Schumpelick | Auf Kongressreisen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Schumpelick Auf Kongressreisen


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-942825-50-4
Verlag: Kaden, R
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

ISBN: 978-3-942825-50-4
Verlag: Kaden, R
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In einer Zeit, als es noch keine Vorgaben für die Anzahl der jährlichen Kongressbesuche gab, die Mobilität über den Globus zu einer Selbst-verständlichkeit wurde und die internationale Bekanntheit mit eingela-denen Vorträgen ein Ritterschlag war, entstanden diese Kongresserfah-rungen. Man möchte den Autor um seine Erlebnisse beneiden, wenn man mit ihm die Zeitreise durch die Vergangenheit unternimmt. Ob es nun der Storchenkongress, die Hurtigruten oder die Fanfaren von Jaipur oder, oder, oder ... waren. Es ist eine Freude, mit Volker Schumpelick in seiner chirurgisch knappen, rheinisch-gefärbt humorvollen und - von der Persönlichkeit geprägt - lebendigen Schreibweise die Kongressreisen nachzuerleben. Genießen Sie die Reise um die Welt. Es wird Ihnen nicht langweilig werden. Und oft werden Sie feststellen: Ja, das stimmt, so ähnlich war es bei mir ja auch, oder - fast wäre mir das auch passiert, oder - schade, so etwas habe ich nie erlebt. Aus dem Geleitwort von Prof. Dr. med. Gabriele Schackert, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie 2015/2016

Volker Schumpelick wurde 1944 als Sohn eines Hamburger Chirurgen geboren und wuchs in Hamburg auf. Er studierte Medizin in München, Berlin, Hamburg, Göttingen und New York. Nach Staatsexamen und Promotion (1970/71) in Hamburg erfolgte dort 1978 auch die Habilitation. Ende 1985 übernahm er die Chirurgische Klinik und den Lehrstuhl am Universitätsklinikum Aachen (RWTH), den er bis 2010 bekleidete. 1994 wurde er Ehrendoktor der Universität Moskau. 2008/2009 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Der Verfasser ahlreicher medizinischer Lehrbücher und Mitherausgeber vieler Fachzeitschriften leitete über mehr als zehn Jahre die Gesprächsreihe 'Medizin-Ethik-Recht' der Konrad-Adenauer-Stiftung in Cadenabbia. Schumpelick gilt als einer der bedeutendsten Promotoren der Hernien- und Dickdarmchirurgie über das letzte Vierteljahrhundert und hat ihre Neuentwicklungen in dieser Zeit maßgeblich beeinflusst. Er ist Ehrenmitglied und Preisträger zahlreicher internationaler Gesellschaften sowie seit 2013 Präsident der European Hernia Society (EHS). Seit seiner Emeritierung widmete er sich in mehreren Büchern der Betrachtung des Berufsbildes eines Chirurgen. Dies begann mit der dreibändigen Anekdotenserie seiner persönlichen Erfahrungen an Patienten mit den Titeln 'Unterm Messer I-III'. Seit zwei Jahren beschäftigt er sich darüber hinaus mit den Besonderheiten des typischen Kongresslebens anhand von kritischen Analysen und humorvollen Anekdoten. In diesem neuen Buch 'Auf Kongressreisen' geht es um die Darstellung der hierbei auftretenden vielfältigen Eindrücke und Erlebnisse.
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Per Anhalter reisen

