E-Book, Deutsch, 482 Seiten
Schwartz / Laurent / Corday Feel my Passion
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96898-188-8
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Drei Romane in einem eBook: »My Summer Lovers - Mehr als eine Nacht«, »Das sündige Erbstück« und »Die Zärtlichkeit von Fremden«
E-Book, Deutsch, 482 Seiten
ISBN: 978-3-96898-188-8
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Diana Schwartz ist das Pseudonym, unter dem eine bekannte deutsche Autorin ihre sinnlichen Romane veröffentlicht. »Es macht mir großen Spaß, auch diese Seite meiner Kreativität auszuleben - aber da ich mit meiner Familie in einer Kleinstadt lebe, mache ich es vorerst nicht unter meinem richtigen Namen. Eines Tages werde ich das Geheimnis lüften ... und freue mich jetzt schon auf die überraschten Blicke einiger Nachbarn.« Bis dahin verwöhnt Diana Schwartz ihre Leser mit ebenso erotischen wie inspirierenden Geschichten. Bei venusbooks erscheinen ihre Romane »Clubschiff Aphrodite«, »Verführerischer Fremder« und »Wild Passion«, die im Sammelband »Paradise of Love« zusammengefasst sind, sowie »Schwedische Nächte«, der auch im Sammelband »Feel my Passion« enthalten ist.
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Kapitel 2
Sarah stopfte ihre Jacke in den schon übervollen Rucksack und gähnte hinter vorgehaltener Hand. In dem kleinen Raum war es stickig, was nicht nur an den Dutzenden Studenten lag, die in einer endlosen Schlange warteten, weil es da vorn am Tresen nicht vorwärtsging, sondern auch daran, dass die Nachmittagssonne auf die breite Fensterfront knallte.
Göteborg hatte wunderschöne Universitätsgebäude, und Sarah freute sich schon seit Wochen darauf, sie alle zu erkunden und nicht nur auf dem heimischen Laptop anzuschauen. Doch das Info-Büro musste sich natürlich in so einem gesichtslosen Betonklotz-Zweckbau befinden, die man offenbar überall auf der Welt irgendwann gebaut hatte.
Die Schlange bewegte sich, und Sarah schob ihren Rucksack mit dem Fuß einen halben Meter weiter nach vorn. Die rotbraunen Haare klebten ihr an den Schläfen, und sie musste sich ständig die schweißfeuchten Hände abwischen. Sie öffnete den Zopf, nahm alle Strähnen zusammen und band ihn neu. Aber sie hatte es auch nicht so warm erwartet, daher war sie mit dem langärmeligen T-Shirt und der Cargohose viel zu warm angezogen. Es war Anfang Juni, und in Schweden war bereits der Sommer ausgebrochen.
Noch sechs Leute vor ihr, sie würde also wahrscheinlich den Rest des Tages hier verbringen. Zum mindestens Dutzenden Mal wanderte ihr Blick über die verblichenen Poster der Sehenswürdigkeiten Göteborgs, die abgenutzte Sitzecke und den verstaubten Gummibaum. Den anderen Wartenden ging es nicht anders, Austauschstudenten aus ganz Europa und von Partneruniversitäten aus Japan standen herum, doch die munteren Gespräche waren inzwischen leiser geworden oder ganz verstummt. Da die meisten zu zweit oder in kleinen Gruppen angekommen waren, wurde der Raum kaum leerer, sobald jemand an der Reihe war.
Sarah vermisste Marie. Es war das erste Mal, dass sie vollkommen allein und auf sich gestellt irgendwohin reiste, und dann auch noch mit Bahn und Flug für neun Monate in ein fremdes Land. Sarah war schon Tage vor dem Aufbruch nervös geworden. Als Marie dann einen anderen Flug buchen musste, war sie am Rande einer Panikattacke gewesen und hätte das Unternehmen am liebsten komplett abgeblasen.
Aber sie hatte sich durchgekämpft, worauf sie sehr stolz war. Das Abenteuer Schweden hatte begonnen. Trotzdem war sie froh, wenn sie Marie heute Abend endlich wiedersah. Sie hatte ihr bereits mehrere Textnachrichten geschickt, weil sie wissen wollte, ob sie gut angekommen war und was sie von ihrem Gastgeber zu erwarten hatten, aber ihre Freundin schien ihr Smartphone nicht zu checken, denn eine Antwort war bisher ausgeblieben.
