Schwarz | Eisgang auf der Elbe | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Schwarz Eisgang auf der Elbe

und andere Erzählungen
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-1835-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

und andere Erzählungen

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

ISBN: 978-3-7597-1835-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



, sagte Gerhard und drückte seine Frau kräftig an sich. Mit diesen Worten endet die erste Erzählung über eine dramatische Rettungsaktion auf der Elbe. Nicht minder fesselnd sind die sieben weiteren inhaltlich ganz unterschiedlichen Erzählungen in diesem Buch.

Helmut Schwarz wurde 1935 in Neumünster in Schleswig-Holstein geboren. Er studierte Volkswirtschaft und war während seiner Berufszeit bei einer Mineralölgesellschaft in Hamburg tätig. Mit Eintritt in den Ruhestand widmete er sich bei seinen zahlreichen Reisen dem Filmen. Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie begann er unter dem Pseudonym Tom Zrawsch kurze Erzählungen zu schreiben. Helmut Schwarz lebt mit seiner Frau seit den 1970er Jahren in Hamburg-Rissen.

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Tod an der Schlednitz
Tag 1
Nach dem Pkw fuhr noch ein landwirtschaftliches Nutzfahrzeug auf die Fähre, dann ging die Schranke herunter. Die Fähre setzte sich ganz langsam in Bewegung. Sie zog sich an einer auf dem Grund des Gewässers liegenden Kette, die durch den Fährboden lief, hinüber ans andere Ufer. Es war nur eine kurze Strecke. Der Kassierer Ole Jenssen hatte gerade genug Zeit, die Gebühren für die Überfahrt einzusammeln. Mit den beiden Männern, die nach dem Ablegen von ihrem Traktor stiegen, gab es nur ein kurzes „Moin Jens“ „Moin Hinnerk, mol wedder nach‘n Rechten kieken?“ Aus den wenigen Wortfetzen, die von dem Gespräch her-überwehten, konnte man erahnen, dass Jens Langschwager ein Landwirt und Hinnerk Storjohann sein Assistent oder Gehilfe war. Offensichtlich hatte Jens „drüben“, also auf der Nordseite der Schlednitz, einige landwirtschaftlich genutzte Flächen. Der Pkw erreichte das andere Ufer des Gewässers, das sich weit und teilweise recht breit in das Binnenland erstreckte, hier bei der Fähre aber wie eine Taille besonders schmal war. Die abgesenkten Stahlplatten des Tores der Fähre kratzten über den rauen Asphalt der Auffahrt zur höher gelegenen Straße. Wir – die Insassen des Pkw, meine Frau Ursula Grau, unsere Tochter Lino Heinen, die sich die Ausflugsfahrt anstelle eines Geburtstagsgeschenks gewünscht hatte, und ich, Hartmut Grau – hatten geglaubt, ein früher einmal besuchtes Restaurant in Sundlitz auf der nördlichen Seite der Schlednitz anzutreffen. Wir erinnerten uns an einen großen Garten mit Sonnenschirmen, Tischen und Stühlen, wo meine Frau und ich zusammen mit einer Bekannten vor Jahren einmal mittags gegessen hatten. Jetzt fanden wir einen mit kleinen Kieselsteinen ausgestreuten Parkplatz, auf dem einsam ein kleiner roter Fiat stand. Das Restaurant hatte zur Wasserseite eine mit großen Fenstern ausgestattete Veranda, die später angebaut worden war. Oder waren wir damals in einem anderen Lokal gewesen? Obwohl das Herbstwetter noch für einen Besuch im Freien einlud – es war nach dem heftigen Regen in der Nacht aufgeklart und ein lauer Wind kam aus südwestlicher Richtung über das Wasser – war kein Besucher zu sehen Im Restaurant