Jeder wird es immer wieder sagen, zufällige Anhalter mitzunehmen, sei zu gefährlich. Abgesehen vom Problem der Insassen Haftung für den unbekannten Mitfahrer ist das persönliche Gefährdungspotential des Fahrers durch einen etwaigen Überfall nur schwer kalkulierbar. Die zarte junge Studentin mit ihrem Semestergepäck oder Reiseutensilien wird einem kräftigen Autofahrer schon nicht in Gefahr bringen, es sei denn sie würde ihn mit Pfefferspray oder einer Schusswaffe angreifen, aber warum sollte sie? Ein verwahrloster, ungepflegter Mann mit auffälligem Piercing oder plakativen Tätowierungen ist sicher kein Wunschkandidat für das Mitnehmen, besonders dann, wenn er eine offene Bierflasche mit sich führt oder schon betrunken auf das Fahrzeug zu torkelt. Greise und ältere Menschen pflegen nicht per Anhalter zu reisen, sind aber doch gelegentlich aus Zeit- oder Geldmangel dazu gezwungen. Für sie sind lange Fußwege strapaziöser als für jüngere Personen, darum ist es eine wirklich gute Tat, ihnen durch eine großzügige Mitnahme zu helfen. Gleiches gilt für Mütter mit Kindern oder auch einzelne Kinder, die zum Beispiel den Schulbus verpasst haben, und anstatt etwa eine dreiviertel Stunde lang zu Fuß zu laufen, mutig den Daumen rausstrecken, um mitgenommen zu werden. Jeder, der einmal selbst getrampt ist, und die Mühen der ermüdenden und staubigen Wegstrecke am eigenen Leibe erfahren hat, ist in Notsituationen ein potentiell per Anhalter Reisender.

Das gilt auf ebener Strecke mindestens so sehr wie im Gebirge, in dem lange Fußwege bergauf den Wanderer rasch an seine physische Grenze führen können. Ihm, durch das Mitnehmen die Mühe des Weges zu ersparen, ist ein Gebot praktizierter Menschlichkeit. Aus diesem Grunde bin ich ein überzeugter „Mitnehmer“ und lasse keinen am Wegesrand stehen, der durch einen ausgestreckten Daumen seinen Wunsch zum Trampen artikuliert. Diese Einstellung gewann ich bei einem frühen persönlichen Erlebnis im Kindesalter: An einem, schönen Sommertag in den großen Ferien entschloss ich mich im Alter von zwölf Jahren zusammen mit meinen beiden zwei bis drei Jahre älteren Schwestern auf unseren Kinderfahrrädern von Hamburg nach Duhnen bei Cuxhaven in unser Sommerhaus an der Nordsee zu fahren. Die 130 Kilometer lange Strecke war eigentlich mit dem Auto ein „Klax“, nicht aber so auf Kinderfahrrädern bei dem permanenten westlichen Gegenwind an der Küste, so dass wir zwischen Stade und Cuxhaven auf der vielbefahrenen Bundesstraße 73 auf halber Strecke völlig erschöpft unseren Plan aufgeben mussten. So standen wir drei Kinder mit unseren Fahrrädern verzweifelt am Straßenrand und schwenkten unsere Daumen, wie wir das von den Erwachsenen abgeschaut hatten. Und tatsächlich hielt bald ein Kiestransporter, der uns drei in seiner geräumigen Fahrerkabine aufnahm, und unsere geliebten Fahrräder auf der Ladefläche sanft in weichem Kies bettete um uns dann bis nach Cuxhaven zu bringen. Wie selig waren wir darüber und vergaßen dabei alle Vorschriften der Eltern, nicht zu fremden Menschen ins Auto zu steigen. Dieser freundliche LKW-Fahrer hatte sogar Bonbons im Handschuhfach, die unseren ersten Hunger stillten. Indem wir diese annahmen, verletzten wir das zweite häusliche Verbot, nichts von Fremden anzunehmen. Aber der Kapitän der Landstraße war so sympathisch und verständnisvoll für unsere Situation der abgebrochenen Fahrradtour, da er, wie er sagte, selbst eigene Kinder in unserem Alter zu Hause habe, die auch gerade einen sommerlichen Fahrradausflug planten.

Seither nehme ich relativ großzügig Tramper mit, von denen ich mir vorstellen kann, mit ihnen zusammen in einem engen Auto zu sitzen. Aber unappetitliche Personen oder Tramper mit ausladenden Gepäck sowie sichtbar alkoholisierte oder bereits torkelnde Passanten finden bei mir keine Berücksichtigung. Mit ihnen möchte ich nicht den Wohn- und Atemraum meines Autos selbst auch nur kurzfristig teilen. Mein Haus ist nun einmal zum Zeitpunkt ihres Anhalter-Begehrens mein Auto, sie haben sich in der kurzen Zeit ihrer Mitnahme nach meinen Regeln zu richten. „Home sweet home“ gilt auch für diese von ihnen beanspruchte kostenfreie und freiwillige Mitnahme durch mich.

