E-Book, Deutsch, Band 1, 518 Seiten
Reihe: Key and Hunter Trilogie
Schulz Key and Hunter
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-3855-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Weltenschlüssel
E-Book, Deutsch, Band 1, 518 Seiten
Reihe: Key and Hunter Trilogie
ISBN: 978-3-6951-3855-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sarah Schulz entdeckte schon früh ihre Leidenschaft für fantastische Geschichten. Seit ihrer Kindheit verbrachte sie unzählige Stunden in imaginären Welten voller Fabelwesen, Hexen und Magie. Beruflich schlug sie zunächst einen anderen Weg ein. 2009 begann sie eine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft und ist seither in derselben Einrichtung tätig. Mittlerweile im Bereich Ausbildung. Die Liebe zur Literatur blieb jedoch ein fester Bestandteil ihres Lebens. 2024 startete sie ihren Instagram Account @bookishheartbeat rund um Bücher und Leseliebe, auf dem sie bis heute ihre Begeisterung für fantastische Geschichten teilt. Ein Jahr später, im April 2025, veröffentlichte sie ein humoristisches Buch über den Pflegealltag. Ein erster Schritt in die AutorInnenwelt. Mit Key and Hunter feiert sie nun ihr Debüt im Fantasy Genre. Ein gemeinsames Herzensprojekt, das sie zusammen mit ihrem Mann entwickelte. Wenn sie nicht arbeitet, schreibt oder liest, genießt Sarah ihre Zeit mit ihrer Familie, ihrem Mann, Kater und Hund. Ihre Familie ist ihr ein wichtiger Rückhalt, und mit ihrer Schwester teilt sie eine besondere Verbindung: die gemeinsame Liebe zu Fantasyromanen.
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Kapitel 2
In den kommenden Wochen schien das Leben in der Bibliothek fast zu schön, um wahr zu sein. Ich fand schnell meinen Platz, lernte die Abläufe kennen und knüpfte erste Freundschaften mit einigen meiner Kollegen. Doch am meisten zog es mich ins Archiv – zwischen die alten, wertvollen Bücher. Dort konnte ich stundenlang versinken, um mich in den Geschichten zu verlieren, die in den zerbrechlichen Seiten lebendig wurden. Jakob hatte mir inzwischen das Du angeboten und vertraute mir rasch eigene Aufgaben an. Ich empfand es als eine echte Anerkennung. Das Archiv selbst lag im Untergeschoss, abgeschirmt vom hektischen Treiben im oberen Bereich der Bibliothek. Oft bekam ich von all dem kaum etwas mit. Gelegentlich wurde ich gebeten, beim Einsortieren neuer oder zurückgebrachter Bücher zu helfen, aber meistens war ich alleine in meinem ruhigen Reich, umgeben von alten Geschichten. Doch heute war einer dieser Tage, an denen ich aushelfen sollte.
Eine neue Lieferung mit Büchern für die Hauptbibliothek war eingetroffen und Frau Herzog hatte mich gebeten, beim Einsortieren zu helfen. Während ich einen hohen Stapel Bücher zu einem der Transportwagen balancierte, war ich tief in Gedanken versunken. Mein Kopf war noch immer bei dem alten Manuskript, das ich vorhin im Archiv durchgesehen hatte. Die kunstvoll geschwungenen Buchstaben, die leicht verblasste Tinte, die Geschichte, die in den vergilbten Seiten steckte. All das hatte mich völlig in den Bann gezogen. Vielleicht war es genau dieser gedankenverlorene Zustand, der mich nicht bemerken ließ, dass sich jemand aus einer der Regalreihen näherte – bis es zu spät war. Plötzlich stieß ich gegen eine feste Gestalt, und bevor ich reagieren konnte, rutschten mir zwei der oberen Bücher aus den Armen. Mit einem dumpfen Knall landeten sie auf dem Boden.
Ein erschrockener Atemzug entwich mir, während ich die restlichen Bücher fester umklammerte und sie hastig auf dem Transportwagen ablegte.
