Scobel | Der Ausweg aus dem Fliegenglas | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Scobel Der Ausweg aus dem Fliegenglas

Wie wir Glauben und Vernunft in Einklang bringen können
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-10-400941-4
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie wir Glauben und Vernunft in Einklang bringen können

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-10-400941-4
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
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Der Ausweg aus dem Fliegenglas - Gert Scobel zeigt Wege zwischen Glaube und Vernunft auf Für die meisten Menschen scheinen Glaube und Vernunft unvereinbare Gegensätze zu sein. Doch was, wenn man sich weder ausschließlich auf den Glauben noch auf die Vernunft verlassen kann oder will? In seinem ebenso gedankenreichen wie anregend-unterhaltsamen Buch Der Ausweg aus dem Fliegenglas zeigt der bekannte Wissenschaftsautor und Fernsehjournalist Gert Scobel, dass es sich lohnt, zwischen den Stühlen zu sitzen. Scobel gibt dem Leser die entscheidenden Mittel an die Hand, um sich in der Fülle der Theorien, Bücher und Meinungen zurechtzufinden. Mit Bezügen zu Philosophen wie Kant, Wittgenstein und Blumenberg sowie Theologen und Atheisten wie Dawkins navigiert er geschickt durch die komplexen Fragen von Religion und Aufklärung. So gelingt es ihm, der Fliege Auswege aus ihrem Glasgefängnis aufzuzeigen und neue Perspektiven auf die Wiederkehr der Religion in einer säkularen Welt zu eröffnen.

Gert Scobel, 1959 geboren, studierte Philosophie und Theologie an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main und an der University of California in Berkeley. Er hatte mehrfach Lehraufträge, u.a. an der University of San Francisco. Zweimal erhielt er das EICOS-Stipendium, u.a. am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in München. Von 1995 bis 2007 moderierte er die 3sat-Sendung »Kulturzeit«. Von 2001 bis 2003 war er zudem Anchorman des ARD-Morgenmagazins. Von 2003 bis 2014 moderiert er die ZDF-Sendung »Sonntags - TV für's Leben«. 2004 bis 2008 leitete und moderierte Gert Scobel das Magazin »delta«, das im April 2008 von der Sendung »scobel« abgelöst wurde. Seitdem ist er verantwortlich für das Wissensmagazin »scobel«. Seit 2016 ist Gert Scobel zudem Professor für »Philosophie und Interdisziplinarität« an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
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Worum es in diesem Buch geht


Die Zeit, die wir haben – auch die zum Lesen –, ist begrenzt. Damit wären wir eigentlich bereits mitten im Thema, denn sowohl Glauben und Religion als auch Vernunft, Wissenschaften oder Philosophie haben auf eine ganz fundamentale Weise mit den Grenzen und Begrenztheiten des Lebens zu tun. Doch ich vermute, dass Sie zunächst viel lieber wissen wollen, worum es in diesem Buch geht. Also: Warum sollten Sie Zeit mit diesem Buch verbringen wollen?

Wenn ich noch einmal auf die Begrenztheiten zurückkommen darf: Endlichkeit, Krankheiten, Tod, Grenzen des Wachstums und der Globalisierung, die Krisen der Wirtschaft, aber auch die Grenzen unseres Verstehens und unserer Erkenntnis sowie die Beschränktheiten unserer politischen Systeme, die Rahmenbedingungen unserer Lebensweisen, unsere Bemühungen um Selbstbestimmung, Gerechtigkeit oder Zuwendung zueinander (Sie können diese Liste gerne um die Aspekte erweitern, mit denen Sie sich gerade beschäftigen): All das sind Themen, bei deren Durchdringung sich tiefgreifende Fragen auftun. Diese Fragen bewegen weltweit gläubige Menschen ebenso wie die, die religiös »unmusikalisch« sind oder aus mehr oder minder guten Gründen auch ohne Religion ein verantwortungsvolles Leben führen. Alle Menschen – und das schließt religiöse ebenso ein wie nichtreligiöse – versuchen notgedrungen, die Welt, in der sie – in der wir alle – leben, nicht nur besser zu verstehen, sondern auch besser zu machen (was oftmals schiefgeht). Dieses Bemühen eint uns – auch wenn es sich in den sogenannten Erstweltländern auf einer anderen Stufe des Kampfes um Überleben verwirklicht als in einem Land, in dem Hunger, Wassermangel, Krankheiten, politischer Terror oder Krieg dominieren. Trotz dieser Unterschiede versuchen wir alle bis in unsere alltäglichsten Verrichtungen hinein, möglichst gut mit der Komplexität des Lebens fertigzuwerden. Diese Komplexität ist kein Glaubensartikel. Sie umgibt uns faktisch immer, auch wenn wir sie häufig nicht wahrnehmen. In vielen Fällen überfordert sie uns auch. Dennoch müssen Gläubige wie Nichtgläubige mit ihr zurechtkommen.

