Schreiber | Friends & Horses, Band 01 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 224 Seiten

Reihe: Friends & Horses

Schreiber Friends & Horses, Band 01

Schritt, Trab, Kuss
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-505-13943-7
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Schritt, Trab, Kuss

E-Book, Deutsch, Band 1, 224 Seiten

Reihe: Friends & Horses

ISBN: 978-3-505-13943-7
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Freundinnen für immer - das sind Rosa, Daisy und Iris. Die drei Mädchen verbindet ihre große Liebe zu Pferden und der Spaß am Reiten. Es ist Sommer, und in jeder freien Minute sind die drei mit ihren Pferden draußen unterwegs. So könnte es ewig weitergehen, findet Rosa. Wird es aber nicht. Denn Iris muss mit ihren Eltern wegziehen, schon bald. Als wäre das Leben deshalb nicht schon kompliziert genug, merkt Rosa, dass sich ihre Sandkastenfreundschaft zu Daniel langsam, aber sicher zu verändern beginnt. Was empfindet sie wirklich für ihn? Dann taucht auch noch die Mexikanerin Ollie mit ihrer zauberhaften Stute Chispa im Reitstall auf. Sie ist der Traum jedes Jungen, und auch Daniel scheint ihr gegenüber keineswegs gleichgültig zu sein ...



Chantal Schreiber heißt wirklich so und schreibt Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie liebt Tiere (alle!), Second-Hand-Shops (Schatzsuche!), Kochen und Backen (vegan), Bücher, Kino und Draußensein. Sie lebt und arbeitet in der Nähe von Wien.

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2. Der neue Faktor

Als ich auf den Baum vor Daniels Fenster und über das Baumhaus auf sein Fensterbrett klettere, sehe ich, wie sich der Vorhang hinter Frau Strehles Fenster bewegt. Ich setze ein strahlendes Lächeln auf und winke zu ihr hinüber. Wäre ja noch schöner, wenn ich mir jetzt von der auch noch etwas vorschreiben lassen müsste. Ich halte mich am Fensterrahmen fest und lasse mich auf der anderen Seite hinunter. Daniel liegt mit dem Laptop auf seinem Bett vermutlich klickt er sich durch seine neusten Fotos. Als er mich in seinem Zimmer landen hört, fährt er erschrocken hoch.

„Rosa! Was machst du denn hier?“

Diese Begrüßung ist etwas ernüchternd für jemanden, der sich seit einer Woche freut, wieder mal einen Abend mit seinem besten Kumpel zu verbringen.

„Ähm. Es ist Dienstag?“

„Oh.“ Er setzt sich auf. „Ja, sicher. Stimmt. Aber du hast nicht gesimst oder so, also hab ich nicht gedacht …

„Ich dachte nicht, dass ich simsen muss! Ich meine …“ Irgendwie bin ich sprachlos, und deshalb wiederhole ich nur stumpfsinnig: „Es ist Dienstag!“

„Ja, schon klar.“ Er springt auf, und ich sehe ihm an, dass es ihm leidtut, wie er mich begrüßt hat. „Nur … die letzten zwei Mal hatten wir keine Zeit, und ich hab nichts von dir gehört, und da wusste ich einfach nicht, ob du heute kommst.“

Er fährt mit den gefächerten Fingern einer Hand über seine gerunzelte Stirn. Es sieht sehr verlegen aus und sehr ratlos und sehr nach Daniel. Die sprachlose Empörung, die ich eben noch empfunden habe, sinkt rapide gegen null.

„Schon gut“, sage ich. „Du hast ja recht, ich hätte schreiben können. Ist es jetzt … ich meine … geht es heute nicht? Hast du was anderes vor?“

„Nein. Gar nicht. Was wollen wir uns ansehen?“ Er wirft einen Blick auf meine Tasche. „Oder gibt’s Stoff für eine Buchrezension?“

Das ist unser Ding, Daniels und meines: Bücher und Filme. Er hat sogar „Twilight“ gelesen, als ich es angeschleppt habe, auch wenn seine Kritik ziemlich vernichtend ausfiel. Und ich habe mich für ihn durch den „Drachenbeinthron“ gekämpft, obwohl ich Ritter und so was eher albern finde. Irgendwie hab ich schon gedacht, aha, jetzt ist es so weit, jetzt gefallen uns nicht mehr dieselben Bücher, weil jetzt dieses „Mädels sind anders als Jungs“-Ding stärker wird als das „Wir sind Rosa und Daniel“-Ding. Doch bei Flavia de Luce haben wir uns dann wieder getroffen, wir finden sie beide genial.