»Tut mir echt leid! Ich war in Gedanken bei meinem Referat und hab dich nicht gesehen.« Ich fuhr herum und sah den Verursacher des Zusammenstoßes an.
Ein Mann mit zerzaustem dunkelblondem Haar und einem charmant entschuldigenden Lächeln hielt mir bereits die heruntergefallenen Bücher entgegen. Seine Haltung war entspannt, fast lässig, als wäre ihm das nicht zum ersten Mal passiert. Ich nahm ihm die Bücher ab, drehte sie in meinen Händen und überprüfte sie auf Schäden.
»Falls was kaputt gegangen ist, werde ich natürlich dafür aufkommen«, bot er an. Erst als ich sicher war, dass die Bücher unversehrt waren, sah ich ihn richtig an. Er war höchstens zwei oder drei Jahre älter als ich und sah zugegebenermaßen ziemlich gut aus. Er hatte diesen ‚Mir ist alles egal, aber ich sehe dabei perfekt aus‘ – Look. Kurz verlor ich mich ein wenig darin, sammelte mich aber schnell und erwiderte dann etwas schärfer als beabsichtigt: »Nichts passiert. Diesmal. Aber pass in Zukunft besser auf.« Für einen Moment schien er überrascht, doch anstatt verunsichert zu wirken, blitzte ein belustigtes Funkeln in seinen Augen auf. Fast so, als hätte er genau mit dieser Reaktion gerechnet. Ich seufzte und setzte etwas freundlicher nach: »Was ist denn das Thema deines Referats? Muss ja ziemlich fesselnd sein, wenn du dabei deine Umgebung vergisst.« Er grinste. »Europäische Mythen und ihre Darstellung in der Literatur.« Ich hob eine Augenbraue.
»Nicht schlecht. Klingt, als könnte man sich darin verlieren.«
»Kommt drauf an, wen du fragst.« Er lehnte sich locker an das nächstbeste Regal. »Und du? Sortierst du hier nur oder hast du eine Schwäche für alte Geschichten?«
»Beides« Ich legte die Bücher sorgfältig zurück auf den Stapel. »Wobei mich die Geschichten hinter den Büchern fast noch mehr interessieren. Woher sie kommen, wer sie einst in den Händen hielt.« Ich zuckte mit den Schultern.
»Ja, ich schätze, ich bin eine klassische Bibliotheks-Romantikerin.«
Er betrachtete mich einen Moment lang, dann schmunzelte er. »Ich wusste doch, dass mir hier irgendwann jemand mit einer poetischen Sichtweise begegnet.«
»Oh? Und du hast darauf gewartet?« Ich verschränkte die Arme und musterte ihn skeptisch.
»Nicht direkt, aber es macht die vielen Stunden hier definitiv interessanter.« Er neigte leicht den Kopf, als wollte er mich herausfordern.
»Wie lautet dein Name, Bibliotheks-Romantikerin?« Ich überlegte kurz, dann gab ich nach. »Sy.«, nannte ich ihm meinen Spitznamen
»Sy«, wiederholte er langsam, als würde er den Klang testen. »Ich bin Samuel.« Mir gefiel sein Name.
»Freut mich. Trotz der wenig eleganten ersten Begegnung«, bemerkte ich trocken. Er lachte leise. »Ich arbeite dran. Beim nächsten Mal stoße ich weniger rücksichtslos aus einem Regal hervor.«
»Wäre ein Anfang.« Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
»Dann sehen wir uns ja vielleicht wieder.« Sein Ton war spielerisch, aber die unausgesprochene Einladung hing trotzdem in der Luft. Ich tat so, als würde ich überlegen.
»Mal sehen, ob du dich bis dahin in der Bibliothek benehmen kannst.« Er hob amüsiert eine Augenbraue, lächelte und hob zum Abschied die Hand, bevor er zwischen den Regalen verschwand. Ich sah ihm kurz nach, schüttelte kaum merklich den Kopf und atmete tief durch. Was für eine merkwürdige, aber irgendwie auch interessante Begegnung.
