Schwarz | Orkan über der Elbe | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 266 Seiten

Schwarz Orkan über der Elbe

und andere Erzählungen
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-8630-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

und andere Erzählungen

E-Book, Deutsch, 266 Seiten

ISBN: 978-3-7693-8630-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Aber mal etwas Anderes. Warum wollten wir eigentlich zur Insel Neßsand?" Dirk schmunzelte. Die Frage blieb unbeantwortet. Mit diesen Worten endet die erste Erzählung über eine ungeplante Reise von der Elbe nach Südfrankreich. Nicht minder unterhaltsam sind die anderen Erzählungen in diesem Buch.

Helmut Schwarz wurde 1935 in Neumünster in Schleswig-Holstein geboren. Er studierte in Kiel, Hamburg und München Volkswirtschaftslehre und war während seiner Berufszeit bei einer Mineralölgesellschaft in Hamburg tätig. Mit Eintritt in den Ruhestand widmete er sich bei seinen zahlreichen Reisen dem Filmen. Während der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie begann er, zunächst unter dem Pseudonym Tom Zrawsch, kurze Erzählungen ganz unterschiedlicher Genres zu schreiben. Einige dieser Erzählungen sind in dem im Jahr 2024 erschienenen ersten Buch des Autors mit dem Titel "Eisgang auf der Elbe" enthalten. Weitere Erzählungen sind Inhalt dieses zweiten Buches. Helmut Schwarz lebt mit seiner Frau seit den 1970er Jahren in Hamburg-Rissen.