war ebenfalls niemand zu entdecken. Wie ausgestorben wirkte das Anwesen. An dem in die Schlednitz hineinragenden Steg waren zwei kleinere Segelboote vertäut. Die Hinterlassenschaften der Möwen und anderen Vögel auf den Persenningen ließen darauf schließen, dass die Boote seit längerer Zeit nicht benutzt worden waren. Wir gingen zurück zu unserem Auto auf dem Parkplatz. Beim Abfahren glaubten wir, hinter einem kleinen Fenster im Obergeschoss des Restaurationsgebäudes eine Gestalt entdeckt zu haben, die zu uns herunterschaute. Wir wendeten und hielten noch einmal auf dem Parkplatz. An der Seite des Hauptgebäudes fanden wir die Eingangstür zum Restaurant. Ich drückte den Türgriff. Die Tür war verschlossen. Soweit erkennbar, hielt sich im Gastraum niemand auf. Wir gingen um die Veranda an der Wasserseite herum und entdeckten auf der anderen Seite des Gebäudes eine weitere Tür. FAMILIE HANSEN war auf einem ovalen Messingschild an der Tür zu lesen. Am Türrahmen eine Klingel. Ich drückte den Klingelknopf. Keine Reaktion im Innern des Hauses war zu hören oder zu sehen. „Vielleicht sind alle in Urlaub“, meinte unsere Tochter. Möglich. Aber während der Saison? Es waren Herbstferien in den Schulen! Wir gingen zurück zu unserem Auto. Auf dem Parkplatz kam uns ein kräftiger junger Mann in bäuerlicher Kleidung und mit olivgrünen Gummistiefeln auf einem Damenfahrrad entgegen. Er stieg ab und erkundigte sich, ob wir etwas oder jemanden suchten. Wir erklärten ihm, dass wir glaubten uns zu erinnern, dass sich hier früher ein Lokal mit einem Biergarten befunden hätte, in dem man draußen sitzen und speisen konnte. Der Radfahrer schaute uns etwas misstrauisch an und meinte, das Einzige, was sich hier in letzter Zeit verändert hätte, wäre das wachsende Unkraut auf dem Parkplatz. Warum das Restaurant am heutigen Freitag geschlossen war, wüsste er nicht. Im Übrigen hätte er es eilig. Er müsste weiter mit der Fähre „nach drüben“. Vor der Abfahrt schauten wir noch einmal zum Fenster im Obergeschoss. Wieder glaubten wir eine Gestalt zu erkennen. Wir winkten hinauf, aber keine Reaktion. Die ganze Situation kam uns merkwürdig vor. Ein wie ausgestorbenes, aber in gutem Zustand befindliches Lokal, aus dem kein Laut nach draußen drang. Nur das entfernte Tuckern der Fähre war jetzt wieder zu hören. Unseren Hunger hatten wir eigentlich schon vergessen. Wir fuhren durch die hügelige Landschaft auf der Nordseite der Schlednitz weiter bis wir in eine kleine Ortschaft gelangten. Der Ort bestand nur aus einer einzigen Straße. Hinter gestutzten Linden reihte sich beidseitig eine Kette von kleinen hübschen Häusern. Die Türen und Fensterahmen waren mit unterschiedlichen Farben gestrichen. Vor manchen Häusern war ein kleiner Rosenbaum gepflanzt worden. Auf den inneren Fensterbänken lagen Dinge, die man nicht brauchte: Vasen, Seehunde aus Porzellan, alte Fotos von der Einweihung der neuen, jetzt im die Jahre gekommenen Fähre, kleine Fähnchen und Pokale vom siegreichen Fischstechen gegen „die von drüben“ auf der zugefrorenen Schlednitz usw. Alles machte einen gepflegten Eindruck. So, als wollte man anzeigen: Touristen oder Ausflügler, Ihr seid herzlich willkommen. Ich erkundigte mich bei einer jungen Frau, die offensichtlich ortsansässig war, ob und wo es in dem Ort ein Restaurant gäbe. Freundlich erklärte sie mir, dass etwas weiter ein Weg hinunter zur Fähre führe und es dort