Ich drehte mich endgültig um, legte die Hände an den Griff meines Bücherwagens und schob ihn langsam nach vorne. Doch ich merkte sofort, dass Samuel seine Richtung wieder änderte und sich mir anschloss. Irritiert warf ich ihm einen kurzen Blick zu und wollte gerade fragen, ob er noch etwas vergessen hatte, doch er kam mir zuvor.
»Sag mal, kann ich das von vorhin irgendwie wiedergutmachen? Dich vielleicht als Entschädigung auf einen Kaffee einladen?« Ich hielt inne und drehte den Kopf zu ihm. Sein selbstbewusstes Grinsen verriet, dass er sich nicht so leicht abwimmeln lassen würde. Ich musste zugeben, dass mir seine direkte Art irgendwie imponierte, aber so leicht würde ich es ihm nicht machen. »Nein, danke«, erwiderte ich höflich, aber bestimmt. »Das ist wirklich nicht nötig. Es ist ja nichts passiert.« Ich erwartete, dass er es dabei belassen würde, aber stattdessen legte er den Kopf leicht schief, als würde er mich mustern. »Sicher? Ich meine, wer weiß, vielleicht wäre es ja ganz nett.« Ich schnaubte leise und schob meinen Wagen weiter. »Und vielleicht habe ich wirklich zu tun.« Er lachte leise. »Okay, das akzeptiere ich. Aber selbst eine fleißige Bibliotheks-Romantikerin braucht doch mal eine Pause.« Mit einem kleinen Kopfschütteln setzte ich meinen Weg fort. Charmant war er, keine Frage, aber ich war nicht hier, um mich ablenken zu lassen.
Wie sich herausstellte, war Samuel weitaus hartnäckiger, als ich gedacht hatte. Anscheinend war Abwimmeln nicht meine Stärke. Oder er sah es einfach als persönliche Herausforderung an. Jedenfalls tauchte er wieder vor mir auf.
»Wie wäre es, wenn du mir erzählst, was du hier genau machst?« Ich stöhnte und erklärte es ihm knapp, während ich weiter Bücher einsortierte. Doch anstatt einfach zuzuhören und sich dann aus dem Staub zu machen, stellte er sich mit einem Mal direkt vor meinen Bücherwagen und versperrte mir den Weg. Ich spürte wie meine Gereiztheit zunahm. »Das klingt nach einem echten Traumjob«, sagte er, die Arme vor der Brust verschränkt. »Aber hör zu. Ich weiß, ich habe keinen glänzenden ersten Eindruck hinterlassen. Bücher runter zu schmeißen ist vermutlich der denkbar schlechteste Weg, um mit einer angehenden Bibliothekarin Freundschaft zu schließen. Aber ich würde mich wirklich freuen, wenn ich noch eine zweite Chance bei dir bekäme.«
Ich musterte ihn abschätzend, ohne etwas zu erwidern.
»Ich verspreche hoch und heilig, in Zukunft vorsichtiger durch diese heiligen Hallen zu schreiten«, fuhr er dramatisch fort und legte sich eine Hand auf sein Herz. »Ehrenwort!« Trotz meiner Abneigung gegen seine aufdringliche Art, musste ich schmunzeln. Seine Hartnäckigkeit war irgendwie beeindruckend. Es war auch nicht gerade zu seinem Nachteil, dass er gut aussah, aber meine Arbeit ging vor.
»Ich kann hier wirklich nicht weg«, erklärte ich und deutete auf meinen halb vollen Bücherwagen. »Und ich habe erst spät Feierabend.« Samuel ließ sich nicht so leicht abschütteln. Stattdessen grinste er breit und legte wieder den Kopf zu Seite. Das schien eine für ihn typische Geste zu sein. Wahrscheinlich war er es gewohnt, dass Frauen auf diese Hundeblick-Masche ansprangen. »Ich kann uns auch Kaffee to-go besorgen. Irgendwann wirst du doch mal was trinken, oder?« Ich atmete tief durch und sah ihn ernst an. »Tut mir leid, aber ich muss ablehnen. Es war nett, dich kennenzulernen.« Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte...