Gleich zwei Studenten wedelten lachend vorn am Tresen mit ihren Unterlagen und verabschiedeten sich. Nur noch vier Leute – zwei Japaner, eine südeuropäisch aussehende Studentin mit schwarz glänzenden Locken und ein etwas bulliger Typ, der seine Nationalität unmöglich verleugnen konnte. Er hatte bisher kaum ein Wort Schwedisch gesprochen, und wer an seinen rotblonden Haaren und seinem Akzent noch nicht erkannt hatte, dass er Schotte war, dem erklärte er lautstark, er stamme aus Glasgow und studiere Sport. Solche Typen hatte Sarah schon allein bei ihrem Anblick gefressen. Gut, Clive, so sein Name – auch für alle, die es nicht interessierte – hatte natürlich den Vorteil, dass er in der Regel erwarten konnte, mit seiner Muttersprache überall durchzukommen. Aber sie waren in Göteborg, und das nicht nur, um sich in ihren jeweiligen Studienfächern fortzubilden, sondern auch, um die Sprache zu lernen. Das konnte man doch sogar von einem englischen Sportstudenten erwarten, oder?
Die drei Studenten hinter dem Tresen schauten erschöpft in den Raum, eine der beiden Frauen lächelte zum bestimmt hundertsten Mal entschuldigend in Richtung Schlange. Inzwischen wollte Sarah schon gar nicht mehr wissen, warum das alles so endlos lange dauerte, sie wollte nur noch hinaus an die frische Luft und zu ihrem Gastdomizil. Wieder musste sie gähnen.
»Was ist denn nun wieder?«, fragte die Südeuropäerin auf Schwedisch, als die beiden Japaner an den Tresen traten und sich sofort eine lebhafte Diskussion mit allen drei Sachbearbeitern entspann. Die beiden Frauen schienen sich über irgendetwas nicht einig zu sein, der Dritte im Bunde, ein hochgewachsener Mann mit Dreadlocks, die er zu einem dicken Knoten am Hinterkopf zusammengebunden hatte, hörte ihnen schweigend zu. Sarah war bereits aufgefallen, dass er seine Studenten sehr freundlich, aber mit unaufgeregter Effektivität abfertigte, während die anderen beiden immer wieder Rückfragen an ihn hatten, miteinander diskutierten oder hilflos mit irgendwelchen Papieren wedelten.
»Vielleicht wollen sie wissen, wo sie das nächste Sushi-Restaurant finden«, mutmaßte Clive und grinste in die Runde. Immerhin auf Schwedisch, er konnte es also doch.
»Klar, lasst uns doch ein paar Vorurteile austauschen. Du siehst ja schon so aus, als ob du nur Fish 'n' Chips isst.«
Clive fuhr herum und bedachte Sarah mit einem abfälligen Blick. Sie verstummte erschrocken, hatte gar nicht bemerkt, dass sie Schwedisch und nicht Deutsch gesprochen hatte. Ihr Sprachzentrum hatte sich offenbar bereits den Gegebenheiten angepasst.
»Wo wir schon mal bei Fish 'n' Chips sind, die gehören nach England«, erklärte er großmütig.
Sarah verdrehte die Augen. »Ja, und du bist Schotte, das hab ich mitbekommen. Verzeihung der Herr, dass ich das verwechselt habe.«
Clive verschränkte die Arme und grinste sie breit an. Dabei zeigte er blendend weiße Zähne, was fast schon ein bisschen bedrohlich wirkte. Unwillkürlich rückte Sarah ein wenig ab.
»Wo kommst du denn her?«, wollte er wissen.
»Nordrhein-Westfalen. Köln.« Sarah wartete. Die übliche Reaktion war Dom, Kölsch, Karneval in wechselnder Reihenfolge.
»Gut. Was also wäre,«, Clive reckte einen Zeigefinger in die Höhe wie ein Oberlehrer, »wenn ich Bayer zu dir sagen würde, hm?«
»Na, du kennst dich ja gut auf der Deutschlandkarte aus«, erwiderte Sarah verwirrt.