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Der Schrei
Es war ein kalter, aber wunderschöner Sonntagmorgen Ende März. Keine Wolke war am blauen Himmel zu entdecken. Die Sonne war hinter der Bergkette emporgeklettert und erleuchtete jetzt das ganze Auerbachtal. Mittendrin lag das kleine Bergdorf Ramos, das über eine kurvenreiche Bergstraße vom Nurgtal aus zu erreichen war. Die hübsche kleine Kirche mit der Zwiebelhaube war der ganze Stolz der Bewohner. Ein Teil der gut dreihundert Einwohner zählenden Gemeinde hatte den Kirchgang bereits hinter sich. Die meist älteren Männer strebten dem alten Gasthof mit seiner großen hölzernen Veranda zu. Der Stammtisch wartete. Die Frauen unterhielten sich noch eine Weile auf der einzigen Straße des Ortes und gingen dann zu ihren Häusern. In einigen neueren Häusern waren trotz der schon fortgeschrittenen Tageszeit die Jalousien hinuntergelassen. Es waren überwiegend Häuser, die sich Fremde aus Deutschland und den Niederlanden im Laufe der letzten Jahre hatten bauen lassen, welche die meiste Zeit unbewohnt waren und lediglich für einige Wochen in den Winter- und Sommerferien selbst genutzt oder vermietet wurden. Kein schöner Anblick in dem sonst so idyllischen Ort. Die einzige Möglichkeit Wintersport zu treiben, bestand darin, einen Schlepplift an einem etwa hundert Meter hohen Hang am Ortsausgang zu benutzen. Ein idealer Einstieg für Kinder und Anfänger, aber wenig attraktiv für fortgeschrittene Skiläufer. Im Sommer boten sich zwei Alpenvereinshütten als Ziele für ausgedehnte Wanderungen an. Die Gäste wohnten entweder in Privatpensionen oder in dem großen, den Ort geradezu beherrschenden Hotel Ramoser Hof. Wegen der unsicheren Schneelage waren jetzt Ende März nur noch wenige Gäste anwesend. Im Hotel wohnten noch zwei Familien mit ihren Kindern, ein älteres Ehepaar sowie eine Ärztin, die sich hier für einige Tage entspannen wollte. An den Werktagen traf man sich ab zehn Uhr am Lift. Die Eltern begutachteten die Fortschritte ihrer Kinder beim Skikurs. Dazwischen tummelten sich einige erwachsene Anfänger, die sich aber ungleich schwerer taten als die Kinder. Die nicht skilaufenden Gäste wanderten zur Auerbachhütte hinauf oder, wenn die Kondition dafür nicht ausreichte, spazierten zu einem etwas oberhalb des Ortes gelegenen Restaurant & Cafe oder setzten sich auf eine der zahlreichen Bänke am Skihang und genossen einfach die Sonne und die saubere Bergluft. Ramos war ein Ort zum Erholen und Abschalten, ohne Autoverkehr, ohne Aprés Ski und ohne ruhestörendes Nachtleben. Die in dem Hotel wohnenden Erwachsenen trafen sich nach dem Abendessen, nachdem sie ihre Kinder ins Bett gebracht hatten. im gemütlichen „Stüberl“. Man unterhielt sich über dies und jenes und genoss den geruhsamen Abend. Auch der Wirt und Chef des Hotels, Willy Schwab, setzte sich mitunter zu seinen Gästen und erzählte über Neuigkeiten aus dem Dorf. Sein Projekt, einen Lift auf den südlich des Ortes gelegenen Bergrücken zu einer Hochalm zu bauen, war gescheitert. Er bedauerte das außerordentlich, lag in der Realisierung dieses Bauvorhabens seiner Meinung nach doch die einzige Chance, die Skisaison in dem Ort zu verlängern und den Tourismus weiter anzukurbeln. Bei dem deutlich spürbaren Klimawandel und der damit verbundenen frühen Schneeschmelze hätte der Ort auf Dauer keine Überlebenschance als Wintersportort. Aber die Gemeindevertretung hatte mit Hinweis auf die zahlreichen anderen Orte im Nurgtal, die über hoch gelegene und schneesichere Skiregionen verfügten, und auf den speziellen Charakter von Ramos als Erholungsort, die Erschließung eines neuen Skigebietes abgelehnt. Von den anwesenden Gästen wurde das Für und Wider natürlich heiß diskutiert. Letztendlich war man sich jedoch einig, dass Ramos, so wie der Ort jetzt war, einzigartig und so erhaltenswert bleiben solle. Sie fühlten sich allesamt sehr wohl dort. An diesem Sonntagabend im „Stüberl“ verabschiedete sich als Erste Frau Dr. Ohlrogge. Sie wollte noch einmal kurz die Nase in den Wind halten und dann schlafen gehen. Kurz vor Mitternacht und nach dem Genuss einiger Getränke löste sich die Runde der übrigen Gäste auf. Alle verspürten die einsetzende Müdigkeit und freuten sich auf die Bettruhe. Am frühen Montagmorgen wurden die Hotelgäste plötzlich von einem lauten Schrei geweckt. Es war kurz vor sechs Uhr, als eine Reinigungskraft begonnen hatte, das Restaurant und die Flure zu säubern. Dabei fiel ihr auf, dass die Tür zu einem Apartment halb offen