Aber heute hab ich nur DVDs mit, eine ganze Tasche voll, deren Inhalt ich jetzt auf Daniels Bett kippe.

„Ziemlich beste Freunde“, „Willkommen bei den Sch’tis“ … Ha, ich hab’s gewusst, dass er nach „Napoleon Dynamite“ greifen wird, jede Wette wäre ich eingegangen, das ist genau sein … Oh nein, wie kommt denn das unter die DVDs? Es lag auf meinem Schreibtisch, ich hab noch kurz reingeschrieben, hab es dann weggelegt – verdammt! Ich hatte das Tagebuch auf eine DVD gelegt, dann eine andere darauf und dann alles zusammen eingepackt. Und jetzt hat Daniel es in der Hand, beginnt durch die linierten Seiten zu blättern.

„Nicht!“, rufe ich und höre, wie kieksig meine Stimme klingt, beinahe hysterisch. Mit zwei Schritten bin ich auf der anderen Seite des Bettes und greife nach dem dunkelblauen, gepolsterten Buch mit dem Schmetterling vorn drauf. Vor Schreck über mein Aufkreischen hätte Daniel es beinahe fallen lassen, doch nun, als ich es mir schnappen will, zieht er die Hand reflexartig in die Höhe.

„Sag bloß!“, sagt er. „Du bist unter die Tagebuchschreiber gegangen?“

„Her damit!“, knurre ich und sehe ihn so böse an, wie ich irgendwie kann.

Er zieht die Augenbrauen hoch. „Wie heißt das kleine, zweisilbige Wort?“

„Sofort!“, sage ich und kneife die Augen zu schmalen, gefährlichen Schlitzen zusammen. Zumindest hoffe ich, dass es gefährlich aussieht.

Er schüttelt den Kopf und grinst. „Nein, mit ‚b‘ fängt es an!“

„Bisschen plötzlich!“

„Zu viele Silben“, meint er und schüttelt nur mitleidig den Kopf.

Ich springe in die Luft und greife nach dem Buch, komme mir dabei extrem dämlich vor, aber Daniel hält es knapp außer Reichweite. Waren wir nicht eben noch gleich groß? Auf einmal scheint er fast einen Kopf größer zu sein als ich. Ich zerre an seinem Arm und komme mir dabei noch dämlicher vor, aber langsam werde ich ärgerlich. Warum gibt er es mir nicht wieder, verdammt noch mal? Früher hätte er das nicht gemacht, früher hätte er das gar nicht gekonnt, da war ich nämlich stärker als er, oder mindestens gleich stark. Aber jetzt sind in dem Arm, an dem ich zerre, auf einmal Muskeln, gegen die ich nicht ankomme und …

Mir wird plötzlich etwas klar. Seine blauen Augen blitzen zwischen den sonnengebleichten Haarsträhnen, und der eine etwas schiefe Eckzahn, der sich aus seinem Grinsen hervorschiebt, verrät mir, dass er ziemliche Mühe hat, nicht laut loszulachen. Er macht das aus keinem anderen Grund als dem, dass er es kann! Jetzt werde ich aber richtig wütend, tue so, als wollte ich noch mal nach dem Tagebuch greifen, bücke mich blitzschnell, zerre an seinem Fuß und gebe ihm gleichzeitig einen ordentlichen Schubs. Damit hat er nicht gerechnet! Er gerät aus dem Gleichgewicht und fällt rücklings auf sein Bett. Bevor er sich noch richtig gefangen hat, knie ich auf seinen Oberarmen und schnappe mir mein Buch. Sekunden später hat er den Spieß oder vielmehr: mich wieder umgedreht und hält einen meiner Arme auf dem Rücken fest. Ich trete ihn gegen’s Schienbein, er schnappt meine Handgelenke, erwischt nur eines, mit der anderen Hand greife ich nach seinem Ohr und zerre daran ich kreische und kichere, er lacht und flucht abwechselnd, und es ist wie eine dieser Raufereien, als wir sieben oder acht waren, bis zu dem Moment, als er sich aufs Bett fallen lässt und keucht: „Aus. Gnade. Ich ergebe mich.“ Ich habe mich im selben Moment auch fallen lassen, mein Gesicht zu ihm gedreht, und seine Lippen haben gerade so irgendwie meine Nasenspitze berührt, als er gesprochen hat. Und nun liegen wir Nasenspitze an Nasenspitze, und plötzlich ist nichts mehr so, wie es war, als wir sieben oder acht waren. Und mein Herz klopft viel zu laut, und ich sehe in seinen Augen, dass er es auch gemerkt hat. Ich räuspere mich und setze mich auf, schiebe hastig die Träger meines Tops zurecht, die verrutscht sind und ein paar Zentimeter geblümten BH freigegeben haben. Mein Blick fällt auf das Tagebuch, das neben dem Bett unbeachtet und vergessen auf dem Boden liegt, ich strecke mich, greife danach und werfe es in die ungefähre Richtung meiner Tasche. Wir wissen beide, dass Daniel es sowieso nie lesen würde.