»Bist du Bayerin?«
»Gott bewahre, nein. Rhein-län-de-rin.« Sie betonte jede Silbe einzeln, damit dieser blöde Schotte das auch begriff. Aber außer breitem Grinsen, dummen Sprüchen und selbstherrlichem Auftreten schien mit dem nicht viel los zu sein. Gut, sein Körper war ganz gut in Form. Er war vielleicht ein wenig klein für einen Mann und eher kräftig gebaut, aber mit guten Proportionen. Und das mit den Fish 'n' Chips konnte auch unmöglich stimmen, denn er hatte eher Muskeln als Fett, wenn man genauer hinsah. Aber das würde sie ihm kaum ins Gesicht sagen.
»Siehst du«, sagte er gerade und riss sie aus ihren Betrachtungen.
Sarah blinzelte verwirrt. »Bitte was?«
»Möchtest du, dass man dich Bayerin nennt?«
»Ich bin ...«
»Und ich bin kein Engländer. Brite, gezwungenermaßen, kein Engländer, kapiert? Englisch ist nicht mal meine Muttersprache, sondern Gälisch.«
»Und jetzt sind wir in Schweden«, meinte Sarah und senkte den Kopf. Dann schaute sie sofort wieder auf und lächelte entschuldigend. »Gut, Punkt für dich. Hab's verstanden, Highlander.«
»Damit kann ich schon leben, aber ich bin aus den Lowlands. Und mit wem habe ich nun das Vergnügen?« Clive breitete die Arme aus und vollführte einen albernen Diener.
Sarah stöhnte lautlos. Das hatte sie nun davon. Konnte er nicht wieder mit der Südländerin flirten und sie in Ruhe lassen? Aber falls sie ihn dazu hätte bringen können, war es zu spät. Die Japaner waren endlich fertig, und sie rückte vor.
»Sarah. Ich studiere Skandinavistik und europäische Ethnologie«, erklärte sie höflich.
»Okay, Sarah. Darf ich dich auf einen Drink einladen und dir die Gegebenheiten meiner wundervollen Heimat nahebringen?« Dabei klimperte er kokett mit den Wimpern, was bei seinem eher breiten Gesicht mit den kräftigen Wangenknochen völlig unpassend wirkte. Aber sein Schwedisch war beinahe akzentfrei, das musste Sarah neidlos anerkennen. Wider Willen kicherte sie. »Wirst du jetzt auch noch lyrisch?«
Er warf sich theatralisch in die Brust. »Wir Schotten stemmen nicht nur Baumstämme, sondern haben auch eine lange Tradition ...«
Sarah stupste ihn an und zeigte auf eine der beiden Sachbearbeiterinnen, die müde winkte. »Ich glaube, du bist dran.«
Zugleich sah sie erleichtert, dass der Dreadlocks-Mann auf sie zeigte, und ging ebenfalls an den Tresen.
Ihr Gegenüber lächelte kurz. »Willkommen in Göteborg. Tut mir leid, dass es so lange dauert. War so nicht geplant. Name?«
»Sarah Michalek, Universität zu Köln.«
»Sekunde. Kannst du mir deinen Studentenausweis zeigen?« Noch während er mit seiner angenehm dunklen Stimme vor sich hin murmelte, nahm er eine Mappe vom Tisch und durchsuchte ein Register.
»Hier bitte unterschreiben, dass du angekommen bist. Den Rest, die Einschreibung, Buchung von Seminaren und Praktika, erledigst du online. Diese Mappe ist von unserer Studentenorganisation, du findest einen Stadtplan, Infos über die Stadt und zum Ausgehen und so weiter. Wenn du Lust hast, bei unseren Aktionen mitzumachen, dann das beiliegende Formular ausfüllen und hier wieder abgeben.« Während er sprach, hatte er die Mappe aufgeschlagen, und sein Finger huschte hin und her, dass Sarah beinahe schwindelig wurde.
»Du Armer, das hast du bestimmt heute schon zweihundertmal gemacht«, rutschte es ihr heraus.
Er blickte verdutzt auf. »Ich habe nicht gezählt. Aber tatsächlich, viel zu oft.« Er lächelte reumütig. »War das zu schnell? Du siehst aus, als wärst du schon ein paar Stunden auf den Beinen.«
»Ich fühle mich wie...




