Schug | Achtung Ahnen, ich komme! | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

Schug Achtung Ahnen, ich komme!

Praxisbuch moderne Familienforschung
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86408-128-6
Verlag: Vergangenheitsverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Praxisbuch moderne Familienforschung

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

ISBN: 978-3-86408-128-6
Verlag: Vergangenheitsverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wer bin ich? Diese Frage ist für uns existenziell. Wir müssen sie beantworten, um uns selbst zu verstehen. Wer wir sind, wieso wir geworden sind, wie wir sind - das lässt sich vor allem aus der eigenen Familiengeschichte schöpfen und beantworten. Die Frage an uns selbst und unsere Familie führt uns auf eine Reise in die Vergangenheit. Für Viktoria Urmersbach und Alexander Schug ist die Familienforschung ein Weg der Selbsterkenntnis. Die Ahnen sind in dir und haben etwas zu sagen, lautet ihr Ansatz. Wie man diesen Botschaften auf den Grund gehen und Familienforschung als Hobby, unterhaltsame wie spannende Freizeitbeschäftigung oder auch therapeutisches Mittel einsetzen kann, zeigt dieser Praxis-Guide Schritt für Schritt. Die Autoren haben einen modernen und frischen Ansatz der Familienforschung entwickelt, der die staubige Genealogie auf den Kopf stellt. Dabei verabschieden sich die Autoren u. a. vom Konzept der Blutsverwandtschaft und präsentieren einen Weg, wie Familienforschung in Zeiten der modernen Patchworkfamilie aussehen kann. Und weil die Geschichte weitergeht, stellt sich auch die Frage, welche Spuren das eigene Leben hinterlässt und wie man selbst ein guter Ahne wird.

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1. Kapitel:


Zum Warmlaufen, oder: Notizen über Familie, Geschichte und biografische Figuren


Jede Familie ist einzigartig. Andererseits gibt es auch Gemeinsamkeiten, Muster und archetypische Persönlichkeiten. »Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich.« – so lautet der Romanfang von Anna Karenina, so beobachtete es Lew Tolstoi im Russland des 19. Jahrhunderts. Familiengeschichte zu betreiben und Kontakt zu den Ahnen aufzunehmen, bedeutet, sich mit den Mustern der Vergangenheit auseinanderzusetzen. In Familien werden oftmals immer wieder die gleichen Rollen besetzt, grundlegende Gefühle von Glück oder Leid, von Außenseitertum oder Erfolg werden über die Generationen geradezu vererbt. Natürlich werden solche Rollen ganz stark durch soziale und wirtschaftliche Verhältnisse mitgeprägt. Wenn eine Familie Geld hatte, ist es relativ erwartbar, dass die Nachkommen es im Leben zumindest in Bezug auf Ausbildung und Beruf einfacher haben werden. Diese Konstellationen sind vielfach untersucht worden: Die Reichen rekrutieren und verheiraten sich immer wieder aus den gleichen Milieus, die Eliten sind mehr oder weniger abgeschlossen, ebenso wie Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe über Generationen vererbt werden können. Der Sozialstatus hat Auswirkungen auf Glücksempfinden und das Gefühl, »richtig« zu sein. Aber darüber hinaus gibt es noch mehr, was bei der Familienforschung eine Rolle spielt.

Was also sind die prägenden Faktoren für Familienkonstellationen, wodurch entsteht Kontinuität und das Gefühl einer Familientradition? Macht und Liebe – beides kann großen Einfluss auf eine Familie ausüben. Gerade die materiellen Gegebenheiten – Besitztümer und Erbansprüche – sind in der Geschichte jeder Familie ein wichtiges Element für Konflikte. Und Konflikte und damit negative Emotionen machen einen großen Teil von Familiengeschichten aus. Gefühle allerdings sind für Historiker ein schwieriges Terrain: Von Person zu Person wird schon so unterschiedlich empfunden und dann müssen noch zeitspezifische Gefühlsprägungen berücksichtigt werden, so dass deren Analyse von der Geschichtswissenschaft als zu wenig akademisch gemieden und vernachlässigt worden ist. Aber: Sprechen wir trotzdem darüber! Denn auch Sie als Nachfahren werden bei Ihren Recherchen mit Gefühlen konfrontiert, die Ihnen fremd sind. Sowohl Gefühle der Vorfahren, von denen Sie erzählt bekommen, oder die Sie sich erschließen wollen, als auch Gefühle, die in Ihnen selbst plötzlich hochkommen. Denn fast jede Familiengeschichte bietet auch befremdliche, schräge oder einfach nur unverständliche »Typen«, mit denen Sie biografisch existenziell verbunden sind.