Bildhaft gesprochen, befinden wir uns alle (und genaugenommen nicht nur Menschen, sondern alle Lebewesen auf diesem Planeten) in einem Boot. Unabhängig davon, ob wir den Ursprung als einen göttlichen Akt der Schöpfung, als ein singuläres Urknallgeschehen oder als eine ewige Abfolge sich wiederholender kosmologischer Prozesse der Ausdehnung und des Zusammenziehens verstehen wollen: Stets hat uns eine gemeinsame Geschichte der Evolution auf einem Himmelkörper zusammengeführt, auf dem wir durch das Universum navigieren. Je weiter man in der Zeit zurückgeht, umso eher wird man finden, dass es damals weder Vernunft noch Glauben (und irgendwann eben auch keine Menschen) gab. Beides, Glaube und Vernunft, ist erst in einem gemeinsamen Prozess der Entwicklung über Milliarden von Jahren hinweg entstanden, den man Evolution nennen kann, aber nicht muss. Je nach Vorliebe oder Weltanschauung kann man sowohl diesem Prozess als auch dem Boot, in dem wir durchs Universum segeln, verschiedene Namen geben – Namen, die durchaus auch nach der ursprünglichen Schiffstaufe geändert werden können.

Und noch eines verbindet uns: Gleich, ob Sie sich inmitten der Stürme des Lebens eher auf eine Religion – »Ihren« Glauben – oder auf den Verstand, auf Wissenschaft, klare Logik und Rationalität verlassen oder sogar versuchen, von beidem Gebrauch zu machen: Ein gewisses Gefühl des Zweifels, aber auch der Verlassenheit wird Sie in der Regel nicht ganz loslassen. Aus gutem Grund. Denn abgesehen von der bereits angesprochenen beunruhigenden Endlichkeit allen Daseins – selbst der überzeugteste Glauben an ein ewiges Leben kommt an der ihm vorausgehenden Tatsache des Todes nicht vorbei: Weder die Religionen noch die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse der Wissenschaft (und auch nicht das Wachstum der Wirtschaft oder materieller Reichtum) können uns über die üblichen Versprechungen hinaus eine wirkliche Garantie dafür geben, dass unser Leben so, wie wir es jeweils gestalten, ein glücklich(er)es Leben wird. Die sprachliche Wand, die Versprechung und Versprechen (und manchmal auch Verbrechen) voneinander unterscheidet, ist hauchdünn. (Sie lernen solche Familienähnlichkeiten, aber auch die dazu gehörenden Unterschiede am leichtesten durch den spielerischen Gebrauch der Worte kennen, der die unterschiedlichen Möglichkeiten der grammatischen Verwendung deutlich macht. So heißt es im einen Fall »Jemandem etwas versprechen«, im anderen aber »sich versprechen«.)

Kurzum: Die entscheidende Frage lautet, welche Faktoren tatsächlich dazu beitragen, die Grundlage für ein gelungenes, glückliches Leben zu legen. Was befähigt uns, gut mit den vielfältigen Schwierigkeiten und der Komplexität des Lebens umzugehen? Welcher von den beiden Kandidaten – Glauben oder Vernunft – erweist sich dabei als der verlässlichere? Auf welchen sollte man setzen? Und wenn man alles auf einen der beiden Kandidaten setzt: worauf setzt man dann eigentlich? Was, wenn weder der Verstand bzw. die Vernunft noch der Glaube alleine es sind, auf die man sich verlassen kann (oder will)? Ist es nicht ohnehin klüger, sich mit dem Besten aus beiden Welten vertraut zu machen?

Genau dies ist der Hintergrund, vor dem das Buch die Frage nach dem Verhältnis von »Glauben« und »Vernunft« – von Religion und Wissenschaft bzw. säkularer Vernunft – stellt. Für die meisten Menschen scheinen zumindest im Westen Glauben und Vernunft diametral entgegengesetzte Welten zu sein, die sich nur in wenigen Punkten berühren. Es scheint also, als könne man nur der einen oder der anderen Seite angehören, ohne dass es einen mittleren Weg gibt.

Im amerikanischen Sprachgebrauch gibt es für eine solche Situation den Ausdruck »to sit on the fence«. Wörtlich übersetzt heißt das »auf dem Zaun sitzen«. Dieser Ausdruck kann sowohl bedeuten, dass man sich nicht entscheiden kann und völlig unschlüssig ist. Es kann aber auch gemeint sein, dass man keiner Partei alleine angehören will und sich stattdessen einen höheren Betrachtungs- oder Aussichtspunkt sucht – den erhöhten Zaun. Dieser ist immer da zu finden, wo die eine Welt an die andere stößt und Abgrenzungen erforderlich sind. Denn Zäune markieren Grenzen und Kampfzonen. Wer jedoch in der Lage ist, sich auch in einer angespannten Situation eine gute Übersicht zu verschaffen und nicht sofort auf eine Seite zu schlagen, wird bald schon feststellen, dass das Leben dies- und jenseits des Zaunes so unterschiedlich nicht ist. Auch Gläubige machen Gebrauch von der Vernunft, während selbst die rationalsten Menschen zugeben müssen, dass es am Ende all ihrer Zweifel etwas gibt, auf das sie sich verlassen müssen. Haben also diejenigen, die glauben, Glauben und Vernunft durchaus miteinander in Harmonie bringen zu können, am Ende recht? Oder verstehen sie im Grunde weder das eine noch das andere richtig und weichem dem Ernst der Lage aus, indem sie versuchen, keinem Lager anzugehören?

