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E-Book, Deutsch, Band 2, 424 Seiten, E-Book

Reihe: Grundkurs des Steuerrechts

Schustek / Grimm / Zahn Einkommensteuer


26. neu bearbeitete und aktualisierte Auflage 2025
ISBN: 978-3-7910-6570-0
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 424 Seiten, E-Book

Reihe: Grundkurs des Steuerrechts

ISBN: 978-3-7910-6570-0
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Band 2 der Reihe »Grundkurs des Steuerrechts« vermittelt die Grundbegriffe, die allgemeinen Grundlagen und die systematischen Zusammenhänge des Einkommensteuerrechts. Ausführlich eingegangen wird unter anderem auf die einzelnen Einkunftsarten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und die Berücksichtigung von Kindern. Zahlreiche Beispiele, Übungsfälle, Klausuraufgaben, Prüfungsschemata und Lernkontrollen helfen beim prüfungsorientierten Erarbeiten des Stoffgebiets.   Die 26. Auflage wurde hinsichtlich Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltungsmeinung umfassend überarbeitet und aktualisiert.    Rechtsstand: 1. Juni 2025   

Prof. Heribert Schustek, Professor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. Dipl-Finanzwirt (FH).
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1.1 Die einzelnen Einkunftsarten, die Einkünfte und ihre Grundlagen


In § 2 Abs. 1 EStG sind abschließend die sieben Einkunftsarten für die Einkommensteuer festgelegt. Fällt eine Betätigung unter eine dieser Einkunftsarten, sind hierfür grundsätzlich die sog. Einkünfte zu ermitteln. Die Ermittlung dieser Einkünfte ist ab Teil E im Einzelnen dargestellt.

§ 2 Abs. 1 EStG führt einzeln die sieben Einkunftsarten auf. Die näheren Regelungen zu der jeweiligen Einkunftsart ergeben sich aus den §§ 13-24 EStG:

  1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft§§ 13-14a EStG

  2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb§§ 15-17 EStG

  3. Einkünfte aus selbstständiger Arbeit§ 18 EStG

  4. Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit§ 19 EStG

  5. Einkünfte aus Kapitalvermögen§ 20 EStG

  6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung§ 21 EStG

  7. Sonstige Einkünfte §§ 22-23 EStG

Ergänzende Tatbestände, z.?B. für nachträgliche Einkünfte aus früherer Tätigkeit, sind in § 24 EStG geregelt.

Beispiele

Einkünfte gem. §§?des EStG

  1. a) Landwirt B bewirtschaftet einen 50 ha großen Ackerbaubetrieb.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 1 und 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz?1 (Land- und Forstwirtschaft)

  1. b) Bäckermeister M betreibt selbstständig eine Bäckerei mit Konditorei und angeschlossenem Tagescafé.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 2 und 15 Abs. 1 Nr. 1 (Gewerbebetrieb)

  1. c) Architekt G unterhält selbstständig ein Konstruktionsbüro und führt die Bauaufsicht aus.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 3 und 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz?2 (Freiberufler = selbstständige Arbeit)

  1. d) Angestellte D ist bei der Fa. Porsche AG im Verkauf tätig.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 4 und 19 Abs. 1 Nr. 1 (nichtselbstständige Arbeit)

  1. e) Privatmann P besitzt Aktien und andere Wertpapiere im Gesamtwert von 3 Mio. €. Er bezieht Dividenden und Zinsen.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 5 und 20 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 7 (Kapitalvermögen; Ausnahme: § 2 Abs. 5b EStG)

  1. f) Hauseigentümerin H vermietet mehrere Wohn- und Geschäftshäuser.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 6 und 21 Abs. 1 Nr. 1 (Vermietung und Verpachtung)

  1. g) Rentner R bezieht seit seinem 65. Geburtstag eine lebenslange gesetzliche Rente.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 7 und 22 Nr. 1 Satz?3 Buchst. a Doppelbuchst. aa (sonstige Einkünfte)

  1. h) Hauseigentümerin H (vgl.?unter f) kaufte und verkaufte innerhalb von sechs Jahren ein unbebautes Grundstück ihres Privatvermögens. Dabei erzielte sie einen Gewinn i.?H.?v. 100?000 €.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 7 und § 22 Nr. 2 i.?V.?m. 23 Abs. 1 Satz?1 Nr. 1 (sonstige Einkünfte, privates Veräußerungsgeschäft)

  1. i) Privatmann P (vgl.?unter e) kaufte im Jahr 2020 Aktien einer deutschen Aktiengesellschaft. Er veräußerte diese im Jahr 2025 und erzielte einen Gewinn i.?H.?v. 20?000 €.

§§ 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 5 und 20 Abs. 2 Satz?1 Nr. 1 (Kapitalvermögen; Ausnahme: § 2 Abs. 5b EStG sowie § 17)

Hinweis: Zur Anwendung des § 2 Nr. 5b EStG vgl.?L?11.

Der Begriff der Einkünfte ergibt sich aus § 2 Abs. 2 EStG. Die sieben Einkunftsarten werden nach der Bezeichnung der Einkünfte in zwei Gruppen zusammengefasst (§ 2 Abs. 2 EStG):

  1. Gruppe der Gewinneinkünfte: Das sind die Einkunftsarten nach § 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 1 bis Nr. 3 EStG (Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbstständige Arbeit). Hier ist für jedes Wirtschaftsjahr ein Gewinn (oder Verlust) zu ermitteln. Der Gewinn stellt insoweit regelmäßig die Einkünfte dar.