Schwierig wird die Situation bei großem Gepäckaufkommen der Tramper, bei mehreren Personen und bei jenen sinistren Typen, die einem nicht gerade in die Augen schauen können oder sich sogar durch Verschleierung unkenntlich machen. Sie finden bei mir keine Berücksichtigung. Für mich ist nun einmal die Visitenkarte eines für eine Mitnahme geeigneten Trampers sein offenes Gesicht und sein der Situation angepasstes, zugewandtes Verhalten. – Paare trampen häufig zusammen, wobei der Erstkontakt der Akquisition meist von einem hübschen Mädchen als Eyecatcher angebahnt wird und der Partner erst beim tatsächlichen Stopp des Autos gewissermaßen hinter dem Busch auftaucht. Ist er ein unappetitlicher Kleiderschrank mit dem Ausdruck beträchtlicher Brutalität, so ist der Kontakt schon damit beendet. Man hat eben nicht für beide ausreichend Platz im Wagen, was das Pärchen einsehen muss. Fördert er nach dem Stopp des Wagens großes Gepäck hinter den Büschen hervor, so ist die Entscheidung für eine Mitnahme letztlich eine Frage des Maßes der Gepäckstücke. Mein eigenes Gepäck hat natürlich Vorrang, aber ein Umstauen der Koffer und Taschen ist bei sympathischen Trampern für mich durchaus denkbar und bereits häufig praktiziert worden.

Junge Mädchen können bei mir auf mehr Verständnis rechnen als ältere Männer. Greise haben andere Gesetze, hier gilt in dubio pro reo. Es zählt für mich die nüchterne Absicht, ihnen die letzten Jahre auf Erden möglichst angenehm zu gestalten, bevor sie irgendwann gegebenenfalls verbittert diese Welt wieder verlassen müssen. Diese Maximen und Grundregeln sind für mich nicht in Stein geschnitten, sie gelten immer nur cum grano salis und werden häufig genug in praxi auf den Kopf gestellt. – Ganz entscheidend ist aber die Mitsprache meines Beifahrers, der sich ja mehr mit dieser Person wird auseinandersetzen müssen als der Fahrer. Ist er hierzu nicht bereit, so bleibt der Anhalter an der alten Stelle stehen oder fliegt bei der nächsten Kurve wegen schlechten Betragens aus der sich als ungeeignet erwiesenen Fahrgemeinschaft. Dies betraf eine Psychologiestudentin aus Hamburg, die bei mir sozusagen als ihrem ersten Patienten bei 160 Stundenkilometer auf der Autobahn von Göttingen eine komplette Persönlichkeitsanalyse machen wollte und trotz meines bekundeten Desinteresses hiervon nicht abzubringen war und damit mich so sehr nervte, dass sie mich nachhaltig vom Fahren ablenkte. – Ein anderer Tramper setzte alles dran, mich als Mitglied für seine politische Partei zu gewinnen, damit ich es dadurch später leichter haben würde. Ich nahm ihn aber trotzdem weiter mit, da er mir alle Zusammenhänge und Hintergründe der Fußballbundesliga erstmals auch für mich verständlich erklären konnte.

In der Regel bin ich mit allen Anhaltern bisher gut gefahren und würde immer wieder Tramper mitnehmen. Ich habe viele extreme Beispiele erlebt, die aufzuzählen hier der Platz fehlt. Wenn ich irgendwann mit zerschlagenem Schädel in meinem Auto angetroffen werden sollte, so ist das ein Schicksal, das ich bewusst eingegangen bin angesichts der guten Geschichten, der vielfältigen Anregungen und der lebendigen Erzählungen, die ich von Trampern erfahren habe. Doch gibt es auch völlig averbale Personen, wie eine Greisin von mindestens 80 Jahren, die ich mitten in der Gebirgsregion Kretas über 75 Kilometer mitgenommen habe und die sich bei jeder Kurve bekreuzigte, ohne auch nur ein Wort zu verlieren. – Es gab einen Tramper mit wehenden, schulterlangen, wüsten Haaren und einem starken Ziegengeruch (wohl durch sein Leben in einem Ziegenstall!), der im kalifornischen Yosemite Nationalpark unter äußerst knapper Bekleidung in Form eines zerlumpten Buschhemdes, eines Hüftgurts und einfacher Holzsandalen, wie aus dem Nichts am Straßenrand auftauchte und nach dreißig Kilometern wieder im Nichts auszusteigen begehrte. Hier konnte ich meine Frau als Mitfahrerin nur zur Zustimmung bewegen, als ich wegen seines Hippie-Erscheinungsbild argumentierte, dass der Anhalter beispielsweise ein neuer Jesus sein könne, der ja auch kein Fahrzeug zur Verfügung gehabt hätte und darum hätte trampen müssen.

