Schwarz | Maddrax - Folge 315 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 315, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

Schwarz Maddrax - Folge 315

Apokalypse
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1684-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Apokalypse

E-Book, Deutsch, Band 315, 64 Seiten

Reihe: Maddrax

ISBN: 978-3-8387-1684-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Matthew Drax hat getan, was ihm möglich war, um die einzige Waffe gegen den Streiter zum Einsatz zu bringen. Doch die letzten Tage und Wochen haben schon unzählige Opfer gefordert - und der finale Kampf ist noch nicht vorbei! Wird der zu zwei Dritteln aufgeladene Flächenräumer den Streiter wirklich tödlich treffen? Kann ein Teil des Ursprungs bewirken, dass die kosmische Entität versteinert? Oder stößt diese verzweifelte Aktion erst das Tor zur Apokalypse auf? Dieser Band ist ein Wendepunkt in der Saga um Matt Drax!

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Matt Drax hörte seinen Herzschlag plötzlich überlaut in den Schläfen pochen. Er krampfte die schweißnassen Finger seiner Linken zur Faust, ohne dass es ihm bewusst war. Mit verzerrtem Gesicht starrte er auf den rechten Teil der gesplitteten Zieloptik, wo der kosmische Jäger im Weltraum über dem Mond hing. Finster, bedrohlich, ultimativ, die größte Gefahr, mit der es die Erde je zu tun gehabt hatte.

Einen winzigen Moment, der Matt länger als eine Ewigkeit erschien, tat sich gar nichts. Die Welt um ihn schien stillzustehen, eingefroren in einen Panzer aus erstarrter Zeit. Hatte sich der Schuss gar nicht gelöst? Waren sie schlussendlich doch gescheitert? Warum aber wurde das rote Leuchten des Tastfeldes, mit dem er den Energiestoß auf die Reise geschickt hatte, dann übergangslos gelb?

Etwas traf ihn mit der Wucht eines Dampfhammers. Matt schrie auf und kippte nach hinten. Er krachte unsanft auf den Rücken, auch wenn das bionetische Material, aus dem der Flächenräumer bestand, den Aufprall dämpfte. Unglaubliche Kräfte tobten sich in seinem Körper aus, schienen ihn zu zerreißen und in Tausende von Einzelteilen zu zerlegen. Auf seinem Körper tanzten bläuliche Flämmchen.

Plötzlich sah Matt die Welt aus unzähligen verschiedenen Perspektiven gleichzeitig, jede eine Winzigkeit von der anderen versetzt. Sein Bewusstsein war mit der Bilderflut überfordert, weil es sie nicht zu einem Gesamtbild zusammensetzen konnte. Und explodierte einfach. Mit einem grellen Blitz löschte es sich selbst aus – um wie Phoenix aus der Asche neu zu erstehen. Als die zerstörerischen Energien sich schlagartig verflüchtigten.

Der Mann aus der Vergangenheit stöhnte. Die Elmsfeuer waren zwar ebenfalls weg, doch überall in seinem Körper spürte er noch kleine elektrische Impulse, die sämtliche Muskeln zucken ließen. Aber das war auszuhalten, kaum unangenehmer als die immer noch steil aufgerichteten Nackenhaare und der Schweißfilm, der seinen gesamten Körper überzog.

Mühsam kam Matt auf die Beine. Er war total mit Adrenalin überflutet, seine Knie zitterten. Er musste sich an der bionetischen Bedienkonsole festhalten, sonst wäre er gleich wieder zusammengesackt.

Er hatte den Schuss also doch ausgelöst! Im Gegensatz zu General Crows Schuss vor einigen Monaten hatte es eine Zeitverzögerung bei der Energieentladung gegeben. Das schrieb er den umfangreichen Modifikationen am Flächenräumer zu, die sie hatten vornehmen müssen, um ihren verzweifelten Plan in die Tat umzusetzen.