stand. In der Annahme, dass die Gäste vielleicht sehr früh abgereist seien, betrat sie das Zimmer und sah auf dem Fußboden des Waschraums eine Frau liegen. Sie schrie vor Schreck und lief hinunter zu der Wohnung der Wirtsleute. Als der Hotelchef auf ihr Klopfen die Tür öffnete und seine Angestellte ihm mit zitternder Stimme das Vorgefallene berichtete und an zu weinen anfing, gab er ihr zu verstehen, leise zu sein. Willy Schwab, der Hotelier, zog sich hastig an und eilte mit ihr hinauf zu dem Apartment. Als früherer Rettungssanitäter beim Bundesheer konnte er schnell feststellen, dass die Ärztin tot war. Er verschloss das Zimmer, ermahnte die Reinigungskraft, über den Vorfall Stillschweigen zu bewahren und wie gewohnt ihrer Arbeit nachzugehen. Der Hotelier versuchte zunächst, die Gendarmerie unten im Nurgtal zu erreichen. Vergeblich. Es war schließlich noch keine sieben Uhr. Aber auch einige Zeit später war die Telefonleitung unterbrochen. Er wandte sich daher an seinen Onkel Aloys Schwab, den Leiter der Skischule, der über Funk eine Verbindung ins Tal zur dortigen Zentrale der Bergrettung in Längsacker aufbauen konnte. Es meldete sich Franz Leitenbauer, Leiter der Bergrettung. Aloys schilderte ihm das Vorgefallene und auch, dass es momentan keine telefonische Verbindung ins Tal gäbe. „Kein Wunder“, sagte Franz „weißt Du denn noch nicht, dass „Emma“ (so nannten die Einwohner von Ramos die große Lawine, die in jedem Frühling zu Tal stürzte und schon viel Schaden an der Bergstraße zwischen dem Nurgtal und Ramos angerichtet hatte) heute früh in Zwischenwasser heruntergekommen ist? Nicht nur die Telefonleitung ist heruntergerissen und getrennt worden, die Lawine ist über die Straße hinuntergegangen und hat die Fahrbahn auf etwa fünfzig Meter Länge meterhoch unter sich begraben. Die Zufahrt ist also total versperrt. Die Räumungsfahrzeuge sind aber bereits von Längsacker aufgebrochen und werden in Kürze mit den Räumungsarbeiten beginnen. Wie lange alles dauert, lässt sich schwer abschätzen, weil wir noch nicht wissen, wie stabil die Lawine ist und wie viel Felsgestein und Geröll in ihr steckt. Aber nun zu Deiner Toten. Ich werd´ mich mit der Bergrettung in Gims in Verbindung setzen, dass sie einen Hubschrauber mit einem Notarzt zu Euch hinauf schicken.“ „Noch eins, Franz“ sagte Aloys „die Tote ist möglichweise nicht eines natürlichen Todes gestorben. Um keine Spuren zu verwischen, hat der Hotelier das Apartment der Toten verschlossen. Da ich keine telefonische Verbindung zur Gendarmerie aufnehmen kann, setz‘ Du Dich doch bitte mit der Polizei in Verbindung, dass sie die Mordkommission und die Spurensicherung verständigt.“ Nachdem das Frühstück für die Gäste im Ramoser Hof serviert worden war, der Platz, den die Ärztin normalerweise einnahm, aber leer blieb, trat Willy Schwab zu den Gästen und berichtete, dass die Ärztin letzte Nacht gestorben sei. Über die Todesursache könne er natürlich nichts sagen. Ein Notarzt sei auf dem Wege. Die Gäste waren sehr betroffen. Da kein Fremder seit dem Niedergang der Lawine am frühen Morgen den Ort verlassen haben konnte, aber auch niemand vom Nurgtal hinauf gekommen sein konnte, musste sich der Mörder, wenn es denn ein Mord war, noch in Ramos aufhalten. War der mutmaßliche Mörder einer der wenigen Urlaubsgäste oder ein Einheimischer? Noch vor dem Notarzt landete ein Hubschrauber der Polizei auf dem Parkplatz vor der Skischule. Drei Beamte und ein Hundeführer mit seinem Hund stiegen oder sprangen aus dem Heli. Sie begaben sich zu dem nahegelegenen Hotel, wo sie Willy Schwab begrüßte und in einen separaten Raum des Hotels führte. Oberkommissar Eder stellte sich und seine Kollegen vor und begann dann mit der Befragung. Ein zweiter Beamter protokollierte die Fragen und Aussagen. „Herr Schwab, wann haben Sie Kenntnis von dem Tode ihres Gastes erhalten?“ Der Hotelier schilderte, dass ihn am heutigen frühen Morgen seine Hotelangestellte Gaby Eisele geweckt und ihm von dem Unglück berichtet hätte. Er wäre dann mit ihr hinauf zu dem Apartment gegangen, wo er die Ärztin tot aufgefunden hätte. Als früherer Sanitäter beim Bundesheer hätte er den Tod der Frau eindeutig feststellen können. Er hätte dann jedoch, um keine Spuren zu verwischen, das Apartment verlassen und abgeschlossen. Seitdem habe also keine andere Person das Apartment von Frau Dr. Ohlrogge mehr betreten. „Gut“, sagte der Oberkommissar, „dann geleiten Sie uns bitte zu dem...



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