  2. Gruppe der Überschusseinkünfte: Das sind die Einkunftsarten nach § 2 Abs. 1 Satz?1 Nr. 4 bis 7 EStG (nichtselbstständige Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung, sonstige Einkünfte). Die Einkünfte ermitteln sich insoweit grundsätzlich aus den Einnahmen abzüglich der Werbungskosten eines Kj. Statt dem Ansatz von tatsächlichen Werbungskosten können Freibeträge (z.?B. § 3 Nr. 26 EstG) bzw. Pauschbeträge abziehbar sein (z.?B. Arbeitnehmer-Pauschbetrag gem. § 9a Satz?1 Nr. 1 EStG, Sparer-Pauschbetrag gem. § 20 Abs. 9 EStG).

Es gibt auch Tätigkeiten, die die Tatbestandsmerkmale einer Einkunftsart allgemein erfüllen, aber dennoch nicht zu steuerlich relevanten Einkünften führen (sog. Liebhaberei, vgl.?D?1, also eine Betätigung ohne Gewinn- bzw. Einkünfteerzielungsabsicht, oder bei nichtsteuerbaren Einnahmen).

Beispiele

  1. Fabrikantin F kaufte ein Gestüt mit Pferdezucht. Die Pferde nutzt sie auch für ihre Freizeitgestaltung. Aus der Pferdezucht erwirtschaftet sie nur Verluste.

    Lösung: Die Pferdezucht wird von F ohne die erforderliche Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt, vgl.?BFH vom 27.01.2000 BStBl II 2000, 227. Aus einkommensteuerlicher Sicht liegen keine relevanten negativen Einkünfte vor. F kann daher die Verluste aus dem Gestüt nicht mit anderen Einkünften (z.?B. aus ihrem gesondert zu beurteilenden Gewerbebetrieb) ausgleichen. Vgl. 1. 2.

  2. Glücksjäger G setzt in der Spielbank Baden-Baden beim Roulette 1?000 € auf die Zahl 5. Er gewinnt 35?000 €. 30?000 € zahlte er als Reservepolster auf ein Sparkonto bei der D-Bank ein und erhält Zinsen.

    Lösung: Der Spielgewinn gehört zu keiner der sieben Einkunftsarten des EStG (auch nicht zu § 22 EStG, vgl.?D?1.3). Er ist somit nicht steuerbar. Die erhaltenen Guthabenzinsen sind dagegen den Einkünften aus Kapitalvermögen zuzurechnen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Vgl. L?7.

Die Berechnung der Einkünfte erfolgt bei den beiden Gruppen von Einkunftsarten auf verschiedene Weise:

  • Gewinneinkünfte: Der Gewinn wird durch Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 bzw. § 5 EStG) ermittelt, wenn der Steuerpflichtige buchführungspflichtig ist oder freiwillig Bücher führt (siehe auch R 4.1 EStR). In anderen Fällen besteht das Wahlrecht, den Gewinn durch Einnahmenüberschussrechnung (kurz EÜR, § 4 Abs. 3 EStG)zu ermitteln (siehe auch R 4.5 EStR sowie Teil I). Außerdem gibt es bei Land- und Forstwirten die Möglichkeit, den Gewinn nach Durchschnittssätzen zu berechnen (§ 13a EStG, vgl.?G). Bei Handelsschiffen im internationalen Verkehr kann die Tonnagebesteuerung (§ 5a EStG) anwendbar sein.

  • Überschusseinkünfte: Hier sind die Einkünfte dergestalt zu errechnen, indem man von den Einnahmen die Werbungskosten abzieht (vgl.?dazu im Einzelnen E und F, K bis N).

Beispiele

  1. Der selbstständige Architekt G ermittelt seinen Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG (EÜR). Er bezog im Jahr 01 Betriebseinnahmen i.?H.?v. 100?000 €. Er zahlte im Jahr 01 Betriebsausgaben i.?H.?v. 40?000 €.

    Lösung: Sein Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG beträgt (100?000 € ./. 40?000 € =) 60?000 €. Es liegen Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz?2 EStG, Katalogberuf) vor.

  2. Privatmann P, ledig und konfessionslos, vereinnahmte im Jahr 01 Dividenden und Zinsen i.?H.?v. 90?000 €. Er zahlte im Jahr 01 5?000 € Werbungskosten (u.?a. für Depotgebühren, Schuldzinsen).

    Lösung: Seit dem VZ 2009 ist der Abzug von tatsächlichen Aufwendungen als Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG) ausgeschlossen. Stattdessen ist nur der Sparer-Pauschbetrag (für ledige Stpfl beträgt er seit dem VZ 2023 1?000 €; bis zum VZ 2022?801 €) abziehbar (vgl.?§ 20 Abs. 9 Satz?1 EStG; bei Zusammenveranlagung verdoppelt sich der Pauschbetrag).

    Berechnung:

Einnahmen

90?000 €

Sparer-Pauschbetrag

./.

1?000 €

Einkünfte § 20 EStG

89?000 €

Hinweis: Bei Auszahlung der Dividenden und Zinsen hat das auszahlende inländische Kredit- bzw. Finanzdienstleistungsinstitut gem. § 43a Abs. 1 Nr. 1 (ggf. Nr. 1a) i.?V.?m. § 32d Abs. 1 EStG einen Steuerabzug vorzunehmen (näheres hierzu siehe L?11).

  1. Dem Hauseigentümer H sind im Jahr 01 Mieten i.?H.?v. 10?000 €...


Zahn, Bianka
Prof. Dr. Bianka Zahn, Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg.

Schustek, Heribert
Prof. Heribert Schustek, Professor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. Dipl-Finanzwirt (FH).

Grimm, Simone
Prof. Dr. Simone Grimm, Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg.

Heribert Schustek

Prof. Heribert Schustek, Professor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. Dipl-Finanzwirt (FH).

Simone Grimm

Prof. Dr. Simone Grimm, Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg.

Bianka Zahn

Prof. Dr. Bianka Zahn, Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg.



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