Auf den langen und heißen Wüstenstrecken Afrikas hat man uns vor Trampern gewarnt, da man sie nie wieder loswerden würde. Gerade hier aber gab es eine zehnköpfige Familie in Namibia, die wir auf Teilstrecken über zwanzig Kilometer mitgenommen haben und die sich später von uns mit Tränen der Dankbarkeit verabschiedeten. Derart positiv motiviert nahmen wir auf einer der nächsten Wegekreuzungen einen jungen Buschmann aus Südafrika mit, der sehr manierlich aussah und nur zur nächsten Stadt mitgenommen werden wollte. Er flog allerdings auf dem zehn Kilometer langen Weg dorthin aus dem Wagen, nicht weil er sich ungebührlich benahm oder frech wurde, sondern weil einfach sein Körpergeruch im heißen geschlossenen Wagen unerträglich wurde. Die Ursache war, dass er in seinem Rucksack ein vor drei Tagen gehäutetes Antilopenfell zum Verkauf in der nächsten Stadt mit sich führte, dessen Geruch nach Aas in der Gluthitze des engen Wagen nicht zu ertragen war. Mit dem Zeichen der von uns zugehaltenen Nase, musste er es einfach verstehen, weshalb er wieder ausgesetzt wurde.

Bei hunderten von Trampern bin ich bis heute gut gefahren. Ich wurde nie überfallen, beraubt, belästigt oder bestohlen oder durch lästige Reden abhaltend vom Fahren abgelenkt. Einmal ging mir auf der Autobahn in Jugoslawien eine junge Anhalterin an die Wäsche, was daran lag daran, dass ich den Straßenstrich...


Volker Schumpelick wurde 1944 als Sohn eines Hamburger Chirurgen geboren und wuchs in Hamburg auf. Er studierte Medizin in München, Berlin, Hamburg, Göttingen und New York. Nach Staatsexamen und Promotion (1970/71) in Hamburg erfolgte dort 1978 auch die Habilitation. Ende 1985 übernahm er die Chirurgische Klinik und den Lehrstuhl am Universitätsklinikum Aachen (RWTH), den er bis 2010 bekleidete. 1994 wurde er Ehrendoktor der Universität Moskau. 2008/2009 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Der Verfasser ahlreicher medizinischer Lehrbücher und Mitherausgeber vieler Fachzeitschriften leitete über mehr als zehn Jahre die Gesprächsreihe "Medizin-Ethik-Recht" der Konrad-Adenauer-Stiftung in Cadenabbia. Schumpelick gilt als einer der bedeutendsten Promotoren der Hernien– und Dickdarmchirurgie über das letzte Vierteljahrhundert und hat ihre Neuentwicklungen in dieser Zeit maßgeblich beeinflusst. Er ist Ehrenmitglied und Preisträger zahlreicher internationaler Gesellschaften sowie seit 2013 Präsident der European Hernia Society (EHS). Seit seiner Emeritierung widmete er sich in mehreren Büchern der Betrachtung des Berufsbildes eines Chirurgen. Dies begann mit der dreibändigen Anekdotenserie seiner persönlichen Erfahrungen an Patienten mit den Titeln "Unterm Messer I–III". Seit zwei Jahren beschäftigt er sich darüber hinaus mit den Besonderheiten des typischen Kongresslebens anhand von kritischen Analysen und humorvollen Anekdoten. In diesem neuen Buch "Auf Kongressreisen" geht es um die Darstellung der hierbei auftretenden vielfältigen Eindrücke und Erlebnisse.



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