Nehmen Sie diese Gedanken einmal als Anlass, um einen ersten Schritt zu Ihren eigenen Familienforschungen zu machen. Stürzen Sie also nicht gleich drauf los. Es ist immer wichtig, eigene Forschungsfragen zu haben, um darauf aufbauend Suchstrategien und Ziele zu definieren. Zu Beginn steht deshalb für uns das Nachdenken über die eigene Familie, offensichtliche Traditionen, und vor allem auch die Rollen, die die einzelnen Familienmitglieder spielen. Also führen wir uns zunächst einmal einen Reigen von typischen Figuren aus Familiengeschichten vor Augen. Die biografischen Figuren, die wir hier vorstellen, haben zum Zweck, dass wir Ihnen vorstellen wollen, in welchen Dimensionen sich Ihr Verhältnis zur Vergangenheit und den Ahnen abspielt. Gleichzeitig sind diese biografischen Figuren bereits eine Stütze, um Familiengeschichte zu deuten und zu erzählen. Entziffern Sie die Rollenspiele in Ihrer Familie!

Der Patriarch, das Geld und die Macht


Denken Sie nicht an einen sizilianischen Paten. Dreh- und Angelpunkt vieler Familiengeschichten ist (fast) immer schon der älteste Mann – der Patriarch. Hier geht es um die Macht: Der Älteste hat das Erbe zu verteilen. In ländlichen Gegenden, das trifft also in vergangenen Jahrhunderten auf die Mehrzahl der Menschen zu, wurden Land, Hof und alles andere innerhalb der Familie vom Vater auf den erstgeborenen Sohn vererbt. Patrilinear nennt man das. Dieses Erbrecht war in Deutschland auf vielen Höfen Norddeutschlands gebräuchlich, um sicherzustellen, dass der Hof groß genug und damit überlebensfähig blieb. Andererseits war das Erbrecht lange Zeit lokal geregelt, d. h. es konnte je nach Kirchspiel oder Gut unterschiedlich gehandhabt werden. Jede kleine Ortschaft konnte einen Mikrokosmos mit ganz eigenen Erbregeln bilden.

Töchter wurden oft mit einer Aussteuer abgefunden und damit für die Ehe ausgerüstet. Die jüngeren Söhne mussten ausgezahlt werden und sich einen neuen Beruf suchen. Nur manchmal wurden Bauernhöfe geteilt und das Erbe somit auf mehrere Söhne verteilt. Das materielle Erbe ist in vielen Familien Auslöser von Konflikten, und sicher gibt es auch in Ihrer Familie zerstrittene Flügel, ausgelöst durch einen Erbstreit. Damit befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Denken Sie nur an die Familie von Bismarck und ihre zwei rivalisierenden Brüder Carl Eduard und Gregor. Seit dem 15. Jahrhundert besitzt die Familie einen riesigen Wald, heute 70 Quadratkilometer groß, und ein stattliches Anwesen östlich von Hamburg. Fürst Ferdinand von Bismarck, über 80 Jahre alt, und seine Frau Gemahlin, Fürstin Elisabeth, seien sich nicht ganz einig über die Erbfolge, so las man in der Presse. Der Erstgeborene Carl Eduard sei in den Augen des Patriarchen Fürst Ferdinand der natürliche Nachfolger, der jüngere, Gregor, in den Augen der Fürstin allerdings der Geeignetere. Bis zum SEK-Einsatz kam es schon bei den Rangeleien um den Wald. Ur-Ur-Opa Otto, erster deutscher Reichskanzler, dreht sich im Grabe um!

