E-Book, Deutsch, Band 5007, 200 Seiten
Reihe: Raumschiff Promet - Von Stern zu Stern (Science-Fiction-Abenteuer)
E-Book, Deutsch, Band 5007, 200 Seiten
Reihe: Raumschiff Promet - Von Stern zu Stern (Science-Fiction-Abenteuer)
ISBN: 978-3-95719-497-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Autoren/Hrsg.
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Teil II – Kaperfahrt
Notruf Das Erwachen nach der Transition war nach wie vor gewöhnungsbedürftig, doch immerhin deutete nichts darauf hin, dass irgendetwas schiefgegangen war. Wie immer dauerte es etwas, bis alle Besatzungsmitglieder auf dem Posten waren, doch nach Peets Gefühl verkürzte sich diese Phase der Erholung jedes Mal ein wenig mehr. Vielleicht würde es irgendwann möglich sein, den Durchgang durchs Parakon mal ohne Ausfallerscheinungen zu überstehen. Dieses fremde Kontinuum, in dem die Promet sich während des Sprunges in Nullzeit bewegte, war nach wie vor ein Rätsel. Man nutzte es, auch wenn man es nicht verstand. Immerhin waren die Schmerzen seit der technischen Manipulation des Chirr verschwunden. Mehr als ein vages Unbehagen war nicht mehr feststellbar, doch es dauerte immer noch einige Zeit, um sich vom Sprung durch das abstrakte Kontinuum zu erholen. Alle fühlten sich benommen. Es fiel ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Ein Sprung ohne Nebenwirkungen, das wäre mal was anderes. „Sind wir am berechneten Punkt?“, hörte man Jörn Callaghans Stimme krächzen. Ekka beugte sich über die Instrumente. Er verglich die Sprungparameter mit den aktuellen Messwerten. In der Nähe eines Planeten war eine Positionsbestimmung nicht allzu schwierig, aber eine exakte Ortsangabe war für den weiteren Kurs des Schiffes wesentlich. „Sieht gut aus.“ Ekka schob Dateien und Grafiken auf die Schirme des Piloten. „Mars ist genau dort, wo er sein sollte. Wir stehen etwas über der Ekliptik, aber das war gewollt. Eine Kollision mit irgendetwas, ob Frachter oder Asteroid, will ja wohl keiner.“ Er richtete sich auf. „Bahndaten bestätigt. Wir sind in der Höhe des Mars-Orbits, etwas hinter der aktuellen Position des Planeten. Die genauen Daten kannst du ablesen. Das war Maßarbeit.“ „Tak!“ Peet meldete sich. „Was machen meine Triebwerke?“ „Deinen Triebwerken geht’s gut. Hattest du was anderes erwartet?“ Peet nickte. „Das will ich doch schwer hoffen. Was ist mit den Deflektoren? Ist normaler Betrieb möglich, oder müssen wir uns huckepack nach Hause schleifen lassen?“ Das macht ihm zu schaffen! Vivien Raid versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie diese Tatsache amüsierte. Kein Mensch würde ihm das ankreiden oder seine Kompetenz infrage stellen, aber es geht ums Prinzip. Ein Kommandant will nicht irgendwohin geschleppt werden. Das wäre ehrenrührig! Tak prüfte gewissenhaft seine Anzeigen. „Die Deflektoren sind bisher stabil. Keine Anzeichen, dass die Ionisationsrate schwanken würde. Aber das muss ja nicht so bleiben. Trotzdem, ich denke, wir könnten’s riskieren.“ Peet lehnte sich zurück. „Gut. Das wollte ich hören. Wir werden nicht auf das Rendezvous mit einem Frachter warten, sondern die Heimreise sofort antreten. Wir geben Bescheid.“ Gus Yonker meldete sich. Sein Gesicht zeigte, dass er im Gegensatz zu Takkalainen keine guten Nachrichten hatte. „Wir haben enorme Störungen. Ganz in der Nähe gibt es eine gewaltige Quelle elektromagnetischer Strahlung. Außer Rauschen kommt nichts rein. Ich glaube nicht, dass wir durch dieses Störfeuer durchkommen.“ „Szer?“ „Ich bin schon dabei.“ „Jetzt!“, rief Yonker. „Da kommt doch was. Sieht nach einem Notruf aus.“ Er kniff die Augen zusammen. „Die Kennung ist unterbrochen. Nur Fragmente. Wenn ich raten müsste, würde ich auf einen alten Frachter tippen.“ „Einer von uns?“, Peet war alarmiert. „Vielleicht sogar der, der uns abschleppen sollte?“ Yonker schüttelte den Kopf. „Nein, bestimmt nicht. Das ist ein altes Schiff. Ein ziemlich altes Schiff. Offenbar war es schließlich für den Betrieb sogar zu alt.“ „Wie weit entfernt?“ Yonker zögerte. „Nicht sehr weit. Man müsste sogar was sehen können …“ „Szer, findest du was?“ „Ja. Ich hab’s. Ich leg das Bild auf den Hauptschirm.“ Vor aller Augen baute sich das Bild auf. Zu sehen war ein Asteroid, nicht sehr groß, den Angaben zufolge gerade einmal zwei Kilometer im Durchmesser. „Ein Asteroid? Hier?“ Jörns Stimme klang ungläubig. Ekka wandte sich ihm zu. „Das ist 5261-Eureka. Einer der bekannten Mars-Trojaner. Er umläuft die Sonne auf der Mars-Bahn, am Lagrange-Punkt 5. Die siderische Umlaufzeit beträgt, wenn ich das richtig im Kopf habe, 1,88 Jahre, die große Halbachse etwa 1,5 Astronomische Einheiten. Die Bahnneigung beträgt stolze 20,28 Grad gegen die Ekliptik. Dass wir ihn hier gerade finden, ist Zufall. Aber offenbar liegt unser Havarist im Schatten von 5261-Eureka. Ich nehme an, außer uns hört kein Schwein diesen Notruf.