Die These dieses Buches ist, dass es sich lohnt, die Unannehmlichkeit des »Zwischen-den-Stühlen-Sitzens« auf sich zu nehmen und nach einer dritten Position Ausschau zu halten. Dieser mittlere Weg ist möglicherweise nicht nur der weisere, sondern auch der langfristig fruchtbarere. Aber ist solch ein Weg angesichts der heftig entflammten Diskussion um die Gottesfrage, den »neuen« Atheismus, die Evolutionslehre, den Fundamentalismus (auch in der christlichen Form) und all die anderen, zuweilen hochmoralischen Fragen, die in Richtung auf eine scharfe Auseinandersetzung zwischen Glauben und Vernunft weisen, überhaupt gangbar?

Selbst bei oberflächlicher Betrachtung wird man einräumen müssen, dass es neuerdings trotz aller Spannungen durchaus eine Annäherung zwischen Wissenschaft und Religion gibt – wobei sich eine solche Annäherung meist eher auf den (westlichen) Buddhismus als auf das Christentum bezieht. Die Entdeckung seltsamer Phänomene der Verschränkungen zwischen entferntesten Elementarteilchen in der Quantentheorie; neue, bislang nicht gelöste Fragen der Kosmologie und Astrophysik, die u.a. auf neuen Daten wie der Entdeckung dunkler Materie und Energie beruhen; aber auch die Entdeckung religiöser Gefühle als Gegenstand der neurowissenschaftlichen Forschung: All das deutet auf eine gewisse »Konvergenz« hin. Noch ist allerdings unklar, wie tragfähig und belastbar eine derartige Annäherung ist. Kann ein »aggiornamento«, wie es Papst Johannes XXIII. und das zweite Vatikanische Konzil (19621965) anstrebten, tatsächlich gelingen, indem die Probleme klar angesprochen und an den Tag (it. giorno) gebracht werden, um sie auf diese Weise zu lösen und eine Angleichung des Glaubens an heutige Verhältnisse zu erreichen?

Im Westen herrscht derzeit überwiegend die Meinung vor, dass Religion und Wissenschaft bzw. die Welt des Glaubens und die Welt der Vernunft letztlich nicht miteinander vereinbar sind. Allein der Gottesbegriff bereitet zahllose Probleme. Hinzu kommen weitere, wissenschaftlich kaum zu belegende Annahmen über das Leben nach dem Tod, die Unsterblichkeit der Seele oder die Wiedergeburt, aber auch über die Abstammung und das Wesen des Menschen. Eine Annäherung zwischen Glauben und Vernunft wird für viele zusätzlich erschwert durch eine tendenziell autoritäre Haltung religiöser Führer, wenn es um Fragen der Macht und der Institution geht (etwa Frauen betreffend). Eine in überholten Formeln sich ergehende, unbewegliche Dogmatik erschwert die Diskussion. Mit den gewohnten dogmatischen Antworten ist man kaum in...


Scobel, Gert
Gert Scobel, 1959 geboren, studierte Philosophie und Theologie an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main und an der University of California in Berkeley. Er hatte mehrfach Lehraufträge, u.a. an der University of San Francisco. Zweimal erhielt er das EICOS-Stipendium, u.a. am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in München. Von 1995 bis 2007 moderierte er die 3sat-Sendung 'Kulturzeit'. Von 2001 bis 2003 war er zudem Anchorman des ARD-Morgenmagazins. Von 2003 bis 2014 moderiert er die ZDF-Sendung 'Sonntags – TV für's Leben'. 2004 bis 2008 leitete und moderierte Gert Scobel das Magazin 'delta', das im April 2008 von der Sendung 'scobel' abgelöst wurde. Seitdem ist er verantwortlich für das Wissensmagazin 'scobel'. Seit 2016 ist Gert Scobel zudem Professor für 'Philosophie und Interdisziplinarität' an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Gert ScobelGert Scobel, 1959 geboren, studierte Philosophie und Theologie an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main und an der University of California in Berkeley. Er hatte mehrfach Lehraufträge, u.a. an der University of San Francisco. Zweimal erhielt er das EICOS-Stipendium, u.a. am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in München. Von 1995 bis 2007 moderierte er die 3sat-Sendung 'Kulturzeit'. Von 2001 bis 2003 war er zudem Anchorman des ARD-Morgenmagazins. Von 2003 bis 2014 moderiert er die ZDF-Sendung 'Sonntags – TV für's Leben'. 2004 bis 2008 leitete und moderierte Gert Scobel das Magazin 'delta', das im April 2008 von der Sendung 'scobel' abgelöst wurde. Seitdem ist er verantwortlich für das Wissensmagazin 'scobel'. Seit 2016 ist Gert Scobel zudem Professor für 'Philosophie und Interdisziplinarität' an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.



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