Schorm / Weigand | DIE ZUKUNFT IM BLICK | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 396 Seiten

Schorm / Weigand DIE ZUKUNFT IM BLICK

Rainer Erler zum 90. Geburtstag

E-Book, Deutsch, 396 Seiten

ISBN: 978-3-95765-765-7
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mehr als vierzig Spielfilme für Fernsehen und Kino, produziert in über 30 Ländern, vierzehn Romane, zwei Dutzend Erzählungen und Kurzgeschichten, fünf Bühnenwerke - stets zeitlos aktuelle, außergewöhnliche, mitunter provozierende und kontroverse Themen. Gesellschaftskritische Filmkomödien, darunter die Klassiker »Seelenwanderung«, »Orden für die Wunderkinder«, »Endkampf«, »Die Halde« und »Ein Guru kommt«, die Kultfilme »Fleisch«, Die letzten Ferien, »Die Quelle«. Die Polit-Thriller »Plutonium«, »Reise in eine strahlende Zukunft« und das SF-Psychodrama »Operation Ganymed«. Die legendäre fünfteilige Science-Thriller-Reihe »Das Blaue Palais«, zukunftskritisch und von der Realität bereits - fast - eingeholt, was Rainer Erler das Prädikat prophetisch einbrachte - und 27 Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Film- und Fernsehfestivals, dazu vier Literaturpreise. Für sein Lebenswerk erhielt Rainer Erler den Metropolis-Preis der deutschen Film- und Fernsehregisseure, den Deutschen Fantasy-Preis und das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In diesem Buch würdigen bekannte Personen der deutschen Science-Fiction- und Literaturszene Rainer Erler und sein Werk anlässlich seines 90. Geburtstag. Und als besondere Perle: das vollständige Drehbuch zum Film »Operation Ganymed«.

Horst Rainer Erler (* 26. August 1933 in München) ist ein deutscher Schriftsteller, Regisseur und Filmproduzent. Rainer Erler gilt als bedeutender Macher deutscher Science-Fiction-Filme und von Science Fiction im Fernsehen sowie Begründer des Subgenres Science-Thriller (brisante gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Themen werden spannungsreich präsentiert). Erlers Filme befassten sich oft mit brisanten gesellschaftlichen Themen wie Kernenergie, Atommüll, Ethik in der wissenschaftlichen Forschung, Genmanipulation oder Organhandel. Viele Filme provozierten bei Ausstrahlung kontroverse Reaktionen. Zurückblickend lassen sich viele von Erlers Filmen als weitsichtig, fast prophetisch bezeichnen.
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Weitere Infos & Material