Neben einem Streit um materielle Güter kann auch die Frage der richtigen künstlerischen Gesinnung Anlass für Bruderzwist um das moralische Erbe sein. So zankten sich Thomas und Heinrich Mann in feinster Intellektuellenart darum, wer das Erbe der Weltgeschichte als Literat besser ausdrücke. Heinrich forderte direkt nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der Romancier müsse »das rhythmische Wogen der modernen Demokratie« in sich walten lassen: »Hinauf Menschen! Heraus aus eurem Schmutz, den ich nachmale… hinauf mit mir, arbeitend ich und ihr!« Wer da nicht künstlerisch-politisch aktiv sei, schade der Gesellschaft wie ein Parasit. Thomas Mann fühlte sich davon zu Unrecht angegriffen und schrieb am 3. Januar 1918 ein paar letzte böse Zeilen: »Mögest Du und mögen die Deinen mich einen Schmarotzer nennen. Die Wahrheit, meine Wahrheit ist, daß ich keiner bin.«7 Konkurrenz und Entfremdung herrschte, jahrelange Funkstille, die die gesamte Familie belastete und erst 1922 im Angesicht einer schweren Krankheit Heinrich Manns beendet wurde.

Auch wenn es in Ihrer Familie nicht um gigantische Forstbetriebe, kleine Schlösser oder Zivilisationskritik geht, die Frage nach der gerechten Verteilung von Geld und Gut ist von großer Relevanz in jeder Sippe. Jede Generation muss sich wieder damit auseinander setzen. Zweieinhalb Billionen Euro sind in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren vererbt worden – genug Geld für viele, viele hässliche Streitigkeiten, die auch schon vor dem eigentlichen Erbfall beginnen können. Der Erblasser hat mit dem Vermögen jede Menge Macht über seine Nachfahren, kann den Kurs des Unternehmens steuern und die Lebenswege seiner Kinder über Jahrzehnte lenken. Ohne sein Einwilligen ändert sich nichts. So war es auch beim Wagner-Clan, der bis 2008 von dem schon fast 90-jährigen Wolfgang Wagner dominiert wurde. Noch als Greis, nach einem halben Jahrhundert im Dienste des Gedenkens an seinen Großvater Richard Wagner, ließ er sich keine Entscheidung auf dem Grünen Hügel in Bayreuth abnehmen und machte seinen designierten Nachfolgerinnen, seinen Töchtern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, das Leben schwer. Jahrelang dauerte das Ringen um die Nachfolge und viele Familienmitglieder kämpften darum, das Erbe des großen Komponisten Richard Wagner auch in der dritten und vierten Generation in Ehren zu halten.

Darüber hinaus spielt der Patriarch auch eine wichtige Rolle als moralische Instanz. Vor seinen hohen Ansprüchen gilt es als Sohn und Tochter und als Enkel und Enkelin zu bestehen. Die biografische Figur des Patriarchen zeigt aber auch: Im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft, oft auch im Familiengedächtnis, haben Männer und Frauen sehr unterschiedliche Rollen.

Gibt es auch bei Ihnen Urväter oder Mütter, die solche Rollen ausgefüllt haben? Wie war das Verhältnis dieser Menschen zu ihren Kindern? Was hat sich an Wissen über den Patriarchen oder die Matriarchin bis zu Ihnen durchgesetzt? Welche Eigenschaften leitet man in Familiengesprächen von diesen Personen ab?

Blutsbrüder und verschwundene Frauen


Wenn Sie an Vorfahren und Verwandtschaftsverhältnisse denken, dann muss man sich heute auch fragen, wie die modernen Patchworkfamilien in die Familienforschung eingebunden werden können. Ebenso ist es übrigens an der Zeit, den Glauben aufzubrechen, dass Familien nur über Stammväter verfügen und die männlichen Vorfahren das Konstrukt Familie aufrechterhalten. Weil Frauen die höhere Lebenserwartung als Männer haben, ist es manchmal schließlich eine Matriarchin, die das Sagen hat. Eine typische Matriarchin kämpfte im Fernsehen heroisch um das Ansehen ihrer Familie: Herta Gräfin von Guldenburg, verkörpert von Brigitte Horney, war so eine Frauenfigur, die über zwei Staffeln in der vor Jahren erfolgreichen ZDF-Serie versuchte, den Niedergang der Familie und ihrer Privatbrauerei zu verhindern. Marge Simpson stellte in der Comicserie »Die Simpsons« einen anderen Urtyp von...



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