelaufschlag eines Mannes berührt hatten. In Lilyas Blick aber lag keine Zurückhaltung. Im Gegenteil: Ihre Augen funkelten verheißungsvoll.
Mit dem fachkundigen Blick eines Junggesellen, der im Umgang mit schönen Frauen geübt war, bemerkte er, dass Lilya von Verehrern verfolgt wurde. Kein Wunder! Wer könnte solch einer strahlenden Schönheit schon widerstehen? Alle heiratswilligen Männer in London würden ihr zu Füßen liegen. Alle … außer ihm.
Sie war für ihn keine Heiratskandidatin. Er wusste genau, welche Qualitäten seine zukünftige Gattin mit sich bringen sollte, schließlich hatte er den ganzen Winter darüber nachgedacht. Die ideale Frau sollte wissen, wie man ein Anwesen unterhielt und ein gewisses Vermögen mit in die Ehe bringen. Er hatte zehn lange Jahre benötigt, um das Ansehen der Pendennys wiederherzustellen. Seine Frau sollte diese Arbeit in seinem Sinne fortsetzen können.
Abgesehen von ihrer Schönheit brachte Lilya keine der beiden Voraussetzungen mit. Sie war Valerians Mündel, ein Flüchtling aus Mazedonien. Ob sie sich in die englische Gesellschaft würde einfügen können, war fraglich. Selbst wenn sie sich als eine charmante und weltgewandte Gastgeberin erweisen würde, hätte sie dennoch keine finanziellen Mittel. Sie lebte von dem, was Valerian ihr gab. Und er könnte unmöglich das Geld seines Freundes annehmen. Es war eine unumstößliche Tatsache, dass er reich heiraten musste. Er konnte sich eine Braut ohne Mitgift leider nicht leisten.
Und dennoch war Lilya unwiderstehlich. Er sollte wenigstens hinübergehen, um sie zu begrüßen. Jeder würde es ungezogen finden, wenn er es nicht tat. Er würde zu ihr gehen und „Guten Abend“ sagen, mehr nicht. Und dann würde er sich um diese makellose englische Rose Eleanor Braithmore kümmern.
Der attraktive Mann starrte Lilya mit seinen blauen Augen intensiv an und musterte sie von Kopf bis Fuß. Sein Blick hatte ihre Aufmerksamkeit erregt.
Oh mein Gott! Jetzt blickte er sie nicht mehr nur an, sondern bewegte sich stattdessen … in ihre Richtung! Daran gab es keine Zweifel. Lilya schluckte.
Sie hatte ihn zunächst nicht bemerkt, obwohl er ihr bekannt vorkam. Mit seinen breiten Schultern, der beeindruckende Größe und der stolzen Haltung eines Mannes, der wusste, wer er war, stach er aus der Menge der Ballgäste hervor. Am auffälligsten aber waren seine strahlend blauen Augen. Sie kannte nur einen Mann mit solchen unvergesslichen Augen.
Beldon Stratten.
Also war er zurück.
Während ihr Gehirn noch damit beschäftigt war, diese aufwühlende Erkenntnis zu verarbeiten, begann sie schon am ganzen Leib zu zittern. Damit, dass er zurück war, hatte es nicht zu tun, mehr mit der Art, wie er sich nun ihre Hand zu seinem Mund führte, in seiner charmanten und betörenden Art.
„Enchanté, Miss Stefanov. Guten Abend. Es ist lange her, seit wir uns das letzte Mal getroffen haben.“
„Lord Pendennys, wie schön, Sie zu sehen.“ Lilya deutete einen leichten Knicks an, um dem Standesunterschied Genüge zu tun. Als Schwager von Valerian gehörte es sich natürlich, dass er sie begrüßte. Wenn sein Blick nur nicht so feurig wäre! Er hatte zwar nichts Falsches getan, aber er hatte eine eigentlich routinierte Begrüßung gerade in etwas ganz anderes verwandelt. Ein albernes Mädchen wäre wahrscheinlich angesichts von so viel Männlichkeit und Eleganz ohnmächtig geworden.
Vielleicht schauten die Damen deshalb so neugierig zu ihm herüber, bemüht ihre Gesichter hinter ihren Fächern zu verbergen. Er zog die Aufmerksamkeit auf sich. Und warum auch nicht? Ein selbstbewusster Mann war ein anziehender Mann, und Beldon Stratten war definitiv selbstbewusst.
Sie fragte sich, welche geheimnisvollen Fähigkeiten er...