Jörg Weigand: ›Ich möchte das Bewusstsein der Leute verändern …‹
Ein Interview mit dem Regisseur Rainer Erler
    Herr Erler, auch wenn Sie ihre eigenen Filme und Bücher »Science Thriller« nennen, so werden Sie doch von den Fans unter die Science-Fiction-Autoren gerechnet; ich selbst möchte Sie auch dazu zählen. Welche Definition für SF haben Sie? Darf ich eine Definition meiner Arbeit bringen? Da wir von dieser Sekunde an nur noch in der Zukunft leben, interessiert mich diese ganz besonders. Wenn dann bei der kritischen Beschäftigung mit der Zukunft Science-Fiction herauskommt, ist es mir recht.   Die moderne Entwicklung der SF zeigt eine Abwendung vom rein Naturwissenschaftlich-Technischen hin zu mehr geisteswissenschaftlich-philosophisch-theologischen Problemen. Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang Ihre Arbeit? Mein nächster Film heißt »Ein Guru kommt«, die Geschichte einer Sektengründung. Ein drittklassiger Opernsänger gründet eine Religionsgemeinschaft und füllt damit eine große Marktlücke aus. Es ist natürlich die Frage, ob diese Komödie nun SF ist. Ich meine aber, im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang könnte man sie fast dazurechnen. Bei meinen anderen Filmen, angefangen bei der »Delegation« – dem ersten »Science Thriller« aus meiner Produktion – ging es mir ja nicht darum, wie intelligente Wesen von einem anderen Planeten hier gelandet sein könnten; es ging mir darum, wie eine Begegnung mit diesen Wesen aussehen könnte und wie man dem Publikum klarmachen kann, dass unser Alleinvertretungsanspruch gegenüber der Schöpfung als vermeintlich einzige intelligente Spezies im Kosmos absurd ist. Deswegen habe ich den Film gedreht und versucht, möglichst viele Aspekte – gesellschaftlicher, soziologischer, philosophischer, theologischer Natur – in diesem Film unterzubringen.   So, wie Sie das hier erklären, ergibt sich ein ungeheurer Anspruch und Hintergrund Ihrer Filme. Nun ist aber auf der anderen Seite SF Unterhaltung, soll Unterhaltung sein, wird vor allem in den angelsächsischen Ländern als reine Unterhaltung verstanden. Haben Sie von daher nicht mit Schwierigkeiten zu rechnen, wenn Sie Ihre Filme ins Ausland verkaufen wollen? In Amerika gibt es, was Filme betrifft, einen schönen Spruch: »Wenn du eine Botschaft hast, dann geh bitte aufs Telegrafenamt!« Das sagen die Filmleute, und sie wollen damit erst einmal alles loswerden, was aus Europa kommt. Was aus Europa kommt, ist immer verdächtig, ist etwas zu tiefschürfend, stellt Analysen über unsere Gesellschaft her und bringt gar philosophische Aspekte ein. Also, das stimmt natürlich nur zum Teil. Im Grunde genommen mache ich Filme für ein Millionenpublikum, denn ich drehe sie ja in Koproduktion mit dem Fernsehen und für das Fernsehen. Infolgedessen muss ich natürlich daran denken, dass ich mich verständlich ausdrücke, also nicht nur für den Cineasten Filme drehe. Das zweite ist, dass ich unterhaltsame, spannende Filme mache; daher auch mein Hang zur drastischen Dramaturgie, denn das ist ja nichts weiter als angewandte Psychologie: Wie bringt man Leute dazu, einer Haltung oder dem Schicksal irgendwelcher Figuren zu folgen? Das dritte, auch in der Reihenfolge, ist, dass man eine Botschaft hat, dass man mit diesem Film etwas sagen will, und sei es auch nur eine Warnung, dass der bisher eingeschlagene Weg eigentlich ins Leere, in die Katastrophe geht.   Fühlen Sie sich dabei als Prophet? Als Prophet nicht, eher als Warner. Ich möchte nicht den Leuten irgendwelche Lösungen vorgaukeln, die ich nicht kenne. Ich möchte eigentlich nur dem Zuschauer das Denken angewöhnen. Ich möchte das Bewusstsein der Leute verändern, dass sie bereits in kleinen Anzeichen genügend Schrecken und Horror erkennen, der über sie hereinbrechen kann, wenn sie nicht selber eingreifen und stoppen.   Der Anspruch der frühen SF war die Prognostik, d. h. Möglichkeiten der Zukunft wahrheitsgemäß vorhersagen zu können. Wie groß ich Ihr prognostischer Anspruch? Bei der Reihe »Das Blaue Palais« empfinde ich diesen Anspruch als gerechtfertigt, denn wir haben ja einige Wissenschaftsgebiete abgedeckt: etwa die Biochemie; oder denken Sie an die Möglichkeit, das Altern zu stoppen – ewiges Leben; oder Laserstrahlen als Lösung des Energieproblems, gleichzeitig aber auch als gefährliche Waffe; oder die Übertragung von Gedächtnismolekülen in dem Buch »Das Genie«. Und schließlich: Parapsychologie, indem wir zeigen, wie Wissenschaftler versuchen, dieses Phänomen in den Griff zu bekommen, was aber im Film – im Buch natürlich ebenso – nicht gelingt. Also. Ein bisschen Prognostik ja; auf der anderen Seite: Es sind ja gar nicht mehr so sehr utopische Filme, sondern es sind futuristische Filme, die sich also mit der Zukunft durch Extrapolieren der Gegenwart beschäftigen.   