“ „Also los. Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Gibt’s einen Anhaltspunkt, wie lange der Ruf gesendet wird?“ Yonker verneinte. „Vielleicht ein rein automatisch aktiviertes Signal. Theoretisch kann das seit Tagen so sein, ohne dass es jemand mitkriegt. Der Frachter hängt wahrscheinlich in der Gravitation Eurekas fest. Die ist zwar winzig, aber reicht, um das Schiff am Treiben zu hindern. Oder am Entkommen, wenn die Triebwerke hinüber sind.“ „Wir werden nicht abgeschleppt. Wir schleppen selbst.“ * Ungewissheit Mein Gott, ich bin wirklich alt geworden. Harry T. Orell neigte üblicherweise nicht zu Anfällen von Melancholie, doch sein Anblick im Spiegel zeigte ihm die Wahrheit. Sein Haar war grau. Altersgrau. Egal, wie gut er sich gehalten hatte, wie fit er war, nichts führte an der wesentlichen Erkenntnis vorbei, dass er seinen Zenit überschritten hatte. Er befand sich auf dem langen Abstieg ins Nichts. Altwerden ist nichts für Feiglinge!, dachte er zynisch. Trotzdem war ihm klar, dass das Altern in seinem Fall längst nicht sein hässlichstes Gesicht zeigte. Er war verschont geblieben von Krankheiten, von Ausfallerscheinungen, die sich trotz modernster Medizin nicht abhalten ließen. Das biologische System des Menschen war optimierbar, das wusste er, doch alles, was man sich kaufen konnte, waren ein paar Jahre. Mehr nicht. Das Resultat war unabänderlich. Verfall. Tod. Vergessen. Was bleibt von mir?, fragte er sich. Was ist von anderen geblieben? Das Bild Priscillas erschien vor seinem inneren Auge. Sie war tot. Zwar nicht vergessen, doch die Anzahl der Menschen, die sich an sie erinnerten, wurde kleiner und kleiner. Irgendwann würde es so sein, als habe sie nie gelebt. Dieser Gedanke schmerzte beinahe mehr, als es der an ihren Tod tat. Peet wird bleiben, wenn alles gut geht, dachte der alte Firmenmagnat. Dabei wusste er sofort, dass er sich selbst belog. Auch Peet, wenn er all das überlebte, würde alt werden und sterben. Vanitas vanitatum et omnia vanitas! Alles ist eitel. Orell räusperte sich. Seine Unruhe bezog sich auf die Ankunft der Promet. Mein neuer Lieblingszustand … Ihm war klar, dass das borulsche Transitionstriebwerk alles verändert hatte. Darunter war die ausgedehnte Möglichkeit, sich Sorgen zu machen, nur ein unwesentlicher Punkt, doch der besaß für ihn persönliche Relevanz. Hatten sich Eltern in früheren Zeiten Sorgen darum gemacht, wenn der Sprössling nicht pünktlich zu Hause war, bezog sich dies meist nur auf die unmittelbare Umgebung. Doch nun hielt sich Peet immer häufiger in Entfernungen auf, die sogar den an große Zahlen gewöhnten Verstand des Unternehmers überforderten. 4,34 Lichtjahre bis Alpha Centauri. Das sind 40,678 Billionen Kilometer. Über 40 Billiarden Meter … da soll einer nicht verrückt werden. Aber es hat gerade erst angefangen. Es ist nur die Nachbarschaft. Peet und seine Freunde haben ein anderes Gespür für solche Entfernungen. Sie gehen spielerisch damit um. Das ist wahrscheinlich die beste Methode. Dafür bin ich zu alt. „Wo bleiben sie denn nur?“ Er widerstand dem Drang, sich einen Whisky einzugießen. Tat er das weiterhin in jeder vergleichbaren Situation, würde seine Leber bald Alarm schlagen. Voller Erleichterung hörte er den Summton, der ein Gespräch ankündigte. „Ja, Kelly?“ Die Stimme seiner Sekretärin klang gepresst. „Ich habe hier einen Anruf eines der Frachter, die im Bereich des Mars unterwegs sind. Er verlangt, Sie zu sprechen.“ „Was soll ich damit? Einer der Bereichsleiter soll sich darum kümmern.“ Kelly Stimme klang verändert. „Es … es könnte um … um die Promet gehen.“ Orell versteifte sich. „In Ordnung. Schalten Sie durch!“ Das Bild war miserabel. Störungen und eine Auflösung, die diese Bezeichnung kaum verdiente. „Wer sind Sie?“, rief Orell. „Was haben Sie für mich, das so wichtig ist?“ Der untersetzte Mann sprach gehetzt. „Nesbitt, von der HTO-66. Wir halten uns im Einflugsgebiet des Mars auf. Dabei haben wir eine Nachricht an die Zentrale der Space Police abgehört. Sie warten auf die Rückkehr der Raumjacht Promet?“ „Und?“ Nesbitt schluckte. „Die Ortung der Police hat eine gewaltige Explosion am Lagrange-Punkt 5 des Mars geortet. Wir richteten unsere Fernbeobachtung auf die genannten Koordinaten und waren in der Lage, dies zu verifizieren. Ein gewaltiger Fusionsprozess ist dort abgelaufen. Er ist...