Ein Plan, der sich in der Theorie simpel anhörte, praktisch aber jede Menge Unwägbarkeiten aufwies. Matthew selbst war auf die Idee gekommen, den Ursprung aus Ostdeutschland in den Streiter zu versetzen – in der Hoffnung, dass das lebende Flöz den kosmischen Jäger versteinerte – so wie es auf der anderen Seite auch mit dem fünf Kilometer durchmessenden Stück passieren musste, das dafür aus dem Streiter gerissen und in das Flöz hineinversetzt wurde. Für dieses Vorhaben hatte der Android Miki Takeo, unterstützt von den Hydriten Quart’ol und Gilam’esh, nicht nur die Funktionsweise, sondern auch die Zieloptik der uralten Hydritenwaffe neu konfigurieren müssen.

Währenddessen hatte Thgáan, der Letzte der Todesrochen, den Streiter zum Mond gelockt, genau an jene Stelle, auf die sie ihre Waffe gerichtet hatten. Es war wichtig gewesen, dass der kosmische Jäger für einige Zeit an einer Stelle verharrte, bis der Schuss den Erdtrabanten erreichte.

Mit tränenden Augen starrte Matt auf die Zieloptik. Er war dem riesigen Monitor so nahe, dass er sich für einen Moment fühlte, als schwebe er im All. Vor ihm hing der Mond in der Schwärze des Weltraums. Direkt im Fadenkreuz, groß, prall, weißlich leuchtend.

Die schwarze Wolke, die sich über das linke Drittel des Erdtrabanten geschoben hatte, schien zu brodeln; fast so, als würden beständig riesige Kohlestaubwolken aus dem Innern quellen und sich über die Oberfläche ausbreiten. Eine Art schwarz leuchtender Strang zuckte darin herum.

Matt war sprachlos. Es war das erste Mal, dass er Finsternis leuchten sah! Der Strang wirkte wie eine Schlange, die sich von Feinden umringt sah und wahllos in alle Richtungen stieß. Aber das alles mochte Einbildung sein, geboren aus der fast schon kreatürlichen Angst, die dieses unglaubliche Wesen in Matt auslöste – viel stärker noch als damals, als er den Streiter in einer Vision ganz kurz aus weiter Ferne über Meno’tees, dem Heimatplaneten der Wandler, gesehen hatte.

Die Bilder wurden seltsam konturlos, nachdem er das Innere des Streiters länger als eine Sekunde angestarrt hatte, verschwammen zu einem Einheitsbrei, der seine Sinne zu verwirren begann. Erschrocken drehte er den Kopf. Sofort konnte er wieder klar denken.

Matt keuchte. Er hatte jetzt einen kleinen Eindruck davon, was telepathisch Begabte schon seit Tagen erleiden mussten; wahrscheinlich noch weitaus intensiver als das, was er gerade durch bloßen Blickkontakt erlebt hatte. Denn Telepathen konnten die aufgezwungene Verbindung höchstwahrscheinlich nicht trennen.

Ab jetzt warf Matt nur noch kurze Blicke auf den Streiter. Aus den unregelmäßigen, zerfaserten Rändern peitschten immer wieder tentakelartige Eruptionen. Sie bewegten sich so wild zuckend wie die „Schlange“ und schlugen in die Mondoberfläche! Dabei rissen sie mächtige Krater. Matt konnte die riesigen Staubwolken, die plötzlich hochstiegen und sich gleich wieder legten, mit bloßem Auge sehen. Er fühlte sich an das Wüten einer wahnsinnigen Bestie erinnert, an einen gigantischen Kraken, was die Sache nicht annähernd traf, aber mehr gab sein Vergleichsrepertoire nicht her.

Zudem spürte er ein Ziehen im Bauch. Die Mondbasis der Marsianer, bei der der Lockvogel Thgáan auf den Streiter gewartet hatte, gab es nicht mehr. Auch das Überleben des Daa’muren-Rochens hätte Matt für ein mittleres Wunder gehalten.

Oder?

Zum Teufel, wie lange braucht dieser verdammte Schuss, um endlich Wirkung zu zeigen?

Das Ziehen in Matts Eingeweiden wurde stärker. Was würde passieren? Vor seinem geistigen Auge sah er die schwarze Wolke explodieren, implodieren, verbrennen, auseinanderbrechen und einfach verschwinden. Die Realität war weitaus unspektakulärer.