Ich möchte das Thema gern noch von einer anderen Seite angehen: Wie fiktiv, man könnte auch sagen – wie realistisch sind Ihre Filme? Ich hoffe, meine Filme sind fiktiv. Ich hoffe, dass »Fleisch« fiktiv bleiben wird, dass nicht Leute gejagt werden und ihre Nieren, Lebern und Herzen einbüßen, nur weil andere halt sehr viel Geld dafür bezahlen. In diesem Fall hoffe ich, dass der Film Fiktion bleiben wird, allein dadurch, dass ich jetzt zeige, was passiert, wenn ein Markt an lebenswichtigen Gütern plötzlich beengt ist, wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot und dadurch der Vorgang kriminalisiert wird. Dieser Horror, den wir in unserem Film zeigen, wird nicht passieren – hoffe ich.   Können Sie eigentlich in einem Film all das aussagen, was Sie ausdrücken wollen – etwa im Vergleich zum Buch? Nein, denn ein Buch bietet eine Beschreibung, ein Film dagegen liefert eine Darstellung. Erstens einmal ist ein Roman grundsätzlich wesentlich länger als die Handlung eines Films. Ich könnte beispielsweise aus dem Roman »Fleisch« einen sechs- oder siebenstündigen Film machen, den kauft mir aber keiner ab. Es ist also so, dass die meisten Nebenaspekte auf der Strecke bleiben, wenn man einen Film dreht. Ich halte das Bücherschreiben für eine sinnvolle Ergänzung des Filmemachens und umgekehrt.   Wo liegt für Sie der besondere Stellenwert des SF-Films, auch in technischer Hinsicht, im Vergleich zum Roman, zur Erzählung? Der Schriftsteller hat alle Möglichkeiten, die einzige Grenze ist eigentlich die Grenze der Fantasie. Der Film hat in jedem Fall sehr große Barrieren; technisch wie wirtschaftlich sind hier deutliche Grenzen gesetzt. Ich behaupte sogar, dass die besten SF-Romane überhaupt nicht verfilmt werden können, weil dieses Maß an Fantasie nicht fotografisch bzw. filmisch darstellbar ist. Als Beispiel: »Solaris« von Stanislaw Lem ist zwar verfilmt worden, doch die Verfilmung gibt mir recht, wenn ich behaupte: Dieser Roman ist nicht verfilmbar. Für einen der besten deutschen SF-Romane halte ich die »Zone Null« von Herbert W. Franke; aber auch dieser Roman ist absolut unverfilmbar, selbst wenn wir alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen, die uns oder auch Hollywood zur Verfügung stehen. Dinge, die sich in der Fantasie des Autors – und des Lesers – abspielen; Dinge, die sich nur durch einen extremen technischen Aufwand realisieren lassen; Dinge, die auf anderen Planeten spielen – ihre Verfilmung ist immer nur mit Kompromissen machbar. Was sich anbietet, ist auf jeden Fall der SF-Film, der Konflikte zwischen Menschen abhandelt, und – ob das hier in der Gegenwart oder in der Zukunft spielt, ist vollkommen gleichgültig – auch der SF-Film, der mit den Versatzstücken der Gegenwart eine Zukunft entstehen lässt. Ich habe das im »Blauen Palais« versucht: Nehmen Sie die verfallene Fassade des Gebäudes, hinter der nur der Geist weiter voranschreitet oder auch in die Irre geht. In meinen Filmen finden Sie viel davon.   Also sehr symbolträchtige Filme. Ist da nicht die Grenze zum Kitsch leicht überschritten? Das muss ich den Kritikern überlassen; da habe ich keine Ahnung.   Wie kommen Sie zu den Themen Ihrer Filme? Indem ich mich zum Beispiel in wissenschaftlichen Zeitschriften informiere: Wohin geht ein bestimmter Trend in einem bestimmten Wissenschaftsgebiet?   Man könnte sagen: Der durchschnittliche SF-Fan ist der typische Halbgebildete, der SF-Gläubige. Für wen drehen Sie eigentlich Ihre Filme? Ich mache sie an sich für Gebildete und Ungebildete, denn der Gebildete wie der Ungebildete lernt gerne dazu; beide sind neugierig und erfahren gerne mehr. Der Halbgebildete kann mit diesen Filmen natürlich am allerwenigsten etwas anfangen, weil der das Gefühl hat, er weiß eigentlich sowieso schon alles, und sich nur sehr ungern belehren lässt.   Wenn Sie einen Film drehen, wie eng halten Sie sich an das vorgegebene Konzept?e Ich habe immer ein sehr genaues und konkretes Konzept und versuche, es zu realisieren. Da ich aber ein so genaues Konzept habe, bin ich immer in der Lage, zu improvisieren und neue Wege einzuschlagen, die mir sinnvoller erscheinen.   Ihr erster »Science Thriller«-Film, »Die Delegation«, entstand zu einer Zeit, da Erich von Däniken noch nicht die große Berühmtheit war; man kannte vielleicht Robert Charroux und einige andere. Warum haben Sie damals diesen Film gemacht? Inwieweit gibt es einen Konnex mit der Zeitgeschichte, sozusagen als Humus, auf dem Ihr Film gewachsen ist? Der Film »Die Delegation« entstand vom Manuskript her im Jahre 1968. Das war eine Zeit des...


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