ein Restaurant gäbe, das „Alte Fischerhaus“. Inzwischen hatte sich bei uns doch der Hunger gemeldet, und wir waren froh, nach kurzer Wegstrecke das Restaurant gefunden zu haben. Obwohl immer noch die Sonne schien und einige andere Gäste draußen Platz genommen hatten und den Blick auf das Gewässer genossen, zog es uns wegen des frischen Windes nach drinnen An den Wänden hingen Modelle von Segelschiffen und Bilder von verschiedenen Fischen. Das Lokal machte einen gemütlichen Eindruck. Die junge Kellnerin oder Wirtin brachte die Speisekarte und nahm die Bestellungen auf. Wir entschieden uns für Dorschfilet, dazu einen Riesling. Bei ihrer Frage, ob alles in Ordnung sei und wir einhellig das Gericht lobten, fragten wir sie, ob sie etwas über das Lokal in Sundlitz wüsste, das wir am Vormittag besucht hatten. Sie verneinte, weil sie „von drüben“, also der anderen Seite der Schlednitz käme und erst vor kurzem nach der Hochzeit hierher gezogen sei. Sie wollte ihren Mann, den Wirt, fragen. Er entdeckte uns nach kurzer Zeit und kam zu uns an den Tisch, stellte sich mit Sven Asmussen vor und erkundigte sich ebenfalls, ob uns das Gericht geschmeckt hätte. Wir erklärten ihm, dass wir lange nicht mehr einen so geschmackvollen Dorsch gegessen hätten. Zu dem Restaurant, nachdem wir uns erkundigt hatten, erklärte er uns, dass dieses während der Pandemie im Sommer an einen Investor aus Hamburg verkauft worden sei. Es war offensichtlich wegen der Corona bedingten Einschränkungen nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben gewesen Die bisherigen Wirtsleute seien zurück an die Nordsee gezogen. Das Restaurant wäre seitdem unbewirtschaftet. Der neue Investor wolle eine Hotellerie dazu bauen, hätte aber noch keine Baugenehmigung. Nachdem wir uns bedankt und bezahlt hatten, gingen wir noch einmal hinunter ans Wasser, auf dem einige Segelboote nach Osten, also Richtung Meer unterwegs waren. Der Wind war aber fast eingeschlafen. Es war eine reine Flautensegelei. In der Zwischenzeit hatte sich der Garten des Restaurants bis auf den letzten Tisch gefüllt. Kein Stuhl war mehr unbesetzt. Die Gäste genossen die letzten herbstlichen Sonnenstrahlen und die schöne Aussicht auf die Schlednitz und auf das gegenüberliegende Ufer. Wir kehrten um und gingen zu unserem Auto, das wir in der Lindenstraße geparkt hatten. Uns ließ der Gedanke nicht los, dass mit dem verlassenen Restaurant in Sundlitz etwas nicht stimmte. Nach kurzer Beratung fuhren wir noch einmal den Weg zurück dorthin. Wir hielten diesmal nicht auf dem Parkplatz des Restaurants, sondern an der Straße, die zur Fähre führte. Wir stiegen aus und spazierten über den Parkplatz, auf dem immer noch der kleine Fiat stand, zum Wasser. Unauffällig blickten wir wieder zu dem Fenster, hinter dem wir am Vormittag eine Gestalt zu sehen glaubten. Das Zimmer war jetzt schwach erleuchtet. Die Helligkeit veränderte sich mitunter, so als ob jemand an einer Lampe vorbei ging und den Lichtschein dimmte. Eine Person konnten wir nicht entdecken. Aber das Haus sollte doch nicht mehr bewohnt sein! Wieso brannte jetzt Licht in dem Zimmer? In einem etwas entfernten Haus konnte man eine ältere Frau in der erleuchteten Küche hantieren sehen. Wir klingelten an der Haustür mit dem Schild „Hilde Pommerenke“. Die Frau öffnete vorsichtig. Wir entschuldigten uns für die...



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