Die schwarzen Tentakel zuckten nicht mehr! Und auch das Brodeln im Innern war fast zum Erliegen gekommen. Wie zäher Sirup bewegten sich die Wallungen nun. Und schienen noch langsamer zu werden.

„Yeaaaaaah!“, brüllte Matt sich die Seele aus dem Leib und ballte die rechte Faust gegen den Monitor. Die Angst löste sich schlagartig. Vergessen das Ex- und Implodieren, das Verbrennen und Verschwinden. Der Schuss aus dem Flächenräumer schien genau das zu bewirken, was er nach ihrer aller Vorstellung tun sollte: Der Ursprung war bereits dabei, den kosmischen Jäger zu versteinern!

Die diodenähnlichen Lichtpunkte in der Decke erloschen. Eine Sekunde später flammte ein Bruchteil von ihnen wieder auf. Die Notbeleuchtung!

Eine Folge des Schusses? Nein.

Aus den Augenwinkeln sah Matt einen anderen Schatten. Er fuhr herum. Ein über zwei Meter großer Körper aus Plysterox trat neben ihn.

Miki Takeo!

Der Android, der bis jetzt über bionetische Leitungen mit dem Flächenräumer verbunden gewesen war, um die Aufgaben des inzwischen toten Koordinators zu übernehmen, hatte sich davon befreit. Nach dem Schuss bestand keine Notwendigkeit mehr, die Anlage zu kontrollieren. Deswegen auch das Erlöschen der Hauptbeleuchtung.

„Wir haben es geschafft, Mann!“, stieß Matt hervor. Seine Stimme klang heiser. „Wir haben das Drecksding erledigt!“ Ein fast irres Kichern löste sich aus seiner Kehle, in seinen Augen lag ein fiebriger Glanz. Er deutete auf den Monitor der Zieloptik. „Sieh dir das an, Miki. Der Streiter versteinert!“

„Schau auf die linke Bildschirmhälfte“, sagte Takeo nur, mit emotionsloser Stimme.

„Was?“ Matts Blick wanderte zu jenem Teil der Zieloptik, die das anvisierte Ziel auf der Erde zeigte: den Ursprung. Der Mann aus der Vergangenheit schluckte schwer. „O nein“, flüsterte er schließlich heiser. Er fühlte sich plötzlich unendlich müde.

Canduly Castle, Schottland

Mit einem schrillen Schrei ging Huul auf den Sandsack los. Das Kurzschwert lag wie eine natürliche Verlängerung des rechten Arms in seiner Hand. Mit einer gedankenschnellen Bewegung steppte er zur Seite, wob mit der Klinge einen eisernen Vorhang vor sich in die Luft und schlitzte den Sack schließlich mit einem gezielten Hieb auf. Dann drehte er sich und grinste seine beiden Zuschauer an, während der Sand in den Schnee rieselte. Das Freilegen des lückenhaften Gebisses ließ sein Ratzengesicht noch wüster und tückischer erscheinen.

Turner und Juefaan klatschten trotzdem beeindruckt.

Der kleine sehnige Mann in den Wildlederhosen und dem hellgrün-weiß gestreiften Hemd mit dem Kleeblatt-Wappen sowie dem Taratzenfellmantel über der Schulter wirkte unscheinbar, war aber einer der gefährlichsten Kämpfer Scootlands. Daran änderte auch die lächerliche gelbe Plastiktrompete nichts, die er als Erkennungszeichen aller Celtics um den Hals hängen hatte.

Huul war seit langer Zeit der Anführer von Jed Stuarts persönlicher Leibwache. Bei den Celtics handelte es sich um eine Elitetruppe, die weder Tod noch Orguudoo fürchtete. Und immer, wenn Huul Zeit fand, kam er nach Canduly Castle herüber, um den sechzehnjährigen Turner in der Kunst des Kämpfens zu unterrichten. Denn der junge Mann war fest entschlossen, so schnell wie möglich den Celtics...



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