„Also“, sage ich und beginne, die Videos aufzuheben, die bei unserer Balgerei fast alle auf dem Fußboden gelandet sind. Ich finde die richtige DVD und halte sie in die Höhe: „Napoleon Dynamite?“

Er grinst, nimmt die DVD aus der Hülle und schiebt sie in den Player seines Laptops.

„Unbedingt!“

Wir kuscheln uns unter die Patchworkdecke, die schon auf seinem Bett liegt, seit ich ihn kenne, und während die genialen Opening Credits des Films laufen, habe ich noch Zeit, mich kurz über mich selbst zu ärgern. Drei Wochen ohne unseren Dienstag, na und? Was soll das schon ändern? Gar nichts ändert sich! Wir sind immer noch Rosa und Daniel, richtig? Alles ist cool, alles ist wie immer. Es ändern sich schließlich schon genug Dinge. Daniel rückt sein Kissen zurecht, dabei streift seine Hand meinen nackten Arm. Sekunden später spüre ich die Stelle immer noch ganz leicht vibrieren, als ob er eine hochtechnisierte Markierung auf meiner Haut hinterlassen hätte. Ich habe das Gefühl, dass er mich kurz ansieht, so als hätte er auch etwas bemerkt, aber ich starre einfach geradeaus auf den Bildschirm. Alles ist wie immer, sage ich mir innerlich vor wie ein Mantra, alles ist wie immer, hör auf, aus ein paar Mücken eine Elefantenherde zu machen.

Am nächsten Morgen gehen die Elefanten zum Angriff über.

Und ich meine gar nicht meine Mutter, die nur wortlos die Lippen aufeinandergepresst hat, als wir einander auf der Treppe begegnet sind. Wahrscheinlich hat sie, als sie nachts heimgekommen ist, noch in mein Zimmer geschaut. Jedenfalls ist ihr klar, dass ich bei Daniel übernachtet habe.

Hab mich nur mit einem Achselzucken und einem kurzen „Morgen“ an ihr vorbeigedrückt.

Ich meine auch nicht Frau Strehle, die gerade dabei war, ihr Bettzeug zum Auslüften auf den Balkon zu hängen, als ich aus Daniels Fenster geklettert bin, und die mit einem überdeutlichen Kopfschütteln unmissverständlich ihre Meinung zu meinem schändlichen Verhalten ausgedrückt hat.

Nein, ich meine Iris und Daisy, meine besten Freundinnen. Und es trifft mich unvorbereitet, als Iris auf dem Sattelplatz nach einem kurzen Morgenausritt damit rausplatzt.

„Sag mal, Rosa“, fragt sie in ihrer gewohnten Direktheit, „was ist eigentlich mit dir und Daniel?“

Augenblicklich werde ich rot bis zu den Haarwurzeln. als hätte ich etwas zu verbergen.

„Was soll sein?“, frage ich möglichst desinteressiert und bücke mich, um Sokrates’ Hufe auszukratzen.

Ich schiele dabei ein bisschen nach oben, sodass ich mitkriege, wie Daisy und...



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